Tipps bei Nähproblemen

Zur Vermeidung von Spam werden deine Posts vor Veröffentlichung von den Moderatoren geprüft, falls du Links verwendest.
  • Moin,

    eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte nur eine kurze Frage, aber so kurz war sie denn wohl nicht. :) Ich fasse es dann als allgemeinen Thread für Tipps bei Nähproblemen.

    Mein Anliegen für den Start:

    Habt ihr Tipps für Stoff-Längenschwund durch Nähte? Irgendetwas mache ich falsch.

    Das erste Mal habe ich es bemerkt bei einer Hängematte aus Hexon 1.6, die rechnerisch eine Länge von ca. 345 cm hätte haben müssen (Stofflänge minus Tunnelzug), real aber nur gut 335 hat. Jetzt geht es mir bei einem Mini-Tarp aus Xenon .9 so, bei dem ich aus einer Stofflänge von 335 nach dem Nähen der Firstnaht noch ca. 325cm habe. Der Stoff an den Nähten ist auch leicht gekräuselt.

    Was ich jetzt mit dem Xenon .9 probiert habe:

    Verringern der Stichlänge,

    Wechseln von 90er auf 80er Mikrotex-Nadel (Faden ist Alterfil S80),

    Geradeausstichplatte,

    Verringern der (Unter-) Fadenspannung.

    Letzteres könnte etwas bewirkt haben, allerdings habe ich keine lange Naht mehr gesetzt, so dass ich die Auswirkung messen könnte. Wenn ich mit der Fadenspannung so weit runtergehe, dass das Kräuseln der Naht schwächer wird, liegt aber der Unterfaden nicht mehr eng am Stoff.

  • 10cm auf eine derartige Länge ist natürlich ganz schön happig.

    Beim genannten Hexon 1.6 und 1.7 hab ich fast gar keinen Schwund.

    Anders sieht das bei ganz feinen Stoffen wie 15D Nylon aus, was ich für einen Daunenquilt verwendet habe. Dort habe ich beim vernähen von gesäumten Lagen auch immer den Stoff erst wieder auseinandergezogen und vorher festgesteckt, damit ich nicht verrutsche. Der Stoff hatte fast so etwas wie eine elastische Kante dann.

    Was hast du denn für eine Maschine? Bei meiner und vielen anderen ist die Unterfadenspannung fest eingestellt und nur die Oberfadenspannung kann reguliert werden.

    Vielleicht hat jemand Erfahrungen mit dem Faden? Habe bei ExTex gelesen, dass er irgendwie speziell behandelt ist. Wenn man ihn bügelt versiegeln die Nähte sich. Als Nadelstärke wird 90-120 empfohlen, was mich stutzig gemacht hat.

    Hast du auch andere Fäden da? Vielleicht ist das der Übeltäter? Ich habe bisher immer Gütermann Mara 70 (Hexon 1.6) und 120 (15D Nylon) verarbeitet.

  • Danke dir!

    Interessant, dann ist das also zumindest bei ganz dünnen Stoffen bei dir auch so.

    Was hast du denn für eine Maschine? Bei meiner und vielen anderen ist die Unterfadenspannung fest eingestellt und nur die Oberfadenspannung kann reguliert werden.

    Eine alte Privileg Nutzstich, dem Koffer nach 70er Jahre. Die Unterfadenspannung kann man an den Spulenkapseln verstellen.

    Hast du auch andere Fäden da? Vielleicht ist das der Übeltäter?

    Guter Tipp! Ich habe zwar nichts taugliches da, Gütermann ist aber hier in Läden recht gut vertreten. Das müsste zu finden sein.

  • Bei dünnem und/oder rutschigem Stoff versuche ich ihn beim Nähen vor und hinter der Nähmaschine mit den Händen leicht auf Spannung zu halten, damit er sich nicht so weit verkürzt. Wenn ich die Nachführung dann nicht sauber hinkriege ist die Stichlänge nicht immer akkurat gleich lang, das hat mich bisher aber noch nicht gestört.

    Das klappt aber auch mal mehr und mal weniger gut - ob ich da manchmal schlechter agiere, oder ob andere Faktoren entscheidend sind habe ich noch nicht durchblickt.

  • Bei dünnem und/oder rutschigem Stoff versuche ich ihn beim Nähen vor und hinter der Nähmaschine mit den Händen leicht auf Spannung zu halten, damit er sich nicht so weit verkürzt.

    Das mache ich auch so. Geht bei den Hexon Stoffen auch recht gut, weil sie recht griffig sind. Bei den ultraleichten Nylons ist das schwieriger.

    • Offizieller Beitrag

    Sind denn die Säume zusammen gezogen? Wenn so viel Länge tatsächlich durch ein Zusammenziehen des Saumes verloren geht, müsste das deutlich zu sehen sein. Da müsste die Hängematte am Saum ein bisschen wie ein Rock am Bund aussehen.

    Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass man die Endlänge nicht exakt berechnen kann. Mit der Zeit habe ich die Maße einfach durch Versuch und Irrtum ermittelt. Bei einer Tunnelzug-Hängematte mache ich beispielsweise die Tunnel je 4,5 cm breit. Die Saumzugabe liegt bei ca. 0,7 cm. Wenn ich eine 335 cm lange Hängematte nähen will, müsste ich rein rechnerisch also ca. 346 cm Stoff zuschneiden. In der Realität sind es aber 350 cm. Wobei die Endlänge dann immer noch etwas variieren kann, aber 335 cm zumindest nicht unterschreitet.

    Natürlich setzt die ganze Rechnerei voraus, dass du den Stoff zuverlässig gleich vermisst. Gerade dünne Stoffe dehnen sich leicht. Das heißt du denkst vielleicht, du hast 350 cm abgeschnitten, aber eigentlich hast du den Stoff beim messen um ein paar Zentimeter gedehnt. Der Saum den du nachher misst dehnt sich jedoch nicht mehr.

    Unter Umständen ist es auch eine Kombination von Faktoren, inklusive der Fadenspannung. Ich kenne das Alterfil S80 nicht, aber wenn es ähnlich dick wie das Gütermann Mara 70 oder sogar dicker ist, musst du die Unterfadenspannung anpassen. Bei den Haushaltsmaschinen ist die Unterfadenspannung auf normale Garne (z.B. Gütermann Allesnäher bzw. Mara 100) eingestellt. Wenn das Garn deutlich dicker ist, klemmt es zu stark. Um beim Garnwechsel nicht immer an der Spulenkapsel herumschrauben zu müssen, habe ich mir deshalb für jede Garnstärke die ich (häufig) benutze eine eigene Spulenkapsel zugelegt. Im Handbuch für deine Nähmaschine müsste beschrieben sein, wie fest die Unterfadenspannung eingestellt sein sollte. Normalerweise solltest du die Spulenkapsel mit eingelegter Spule am Faden hoch halten können, ohne dass der Faden sofort abrollt. Aber wenn du die Kapsel sachte wie ein Jojo bewegst, sollte der Faden bei jedem Ruck ein paar Zentimeter abrollen. Wenn du richtig fest ziehen musst, ist die Spannung zu hoch.

    Bei der Nadelstärke würde ich mich im Zweifelsfall auch auf die Empfehlung des Garnherstellers verlassen. Wobei ich beim Mara festgestellt habe, dass ich auch eine Stufe runter gehen kann, ohne dass es hakt.

  • Danke erst mal allen!

    Bei dünnem und/oder rutschigem Stoff versuche ich ihn beim Nähen vor und hinter der Nähmaschine mit den Händen leicht auf Spannung zu halten, damit er sich nicht so weit verkürzt.

    Habe ich jetzt bei dem Xenon probiert, allerdings mit eher kräftiger Spannung. Das Ergebnis sieht zwar nicht besser aus als vorher, aber ich konnte (bei 80cm Länge) keinen Verlust nach dem Nähen messen. Das ist schon mal eine Verbesserung.

    Sind denn die Säume zusammen gezogen? Wenn so viel Länge tatsächlich durch ein Zusammenziehen des Saumes verloren geht, müsste das deutlich zu sehen sein. Da müsste die Hängematte am Saum ein bisschen wie ein Rock am Bund aussehen.

    Bei der Hängematte ist nur etwas zu sehen, wenn ich genau hinsehe. Beim Xenon ist es klar zu erkennen.

    Die Unterfadenspannung habe ich so eingestellt, wie du schreibst, allerdings erst nach der Hängematte. Bei der Hängematte könnte es also gut eine Kombination sein: Etwas zu hohe Fadenspannung und mysteriös-unberechenbare Allgemeinverluste. Ich glaube auch nicht, dass ich den Stoff beim Nähen gestrafft habe. Das probiere ich bei der nächsten.

    (Off topic: Als ich in diesem Forum angefangen habe, wusste ich sicher, dass ich niemals mehrere Hängematten haben möchte... :rolleyes:)

    Beim Xenon .9 müsste die (Unter-)Fadenspannung gestimmt haben. Gestrafft habe ich bei den langen Nähten (noch) nicht, dafür habe ich einen Obertransportfuß verwendet. Wird aber bei einem anderen Fuß nicht anders.

    Ein Messfehler ist es sicher nicht. Ich habe die Länge nach dem Schneiden gemessen und seitdem auch immer wieder an Stoffabfällen Lösungsversuche probiert.

    Bisher ist also ein Lösungsansatz das Straffen des Stoffs beim Nähen. Gütermann probiere ich aus, wenn ich es habe. Außerdem frage ich mich, ob ich für ein relativ kleines Tarp aus diesem sehr leichten und dehnbaren Stoff wirklich ein 80er Garn brauche oder lieber ein 120er mit einer deutlich dünneren Nadel nehme. An sich müsste das doch genügen? Eine dünnere Nadel würde den Stoff beim Einstechen und Herausziehen weniger mitnehmen?

