(SE) Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden

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  • Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden


    Zeitraum: 07.08 – 23.08.2024

    Land: Schweden

    Region: Dalarnas und Jämtlands län

    Reisende: Bogus


    Route:

    Als „Südlicher Kungsleden“ („der Königspfad“) wird ein 357 Kilometer Fernwanderweg durch die nahezu unbesiedelten Skanden der schwedischen Provinzen Jämtland und Dalarna bezeichnet, der sich von Sälen unweit der norwegischen Grenze nordwärts bis nach Storlien erstreckt. In diesem Bericht geht es um den Abschnitt zwischen Grövelsjön und Storlien, gelaufen von Süd nach Nord.

    *Streckenübersicht

    Prolog

    Das Jahr 2024 sollte ein ereignisreiches Jahr für mich werden. Ein relativ spontaner Wechsel des Arbeitgebers brachte einen unverhofften Segen an Freizeit mit sich. Was also tun mit so viel Zeit? Draußen sollte es sein, so viel war klar! Eine Wanderung wäre mal wieder schön. Ohne viel Buchen, einfach drauf los. Das heißt für mich auch automatisch mit Rucksack und Zelt oder Hängematte, um eine Unabhängigkeit von Zeit und Ort gewährleisten zu können. Kopf aus! Keine Termine und nicht dran denken, das der Check in nur bis dann und dann möglich ist und ich pünktlich hier und dort sein muss. Und da es auf einen Tag nicht drauf ankommt, ruhig etwas, was man sonst nicht macht bzw. wo sonst keine Zeit für ist.

    Fassen wir zusammen:

    Wild campen, ohne die Gedanken an legal oder illegal verschwenden zu müssen, auf einem langen Wanderweg in schöner Natur….da fällt mir als erstes Schweden ein.

    Ein Blick in meine GoogleMaps Datenbank soll Aufschluss geben. Diese besteht aus unzähligen fertigen Touren, die nur darauf warten auf das GPS zu gelangen, um endlich in die Tat umgesetzt zu werden. Der Bohusleden geistert mir schon länger im Kopf herum. Wasser gegen die Hitze des Sommers, Shelter zum übernachten und Bäume für die Hängematte….wäre alles vorhanden. Jedoch gab es Wälder und Wasser während unserer Kanutour am Bolmen zu genüge. Eigentlich finden 80% meiner Wanderungen in waldreichen Gebieten statt. Dieses Jahr soll ein Tapetenwechsel her.

    Warte mal, da war doch noch dieser Königsweg!? Nördlicher Teil? Südlicher Teil? Ganz? Halb? Alleine? Mit Hund? Fragen über Fragen.

    Die Anreise bis Kiruna mit dem Flieger scheidet aus Kostengründen aus. Zwei Tage Bahnfahren begeistert mich auch eher so semi. Etwas einfacher gelangt man anscheinend zum südlichen Kungsleden. Das Fjäll reizt mich schon lange, die Wegstrecke scheint machbar und ausgearbeitet habe ich den Weg vor einigen Jahren bereits schon. Es steht also fest…es geht zum südlichen Kungsleden.

    Da es im Fjäll keinerlei Schatten gibt, und wir seit Mai bei uns nur sengende Hitze haben, entscheide ich mich schweren Herzens gegen einen Hund als Begleitung. Dabei hatte sie ihre wichtigsten Sachen schon gepackt und war abfahrbereit. Das nächste mal wieder, Kleiner.


    *enttäuschte Hundegeräusche


    Ich liebe es mit den Hunden zu wandern, aber im Hochsommer kann es für die Fellnasen eine ganz schöne Belastung werden. Dann liegt es an uns, die romantische Vorstellung vom Wanderteam abzulegen und zum Wohl für das Tier zu entscheiden. Ginge es nach den Hunden würden sie ohne zu zögern bis ans Ende der Welt marschieren, auch auf drei Beinen wenn es sein muss. (Das es dort oben keinerlei hitzebedingte Probleme geben würde, wusste ich bis dato natürlich noch nicht). Die Entscheidung gegen den Hund ermöglicht wiederum das Flugzeug als Mittel zur Anreise, was uns zum Punkt Planung bringt.


    Planung

    Der Weg steht fest, das war noch das kleinste Problem. Zwei Sachen schwirren mir im Kopf herum.

    1. Es ist meine erste Wanderung vollkommen alleine

    2. Macht meine Bandscheibe das mit?

    Für 360km würde ich ganz grob erst mal 3 Wochen einplanen, inkl. An- und Abreise. So lange war ich noch nie alleine unterwegs, geschweige denn überhaupt alleine. Ist es eine gute Idee? Was ist, wenn ich mich nach ein paar Tagen selbst nicht mehr leiden kann? Vielleicht fange ich lieber etwas kleiner an? Eine gute Option wäre der Einstieg in Grövelsjön. Der Weg verkürzt sich auf etwas über 200km und der erste Abschnitt ohne Versorgungsmöglichkeiten (hohes Gewicht an Verpflegung) wäre außen vor, was uns wiederum zum Gedanken Punkt 1. bringt.

    Anfang 2022 hatte ich arge Probleme mit meiner LWS Bandscheibe und war ein gutes halbes Jahr ans Sofa gefesselt. Eine Reha, viel und regelmäßiges Training und eine gute Therapeutin haben alles wieder hingebogen. Einen schweren Rucksack für autarkes Wandern habe ich aber seit dem nicht mehr getragen. Und auch wenn der alte Kadaver zu 95% wieder rund läuft, ist der Gedanke daran immer noch ein Endgegner. Es kann aber auch nicht voran gehen wenn man immer an diesem Punkt hängen bleibt. Also bleibt nur eins, Versuch macht kluch.

