Es begab sich, dass im späten November Anno 2016 der muntere Gjallarhorn mal alleine im verschneiten Wald nächtigen wollte. Sonst sich seines lustigen Kameradens sicher, sollte nun eine neue Ära der Verschrobenheit eingeläutet werden.
Der Entschluss stand also fest und sogleich wurde der Rucksack gepackt.
Als Schlafstätte galt Ihm ein DD Tarp 3*3 MC, DD Frontline MC, DD Jura 2 und DD Isomatte. Wohl die typische Ausrüstung für einen Bushcrafter der sich zum ersten Mal für das Thema Hängematte interessiert.
So ging es also voll Elan und ordentlich ausgerüstet in den winterlichen Mischwald, eine Gegend genannt Teufelsküche. Der Teufel selbst soll dort einst sein Unwesen getrieben haben und dorthin wollte unser wackerer Held? Ohne Frage! Galt es doch als "zähe Sau" am nächsten Morgen den Wald verlassen zu können. Ja, im "Inner Circle" der wirklich viechigen Viecher zu sein.
Mit dem Herz eines urigen Naturburschen, das ein Allgäuer ja schon von Natur aus sein eigen nennt, wurde bei dämmriger Nachmittagsstimmung ein passables Plätzchen gesucht. Teilweise Knietief im Schnee ging es an mächtigen Nagelfluhblöcken vorbei tiefer in ein Labyrinth aus winterlich zugeschneiten Bäumen.
Endlich, zweier schöner Bäume fündig geworden, ging es daran das Nachtquartier aufzubauen. Ein schneidender Wind bei geringen Minustemperaturen machten unserem Held das aufbauen nicht leicht. Doch war im der Ablauf mittlerweile schon geläufig und so war alles mehr oder weniger zügig vollbracht.
Zwischenzeitlich begann das Tageslicht merklich zu schwinden und die Zeit für eine deftige Mahlzeit ward gekommen. So hatte sich eine ordentliche Stärkung doch bei vorangegangenen Übernachtungen im Wald mit seinem Kollegen stets als Stimmungsheber und gute Unterlage für Hopfenkaltgetränke bewiesen.
Nun wurde also der Gaskocher angeworfen und DAS bushcraftmäßige Essen schlechthin zubereitet: Erbswurst mit extra Wienerle! Als Nachttisch gab es noch eine Tasse Tee "Winterzauber" gar mit einem ganzen Stück Würfelzucker. Braucht der Körper doch Energie um sich Nachts warm zu halten.
Als die Nacht die Herrschaft für viele Stunden antrat, wollte sich auch unser Held langsam zur wohl verdienten Hängemattenruhe begeben. War er doch in einem Teil besser ausgerüstet als bei der letzten Winterübernachtung. Damals hat es ihm gar fürchterlich am Hüftgold gezogen und die Nacht wurde zum Martyrium. Naja, zumindest wachte er öfters auf und musste seine Lage verändern, was aber trotzdem recht unangenehm kalt war.
Das Besserung gelobende Teil war den auch die Isomatte von DD. So war hoffentlich für eine warme und erquickende Nacht vorsorge getroffen und mit einem letzten Blick in den nächtlichen Wald, ob den nicht irgendwelche Bären, Wölfe oder zumindest gewaltige Wildschweinrotten sich um sein Lager schleichen, wurde die heimelige Nestwärme der Hängematte gesucht.
Eingemummelt in seinen Schlafsack, bei etwas unter 0 Grad Celsius, lag der Gjallarhorn ganz allein mitten im Wald. Nicht irgend ein Wald, sondern die Teufelsküche.
Teufelsküche.... mhmmmmmm ... der Film BlairWitchProject spuckte plötzlich in seinem Geist herum. So in der Hängematte ist man ja eigentlich wie eine schöne große Wurst aufgehängt. Wenn da jemand mit dem Messer so schräg unten von der Seite ..... oder die wilden Tiere des Waldes .... mmhmmmmmmm.....
