Underquilt aus Mohair Wolle?

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  • Hallo allerseits!

    Ich plane meinen allerersten underquilt für meine gebraucht ertstandene Hennessy hammok zu nähen.

    Ich habe eine Decke aus reiner Mohair Wolle die ich nicht besonders mag, weil sie so leicht ist, dass sie sich nach Kunstfaser anfühlt. Mohair ist ja auch die spezifisch leichteste Textilfaser. Aber ich finde nirgends Informationen dazu, wie gut die Wärmeleistung ist, außer dass Wolle prinzipiell gut wärmt und zwar auch bei Feuchtigkeit.

    Wäre es also eine gute Idee diese Decke in einem möglichst leichten Underquilt zu vernähen?

    Außen ripstop und eventuell noch Daune dazwischen oder so...

    Gedacht wäre er für 3-season bikepacking.

    Liebe Grüße und vielen Dank für euren Input :)

    Natalie

  • Hallo Natalie,

    ich kann zwar nur bedingt antworten, da ich für meine Crosshammock keinen Underquilt brauche und konkret mit Mohair auch noch keine Erfahrung gemacht habe. Ich habe mir aber einen normalen Sommerquilt aus Lavalan, also einer Wollisolation, genäht, es gibt hier im MYOG-Unterforum einen Bericht dazu. Und ich mache Bikepacking mit Rahmen/Lenkertaschen und einer Arschrakete, also mit sehr, sehr wenig Platz. Und dafür würde ich den Wollquilt nie mitnehmen (auch Kufa nicht), auch, wenn ich die Wärme sehr mag und er als Poncho nutzbar ist, da ich da wirklich jeden cm³ gebrauchen kann an Packvolumen und so eigentlich nur Daune als Isomaterial in Frage kommt. Und zur Wärmeleistung: zumindest Lavalan dürfte etwas "kälter" sein als Apex (mit dem mir allerdings die Erfahrung fehlt), als einigermaßen normalverfrorene Frau reichen mir die zwei Lagen 60er Lavalan für 14-15° und Pimpen der Daunentüte bringt ca. 5-6°.

    Eine Kombination mit Daune erscheint mir da sinnvoll, das machen die Schweizer von "Gruezibag" ja auch.

  • Hallo Schwarzwaldine,

    Genau wie du sagst, Schurwolle hat zwar viele tolle Eigenschaften, aber leicht ist sie natürlich nicht. Mohair ist dafür sehr leicht, aber eben volumspezifisch, über wärmespezifisch weiß das Internet nichts...

  • Hatte mich auch viel mit Wolle beschäftigt und bin am Schluss dann doch bei Synthetik gelandet.

    Die einzige Möglichkeit die ich bei Wolle sehe ist loses Merino-Woll-Vlies zu steppen. Merino weil die feinste Faser.

    Sobald Wolle gefilzt o. gesponnen ist, wird sie zu schwer und sperrig. Schlafkomfort ist aber natürlich super.

  • Hallo Schwarzwaldine,

    Genau wie du sagst, Schurwolle hat zwar viele tolle Eigenschaften, aber leicht ist sie natürlich nicht. Mohair ist dafür sehr leicht, aber eben volumspezifisch, über wärmespezifisch weiß das Internet nichts...

    Da hast Du mich missverstanden, mir gings nicht ums Gewicht, das ist bei dem Wollvlies Lavalan völlig ok, sondern ums Packvolumen ;) ... und ich kann mir nicht vorstellen, das Mohair, bei aller Leichtigkeit, beim Thema Komprimierbarkeit viel besser abschneidet als Lavalan.

  • Achso! Ich habe es ausprobiert und die Decke hat sich kleiner komprimieren lassen als mein Daunenschlafsack. Das kann man natürlich nicht direkt vergleichen aber es ist auf jeden Fall viel kleiner als man es sich von Wolle im Allgemeinen vorstellt.

    Die Struktur ist sehr locker und flauschig verwebt, als wäre es eine Decke aus Zuckerwatte...

    Ich glaube es wird mir nichts anderes übrig bleiben als ausprobieren wie so oft 😁

  • Na, dann go for it - und berichte uns natürlich, was rausgekommen ist. Bei meinem Lavalanquilt habe ich die Innenseite, damit die schön kuschelig bleibt angesichts von direktem Hautkontakt, mit Wollmusseline gefüttert und außen sehr leichten Nylontaft genommen. Falls Du nur bei der Mohairdecke bleibst, könnte eine reine windabweisende Außenschicht reichen.