    Klar war allerdings, dass das Gewicht runter muss! Trangia, 2P Zelt und Deuter Rucksack müssen weichen, Kleidung aufs nötigste reduzieren, Essen aus der Tüte und wenn wir schon dabei sind, versuchen wir es auch mal mit Trailrunnern anstatt Hanwag Bergstiefeln. Das sind viele Änderungen auf einmal. Allerdings habe ich diese Gedanken schon länger und wollte eh ein paar Tipps und Anregungen der vielen crazy UL Packlisten umsetzen. Alles in allem eine völlig neue Erfahrung. (Das Geld was hinterher in neue Ausrüstung geflossen ist, hätte ich auch locker für einen Flug bis Kiruna ausgeben können:)


    *thats it



    An und Abreise wurden wie immer mit resrobot.se geplant. Einfach ein gutes Tool! Zug, Flug, Bus und Bahn, Tag und Nachtreisen von Hamburg, Berlin oder Hannover…alles wurde durchgespielt, aufgeschrieben, für gut befunden und am nächsten Tag wieder verworfen.

    Am Ende werden es 14 reine Wandertage, geflogen wird nachmittags von Hannover aus nach Arlanda, dort eine Nacht im Hotel und am nächsten Morgen weiter mit dem Zug nach Mora und Bus nach Grövelsjön. Abreise per Flieger von Trondheim. Die Trailrichtung ist von Süd nach Nord vorgesehen. Das ermöglicht einerseits die schnelle Abreise über Trondheim mit dem Flieger, andererseits hat man den ganzen Tag die Sonne auf dem Rucksack, welche über das Solarpanel die Stromversorgung sicherstellen soll. Soweit der Plan.


    Nun endlich zur Reise


    0.0 Zu Hause – Stockholm Arlanda

    Mittwoch, 07.08.24

    Wetter: Sonnig, schwül heiß


    Ein Gewitter liegt in der Luft als es voller Vorfreude zum Flughafen HAJ nach Hannover geht. Die Temperaturen sind seit Wochen um die 30°. Das ist überhaupt nicht mein Wohlfühlwetter und schon gar nicht zum wandern. Ich hoffe das es „dort oben“ ein paar Grad kälter sein wird. Aber erst mal rein zum Check in. Den Rucksack habe ich zu Hause vorbildlich in einen großen blauen Müllbeutel verstaut, um Probleme mit den Gepäckbändern zu vermeiden. Die gute Frau am Schalter erklärte mir allerdings, dass Sperrgepäck, wozu auch Wanderrucksäcke gehören, grundsätzlich von Hand abgewickelt wird. Das heißt, dass der Rucksack in eine Transportwanne kommt und händisch an Auf und Abgabepunkt verladen wird. Es besteht also keinerlei Gefahr, dass sich die Gurte oder ähnliches in den Rollen verfangen können und deshalb muss der Rucksack auch nicht in Folie oder Tüten gehüllt werden. Wieder was gelernt.

    Der Check-in verläuft problemlos und so bleibt noch Zeit für ein überteuertes Weizenbier in der Wartehalle. Mit 30min Verspätung hebt um 19:15h der Flieger endlich ab. Dank musikalischer Untermalung aus den Earbuds vergeht die Zeit wie im Flug und gg 21h befinden wir uns plötzlich im Landeanflug über Stockholm.

    *Schärengarten von Stockholm


    Am Gepäckband warte ich gute 20min auf meinen als Müllsack getarnten Rucksack, welchen ich unter einem Lächeln der Mitreisenden in Empfang nehme und etwas abseits der wartenden Fluggäste auspacke. Weiter geht es auf einen kleinen Snack hoch zum Mc Donalds in der Skycity. Ich kann den Fraß eigentlich nichts mehr abgewinnen, aber mangels Alternativen ist es besser als hungrig ins Bett. Im Anschluß wird noch der richtige Bahnsteig für den nächsten Tag ausgekundschaftet, so das ich in aller Ruhe ausschlafen kann, und mich morgens nicht schon mit Örtlichkeiten und Wegesuche beschäftigen muss.

    Mein Hotel für die Nacht (Comfort Hotel Arlanda) ist aus dem Haupteingang raus und ein mal über die Straße. Fertig! Im Hotel kann ich die Nacht vernünftig schlafen und nach dem Frühstück frisch gestärkt die weitere Reise antreten, ohne mir die halbe Nacht um die Ohren zu schlagen. Der Tag wird noch lang genug werden und man ist ja auch keine 20 mehr. Rein gehts mit Self-Check-in, Zimmer beziehen, Sachen aus dem Rucksack-Flugmodus sortieren, kurz ankommen und ab ins Bett. Ich schlafe sofort ein. Vom Fluglärm hört man im Zimmer rein gar nichts.


    0.1 Arlanda – STF Grövelsjön

    Donnerstag, 08.08.24

    Wetter: Regen


    Der Wecker klingelt um 06:20h. Aber darauf bin ich vorbereitet. Seit 06:00h liege ich bereits wach. Vorfreude ist doch die schönste Freude. Erstmal unter die Dusche. Danach geht es runter zum Frühstück, welches zwar übersichtlich ist aber dennoch lecker schmeckt. Einzig mein großes Glas Orangensaft stellt sich nach dem ersten Schluck als Orange/Ingwer Shot heraus, welcher mir schlagartig alle Muskeln im Gesicht zusammen zieht. Dafür wohl auch die Schnapsgläser neben dem Saftspender:)

    Im Anschluss geht es wieder Hoch aufs Zimmer, Rucksack packen, kurz sortieren und ab zum Airport.


