Silnylon auffrischen (Resilikonisierung von Silnylon)

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  • Dieses Wochenende war schönes Wetter angesagt. So habe ich mich am Samstag kurzerhand entschlossen, die Arbeit Arbeit sein zu lassen und stattdessen mein Tarptent Contrail frisch zu silikonisieren. (Da es auch Hängematten-Tarps aus Silnylon gibt, dürfte dieser Post also durchaus auch hier eine gewisse Relevanz entfalten.)

    Silnylon
    Silnylon hat einen grossen Vorteil und einen ebenso grossen Nachteil:

    • Es ist relativ dehnbar, lässt sich also sehr angenehm abspannen.
    • Es dehnt sich bei Feuchtigkeit (feuchte Luft kann schon ausreichen) deutlich bemerkbar, so dass es nicht ganz einfach ist, es so abzuspannen, dass es auch bis in die frühen Morgenstunden schön gespannt bleibt. (Hier findet man Möglichkeiten, um den negativen Effekt im Rahmen zu halten.)


    Obwohl Silnylon einiges an Feuchtigkeit aufnehmen kann, so perlt das Wasser im Neuzustand sehr schön ab. Der Stoff trocknet dann in der Morgensonne relativ schnell ab. (Es ist dennoch sinnvoll, den Stoff vor dem Einlagern zuhause nochmals gut zu lüften und ausreichend trocknen zu lassen.)

    Wann ist es Zeit für eine Auffrischung der Silikonisierung des Silnylons?
    Hat der Stoff aber ein gewisses Alter, wurde schon häufig genutzt, oft dem UV-Licht ausgesetzt und gelegentlich auch mal einige Stunden in feuchtem Zustand eingepackt, so verliert er etwas von seiner "Wasserabstossbarkeit" (sorry für das unmögliche Wort, aber das steht tatsächlich auf sämtlichen Produkten von Nikwax drauf!). In der Folge nimmt der Stoff mehr Feuchtigkeit auf als nötig, es bilden sich einige dunklere Flecken, an denen der Stoff etwas weniger schnell trocknet, und im schlimmsten Fall lässt er sogar zunehmend etwas Wasser durch, wird also leicht undicht.

    Wie es funktioniert
    Ist es um das Silnylon einmal so schlimm bestellt, so ist es an der Zeit, den Stoff frisch zu silikonisieren. Dazu nimmt man Terpentinersatz (White Spirit) und löst darin etwas farb- und geruchloses Silikon auf. Das Silikon sollte auf jeden Fall nicht völlig überaltert sein, sonst kann es passieren, dass es nicht mehr sauber abbindet, und eine klebrige, partout nicht abbinden wollende Schicht hinterlässt. Im Zweifelsfall testet man das Vorgehen auf einem wertlosen Stück Stoff. Möchte man ganz sicher gehen, dass das Silikon wirklich geeignet ist, besorgt man sich etwas "Sil Net" von McNett (oder ein vergleichbares Produkt zum Abdichten von Nähten auf silikonisierten Stoffen).

    Nachdem man das Zelt oder Tarp mit einem feuchten Schwamm gut gereinigt hat und wieder hat trocknen lassen, kann es losgehen. Je nach Silikon empfiehlt sich ein Mischverhältnis von 15:1 (Terpentinersatz [g] : Silikon [g]). Die Flüssigkeit darf wirklich stark flüssig sein, sollte aber doch soweit haften, dass nicht gleich alles auf den Boden tropft. Man kann die Flüssigkeit mit einem breiten Pinsel (3-5cm breit) oder einem ähnlich breiten Schaumstoff-Roller auftragen. Allfällige Tropfen sollte man unverzüglich mit dem Pinsel oder dem Roller verteilen, so dass sich keine unschönen dicken Überbleibsel bilden. Der Anstrich trocknet relativ schnell. Man kann den Vorgang ein zweites, allenfalls drittes Mal wiederholen. Abschliessend empfiehlt es sich, die Oberfläche mit dem immer trockener werdenden Pinsel oder Roller weiter zu "polieren", bis sich eine möglichst gleichmässige Oberfläche ergibt. Gewisse Unregelmässigkeiten sollen innerhalb weniger Tage verschwinden. Das fertig behandelte Silnylon (Zelt oder Tarp) lässt man noch einige Stunden im Freien gut abtrocknen und auslüften.

