Eine Woche Kajakfahren auf der Mecklenburgischen Seenplatte

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  • Ende Mai (ich weiß, bin spät dran mit dem Bericht) haben momo und ich eine Kajaktour an der mecklenburgischen Seenplatte gemacht. Wir sind mit der Bahn angereist, was sehr gut funktioniert hat. Gestartet sind wir in Fürstenberg, wo es in fußläufiger Entfernung zum Bahnhof einen Verleiher gibt. Wir haben uns jeweils ein Einer Tourenkajak geliehen, mit denen wir dann sechs Tage unterwegs waren. Als Route haben wir uns eine größere Rundtour (ich meine ca. 85 km) ausgesucht, an der wir uns orientieren, bei Bedarf aber auch abweichen wollten.

    Da wir beide Kajak Neulinge sind, haben wir am ersten Tag ganz locker gemacht und uns erstmal eingewöhnt. Wir sind am frühen Nachmittag vom Verleiher aus losgepaddelt und haben bis zum Abend nur etwa 7 km geschafft. Dafür konnten wir uns mit dem Schleusen vertraut machen und hatten eine bessere Vorstellung davon, wie wir unsere Fußrasten und Kniepads auf die persönlichen Bedürfnisse einstellen müssen.

    Auf dem angesteueren Campingplatz gab es zwar nicht wirklich geeignete Bäume, sodass wir uns zwei Bäume direkt außerhalb des Platzes gesucht haben, das war aber kein Problem und wir haben sogar einen kleinen Imbusschlussel bekommen, mit dem wir die Kniepads wie gewünscht verstellen konnten.

    Wir sind dann weiter der geplanten Rundtour gefolgt. Das Wetter war die ganze Zeit nicht richtig gut, aber auch nicht richtig schlecht. Vielleicht war das für's Paddeln sogar angenehmer, wir sind auf jeden Fall nicht überhitzt und haben uns auch keinen Sonnenbrand eingefangen. Leider kam bei mir trotz Spritzdecke relativ viel Wasser rein. Sicher kann ich da meine Technik noch optimieren, sodass weniger Wasser auf der Spritzdecke landet, oder etwas anderes beachten. Vielleicht haben die erfahrenen Paddler unter euch ein paar Tipps. Beispielsweise auch zum richtigen Anziehen der Decke, die habe ich immer so weit wie möglich am Körper hochgezogen, eventuell war das ja auch nicht im Sinne des Erfinders. Ich denke der Hauptgrund war aber, dass die Decke nicht mehr wasserdicht war. Auf der Innenseite könnte man sehen, dass sich die einzelnen Schichten ablösen, bzw delaminieren. Daher würde ich immer ziemlich nass und mit nasser Hose war es dann am Abend doch echt kalt, weswegen wir, obwohl wir vorher angedacht haben einige Nächte auch wild zu campen, abends immer einen Campingplatz besucht haben. Da gab es dann eine warme Dusche, dann ging's wieder. Es hätte aber prinzipiell viele schöne, wilde Spots gegeben, an denen wir aber meistens ausgerechnet am Vormittag vorbeigekommen sind..


    Das Kajakfahren hat uns beiden richtig Spaß gemacht und wird mit Sicherheit nicht die letzte Tour gewesen sein. Auch haben wir von Tag zu Tag dazugelernt, unsere Technik (soweit ich das einschätzen kann) verbessert und uns auch was die Strecke angeht deutlich gesteigert. Von 7 km am ersten (nicht morgens begonnenen) Paddeltag, bis auf 30 km am letzten Tag. Auch haben wir ein paar Kajak-Lifehacks kennengelernt. Wir waren beispielsweise auf Empfehlung vom Verleiher hin barfuß im Kajak, was mir an sich sehr gut gefallen hat, das Einklemmen zwischen Kniepads und Fußrasten belastet aber ordentlich die Fersen. Ab dem dritten Tag haben wir uns dann beide aber eine Polsterung unter die Fersen gelegt, was die Sache deutlich bequemer gemacht hat. Wieder zeigte sich, dass ein Falt-Sitpad einfach eines der praktischsten, multifunktionalen Ausrüstungsgegenstände überhaupt ist. Beim Schleusen haben wir eine Truppe Kölner getroffen und kurz gequatscht. Die waren weniger sportlich, sondern eher Party mäßig unterwegs und haben erzählt, dass sie Pinkelflaschen dabei haben. Was soll man sagen, ist nicht sonderlich stilvoll, aber funktioniert. So eine Flasche kann auch praktisch sein, wenn man mit Wasser statt Bier unterwegs ist. Ich habe entsprechende Flaschen auch bei anderen am Boot hängen gesehen, sogar oliv im taktischen bzw. Outdoor Look.