    *Reiseoutfit


    Haupteingang rein, Rolltreppe hoch zur Skycity und auf der anderen Seite hinunter zur Centralstation. Alles klappt hervorragend. Wie aus Schweden gewohnt, kommt der Zug sehr pünktlich und die nächsten 3 1/2h Stunden geht es nun Richtung Mora Central. Nach einer Weile werden die Fahrkarten kontrolliert und der Schaffner weist mich darauf hin, dass ich erste Klasse sitzen könnte und so oft ich möchte Kaffee aus dem Speisewagen holen kann. Das lasse ich mir nicht 2x sagen und so verbringe ich den Rest der Zeit im ältesten intakten Zugabteil der Welt. Der ganze Wagen innen inkl. den Tischen aus dunklen Holz, die Sitze dick aufgepolstert, ähnlich eines alten Kinosessels, dennoch funktionell und bequem.


    *Nostalgie pur


    Mora Station macht an sich nicht viel her. Erinnert eher an einen Provinzbahnhof, als an den Prunk einer weltberühmten Messerstadt.


    *Der Bahnhof von Mora enttäuscht etwas


    Eine Pfadfindergruppe belegt alle Sitzmöglichkeiten und Schließfächer gibt es im Bahnhofsgebäude leider auch keine. Der Weg in die Stadt ist allerdings obligatorisch, da ich im örtlichen Outdoorladen Nära Fjället Gaskartuschen kaufen muss. Nach den ersten Schritten Richtung Innenstadt beginnt es wie vorhergesagt zu Regnen. Also Regencover überziehen und auf gehts.

    Die City ist in ca. 15min zu Fuß gut zu Erreichen. Der Laden hat alles wichtige im Sortiment und Gaskartuschen in jeder Größe sind zu bekommen. Natürlich darf auch ein Besuch gegenüber im Mora Conzept Store nicht fehlen. Die Fußgängerzone rauf im ICA gibt es Küchlein und Quarkgebäck für eine kleine Fika und da der Regen minütlich stärker wird, setze ich mich hinterher noch auf ein Bierchen ins Waynes Coffee. Kurzerhand komme ich mit einer Frau ins Gespräch, die mir begeistert vom großen Radrennen am kommenden Wochenende erzählt. Geradelt wird von Sälen nach Mara und es ist ihre erste Teilnahme an solch einer Veranstaltung. Allerdings drängt die Zeit und sie muss rüber zur Anmeldung. Nun machen auch die Straßensperrungen und Eventzelte Sinn, welche mir auf dem Weg hierher schon ins Auge gefallen sind. Leider werde ich dann nicht mehr hier sein.

    Die Wetterapp sagt für den restlichen Nachmittag keine Besserung voraus. Weiter nördlich, ab Idre, soll hingegen die Sonne scheinen. Meine Weiterfahrt ist eigentlich für 16:22h gebucht, aber was soll ich noch 3h hier rum sitzen?


    *puhh, das fängt ja gut an


    Ich beschließe zum Bhf. zu gehen und den Busfahrer zu fragen, ob ich mit meinem Ticket auch einen Bus eher nehmen kann. So kann ich die Zeit bis zum Anschlussbus wenigstens in Idre in der Sonne verbringen. Der Busfahrer ist sehr nett und nimmt mich bereits um 14:45h anstandslos mit. Als ich im Bus meine Sachen sortiere bemerke ich, das mein Raincover von innen Nass ist. Das fängt ja gut an. Nun bin ich gerade aus der Stadt raus und meine letzte Option Sachen zu besorgen ist dahin. Unterwegs checke ich im Handy meine Möglichkeiten und tatsächlich gibt es an der Haltestation Idre Konsum einen kleinen Outdoorladen.

    Aussteigen muss ich dort sowieso. Zum einen um den Anschlussbus zu bekommen und zum anderen wollte ich mich mit Abendbrot eindecken, welches ich im Bus verzehren kann, um das bei Ankunft in Grövelsjön schon erledigt zu haben. Der Laden ist wirklich sehr klein und Kerngeschäft scheinen Angelzubehör und Fangkarten zu sein. Aber es gibt auch Kleidung und etwas Outdoorequipment. Und tatsächlich kann ich hier im Nirgendwo ein neues Silikon Raincover für meinen Rucksack bekommen. Der Tag ist gerettet.


    Noch schnell zwei Baguette und etwas Salami aus dem ICA besorgen und weiter gehts die nächsten und auch letzten 1 1/2h mit dem Bus über das Idrefjäll nach Grövelsjön. Um kurz nach 20:00h steige ich nach 2 Tagen Anreise endlich an der STF Grövelsjön aus dem Bus.

  • Ich hoffe euch gefällt mein Bericht, auch wenn die Reise ohne Hängematte statt fand. Da ich mich hier im Forum zu der Reise erkundigt, und auch mit einem Reisebericht gedroht habe, möchte ich ihn euch nun nicht vorenthalten. Sollte das aus Gründen nicht gewünscht sein, gebt mir bitte entsprechend Rückmeldung.