Mit diesen Gedanken viel unser Protagonist in einen unruhigen Schlaf. So um die Geisterstunde kam, was zu befürchten war. Die Isomatte schützte Ihren Herren nicht vor der beißenden Kälte des Allgäuer Winters. Das Hüftgold und Gjallarhorn begannen sehr unangenehm zu frieren. Ein hin und her gewälze gegen den Kältepunkt am Becken half nur kurz und verhinderte eine weitere Nachtruhe. So lag er den frierend und mit dem Gedanken abzubrechen und mit dem Gedanken der gjallarhornfeindlichen Umgebung beim Rückbau des Lagers, in seiner Hängematte. Schlafen war der Kälte wegen kein Thema mehr und so war der entmutigte Held schließlich bereit sich aus seinem sicheren Nest zu schälen und sich den Ungeheuern der Nacht zu stellen. Wohl auf Löwenherz!
Ein Lager mitten in der Nacht, bei Minus Graden und mit dem Gedanken jeder Zeit Angegriffen werden zu können abzubauen, ist kein Spaß. So ging es den auch unserem liebgewonnenen Waldwummsler.
Mit einer billigen Stirnlampe ausgerüstet ging es ans Werk. Konzentriert und gefasst wurde jeder einzelne Handgriff vollzogen. Der Puls wollte ausbrechen, das Adrenalin den Körper durchfluten, doch wie in einer zenartigen Trance wurde der Rückbau vollzogen. Schlafsack zurück in den Sack. Isomatte Luft raus, und weggepackt. Querstangen des Mückennetz raus gepullt und die Snakeskin über die Hängematte gezogen. Ungefähr tausend Knoten und Verbindungen mussten noch gelöst und eingepackt werden. Die Heringe des Tarps mussten aus dem Waldboden geborgen werden und schließlich war alles wieder im Rucksack zurück. Zum Glück ohne Angriffe. Die permanent versuchte Selbsttäuschung, dass er selbst das gefährlichste und einzige Tier weit und breit ist, brachte nur wenig Zuversicht. Hatte man ja wie bereits erwähnt schon BlairWitch gesehen und kannte die Schrecken der Nacht.
Dank höchster stoischer Ruhe und Konzentration wurden sämtliche Ausrüstungsgegenstände eingepackt und die Abmarschbereitschaft hergestellt. Der große Rucksack schütze vor Angriffen von Hinten und so war gleich ein mehr an Sicherheit geschaffen. Ein Knüppel sollte einer auftauchenden Hexe zudem den Gar ausmachen. Zusätzlich war der furchtsame Recke durch die dicken Winterkleidung vor Biss- und Kratzattacken etwas geschützt. So macht sich die Ein-Mann-Armee auf um aus diesem menschenfressenden Wald auszubrechen. Ganz wie Ash bei Tanz der Teufel! ... oder so ähnlich.
Zum Glück war der nächste, von Menschen geschaffene Weg, nicht allzu fern und mit forschem Schritt ging es durch die Nacht. Die Stirnlampe wollte die nächtliche Romantik etwas unterstützen in dem sie nur noch wenig bis kein Licht spendete. Die Handlampe wiederum wollte mit dem systemimmanenten Wackelkontakt für etwas Stroboskoplicht sorgen, und so wurde der Rückzug mit einem wilden Lichtspektakel begleitet.
Dem Ziel, sein Auto, welches vor Ewigkeiten am Schreckensportal des Waldes geparkt wurde, war schon in absehbarer Nähe, da nahm unser Survivalist mit seinen gestählten Sinnen wahr das der Wald, der sein Opfer entschwinden sah, seine komplette Aufmerksamkeit auf Ihn richtete. Wenige Schritte vor dem Auto stellten sich Ihm die Nackenhaare auf als er fühlte wie tausende unsichtbare Augen auf Ihm ruhten. Ein letztes aufbäumen, ein letzter brutal geführter Versuch um doch noch seines Opfers habhaft zu werden stand bevor, doch da war Gjallarhorn auch schon in seinem Auto verschwunden.
Kurze Zeit später kam unser Mäuseherz in sein sicheres Zuhause. Einem spöttisches Grinsen seiner Frau konnte er nicht entgehen ebenso wie der Bemerkung das diese schon damit gerechnet habe. Das war Ihm aber alles egal nach dem er nur knapp dieses Abenteuer überlebt hatte.
In der Zwischenzeit lag der Wald ruhig, still und friedlich da. Genau so wie seit Beginn der Abenddämmerung. Bis auf eine kleine Ausnahme in dem ein seltsamer Vogel etwas Radau machte und zum Glück wieder mitten in der Nacht verschwand.