    So sind wir also fröhlich gepaddelt, haben die Natur genossen und nur ab und zu kurze Stopps gemacht, um etwas zu snacken und uns die Beine zu vertreten, oder um einen Stop zum Einkaufen zu machen. Viele Supermärkte (oder soll ich sagen Nettos) gab es nicht, aber kombiniert mit dem ein oder anderen Tante Emma Laden (oft in die Rezeption der Campingplätze integriert) hat man ausreichend Möglichkeiten sich einzudecken. Die morgendliche Brötchen Lieferung, die so ziemlich jeder Platz angeboten hat, haben wir auch sehr gerne genutzt. Die Preise fand ich eigentlich immer sehr fair.

    Unser Rundkurs beinhaltete auch eine Shuttle Fahrt, die ein Bootsverleiher anbietet um zwei Seen ohne Kanal dazwischen zu verbinden.

    Am Abend des vorvorletzten Tages haben wir dann das Shuttle genommen, sodass wir am nächsten Tag direkt morgens am "neuen" See los paddeln konnten. Durch die Fahrt hatten wir Gelegenheit auch mal ein bisschen was von der Gegend, abseits der Gewässer, zu sehen, was ich ganz cool fand. Mecklenburg Vorpommern ist wirklich eine schöne Ecke..

    Mit dem Fahrer haben wir uns nett unterhalten und erfahren, dass in der Schwaanhavel, die wir auf Empfehlung des Verleihers hin für den nächsten Tag geplant hatten, mehrere Tote Rehe liegen sollen, die im Winter im Eis eingebrochen und dann verendet sind.

    Wir waren gespannt..

    Nach einer angenehmen Nacht auf einem richtig schönen Campingplatz mitten im Kiefernwald und mit eigenem kleinen Sandstrand sind wir dann in den wahrscheinlich krassesten Tag gestartet. Wir haben ordentlich Kilometer gemacht und vor allem die Schwaanhavel sowie der angrenzende Plätlinsee waren ein besonderes Erlebnis. Die Schwaanhavel ist eine art größerer Bach, der sehr langsam fließt und im Gegensatz zu den sonstigen Kanälen sehr naturbelassen ist. Der Verlauf nimmt viele Windungen, das Wasser ist Zeitweise sehr flach und es wuchern einem tief hängende Äste über den Kopf. Zusammen mit dem sonnigen Wetter an dem Tag und den vielen Mücken hatte der Abschnitt fast schon was von einer Expedition durch die Everglades. Perfekt wurde das Sumpf feeling als wir, nachdem wir einen großen umgefallen Baum über und auch unterwunden hatten, die Überreste der Rehe im Wasser entdeckten, in die gerade ein riesiger Raabe hinein pickte. Der Plätlinsee hat dann eine richtig schöne aber auch geschützte Insel in der Mitte. Anlegen kann man daher nicht, dafür haben hier reichlich Tiere ihren Freiraum.

    Nach diesem langen und abenteuerlichen Tag war unser Plan eigentlich eine Verbindung zum nächsten See zu nutzen, an dem wir uns bereits einen Campingplatz ausgeguckt hatten. Für den nächsten und vorletzten Tag hatten wir dann eine eher gemütliche Etappenlänge eingeplant.

    Leider ist unser Plan nicht aufgegangen. Was auf Google Maps wie jeder andere Kanal zwischen zwei Seen aussah, war in der Realität einfach nicht existent.

    Die Navigation hat Momo meist mit seinem Garmin gemacht, hier gibt es aber noch einiges an Optimierungspotenzial. Ich glaube beim nächsten Mal würde ich laminiere Karten ausprobieren. Vielleicht hat auch jemand eine App Empfehlung, Komoot scheint mir für Paddelstecken leider ungeeignet..

    So endete unser eigentlich schönster Paddeltag durch unseren Navigations Fail an anderer Stelle als geplant. Das hat die Stimmung ein wenig gedrückt, da wir so am nächsten Tag statt einer gemütlichen letzten Etappe einen ordentlichen Umweg fahren mussten. Zum Glück war es zum nächsten Campingplatz nicht allzu weit, allerdings mussten wir dafür die Boote umtragen, einen steilen Weg hoch und einmal über die Landstraße. Wir haben die Kajaks erstmal stehen lassen und sind zu Fuß zum Platz. Der Platz war relativ klein, mit wenigen Hängemöglichkeiten. Aufgrund der Beschilderung haben wir uns von Anfang an nicht wirklich willkommen gefühlt.