  • Achso! Ich habe es ausprobiert und die Decke hat sich kleiner komprimieren lassen als mein Daunenschlafsack. Das kann man natürlich nicht direkt vergleichen aber es ist auf jeden Fall viel kleiner als man es sich von Wolle im Allgemeinen vorstellt.

    Die Struktur ist sehr locker und flauschig verwebt, als wäre es eine Decke aus Zuckerwatte...

    Ich glaube es wird mir nichts anderes übrig bleiben als ausprobieren wie so oft 😁

    Ich hatte auch mit Wolldecke als UQ experimentiert. Das geht soweit auch gut, aber hält nicht mehr warm wenn die Decke Luftzug ausgesetzt ist. Der Luftzug zieht die Wärme schnell aus der Wolle raus. Dann besser die Wolldecke in die HM legen.

    Hast du die Möglichkeit die Wolle nochmal gegen Wind zu schützen, würde ich das probieren. Zusätzlich auch testen wie die Decke Dich Zuhause warm hält. Schläfst du drunter nicht warm, wirds draußen auch kühl.

    Zwischenzeitlich war ich bei Wollflor gelandet, weil es verhältnismäßig leicht ist. Dabei wird die Wolle auf einen Polyesther o. Baumwoll-Trägerstoff angebracht. Das macht es leichter: https://schaf-im-schrank.de/produkt/wollflor-braun/

    Mein Plan ist Zuhause irgendwann eine HM zu nutzen, und dann nehme ich als UQ auch definitiv Wolle.

  • Also für die die's wissen wollen, ich habe noch weiter das Internet durchforstet und es scheint so zu sein: Daune ist ungeschlagen was die Wärmeisolation betrifft. Wolle ist ähnlich gut wie Kunstfaser, es gibt aber Unterschiede.

    Je kälter die Region ist in der das Tier lebt, umso wärmer hält die Wolle (wer hätte das gedacht). Da die Angoraziegen, von denen Mohairwolle kommt aus der Türkei stammen, ist ihre Wolle nicht die wärmste. Kaschmir oder Yak sind z.B. wärmer. Es kommt aber auch auf die Verarbeitung an, je flauschiger/lockerer umso wärmer

  • Also für die die's wissen wollen, ich habe noch weiter das Internet durchforstet und es scheint so zu sein: Daune ist ungeschlagen was die Wärmeisolation betrifft. Wolle ist ähnlich gut wie Kunstfaser, es gibt aber Unterschiede.

    Je kälter die Region ist in der das Tier lebt, umso wärmer hält die Wolle (wer hätte das gedacht). Da die Angoraziegen, von denen Mohairwolle kommt aus der Türkei stammen, ist ihre Wolle nicht die wärmste. Kaschmir oder Yak sind z.B. wärmer. Es kommt aber auch auf die Verarbeitung an, je flauschiger/lockerer umso wärmer

    Das Klima unter Wolle ist genial und viel besser als unter Synthetik. Kondenswasser/Schweiß dunsten schnell aus und die Wärme staut sich nicht so stark wie unter Daune. Ich bin von meinen 3 Wolldecken die ich Zuhause nutze total überzeugt. Schlafe ich lieber drunter als unter Daune, und das auch an den ganzen kalten Tagen (dann mehrere Schichten). Das ist aber eher Geschmackssache ob einem Daune oder Wolle besser gefällt was den Schlaf betrifft. Wolle braucht hingegen deutlich länger um die Wärme aufzubauen.

    Um für den Outdoor-Bereich das beste aus der Wolle rauszuholen, würde ich lockeres Woll-Vlies verwenden. Das lässt sich komprimieren. Es muss aber entsprechend gut versteppt werden, was sehr aufwändig ist, und und ob das lose Vlies bei viel Bewegung nicht irgendwann Filz-Kumpen bildet (beim waschen bestimmt), weiß ich nicht. Wahrscheinlich nutzt Gruezi-Bag genau aus dem Grund eine Mischung aus Dauen und Wollfasern. Das macht die Füllung preislich günstiger, und die Wolle kann beim Waschen nicht verfilzen.

