Mit Fahrrad und Hängematte über die Alpen von München zum Gardasee

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  • Um nach dem Winter wieder in Schwung zu kommen, habe ich mich kurz entschlossen Anfang der Woche mit einem Kumpel von München aus über die Alpen in Richtung Gardasee aufgemacht. Dabei habe ich auch eine neue Rahmentasche mit zwei Fächern eingeweiht, die ich mir angefertigt habe, weil meine bisherige nur ein großes Fach enthielt, was der Übersicht beim Packen nicht immer zuträglich war.

    Unten kam das Werkzeug rein, oben Verpflegung, Elektronikzeugs, Verbandszeug und ein paar Klamotten.

    Da die Strecke großenteils über asphaltierte Straßen gehen würde, hatte ich mich im Vorfeld auch dazu entschlossen, die 40er Gravelreifen gegen 32er Rennradreifen einzutauschen, die ich auch wieder tubeless aufgezogen habe.

    Die letzte Vorbereitungsbastelei bestand aus einer Tasche, in der ich das Rad verstauen kann, um alle Züge nutzen zu können. Das war schon bei der Anreise nach München nötig, denn der früheste (und schnellste) Zug nimmt keine undemontierten Räder mit.

    Gegen 10:30 sammelte mich am Montag der Kumpel in München auf und nach dem Zusammenbau konnte die Radelei beginnen.

    Nach ein paar Stunden zeigten sich bei Bad Tölz die Berge und es wurde anstrengend - vor allem wegen der vielen Motorradfahrer, die den Ostermontag für Ausfahrten um den Sylvensteinspeicher herum nutzten.

    Leider gibt's auf der Strecke nur sporadisch Radwege, sodass man eine gewisse Leidensfähigkeit braucht. Man muss sich halt mit dem Ausblick auf den See entschädigen.

    Ruhiger wurde es dann am Achensee, an dem ein von der Straße getrennter Radweg entlangläuft. Danach ging es über die steilste Strecke der gesamten Tour hinab ins Inntal, wo sich der Freund einen Gasthof suchte,

    während ich mir in der Nähe einen Hängeplatz auserkor.

    Da es trocken bleiben sollte, verzichtete ich auf ein Tarp, das aber griffbereit parat lag, falls es doch zu regnen beginnen würde. Aber ich hatte Glück und konnte mir den Auf- und Abbau sparen.

    Am nächsten Morgen trafen wir beim Bäcker wieder zusammen und starteten gegen 8 Uhr den Anstieg zum Brenner. Hier mal das (leider viel zu) bepackte Rad: Hinten in der Arschrakete das Übernachtungssetup aus Schlafsack, Hängematte, Isomatte und Tarp, in der (ebenfalls neuen) Oberrohrtasche steckten Lebensmittel, Geld, Schloss, Lampenakku und vorn in der Rolle Klamotten, normale Schuhe, Thermounterwäsche und Regenzeug (die letzten beiden Sachen hätte ich mir sparen können). Im Hintergrund sieht man übrigens, dass nicht nur im Harz der Nadelwald stirbt, sondern auch in den Alpen.

    Mittags waren wir bereits oben und konnten uns auf die lange Abfahrt freuen.

    Zugleich beginnt oben auf dem Brenner auch die bis Rovereto führende Fahrradstrecke ohne nennenswerte Straßenberührung. In Brixen verabschiedete sich der Freund, der zurück nach München musste ...

    ... und ich genoss das erste italienische Eis.

    Nicht ganz einfach gestaltete sich die zweite Schlafplatzsuche, weil das Eisacktal extrem dicht besiedelt ist, bzw. landwirtschaftlich genutzt wird. Direkt am Flussufer fand ich schließlich einen Spot; oberhalb von mir verlief der Radweg.

    Aber nach dem Tagespensum habe ich mir über etwaige Passanten, die mein Schlafzimmer von oben begutachten könnten, nur noch wenige Gedanken gemacht.

    Am nächsten - und letzten - Tag der Tour prägten über 120 km endlose Apfelplantagen

    und unterhalb von Trient schließlich Weinanbaugebiete die Szenerie. Aber insgesamt waren das locker abgespulte Kilometer,

    sodass ich zwei Tage, drei Stunden und 380 km, nachdem wir in München gestartet waren, schließlich den Gardasee erreichte.

    Am Erholungstag, den ich in einer Pension verbrachte, hat mich dann allerdings das bisherige Wetterglück verlassen und es goß in Strömen.

    Erst am Abreisetag kam wieder die Sonne raus. Aus dem Zugfenster auf der Rückfahrt konnte ich dann eine komplett veränderte Landschaft erblicken, denn in den Alpen hatte es nicht geregnet, sondern noch einmal ordentlich geschneit.

    Mein Fazit: ein toller Start in den Frühling, der hoffentlich jetzt bald Einzug halten wird!

  • Sehr schön !

    Und vor allem, ganz schön flink, für die Strecke und den Höhenunterschied von München zum Garda See !

    Aber von Trient durchs Sarcatal, ist dann doch eine

    sehr schöne Strecke, .... ich hoffe auch für Radfahrer.

    Viele Grüße


  • Moch Danke, ich habe selber gestaunt, wie flott es über den Brenner voran ging. Wenn man einmal oben ist, hat man nicht mehr viel zu tun, außer bremsen. Auch auf die Gesamtstrecke gesehen, ist die Tour eine Abfahrt (München 520m, Gardasee 65m), was man sich vorher gar nicht so vorstellt, wenn man nur an die Alpenüberquerung denkt. Ins Sarcatal (das für den berühmten Surfwind am Gardasee verantwortlich ist) habe ich aber nur reingeblickt, das wäre eine eigene Tour wert.

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