Frage zu günstgen Eigenbau mit Funktionsschichten

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  • Hallo und Gruß ins Forum.

    Ich würde mir gerne eine Hängematte mit mehreren mehr oder weniger lose aufeinander liegenden Funktionsschichten und aus möglichst günstigen Material selber bauen.
    Ziel ist es - von billig mal angesehen - das die Hängematte leichter repariert und an verschiedene Witterungen bzw. Jahreszeiten angepasst werden kann.

    Fraglich ist für mich vor allem was für Schichten man nehmen sollte/könnte, aus welchem Material und - ganz wichtig - in welcher Reihenfolge sie übereinander gelegt werden sollten.

    Bisher sieht meine Planung etwa so aus.
    - Tuchgröße etwa 2x3m.

    - Ganz unten das tragende Element ein aus Maurerschnur, Gartenschnur oder Küchengarn selbst gemachtes Netz mit etwa 3cm Maschengröße. Außerdem sollen daran die anderen Schichten locker befestigt werden.
    Küchengarn wäre vom Gewicht ideal, ist aber nicht besonders stark und man müsste die Maschengröße kleiner machen, was den Arbeitsaufwand schnell vervielfachen kann. Es ist auch sehr dünn und schneidet leicht ein.
    Gartenschnur oder Paketband wäre ideal und vor allem super billig, aber fürchterlich zu verarbeiten.
    Maurerschnur wäre auch gut, aber auch sehr teuer.

    - Die zweite Schicht wäre eine dünne Decke um darüber liegende Schichten vom doch sehr kantigen Netz zu schonen und natürlich ein bisschen zu isolieren.

    - Als drittes eine ISO-Schicht aus Isomatten oder Luftpolsterfolie(n). Vom letzteren hatte ich letztens eine Rolle 3-Lagige in der Hand und war erstaunt über das praktisch nicht vorhandene Gewicht. Allerdings dürften die nicht lange halten.

    - Die Vierte sollte ein Reflektor der Wärmestrahlung sein und möglichst nah am Körper. Also dort, wo es möglichst viel zu reflektieren gibt. Ich dachte zunächst an Notfalldecken, aber die sind einfach zu empfindlich.

    - Als letztes und auf volle Netzgröße eine Abdeckfolie oder Tarp, vorwiegend als Windschutz.

    Innen dann ein Schlafsack oder einfach eine Decke.
    Die dritte und vierte Schicht ließe sich duch Isomatten mit Reflektorschicht zusammenfassen. Vielleicht auch davon zwei übereinander.

    Für die Aufhängung an den Bäumen habe ich 2x 3m Gurtband von einer Autoverwertung für 2€ (Trinkgeld) bekommen, an die ich an den Enden Schlaufen genäht habe, weil die sonst schnell zu kurz sind, wenn man da noch Knoten rein machen muss.
    Für die Verbindung vom Gurtband zur Hängematte musste ich in den Baumarkt und mir teures Seil für 1,60€/m kaufen.
    Nein, das war ein Witz. Auf einem Schulhof habe ich an einem Wochenende 2 stücke 8mm dickes Spielseil zu je 3,5m gefunden.

    Ich weiß, das sieht alles zusammen aus wie eine große Müllhalde, bestenfalls wie eine Slum-Hütte. Aber hey, es soll nichts kosten und trotzdem funktionieren.

    Was haltet ihr davon oder habt ihr vielleicht noch Ideen was für Materialien man nehmen könnte oder wie man die Schichten organisieren sollte?

    Gruß
    Sioxx

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sioxx,

    ich würde dir empfehlen, dich intensiv mit dem Thema Campinghängematte auseinanderzusetzen. Ich kommentiere mal Stichpunktartig.

    Hängematte reparieren: wenn du brauchbares Material verwendest und einigermaßen vorsichtig damit umgehst, sollten Reparaturen nicht notwendig sein. Meine älteste Campinghängematte ist jetzt 7 Jahre alt und hatte keine Reparaturen nötig. Wenn das Material irgendwann den Geist aufgibt, ist es sicherer eine neue Hängematte zu bauen.

    Anpassung an verschiedene Witterungen und Jahreszeiten: die Hängematte selbst ist für alle Jahreszeiten geeignet. Im Sommer ist halt ein Mückennetz sinnvoll, im Winter kann man sich das Gewicht sparen. Gegen schlechtes Wetter verwendet man ein Tarp - im Sommer reicht ein schmales Tarp, im Winter ist ein breites Tarp mit Türen empfehlenswert. Gegen die Kälte kannst du eine Isomatte oder besser einen Underquilt (eine Decke die unter die Hängematte gehängt wird) verwenden.

    Schichten: Für die Hängematte brauchst du nur eine Lage Stoff, die eine ausreichende Tragkraft besitzt. Eine doppellagige Hängematte erhöht die Tragkraft und hält eine Isomatte besser fest (zwischen den Stofflagen). Schichten die wasserundurchlässig sind (Rettungsdecke, Isomatte) sind nicht so schön, weil du dann ständig mit Kondenswasser zu kämpfen hast. Die Rettungsdecke bringt auch nicht allzu viel. Und eine Decke sollte nicht komprimiert werden, sonst verliert sie den größten Teil ihres Isolierungsvermögens.

