Zing-it als Aufhängung z. B. Whoopie Sling nicht geeignet?

In einem der letzten großen Datenlecks waren wohl auch Accounts von Foren, in denen einige von euch Mitglied sind, enthalten. Das Hängemattenforum selbst ist nicht betroffen, jedoch solltet ihr gegebenenfalls eure Passwörter ändern und 2-Faktor-Authentfikation einschalten.

Fragen könnt ihr gerne in diesem Thread stellen. Dort findet ihr auch weiterführende Links.

  • Ahoi,


    Ich habe jetzt schon paar mal gelesen das Zing-It nicht für die Aufhängung genommen werden soll, sondern ab 2,5mm...


    Ich hab nur noch keine Begründung dafür gefunden.

    Ich verstehe das ganze auch nicht so richtig.

    Zing-It hat eine Bruchlast von 230Kg...

    Warum soll das denn nicht mit meinen 85Kg als Aufhängung verwendet werden können?

    Selbst erhöhte Belastung durch schaukeln müsste es doch bei einem Sicherheitsfaktor von 2,7 easy aushalten.

    Ein todesmutiger Test von mir hat das auch ergeben, was aber natürlich kein Langzeittest ist.


    Helft mir da mal bitte auf die Sprünge.


    Grüße

    Rocketman

  • Man kann alles machen, wenn man weiß, was man tut. Zum Beispiel bei Rot über die Kreuzung fahren oder die Hängematte mit Zing-It aufhängen. Niemand wird es empfehlen, obwohl es manchmal / meist funktioniert.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Ein Sicherheitsfaktor von 2,7 ist nicht besonders viel. Bei einem Hängewinkel von 20° werden aus 85 kg mal eben 124 kg. Und schon ist der Sicherheitsfaktor nur noch 1,9. Wenn die Leine nicht mehr ganz frisch ist, und du dich mal nicht sanft in die Hängematte setzt, bist du schnell am Limit. Die Frage ist also vielmehr: warum sollte man so knapp rechnen? Welche Vorteile hat das? Und wiegen die Vorteile die Nachteile auf? Für mich nicht. Aber hang your own hang. Oder fall your own fall ;)

  • Man kann alles machen, wenn man weiß, was man tut. Zum Beispiel bei Rot über die Kreuzung fahren oder die Hängematte mit Zing-It aufhängen. Niemand wird es empfehlen, obwohl es manchmal / meist funktioniert.

    Die Antwort befriedigt mich jetzt nicht.

    Das viele es nicht empfehlen, ist mir ja bekannt... Aber warum?

    Selbes Prinzip mit der Ampel... Nachts 0 Uhr nackig halte ich auch nicht an ner gut einsehbaren Kreuzung, wenn offensichtlich keiner kommt, nur weil viele sagen es ist sicherer zu halten.


    Warum wird denn noch mehr Sicherheit benötigt? Ist das nur ein Psychologisches Ding, oder steckt da eine technische Antwort dahinter?

  • Ein Sicherheitsfaktor von 2,7 ist nicht besonders viel. Bei einem Hängewinkel von 20° werden aus 85 kg mal eben 124 kg. Und schon ist der Sicherheitsfaktor nur noch 1,9. Wenn die Leine nicht mehr ganz frisch ist, und du dich mal nicht sanft in die Hängematte setzt, bist du schnell am Limit. Die Frage ist also vielmehr: warum sollte man so knapp rechnen? Welche Vorteile hat das? Und wiegen die Vorteile die Nachteile auf? Für mich nicht. Aber hang your own hang. Oder fall your own fall ;)

    Überschneidung ^^


    Danke für die Antwort!

    Das ist eine technische Aussage, die mir z. B. Nicht bekannt war. Kannst du ggf. sagen, warum das physikalisch der Fall ist?

    Damit gebe ich dann nämlich auch dir und allen anderen recht, das ist mir auch zu knapp, unter SF 2.

  • Kannst du ggf. sagen, warum das physikalisch der Fall ist?

    Ich bin kein Physiker und kann dir da keine technische Erklärung geben. Ich vermute mal, es sind die Hebelkräfte. Hängst du dich vertikal an einen Ast, trägt der Ast dein Gewicht. Hängst du dich im 30° Winkel zwischen zwei Bäume, wirkt auf jeden Baum dein Gewicht. Je straffer du die Leine spannst, desto größer die wirkenden Kräfte. Willst du deine Hängematte zerstören, spanne sie einfach so straff wie möglich auf, und lass dich rein fallen. Wenn du Pech hast, reisst es dann aber vielleicht gleich die Bäume raus...