  • Gironimo: da empfehle ich Dir, mal Lavalan (was auch die Pseudo-Schweizer ;) von Gruezibag verwenden) näher anzuschauen, das ist, wie der Name schon sagt, waschbar und muss auch nicht versteppt werden. Hochwertige Daune und Wolle schenken sich preislich allerdings wenig.

    Ich hatte nach einer günstigen UQ-Lösung aus Wolle gesucht. Wollfasern die warm halten kriegt man schon sehr günstig.

    Lavalan fand ich auch sehr interessant, aber ich dachte mir, dass Apex letztlich doch wärmer hält.

  • Ich glaube, ich kenne da nur die falschen Anbieter, Wollvlies und günstig habe ich noch nie in Verbindung bringen können.

    Hier gibts 1 kg für 22€.

    In der Baubranche wird Wolle auch als Material zur Wärmedämmung verwendet. Solange die Wolle nicht mit Chemie behandelt ist, würde ich sie in einem UQ testen.

    Ist die Frage ob das mit genähten Kammern funktioniert, bzw. wie groß die Kammern sein müssten und ob die Fasern darin nicht verfilzen.

    Daune ist meiner Einschätzung nach eine Extra-Kategorie, weil es dabei auf das Daunen/Feder Gemisch (u. Vogelart) ankommt, und sie eine ganz andere Preisklasse bildet.

    O.T.:

    Übrigens bin ich bei meinen Recherchen auf ein weiteres spannendes Material aus der Natur gestoßen: Kork, aus der Korkeiche.

    Es gibt Korkleder was hervorrgand Wärme isolliert, winddicht und atmungsaktiv ist. Unter Umständen könnte man damit auch einen UQ herstellen ^^ .

    Mustermaterial zum testen war mir aber zu teuer.

    Einmal editiert, zuletzt von Gironimo (16. Mai 2023 um 12:38)

  • Danke für den ersten Link, das scheint wirklich eine gute Bezugsquelle zu sein - für häusliche Bettdecken könnte der Vorfilz interessant sein, 3cm dick und 2m breit und nicht so viel teurer. Für Outdoor-Kram lohnt sich schon aus vom Preis-Gewichts-Verhältnis Lavalan.

  • In der Baubranche wird Wolle auch als Material zur Wärmedämmung verwendet. Solange die Wolle nicht mit Chemie behandelt ist, würde ich sie in einem UQ testen.

    Wird das von dir verlinkte Produkt aber leider. Ich habe mal beim Hersteller nachgefragt was denn dieses "Enzym gegen Mottenfraß" ist, womit geworben wird.

    Antwort war, es wird Konservan eingesetzt.

    Wirkstoff von Konservan P 40 der Firma Thor ist Permethrin.

    Da gibt es viele Meinungen zu, lässt sich leicht Suchen im Netz.

    Für mich wär das nichts, vor allem nicht für mein Schlafgemach :sleeping:

    https://www.eggbi.eu/fileadmin/EGGBI/PDF/Mottenschutz_fuer_Schafwolldaemmstoffe.pdf

  • Ja, das ändert aber nichts an der Tatsache dass der Rohstoff (unbehandelt) günstig zu bekommen ist. Das Zeug drauf sprühen macht es schließlich teurer.

    Viel Wolle wird heutzutage einfach weggeschmissen oder als Dünger verwendet, weil es keinen Markt mehr dafür gibt. Synthetik hat die Schafswolle in vielen Bereichen abgelöst.

    Die ersten einfachen Verarbeitungsschritte sind auch nicht so teuer, d.h. Schaf scheren, Wolle Waschen, vor-filzen. Gibt aber nur noch wenige Fabriken dafür.

    Ich fand das Thema deshalb interessant, weil der Rohstoff deutlich günstiger ist als Daune und historisch war Schafswolle immer die Wärmeisolation fürs draußen übernachten.

    2 Mal editiert, zuletzt von Gironimo (17. Mai 2023 um 23:51)

  • Und unter ökologischen Gesichtspunkten ist mit Schafwolle deutlich sympathischer als Daune. Bei Schafwolle wird ein Tier weder gequält noch getötet, bei Daune ist beides häufig.

    Aber unter dem Gesichtspunkt des Gewichts siegen leider ganz klar die Daunen. Für zu Hause dagegen wäre Wolle ein gute Alternative.

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