    Viel Spaß

  • 0.2 STF Grövelsjön – Övre Fosksjön (6 km) 222m rauf - 125m runter

    Donnerstag, 08.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt



    Die Wolken haben sich tatsächlich während der Fahrt verzogen und der Trail empfängt mich mit einem wunderbaren Regenbogen.


    Da ich den ganzen Tag auf meinem Hintern gesessen habe und voller Vorfreude auf den Weg bin, beschließe ich umgehend aufzubrechen. Ein kurzer Check der Infotafel, Track auf der Uhr starten, Karte in die Hosentasche und los. Ich hatte schon im Vorfeld für mich festgelegt, dass ich nicht stur dem Hauptweg folgen wollte, sondern eher meinem Bauchgefühl und den Gegebenheiten vor Ort. Schön sollte es werden und keine strikte Abarbeitung von Kilometern.

    So geht es gleich zu Beginn nicht auf den ausgeschrieben Hauptweg, sondern bergauf entlang des Winterweges Richtung Osten. Dieser wird gekennzeichnet durch rote Holzkreuze auf zwei Meter hohen Holzpfählen, ähnlich dem Andreaskreuz. Unter dem rhythmischen platschen der Holzplanken, welche bei jedem Schritt in das moorige Sumpfland drücken, steige ich auf. Wo keine Planken liegen, schwimmt der Moosboden teilweise auf dem Wasser, so dass man wie auf einer großen Blase aus Moos geht. Ein ulkiges Gefühl.

    Durch all die Ablenkung rings herum bin ich einen Schritt lang unvorsichtig, und schon ist es passiert. Der Fuß steckt tief im Sumpf. Gut, dass der Schuh gerade neu ist und das Goretex noch einwandfrei seinen Dienst verrichtet. Alles ist trocken geblieben. Aber so schnell kann es gehen, da muss ich in Zukunft besser acht geben. Um so höher ich komme, um so besser wird die Sicht. Auch, da die Bäume und allg. die Vegetation, mit jedem Meter an Höhe weniger werden. Ich sauge diese Stimmung, die Natur förmlich auf. Diesen Anblick, welchen es so nur hier oben im Fjäll zu geben scheint, untermalt von der untergehenden Sonne. Kilometer weit kann man sehen, bis zu den letzten Bergen am Horizont. Einfach schön.



    *Das erste mal im Fjäll. Der Anblick hat einen um.


    Schon bald stehe ich auf einem breit ausgetretenen Wanderweg, mitten im scheinbar kahlen Fjäll. Unterwegs treffe ich ein Pärchen welches die STF Station als Ziel hat. Da ich mir im Vorfeld einen möglichen Zeltplatz an einem See ausgekundschaftet hatte, frage ich sie, ob sie unterwegs andere Zelte oder Leute gesehen haben? Ihre Antwort zauberte mir sofort ein breites Grinsen ins Gesicht: „There is absolutely Nobody“. Damit kann man doch arbeiten. Nun muss der Spot nur noch halten, was die Aufnahme bei GE verspricht.


    *Am Ende des See`s (rechte Seite) hatte ich mir den Platz im Vorfeld ausgesucht


    Nach ca. 5,5 km erreiche ich den See Övre Fosksjön, an dessen Südufer sich tatsächlich ein kleiner, ca. 1m breiter Strand aus Kies inkl. einiger Zeltplätze befindet. Das ganze Areal liegt dazu noch im Windschatten des Fosksjönkläpparna, welcher etwas Schutz vor dem strengen, kalten Südwest Wind bietet. Heute habe ich alles richtig gemacht. In der Dämmerung baue ich mein Zelt auf und richte mich für die erste Nacht häuslich ein. Nach einer kleinen Katzenwäsche im kalten See genieße ich noch einen Augenblick die vollkommene Stille um mich herum, sowie den sagenhaften Sonnenuntergang. Bald treibt mich die Kälte in den Schlafsack. Wenigstens keine 30° mehr;)


    *ohne Worte

  • 1. Övre Fosksjön – Storrödtjärnstugan (20,5 km) 509m rauf - 494m runter

    Freitag, 09.08.24

    Wetter: Bedeckt mit einsetzenden Regen, kalt, windig


    Am Abend liege ich noch lange wach. Die vielen neuen Eindrücke und die späte Wanderung lassen mich vorerst nicht einschlafen.

    Später in der Nacht wache ich auf und bemerke wie klirrend kalt es ist. Mein 300er Cumulus LiteLine mit Comf. +4° ist definitiv am Ende. Dazu kommt eine Luftfeuchte von gefühlten 100%. Es ist wie zelten mitten in einer Wolke. Das Fußende des Schlafsacks fühlt sich auf der Außenhaut feucht an. Bei einer Kontrolle mit der Kopflampe stelle ich aber fest, das ich von der Zeltwand locker noch gute 15cm entfernt bin. Daher kann es also nicht kommen. Zusätzlich zu meinem Longsleeve und dem Pullover ziehe ich mir den Atom Hoody an und die Kapuze fest über den Kopf. Über das Fußende kommt vorsichtshalber die geschlossene Regenjacke, nicht das es doch noch anstreift.

    Ab 05:00h bin ich erneut wach. Bei meinem Toilettengang entschädigt die aufgehende Sonne allerdings die nächtlichen Unstimmigkeiten.