    Auch ein Sicherheitsfaktor von 2 wäre mir zu knapp. Das bedeutet, dass das Material ständig am Limit ist, und dadurch schneller verschleißt. Wie gesagt: was sind die Vorteile? 1 m 1.75mm Zing-It / Lash-It wiegt ca. 1,7 g. 1 m 7/64" AmSteel wiegt ca. 4,5 g. Für ein Paar Whoopie Slings brauchst du ca. 10 m Seil. Das heißt du sparst ca. 30 g. Ich denke, es gibt sinnvollere Wege Gewicht zu sparen.

  • Ganz kurz:


    Seile aus dem Baumarkt geben dir die Nutzlast an. Die reissen bei der angegebenen Nutzlast nicht, sondern da ist ein Sicherheitsfaktor drin. Seile aus dem Klettersport und der Arboristik geben die Bruchlast an: Das ist die Last, bei der das Seil tatsächlich reisst.


    Für Leinen aus Dyneema ist ebenfalls die Bruchlast angegeben, also solltest du dir einen ausreichenden Sicherheitsfaktor zurechtlegen. Für Hängematten nimmt man in der Regel den Faktor 5.


    Du liegst nicht nur ruhig in der Hängematte, du setzt die auch hinein oder drehst dich um. Da kommen schnell 50% mehr Belastung dazu.


    Bei einem Hängewinkel von 30° hast du auf jeder Seite die Hängelast, hängst du flacher auf, so steigen die Kräfte schnell an. Dyneema hat zudem nur sehr wenig Dehnung, da ist also kein Puffer vorhanden, der harte Bewegungen auffängt wie ein elastisches Kletterseil bei einem Sturz. Die Belastungsspitzen bei Bewegungen fallen bei Dyneema also höher aus.


    Ich würde auf keinen Fall von Zing-It/Lash-It hängen wollen:

    • Zing-It/Lash-It 1,75 mm: ca. 227 kg Bruchlast => ca. 45 kg empfohlene Nutzlast
    • Zing-It/Lash-It 2,2 mm: ca. 295 kg Bruchlast => ca. 59 kg empfohlene Nutzlast
  • Das ist eine technische Aussage, die mir z. B. Nicht bekannt war. Kannst du ggf. sagen, warum das physikalisch der Fall ist?

    Hänge mal eine Tafel Schokolade in die Mitte einer Schnur und versuche, die Schnur so stark zu spannen, dass sich in der Mitte kein Knick mehr bildet. Du schaffst es nicht! Selbst der stärkste Mensch auf Erden schafft das nicht, weil die Kraft zunehmend gegen unendlich strebt. Da reisst vorher die Schnur (egal wie stark sie ist).


    Man kann das auch ganz einfach grafisch darstellen:



    Stichwort «Kräfte-Parallelogramm»:

    Du siehst in der Grafik ganz leicht, dass die Pfeile von Grün bis Rot immer länger werden, während die rote Kraft in der Mitte senkrecht nach oben immer gleich bleibt. Bei einem Hängewinkel von 30° (orange Pfeile) sind beide Pfeile je gleich lang wie die Kraft, die die Gewichtskraft ausgleichen muss (roter Pfeil nach oben). Hängt man flacher auf, so werden sie immer länger. Man kann ganz einfach mit einem Lineal die Länge der Pfeile messen, um deren Grössenverhältnisse sichtbar zu machen. (Hinweis: Die von Punkt P nach unten wirkende Gewichtskraft ist in der Grafik nicht eingezeichnet.)


    Wenn du die Pfeile beim Punkt P horizontal einzeichnest, werden sie die horizontal verlaufende Linie in der Mitte nie schneiden. Sprich: So stark kann man gar nicht spannen, egal wie gross die Last ist. Dann hast du nämlich keinen nach oben wirkenden Kraftanteil mehr, um die Schwerkraft der Last auszugleichen.

  • Noch ein Hinweis von Hersteller-Seite: Samson Rope und viele andere Hersteller geben die Dehnung der Materialien bis zu 30% der Bruchlast an. Daraus schliesse ich, dass es nicht sinnvoll ist, die Leinen höher zu belasten. Das wäre schon einmal ein Sicherheitsfaktor von 3,333.


    Je näher man an die Bruchlast heran belastet, desto schneller vollzieht sich das so genannte »Kriechen«: Dabei handelt es sich um eine kontinuierliche Dehnung der Faser bei permanenter, starker Belastung. Das »Kriechen« vollzieht sich in drei Phasen:

    1. starke, bleibende Dehnung gleich zu Beginn der Nutzungsdauer
    2. kontinuierliche, leichte Dehnung unter starker Last über lange Zeit
    3. schnelle, sehr starke Dehnung in kurzer Zeit, die in plötzlichem Materialversagen gipfelt



    © Quelle

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