    Schnüre: Willst du dir eine Hängematte flechten/weben? Das geht zwar, aber ist zeitaufwändig weil das Netz sehr fein sein muss damit es den Druck optimal verteilt. Einfacher, leichter (Gewicht) und vermutlich auch komfortabler ist es, einen simplen Nylon Ripstop zu verwenden.

    Größe: 2m x 3m ist extrem breit und relativ kurz. Wie groß bist du? Ich bin nur 165cm groß und bei einer normalen Tuchhängematte brauche ich mindestens 320cm Länge. Und die Breite braucht eigentlich nicht größer als die Körpergröße sein. Die kannst du bei einer normalen Hängematte eh nicht nutzen, da du dafür rechtwinklig zur Aufhängung liegen müsstest.

    Aufhängung: Achte darauf, dass alle Bestandteile sich wenig dehnen. Polyestergurte sind beispielsweise gut; Nylon/Polyamid ist schlecht. Kletterseile oder Paracord eignen sich nicht, weil sie sich zu stark dehnen.

    Wenn du brauchbare Englischkenntnisse hast, kann ich dir das Buch "

    " sehr empfehlen. Damit sparst du langfristig eine Menge Geld.

    • Offizieller Beitrag

    Ich picke mir nur mal einen Punkt raus, das Wesentliche hat ja schon TreeGirl gesagt.

    - Die Vierte sollte ein Reflektor der Wärmestrahlung sein und möglichst nah am Körper. Also dort, wo es möglichst viel zu reflektieren gibt. Ich dachte zunächst an Notfalldecken, aber die sind einfach zu empfindlich.


    Zu nahe am Körper bringt auch nichts, weil dann die Wärmeleitung an Stelle der Wärmestrahlung bzw. Konvektion tritt. Und Alufolie leitet die Wärme sehr gut! Mit einfachen Worten gesagt: Wenn man sich auf eine Rettungsdecke legt, friert man genauso, als wäre die Rettungsdecke nicht vorhanden. Deckt man sich jedoch mit einer Rettungsdecke zu, gibt es nur eine geringe Kontaktfläche. Dort friert man. An den Stellen, wo die Rettungsdecke den Körper nicht berührt, entfaltet sie ihre Wirkung. Sie verhindert das Entweichen der aufgewärmten Luft (Konvektion) und reflektiert die Wärmestrahlung.
    Ich hatte mal eine Rettungsdecke als Topquiltersatz verwendet und war erstaunt über die gute Wirksamkeit. Zum Wärmen der Körperunterseite halte ich sie hingegen für weit weniger geeignet. Sie dürfte nicht eng anliegen (Stichwort Wärmeleitung) und müßte die Hängematte dicht abschließen, um das Entweichen warmer Luft zu unterbinden.

    Übrigens: In diesem Forum wird es sehr geschätzt, wenn sich Neulinge im entsprechenden Bereich vorstellen. Dann weiß man, mit wem man es zu tun hat und kann gestellte Fragen exakter beantworten.

  • Hallo Sioxx,

    ...
    kennst du Helge Schneider: "Das alte Reinhold-Helge-Spiel" ?
    Ich darf einmal zitieren:

    "Eine Schicht Schweinefamilie dann kommt Beton dann kommt ne Schicht Amalgan, 40 cm, dann kommt Daunen, ungefähr 1 Kubikmeter verteilt um den ganzen Wams, dann kommt Cellulose und dann kommt apfelsinenfarbene Asterngedräht und Gehacktes drumrum und ganz ganz aussen rum Peters Unterbuxe, nee geht ja gar nicht würd ja platzen, ne ganz aussen rum ist dann das Cirkuszelt von Zirkus Krone wo die im Sommer mit auf Tourne gehen, aber andersrum mit zwei Löchern für die Beine!"

    Da musste ich gerade dran denken.
    :-))))
    Ist nicht böse gemeint. Ich wurde letztens auch in einem Forum als Neuling verschaukelt ...

    Zu deinem Vorhaben denke ich: entweder verrutschen die einzelnen Schichten oder das ganze ist dermassen kompliziert, dass es viel einfacher wäre, sich eine Einsteiger-Campinghängematte zu kaufen (nicht teurer als 20 Euro) und einfach irgendwo hinzuhängen, wo es schön ist.

    • Offizieller Beitrag

    Ich muss ja sagen, ich würde gerne eine Hängematte aus Küchengarn sehen - und ausprobieren! Eine Anleitung zum weben gibt es auf The Ultimate Hang. Auf Youtube gibt es auch eine Menge Anregungen. Wenn ich allerdings sehe, wie lange ich schon für das Nähen einer Stoffhängematte brauche, glaube ich, dass mir die Geduld zum Weben fehlt :)

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