Whipping-Methoden

  • Kannst du da mal ein paar Bilder beisteuern? Ich verstehe nämlich nur Bahnhof. Mir ist bisher aus keiner Anleitung so richtig klar geworden, wie das Warbonnet-Whipping genau funktioniert.

    Du hast doch die Anleitung sowohl als Video als auch als Zeichnung gepostet. Das ist der "Warbonnet Whip". Ein Tunnelzug, Kordel durch den Tunnelzug, Stoff raffen, Kordel verknoten.

  • Wenn man die Kordel so nahe wie möglich am Rand verknotet, so ist das Whipping sehr gut reproduzierbar und ist mit meinem weiter oben vorgeschlagenen Vorgehen vom Liegekomfort und Platzbedarf her praktisch identisch.


    Macht man den Knoten mit der Kordel etwas weiter vom Rand entfernt, um die Mitte der Hängematte gegenüber dem Rand etwas zu verkürzen (ich hatte beim Video von Ron Mehringer den Eindruck, dass er das so macht), so ist das Resultat nur schwer reproduzierbar und droht auch immer, etwas zu rutschen. Das Liegegefühl geht dann aber tatsächlich in Richtung einer Kurve, wie ich sie immer wieder nutze.

    In dem Fall verhält es sich wohl so, wie hier von mir beschrieben. Will man ein reproduzierbares Whipping haben, so muss man die Kordel so nahe wie möglich am äussersten Rand anbringen und den Dogbone/Continuous Loop unmittelbar dahinter anbringen. Dann entsteht aber nahezu kein Knubbel, jedenfalls nichts, wo man etwas einhängen könnte. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird aber genau das bei den Original-Warbonnet-Hängematten gemacht. Oder wird dort nicht – zumindest an einem Hängemattenende – beispielsweise der Wooki am Knubbel eingehängt?

  • In dem Fall verhält es sich wohl so, wie hier von mir beschrieben. Will man ein reproduzierbares Whipping haben, so muss man die Kordel so nahe wie möglich am äussersten Rand anbringen und den Dogbone/Continuous Loop unmittelbar dahinter anbringen. Dann entsteht aber nahezu kein Knubbel, jedenfalls nichts, wo man etwas einhängen könnte. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird aber genau das bei den Original-Warbonnet-Hängematten gemacht. Oder wird dort nicht – zumindest an einem Hängemattenende – beispielsweise der Wooki am Knubbel eingehängt?

    Bei dir entsteht deshalb kein großer Knubbel, weil du deine Hängematte als Channel End Hängematte mit einem extrem breiten Tunnelzug genäht hast, und jetzt versuchst mit dem Warbonnet Whip nicht mehr Länge als unbedingt nötig zu verlieren. Wenn du einen schmalen Tunnelzug nähst, kannst du die Whipping Schnur unter dem Tunnelzug verknoten und erhältst einen größeren Knubbel. Es macht wenig Sinn, eine Channel End Hängematte in eine Warbonnet Whip Hängematte umzuwandeln, weil du durch den breiteren Tunnelzug entweder mehr Länge als nötig verlierst, oder keinen guten Knubbel zu Stande bringst.


    Vom Liegegefühl her gibt es kaum einen Unterschied, deshalb würde ich an einer gut funktionierenden Channel End Hängematte auch nichts ändern. Der Warbonnet Whip eignet sich gut für leichte(re) Stoffe, und man kann die Aufhängung einfacher austauschen. Dafür muss man bei der Konstruktion aber berücksichtigen, dass am Ende für den Liegekomfort relevante Länge verloren geht. Bei einem schmaleren Tunnelzug geht zwar weniger Stoff "verloren", aber wenn der sich auffächernde Teil eine bestimmte Mindestlänge haben soll, kann man die gesparte Länge nicht von der Rohlänge abziehen.