    Das ganze Prozedere funktioniert am besten, wenn das Zelt oder Tarp möglichst straff aufgespannt ist!

    Menge und Aufbewahung des Silikons
    Für ein durchschnittliches Einpersonen-Zelt kann man gut eine ganze Tube "Sil Net" einrechnen (Tube à 28g). Es braucht mehr, als man denkt! Bleibt etwas übrig, so bewahrt man die Tube am besten gut verschlossen im Kühlschrank auf; so bleibt das Silikon länger haltbar. (Achtung: Tube nicht zu stark zudrehen, der Deckel kann brechen und dann bindet das Silikon innerhalb von wenigen Stunden ab und ist somit für die weitere Verwendung nicht mehr zu gebrauchen.)

    Sicherheit
    Das ganze Prozedere sollte man möglichst im Freien (oder falls das nicht möglich ist, bei sehr guter Belüftung) durchführen, da Terpentinersatz wie auch Silikon sehr unangenehme, giftige Dämpfe freisetzen.

    Anleitung in englischer Sprache
    Wer der englischen Sprache mächtig ist, kann das ganze Vorgehen hier nochmals ausführlich und mit zahlreichen Fotos veranschaulicht nachlesen. (Ich habe in diesem Post mein Vorgehen beschrieben; es kann sein, dass dieses von der Beschreibung im Link am einen oder anderen Ort etwas abweicht.)

    Resultat
    Es hat in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag ausserplanmässig geregnet. Die Regentropfen sind - wie ich am Sonntagmorgen erfreut feststellen durfte - schön auf dem Stoff abgeperlt. Wie sich die Auffrischung der Silikonisierung längerfristig bewährt, muss der Zahn der Zeit zeigen. In der oben verlinkten englischen Anleitung steht, dass man die Neu-Silikonisierung von Silnylon - je nach Nutzung - alle ein bis vier Jahre wiederholen solle, konkret jeweils dann, wenn sich die oben beschriebenen "Symptome" wieder einstellen.

  • Dazu mischt man etwas Terpentinersatz (White Spirit) und löst darin etwas farb- und geruchlosen Silikon auf. Der Silikon sollte auf jeden Fall nicht völlig überaltert sein, sonst kann es passieren, dass er nicht mehr sauber abbindet, und eine klebrige, partout nicht abbinden wollende Schicht hinterlässt. Im Zweifelsfall testet man das Vorgehen auf einem wertlosen Stück Stoff. Möchte man ganz sicher gehen, dass der Silikon wirklich geeignet ist, besorgt man sich etwas "Sil Net" von McNett (oder ein vergleichbares Produkt zum Abdichten von Nähten auf silikonisierten Stoffen).

    Mein Bruder wollte mal eine Isomatte mit einer eher dickflüssigen Mischung behandeln, damit sie weniger rutschig sein sollte. Leider war entweder sein Silikon überaltert oder nicht geeignet oder es gab ein Problem mit dem Terpentinersatz. Jedenfalls wollte die Masse einfach nicht abbinden und er hatte dann eine Matte mit einer hässlichen, klebrigen Masse dran. :(

    Es empfiehlt sich bei fehlender Erfahrung auf jeden Fall, zuerst einen Test auf wertlosem Material zu machen!

  • Ich arbeite seit mehr als drei Jahrzehnten ausschließlich mit Flüssigimprägnierer. Keine Ahnung ob da Silikon drin ist. Bei Tarp und Zelt benutze ich am liebsten das von Heitmann. Da kann man das Tarp oder Zelt drin baden oder vorsichtig in der Waschmaschine imprägnieren. Der Effeckt ist um Welten besser als beim Spray. Mit dem Schwamm auftragen geht auch. Wenn man die imprägnierten Stoffe nach dem Trocknen warmebehandelt, z.B. im Trockner, mit Bügeleisen, dem Föhn oder über der Heizung, hält die Imprägnierung Jahre. Zweimal schon verbrachte ich fünf Wochen bei strömenden Regen im Zelt und blieb als einzige auf dem Campingplatz trocken. Den Essiggeruch finde nicht so schlimm. Er verfliegt wenn man Tarp oder Zelt oder Kleidung für ein paar Tage und Nächte auf dem Balkon lüftet.