    Da die Wetterapp ab 11:00h durchgehenden Regen vorher sagt, beschließe ich noch kurz zu chillen und dann den Tag frühzeitig zu beginnen. Es gibt das erste Frühstück, bestehend aus Oatsome Smoothie mit Hafermüsli und einer Tasse Kaffee. Nach dem Zeltabbau bin ich um 07:30h wieder auf dem Trail.




    Der Himmel ist anfangs freundlich, bezieht sich aber mit der Zeit. Der Wind treibt weiterhin kalt und ungemütlich von hinten an. Nach ca. 3 1/2km auf breiten Pfaden geht es rechts ab Richtung Töfsingdalens NP. Im Internet ist wenig darüber bekannt bzw. geschrieben und es wird von einer weglosen Gegend mit hunderte Jahren alten Bäumen und haushohen Felsbrocken berichtet. Ein kleiner felsiger Abstieg führt hinunter zu den Schutzhütten am Särsjön See.



    Die zwei Shelter liegen recht nah bei einander und sind gut ausgestattet mit viel gerader Fläche und Platz für Zelte. Andere Wanderer treffe ich hier allerdings nicht an. Etwas weiter unten am See befinden sich auch noch ein paar „Ferienhäuser“, die meist von Anglern über eine Institution der Kommune (Name leider entfallen) gemietet werden können.



    Für mich geht es allerdings weiter auf kleinen, von Kiefernnadeln bedeckten Singletrails Richtung Hävlingestugorna. Kurz vor den Hütten kommen mir drei junge Männer mit dicken Rucksäcken entgegen. An jedem Rucksack steckt eine Fliegenrute senkrecht dem Himmel empor. Es bleibt aber bei einer freundlichen Begrüßung und jeder geht weiter seinen Weg.

    An der Hävlingestugorna unterhalte ich mich eine ganze Weile mit dem Hüttenwirt über Gott und die Welt. Ein sehr netter Mann der sich auch gerne Zeit nimmt wenn keine Übernachtung dabei heraus springt. Er bestätigt mir, das dass Wetter heute noch umschlagen wird und den Rest des Tages Regen angesagt ist. Spätestens ab mittags. Es ist allerdings erst 10Uhr…eindeutig zu früh um den Tag zu beenden. Die nächste Möglichkeit zur Einkehr wäre die Storrödtjärnstugan, gute 10km entfernt. Da die Hüttenwirte untereinander scheinbar alle ein gutes Verhältnis pflegen, nimmt er kurzer Hand sein Handy und ruft „oben“ an. Es sind noch einige Betten frei und ich kann gerne vorbei kommen, so die Rückmeldung.

    Das ist doch mal ein Wort. Und in Anbetracht der Wetterlage, welche aus 15h Stunden Dauerregen besteht, eine willkommene Option. Wir verabschieden uns und ich mache mich auf den Weg. An der kleinen Holzbrücke über den Särsjön passiere ich ein Schild zum Töfsingdalens NP. Wenn das der Eingang sein sollte ist der NP wirklich weglos und äußerst steinig.



    Allgemein verändert sich der Weg während des Aufstiegs zum Olåsen erheblich. Waren die Wege bis hierhin teils sehr breit und gut begehbar, sind sie nun deutlich schmaler und übersät mit Steinen. Diese sind zwischen Handball und Medizinball Groß, gesäumt von dicken Felsbrocken rechts und links. Alles eingebettet in einen Wald aus Moorbirken, welche gerade die ersten Anzeichen einer goldenen Herbstfärbung zeigen. In vier Wochen wird es hier sicher magisch aussehen.



    Zu allem Überfluss kommen die ersten Regentropfen hinzu. Als ein Großteil des Anstiegs vorbei ist, ziehe ich meine Regensachen über. Sicher ist sicher.

    Ab einer gewissen Höhe lichten sich die Birken wieder und ehe man sich versieht steht man auf freier Pläne mit weiter Sicht. Ganz da oben am Horizont befindet sich die Slagusjön Raststuga. Die Hütte ist auch bitter nötig, da meine Hände vor lauter Kälte und Nässe langsam das kribbeln anfangen.


    Oben angekommen sehe ich das die Tür schon offen steht. Drinnen sitzen drei junge Schweden und ihr Vierbeiniger Begleiter Falcon. Noch bevor ich fragen kann ob ich eintreten darf, wird mir heißes Wasser und Suppe angeboten. Mega!

    Wir kommen ins Gespräch und sie erzählen mir von ihrer Tour. Von Grövelsjön zu Fuß zum Hävlingen, von da an mit dem Kanu zum Rogen und nun zu Fuß zurück zum Auto. Das Gebiet zwischen Grövelsjön und Rogen scheint für Wochenendausflüge sehr attraktiv zu sein.

    Über den Rogen sprechen sie allerdings nicht so begeistert. „Stones, Stones and much more Stones“ und „such a Random Forest“ bekomme ich öfters zu hören. Aber Gut, die sind als Einheimische auch schwer Verwöhnt. Ich habe zu Hause nur den Stumpenharz und freue mich hier über quasi alles :)

    Nach einer guten halben Stunde breche ich wieder auf, um die letzten Kilometer auf dem nassen und wolkenverhangenen Weg hinter mich zu bringen. Die Tatsache, das der Regen mittlerweile die mintfarbenen Moosflechten auf den Steinen in einen rutschigen Schlick verwandelt hat, macht das vorankommen nicht einfacher. Auch sind die Markierungen teilweise verblasst oder nicht mehr sichtbar.




    Um so erleichterter bin ich, als im Nebel endlich die Umrisse der Hütte zu erkennen sind.