  • Das könnte tatsächlich das «Problem» sein. Halbwegs zuverlässig hält das Whipping nur, wenn ich es unterhalb vom Zugtunnel platziere. Aber da wird das Resultat aufgrund der grossen Breite des Zugtunnels jedes Mal etwas anders. Auf jeden Fall bildet sich dann eine «Kurve», bei der die Mitte dermassen verkürzt wird, dass ich einen unangenehmen Hügel in der Mitte der Hängematte bekomme. Die Liegeposition ist dann zwar sehr flach, aber doch ziemlich ein Balanceakt, bei dem Füsse oder Kopf relativ leicht über den Rand der Hängematte rutschen. Kann sein, dass das mit einem schmaleren Saum besser funktioniert und dann nur eine ganz leichte Kurve entsteht, die besser reproduzierbar und angenehmer zum Liegen ist.


    Oder man macht wirklich ein Whipping, das so nahe wie möglich am Ende der Hängematte sitzt. Dann dürfte der Unterschied zwischen dem Warbonnet-Whipping und einem wie von mir oben verschlauften Dogbone marginal sein.


    Ich werde bei Gelegenheit mal meine Verschlaufung zu rekonstruieren versuchen und Bilder davon für Freihaenger posten.

  • Kann sein, dass das mit einem schmaleren Saum besser funktioniert und dann nur eine ganz leichte Kurve entsteht, die besser reproduzierbar und angenehmer zum Liegen ist.

    Es kann nicht nur so sein, es ist so. Und es entsteht meiner Meinung nach keine größere Kurve als bei der ganz normalen Raffung die bei der Aufhängung durch den Tunnelzug entsteht.

  • Und es entsteht meiner Meinung nach keine größere Kurve als bei der ganz normalen Raffung die bei der Aufhängung durch den Tunnelzug entsteht.

    Bei meinen Experimenten hat sich gezeigt, dass eine umgekehrte Kurve entsteht wie bei der Aufhängung durch den Tunnelzug:

    • Aufhängung mittels Tunnelzug: Seiten werden gegenüber der Mitte der Hängematte verkürzt.
    • Warbonet-Whipping über den Saumrand des Umschlags: Mitte der Hängematte wird gegenüber dem Rand verkürzt.
  • Ohne mir jetzt zu 100% sicher zu sein, ob ich das Warbonnet-Whipping «richtig» gemacht habe, ergibt sich bei mir das folgende Bild:


    1) Befestigung der Hängematte mittels Tunnelzug


    Die Ränder der Hängematte werden gegenüber der Mitte etwas verkürzt. Je nach Breite und Stoff der Hängematte kann das schnell einmal eine Differenz von 1,5cm pro Seite ausmachen. Man kann das gut an den drei Nähten sehen, die parallel zum Ripstop-Muster genäht wurden:



    2) Befestigung der Hängematte mittels End-Whipping


    Wird die Hängematte unmittelbar hinter dem durch den Tunnelzug geführten Dogbone mit einer weiteren Schlaufe zusammengerafft, so bilden die drei Nähte einen Kreis um das Whipping, das heisst, die Hängematte ist praktisch über die gesamte Breite des Stoffes gleich lang:



    3) Befestigung der Hängematte mittels Warbonnet-Whipping


    Durch das Zusammenbinden des Hängematten-Endes mittels Kordel entsteht ein mehr oder weniger grosser Knubbel. Je stärker die Ecken der Hängematten dabei vom Ende zurückgezogen werden, desto stärker wird die Mitte der Hängematte gegenüber den beiden Seiten verkürzt. Mangels Hängematte mit schmalem Tunnelzug habe ich beim Binden der Kordel einen schmalen Tunnelzug fingiert:



    Wird darauf verzichtet, die Ecken der Hängematte mit der Kordel bis zur Naht nach innen zu ziehen, so kommt das Whipping praktisch aufs gleiche heraus wie beim End-Whipping unter Nummer 2).