    (Off topic 2: ... und definitiv nicht mehrere Tarps. <X)

  • Außerdem frage ich mich, ob ich für ein relativ kleines Tarp aus diesem sehr leichten und dehnbaren Stoff wirklich ein 80er Garn brauche oder lieber ein 120er mit einer deutlich dünneren Nadel nehme. An sich müsste das doch genügen? Eine dünnere Nadel würde den Stoff beim Einstechen und Herausziehen weniger mitnehmen?

    Ja dünneres Garn reicht locker denke ich und würde ich auch empfehlen. Würde das 0.9 Xenon auch eher mit einem 120er und ner 70er Microtexnadel nähen. Was mir grade kommt: Ist ja ein Silpoly, vielleicht verhält sich das auch nochmal anders als unbeschichtetes Nylon.

    • Offizieller Beitrag

    Sofern die Naht keine Last trägt (Säume an den Seiten), kannst du auch ein dünnes Garn verwenden. Für die Ridgeline und die Tie-Outs würde ich aber eine Garnstärke verwenden, die der Belastung gewachsen ist.

  • Danke euch nochmals für eure Hilfe!

    Das 120er Garn mit der 70er Nadel scheint zu funktionieren. Wenn ich den Stoff vor dem Nähfuß leicht auf Spannung halte, kann ich bei 80cm Teststrecke keinen nennenswerten Verlust mehr feststellen. Dafür musste ich bei den 80er-Garn-Versuchen heftig ziehen.

    Für die Tie-Outs nehme ich 80er Garn. Das sind ja kurze Nähte. Für die Ridgeline würde ich das 120er Garn mit ca. 2mm Stichlänge nehmen und die Mischung aus französischer und Kappnaht nähen, die z.B. DIY Gear Supply beschreibt. Wenn ich die Zugkräfte an der Ridgeline richtig verstehe, tragen drei Nähte längs und zwei quer. Die Reißfestigkeit des S 120 ist mit 1.200cN angegeben. Ich kenne zwar die Kräfte nicht, die bei einem Tarp wirken, denke aber, dass das bei einem kleinen Asym-Hex-Tarp (das wird das nächste) reichlich Sicherheitsabstand ist, so lange es nicht stürmt.

    Um beim Garnwechsel nicht immer an der Spulenkapsel herumschrauben zu müssen, habe ich mir deshalb für jede Garnstärke die ich (häufig) benutze eine eigene Spulenkapsel zugelegt.

    Den Tipp fand ich schon super, als ich ihn das erste Mal gelesen habe. Nachdem ich jetzt für das 120er Garn ziemlich herumfummeln musste, bis die Spannung gepasst hat, finde ich ihn noch besser. :)

    Einmal editiert, zuletzt von UliD (7. Februar 2022 um 23:07) aus folgendem Grund: Klarere Formulierung

    • Offizieller Beitrag

    Das 120er Garn mit der 70er Nadel scheint zu funktionieren.

    120er ist schon sehr dünn. Das würde ich wirklich nur für unbelastete Säume benutzen.

    Für die Ridgeline würde ich das 120er Garn mit ca. 2mm Stichlänge nehmen

    Ich würde mindestens 2,5 mm Stichlänge nehmen. 2 mm ist sehr dicht.

    Konntest du die Unterfadenspannung nicht richtig einstellen? So schwer sollte das eigentlich nicht sein.

  • 120er ist schon sehr dünn. Das würde ich wirklich nur für unbelastete Säume benutzen.

    Danke... Schade, ich hatte gehofft, mit dem dünnen Garn hätte ich die Lösung für meine Probleme mit dem Verkürzen des Stoffs. Dann werde ich doch schauen, dass ich ein anderes Garn als das Alterfil probiere.

    Vielleicht noch ein Versuch: Beim Nähen Seidenpapier unterlegen. Aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass es das sein soll...

    Konntest du die Unterfadenspannung nicht richtig einstellen? So schwer sollte das eigentlich nicht sein.

    Doch, das ging schon, hat aber etwas gedauert. Beim Einstellen der Unterfadenspannung für das 120er Garn - wie oben beschrieben - ließ sich der Oberfaden noch aus der Naht ziehen. Mir fehlt noch die Erfahrung, um so etwas schnell hinzukriegen.

  • Das wäre wahrscheinlich der sinnvolle nächste Schritt. Den darf der Nachbesitzer meiner Maschine gehen... Ich habe schon länger mit einer Maschine geliebäugelt, die etwas Abstufungen zwischen Stillstand und Vollgas hat, und die Nähte haben mir jetzt die letzte Ausrede geliefert, die ich noch für eine neue Maschine gebraucht habe.

  • Um beim Garnwechsel nicht immer an der Spulenkapsel herumschrauben zu müssen, habe ich mir deshalb für jede Garnstärke die ich (häufig) benutze eine eigene Spulenkapsel zugelegt.

    Danke für die Anregung, habe ich jetzt auch gemacht. Habe nun Spulenkapseln für 50er, 80er und 100er Garn. Und eine für alles Andere. Gibts für 9,90 bei

    und die laufen einwandfrei.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!