    (Bilder siehe nächster Beitrag)

    Beim kurzen Orientierungs Rundgang stellten wir fest, dass im Gegensatz zu den vorherigen Plätzen passendes Kleingeld nötig war, um die Duschen (maximal lauwarm) für drei Minuten zu aktivieren. Da sonst niemand auf dem Platz war, haben wir den Nachbarn, der gerade die Wiese nebenan mähte, gefragt ob er uns Geld wechseln kann. Der Mann stellte sich dann als Besitzer des Campingplatzes heraus und wechselte uns wiederwillig Geld, hat uns eingecheckt und es gab auch Transportwägen für die Kajaks, von denen er uns, warum auch immer, aber nur einen leihen wollte. Insgesamt hat er Recht deutlich gemacht, dass wir ihm auf die Nerven gehen, obwohl es nicht sonderlich spät war und wir sehr freundlich gefragt haben.

    Wir haben die Beschilderung dann so interpretiert, dass alle Bäume ohne Hinweisschild zum Hängen genutzt werden dürfen. Hat gerade so für unser beiden Matten gereicht. Aufgebaut haben wir im Dunkeln, mit dem Plan früh wieder aufzubrechen, um uns nicht weiteres Gemecker anhören zu müssen.

    Am nächsten morgen sind wir dann deutlich früher und ungemütlicher als sonst aufgebrochen, zum Glück konnte man in die andere Richtung direkt am Platz ins Wasser einsteigen. Wir hatten dann noch einen sehr schönen und auch sportlichen (vor)letzten Paddeltag, an dem wir stolze 30 km geschafft haben. Damit waren wir als absolute Kajak Anfänger durchaus zufrieden, insbesondere weil wir am Tag zuvor auch fast an der dreißiger Marke gekratzt haben. Die letzte Nacht haben wir dann auf dem Platz "Wilde Heimat" verbracht, ein großer Platz mit Wildnis und Bushcraft Areal. Dort haben wir auch einen echt schönen Spot in einem Kiefernwäldchen gefunden. Mit den Besitzern haben wir am nächsten morgen beim Bezahlen noch nett gequatscht.

    Dann sind wir das kurze Stück zurück zum Verleiher gepaddelt um die Boote wieder abzugeben. Da wir an dem Morgen nicht wirklich Gelegenheit hatten einen Kaffee zu trinken, haben wir den Verleiher gefragt, der kurzerhand eine Kanne unverschämt starken Kaffee aufgesetzt hat. Wir haben dann zu dritt noch ein wenig geplaudert und Kaffee getrunken, um dann mittags die Bahn nach Berlin zu nehmen, wo sich unsere Wege getrennt haben. Momo ist noch weiter auf ein Festival, ich habe noch einen Abend bei einem Kumpel in Berlin verbracht.

    Das paddeln, die Tour und auch die Gegend haben uns beiden sehr gefallen. Im nächsten Jahr wollen wir wieder eine Tour machen. Wohin ist noch offen. Im Idealfall gibt's da Optionen mit weniger Mücken.. Die Biester waren echt hartnäckig. Da war selbst ich als eigentlicher Moskitonetz-Hasser froh um das integrierte Netz der Hellbender. Ansonsten war Mecklenburg Vorpommern einfach nur schön, auch wenn mir die etwas schroffe Art der Menschen anfangs komisch vorkam. Meistens hat sich dann nach ein paar Sätzen, wenn der erste Witz gerissen wurde, aber herausgestellt, dass der Tonfall nicht unbedingt unfreundlich gemeint war. Auf jeden Fall ist die Ecke (mindestens) eine Reise wert!

  • Die Temperaturen waren tagsüber meist bei knapp 20 Grad, am Abend ist es dann etwas kühler geworden, beim Abendessen oft so um die 12-14 Grad. Nachts wurde es dann meist einstellig. Ich glaube das war die kälteste Nacht:

    Wir hattenn beide das Onewind Billow 12 Fuß Tarp dabei, unter dem wir gut gestützt waren, insbesondere vor den vielen Pollen..

    Momo hat eine 30°F Superior Gear, ich eine 20°F Hellbender, beides sind HM mit integrieten Underquilts und Moskitonetzen.

    Den integrierten Underquilt mögen wir beide äußerst gerne.

    Wir hatten es immer kuschelig warm :)

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