    Die Hüttenwirtin hat auf Grund des Telefonats schon auf mich gewartet. Sie bittet mich herein ins warme. In der „Küche“ steht eine Kellerhexe schwedischer Bauart, welche eine mollige Wärme im ganzen Haus verteilt. Während sie dem Ofen weiter einheizt, erklärt sie mir die Abläufe in den STF Hütten. Alles hat eine klare Struktur. Frische Eimer mit Wasser aus dem See, dreckige Eimer mit Abwaschwasser für die Latrine. Baden hier, Trinken dort. Einfach aber effektiv.


    Nach einer kleinen Überschlagsrechnung trete ich vor dem bezahlen der Übernachtung kurzerhand in den STF ein. Das geht problemlos mit Adresse und Unterschrift. Mit dem Wissen, dass mein Schlafsack bei schlechteren Wetter wirklich nicht mehr erholsam schlafen lässt, rentiert sich die Mitgliedschaft bereits bei/ab der dritten Buchung. So kostet eine Übernachtung als Mitglied 400SEK anstatt 550SEK. Weitere Vergünstigungen inbegriffen.

    Die Hütte füllt sich langsam über den Tag, aber alles bleibt im Rahmen. Ich gehe noch bei eisigen Wind und Regen vor dem Haus baden, schreibe mein Tagebuch und bereite eine ordentliche Doppelportion Travellunch zu. Am Abend studiere ich die Karte für den weiteren Weg.

    Erschöpft und glücklich über das warme Bett, lausche ich den prasselnden Regentropfen am Fenster und schlafe bald ein. Morgen früh soll die Sonne lachen.

  • 2. Storrödtjärnstugan – STF Rogenstugan (17 km) 494m rauf - 604m runter

    Samstag, 10.08.24

    Wetter: heiter bis sonnig, windig



    Um 06:00h morgens wurde der erste Rucksack gepackt. Das Rascheln der Tüten holt mich aus dem Schlaf. Ein älterer Mann, welcher einst von Deutschland nach Norwegen gezogen ist, will aufbrechen. Am gestrigen Tag hatte er schon 600km in den Beinen und wollte noch weiter bis Sälen. Bewundernswert.

    Eine halbe Stunde später schiebe ich vorsichtig den schweren Stoffvorhang bei Seite und sehe, das die Vorhersage recht behalten hat. Die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Ich nehme alles, was ich zur Morgenhygiene und zum Frühstück benötige, mit aus dem Haus und genieße draußen mit einer Tasse Kaffe das hier und jetzt.

    Alles ist ruhig, keine Menschenseele, die Sonne zaubert ein tolles Licht, man hat nichts von all dem Luxus zu Hause greifbar, nicht mal Strom, und trotzdem verspürt man eine ungewohnte Dankbarkeit. Dankbar, all das hier erleben zu dürfen. Es ist ja niemandem vorenthalten, aber die wenigsten kommen auf die Idee, es einfach mal zu machen.

    *Fältjägarnstuga



    Anscheinend habe ich eine ganze Weile im „hier und jetzt“ verbracht, denn unbemerkt steht plötzlich die Hüttenwirtin mit ihrem Dackel neben mir, und erkundigt sich, ob ich gut geschlafen habe und ob alles in Ordnung sei. Ich scherzte, das nur eine Hand voll Moltebeeren den Tag noch besser machen könnten.

    „ there is a secret Spot behind the House with lots of berries“ entgegnet sie mir. Sie müsse nur kurz mit dem Hund eine Runde gehen, dann würde sie es mir zeigen.


    Ich war baff. Moltebeeren kannte ich sonst nur von Fotos oder Erzählungen. Und die Frau hielt Wort. Kurze Zeit später hatte ich mein Töpfchen ausreichend gefüllt und war bereit für das beste Frühstück seit langem.



    Es folgt die tägliche „morning routine“ mit Sachen packen, Wanderkleidung anziehen, dies das, etc. Um 09:30h geht es auf Richtung Rogen NP.

    Meine frisch geschnürten Schuhe muss ich bereits 200m hinter der Hütte wieder ausziehen. Die Holzbohlen sind derart überschwemmt, das trotz Goretex trockenen Fußes nichts machbar ist. Dieses Spielchen setzt sich mehrmals fort. So gehe ich vorerst die nächsten Meter einfach Barfuß weiter.

    *weiter Richtung Rogen NP


    Nach dem Sumpfgebiet geht es auf gewundenen schmalen Pfaden Bergab zur Grenze des Rogen NP und im weiteren Verlauf des Weges wechseln die Passagen zwischen vielen Metern Holzplanken über Grasland und Sumpf sowie steinigen Abschnitten auf kleinen Wegen.

    *Hier beginnt der Riese aus Fels und Stein



    An der Brücke vor dem Vindskydd am Südende des Rogensee`s fülle ich noch mal meinen Wasservorrat auf, bevor ein langer und steiler Anstieg zum „Gipfel“ des Tandsjövålen (993m) auf mich wartet.

    *südlichser Zipfel des Rogensee`s


    Ab hier werden die Wege tatsächlich sehr abenteuerlich. Trittsicherheit und Gleichgewichtssinn sind eine Grundvoraussetzung, um hier weiter zu kommen.


    Ich muss kurz lachen, als ich daran denke, wie ich bei den ODS gefragt habe, ob der Weg mit dem Wanderwagen machbar sei. Völlig absurd ;).