    Seit einigen Jahren verkaufen Outdoorläden Nikwax. Das ist umweltfreundlicher als Heitmann. Beim Rollstuhlfahren und Handbikefahren nehmen Rucksack und Jackenärmel den ganzen Straßendreck mit. Deshalb müssen bei Regenwetter meine Regenjacken fast täglich in die Waschmaschine. Imprägniert werden sie dann meistens auch. Die Erfahrungen die ich dabei mit Nikwax mache sind richtig gut. Da Heitmann kaum noch zu bekommen ist und die Umwelt enorm belastet, werde demnächst auch mein Tarp mit Nikwax imprägnieren. Meine Schuhe imprägniere ich übrigens auch mit Nikwax. Mit Wasser verdünnt und in eine kleine Sprühflasche gefüllt, lassen sich Schuhe und Sandalen prima einsprühen. Auch ohne anschließende Wärmebehandlung perlt das Regenwasser gut ab.

    Meine Isomatten habe ich noch nie imprägniert oder silikonisiert. Meine altenTermArest der ersten Generation funktionieren auch so einwandfrei. Sollte ich das vielleicht ändern?

    Du kannst mehr als Du denkst!

  • Also ich benutze immer das hier.

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    Am Ende zeigt er das Ergebnis. Ist zwar in der Anwendung etwas mehr Arbeit, aber es lohnt sich!

  • Ergänzung:
    Die mir bekannten Anleitungen zur Resilikonisierung von Silnylon sind alle in Englisch. Da wird stets der Begriff "White Spirit" verwendet, der oft mit Terpentinersatz übersetzt wird. In einem weiteren Sinn handelt es sich dabei um so genannte Testbenzine. Ich bin da überfragt, was die Details angeht.

    Hier ein Blick in diverse bekannte Online-Wörterbücher:


    Oxford Dictionary: eine flüchtige Flüssigkeit, die aus Petroleum destilliert wird und als Farbverdünner und Lösungsmittel Verwendung findet


    Cambridge Dictionary: eine klare alkoholische Flüssigkeit, die zur Herstellung von Farbverdünner und zur Entfernung von Farbe von Pinseln und Kleidung verwendet wird


    Macmillan Dictionary: eine aus Petrol hergestellt Flüssigkeit, die zur Entfernung von Farbflecken und als Farbverdünner verwendet wird


    Dictionary.com: eine farblose Flüssigkeit, die aus Petroleum gewonnen und als Ersatz für Terpentin verwendet wird

    Interessant. Nur, was ist nun White Spirit genau? Etwas auf Petrolbasis oder sogar etwas auf Alkoholbasis? Oder doch Terpentinersatz? Oder Testbenzin? Oder Pinselreiniger? Oder Farbverdünner? Oder funktioniert das alles?

  • Auf dem «East Highland Way» in Schottland habe ich mein seit einiger Zeit frisch silikonisiertes Tarptent mal bei heftigem Regen testen können. Bei den ersten Tarptents hatte Henry Shires ein Silnylon verwendet, bei welchem bei heftigem Niederschlag gerne mal ein leichter Sprühnebel (engl. «mist») durch den Stoff schlug. So konnte der Aussenstoff des Schlafsacks oder Quilts leicht feucht werden.

    In meiner ersten Nacht auf dem Weg hatte ich ein heftiges Gewitter, der begleitende Regen hielt dann die halbe Nacht an. Mein Fazit: Der resilikonisierte Stoff der ersten Generation ist nun vollständig wasserdicht; es entsteht auch kein Sprühregen mehr im Inneren des Zeltes. Das bisschen «Mehrgewicht» durch das Silikon hat sich also vollauf gelohnt! So macht Campieren bei Regen Spass!


    So macht Campieren bei Regen Spass: Wassertropfen auf der Aussenseite im Licht der Taschenlampe von innen betrachtet

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