  • Hier noch die versprochenen Bilder für ein sehr einfaches «End-Whipping» (ich nenne es jetzt mal so). Es ist sehr einfach zu machen und lässt sich auch relativ leicht wieder lösen. Zudem braucht es sehr wenig Platz und verändert die rechteckige Form der Hängematte nur geringfügig (vgl. Bild im vorherigen Post):


    1) Dogbone durch den Zugtunnel fädeln.


    2) Langes Ende des Dogbone einmal ...


    ... um das zu whippende Ende herumführen.


    3) Langes Ende unter sich selber durchführen und durch die kurze Schlaufe stecken.


    4) Knoten vorsichtig festziehen.


    5) Kurzes Ende bis zum Anschlag an den Zugtunnel heranziehen.


    6) Knoten erneut festziehen.


    7) Whipping vorsichtig näher zum Ende der Hängematte schieben.


    8) Hängematte gleichmässig aus dem Whipping herausziehen.


    9) Schritte 5) bis 8) mehrmals wiederholen und Whipping schliesslich kräftig festziehen.

  • Da hätte ich auch noch ein paar Bilder zur Endbefestigung rumliegen, die schon lange auf einen Post warten ;-)

    Nichts neues, sondern eigentlich nur eine Alternative zu dem Video, das Mittagsfrost in seinem eindrücklichen Eingangspost unter Nr. 3 verlinkt hat.


    Nach meinem Eindruck ist es der selbe Knoten wie oben Waldläufer70's, der einem Schotstek ähnlich ist. Allerdings für Matten ohne Tunnelzug, also eine einfache Stoffbahn, die irgendwie gewhippt und danach einmal umgeschlagen ist.

    Damit es übersichtlich bleibt, habe ich für die Fotos exemplarisch statt des gewhippten Stoffbündels ein Band genommen.








    Ich wollte mich anfangs nicht mit der Liegelänge festlegen (und bin da immer noch nicht entschieden), deshalb kam ein genähter Tunnel nicht in Frage.

    So kam ich dann auf die in jedem Fall sichere Methode, den gewhippten, umgeschlagenen Stoff mittels Schotstek zu befestigen.


    Als continous loop verwende ich statt des oben abgebildeten Seils bisher eine Bandschlinge von 20mm Breite und bin gerade dabei, das auf 10mm zu reduzieren. Ich hoffe, dass durch die breitere Auflagefläche des Bands im Gegensatz zu einem Seil der Stoff mehr geschont wird und ich den Knoten leichter lösen kann, habe aber dazu keine Vergleichswerte.

    Nicht so einfach wie erhofft ist das Lösen des Knotens. Ich bekomme das mangels Marlspiker nur mit einer Zange hin.


    Nicht ganz sicher bin ich mir, ob durch das Umschlagen und leichte Verwringen durch diese Befestigung eine ungewollte "Kurve" entsteht, der Stoff also nicht an allen Stellen gleich lang bleibt. Ich halte die Toleranzen bei Kurven sowieso für unterschätzt und würde bei dieser Methode mit mindestens 5-10mm Toleranz rechnen.


    und so sieht's dann fertig aus (die Klammern benutze ich nur nach dem Falten und während des Knotens):

  • Diese Idee geistert mir auch immer wieder im Kopf herum. Mein gleich oben gezeigter Knoten ist übrigens nahezu identisch, nur werden die beiden Enden vertauscht und entsprechend genau umgekehrt durcheinander geführt.

    Nicht so einfach wie erhofft ist das Lösen des Knotens. Ich bekomme das mangels Marlspiker nur mit einer Zange hin.

    Ich frage mich gerade spontan, ob es helfen könnte, eine Schlaufe aus einer stabilen Schnur in das Whipping zu integrieren, so dass man den Knoten durch Ziehen an der Schnurschlaufe leichter wieder öffnen könnte. Ein bisschen in diese Richtung geht das, was Jeff Myers hier für einen Prusikknoten zeigt.