    Auf halber Höhe gelangt man auf eine Art Hochplateau, teils mit flachen, heideähnlichen Sandflächen, die sogar einen Zeltplatz ermöglichen würden. Kurz vor den letzten Höhenmetern mache ich eine ausgedehnte Mittagsrast im strahlenden Sonnenschein, mit Cappuccino, Powerbar und warmen Porridge



    *Stromversorgung läuft einwandfrei


    Frisch gestärkt geht es an die letzten Höhenmeter. Allgemein ist es nicht sonderlich steil, aber der langgezogene, stetig ansteigende Weg, teils über esstischgroße Steine laugt auf Dauer aus.

    *Blick zurück


    Kurz vorm Gipfel zeigen sich die ersten Rentiere. Ruhig grasend stehen sie überall verteilt am Hang. Ein toller Anblick, auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Sie haben jedoch immer ein Ohr und ein Auge auf den störenden Wanderer gerichtet, um im Zweifelsfall schnell das Feld räumen zu können.

    Oben angekommen hat man einen phantastischen Blick über einen Großteil des Rogens. In der Ferne sieht man, wie teils kräftige Schauer niederregnen.

    Oft habe ich gelesen, dass die Leute hier enttäuscht im Regen oder dichten Nebel standen. Das Problem habe ich nicht. Allerdings macht der Wind einem längeren Aufenthalt einen Strich durch die Rechnung. Ohne meine dünne Kapuze, welche ich stets als Nackenschutz unter dem Hut trage, wären die letzten Tage schon äußerst ungemütlich geworden.



    *Blick über den Rogensee


    Nach einer kleinen Fotosession und einem Videocall, um meine Begeisterung teilen zu können, geht es auf der anderen Seite des Berges wieder hinab. Auf einsamen Singletrails beginnen schon bald die Bäume wieder die Oberhand zu gewinnen.


    *Moosetraps ?(


    Unten im Wald verweisen Infotafeln auf die Geschichte dieser Gegend. Einst wurden hier Elchgruben (Moosetraps) ausgehoben, um den majestätischen Tieren zu Leibe zu rücken. Grauenhaft, wenn ihr mich fragt. Aber so war es nun vor langer Zeit gang und gäbe.

    Im weiteren Verlauf des Weges quere ich eine größere Holzbrücke über den Stor-Tandsjön und eine Wohnsiedlung mit Ferien-, bzw. Sommerhäusern. Mich zieht es jedoch geradewegs zur Rogenstugan.

    Dort angekommen treffe ich auf den noch recht jungen Hüttenwirt. Schnell kommen wir ins Gespräch, da ihm als erstes meine leichten Trailrunner auffallen und er interessiert nachfragt. So etwas sieht man hier unter Einheimischen eher selten.

    Im weiteren Verlauf des Gesprächs ergibt sich die Möglichkeit, kleinere Annehmlichkeiten wie die Sauna, auch ohne Hüttenaufenthalt nutzen zu können. Dafür wird dann zwar eine Servicegebühr fällig, die aber dank Mitgliedschaft auch wieder günstiger ausfällt als normal.

    Das kommt mir sehr entgegen, da ich eigentlich eine Nacht im Zelt für heute fest eingeplant hatte. Der Wind weht zwar teils stürmisch aus West, aber wenn sich ein Plätzchen finden lässt, wo es nicht so drückt, geht es an!

    Nach einem kleinen Einkauf im Stuganshop geht es mit einer Dose Bier, einer Tafel Schokolade, Knäckebrot und Salami für das Abendbrot auf Entdeckungstour.

    *Rogenstugan


    *erstmal um das wichtigste kümmern


    In zweiter Reihe auf dem Hauseigenen „Zeltplatz“ werde ich unter einer alten, angekippten Kiefer fündig. Der Platz passt perfekt für mein Zelt. Zwar ist der Boden etwas sumpfig, aber das Groundsheet regelt den Rest.



    *traumhafter Campspot


    *Die Uhr lädt ohne Probleme direkt am Panel


    Um 18:00h ist die Sauna fertig angeheizt. Eigentlich erst die Damen, dann die Herren, und im Anschluss gemischt. Da sich die Nachfrage unter den Damen aber in Grenzen hält, kann jeder sofort hinein. Direkt am Seeufer gelegen, mit Holzofen befeuert, ist das etwas, was ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen möchte.


    *links zwischen den Bäumen die Saunahütte


    Zusammen mit einem Österreicher, welcher hier auf Grund des Windes seit Tagen fest sitzt, verbringe ich den Abend in der Sauna. Zum abkühlen geht es in das kalte Wasser des kristallklaren Sees. Bei mannshohen Wellen ist das am heutigen Tag noch die Kirsche auf der Sahnetorte.

    Nach intensiven Austausch über unsere Touren und Abenteuer, zur Abwechslung mal wieder auf deutsch, geht es noch kurz für den Sonnenuntergang an den See und danach erschöpft aber glücklich ins Bett. Was für ein toller Tag!


  • bogus 22. Dezember 2024 um 12:46

    Hat den Titel des Themas von „Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden“ zu „(SE) Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden“ geändert.
  • Im Nachhinein könnte man den Weg sogar in Teilen mit der HM gehen. Man müsste nur die Etappen auf die grünen Täler verteilen. Töfsingdalen NP ist auf jeden Fall geeignet zum Hängen, der Rogen sowieso. Und es kommen noch weitere Möglichkeiten. Oben im Hochfjäll um Helags muss man dann auf die Hütten ausweichen. Aber dazu später mehr...

  • 3. STF Rogenstugan – Rödviken Vindskydd (8,5 km) 178m rauf - 202m runter

    Sonntag, 11.08.24

    Wetter: heiter bis sonnig, kalt

    Am nächsten Morgen werde ich um 07:00h vom Regen geweckt. So war das aber nicht abgemacht! Da die nächsten Etappen mit den Kilometern etwas unpassend liegen, und ich dadurch heute eh nur 9km gehen will, habe ich keinerlei Zeitdruck und bleibe einfach liegen. Nach einer Stunde prasseln die Tropfen immer noch auf die Außenhaut des Zeltes, also beschließe ich mein Frühstück in den Apsiden zuzubereiten. Schließlich wird das Zelt mit eben diesen großen Apsiden beworben, dann soll es mal zeigen was es kann.

    Mit dem Müslibecher in der Hand studiere ich mal wieder die Karte. Ehrlicherweise kann man bei genauerer Betrachtung der Karte mehr wissenswertes entdecken, als im TV-Programm zu Hause. Vielleicht behalte ich dieses Ritual einfach daheim bei.

    Die Tropfen werden weniger, also mache mich langsam fertig für den Tag. Leider muss ich dabei feststelle, dass ich irgendwo meine Zahnbürste verlegt habe. Ich trockne noch schnell das Zelt mit meinem Handtuch und mache mich im Anschluss auf zur Rogenstuga, in der Hoffnung, eine neue Zahnbürste im Shop zu finden.

    Gerade als ich eintreffe, tritt der Hüttenwirt aus der Tür. Er und seine Frau wollen eine Wanderung unternehmen, um irgendetwas zu besorgen. Perfektes Timing. Tatsächlich werde ich fündig und kehre mit einer neuen Bambuszahnbürste, Blå Band Tütennahrung und Kex Waffelgebäck zum Zeltplatz zurück.

    Der Wind hat in der Zwischenzeit ganze Arbeit geleistet und das Außenzelt ist fast getrocknet. Ich packe alles ein und bin gg 10:00h reisefertig.

    Es geht über kleine Wanderpfade, die sich immer wieder mit langen Metern an Holzplanken abwechseln. Vorbei an viel Moor und Grasflächen, Rentieren und Bachläufen. Ich denke an die drei Männer in der Schutzhütte, als sie den Rogen mit „random Forest“ beschrieben habe. Das trifft hier ganz gut zu. Spektakulär ist es nicht.




    Von den vielen kleinen Seen nördlich des Weges bekommt man leider nichts zu Gesicht, was sehr schade ist. Auch der Rogen schimmert nur ab und zu in der Ferne. Auf dem letzten Abschnitt vor dem Shelter nehmen die Steine wieder zu und der Wald wird dichter.

    Plötzlich taucht ein kleines Schild auf…links ab zum Vindskydd. Es geht ca. 50m einen Hang hinunter und auf halben Wege glitzert schon die Sonne auf der Wasseroberfläche durch die Baumreihen hindurch. Der Platz ist wunderbar gelegen und durch die vorgelagerte Halbinsel vor Wind geschützt. Noch dazu ist niemand anzutreffen, herrlich. Einzig das Platzangebot für Zelte ist äußerst beschränkt. Die Feuerstelle ist mittig vor dem Shelter gelegen und je nach Windrichtung entweder ein Feuer, oder das Aufbauen der Zelte nicht möglich.

    Da ich ganz alleine bin, beschließe ich das Zelt eingepackt zu lassen und dafür ein schönes Lagerfeuer zu machen. Einen Schlafplatz richte ich mir innerhalb der Hütte aus den Bänken her, die dafür aber noch in der Höhe angepasst werden müssen. Eine kleine Fummelei, aber Zeit habe ich ja heut genug.





    Das Bett ist gemacht. Als nächstes steht Feuerholz auf dem Plan. An der Kreuzung oben auf dem Weg ging es auch zur anderen Seite weiter, dazu alte Kiefern weit und breit, die wiederum hervorragendes Brennholz versprechen. Also machte ich mich auf den Weg.

    Nach ca. 300m komme ich zu den vorhin erwähnten kleineren Seen, nördlich des Trails. Einige Fischerhäuschen und Boote liegen am Ufer, in der Ferne Rentiere beim grasen, eingebettet in einer friedlichen Ruhe, welche nur durch das Rauschen des Windes unterbrochen wird. Ratz fatz habe ich zwei Arme voll Holz zusammen und mache mich wieder auf den Heimweg.



    Wieder am Shelter angekommen, bilde ich mir ein, plötzlich eine Rentierglocke zu hören, wie man sie von den Kühen im Allgäu kennt. Diese Glocke stellt sich allerdings als Alutasse heraus, welche außen an einem Rucksack baumelt. Vier Kanuten aus Deutschland sind auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Nach einigen Überlegungen und einer ausgedehnten Kaffeepause beschließen die vier hier zu bleiben, und kurze Zeit später steht der ganze Platz voll mit vier Einpersonenzelten. Kreuz und quer, krumm und schief. Ihr erinnert euch, ich hatte schon Bedenken bei einem ;)

    Seis drum, das Feuer hatte sich für den Abend erledigt und ich beschließe für mich, die öffentlichen Plätze in Zukunft so gut es geht ganz zu meiden.

    Mit einem Podcast auf den Ohren sinke ich schon bald in den Schlaf.

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