Ausgangslage
Oft wird ein 30°-Winkel als idealer Hängewinkel angegeben. Fast im gleichen Atemzug liest man davon, dass die Ridgeline der Hängematte etwa 83% der Länge der Hängematte haben soll. Das hat mich dazu animiert, mich ein wenig mit dem Thema zu beschäftigen.
Stellen wir uns vor, wir setzen uns genau in der Mitte in eine symmetrisch aufgehängte Hängematte. Dabei wird sich die Aufhängung der Hängematte spannen (der Aufhängewinkel wird dabei ein wenig steiler), aber auch der Stoff der Hängematte spannt sich. Und auch die Ridgeline wird sich leicht spannen. Spannt sie sich nicht, so hängt sie herunter, was eher unpraktisch ist, und sie hilft uns dann auch nicht dabei, mit ihrer Hilfe ungefähr den gleichen "Hang" zu erreichen wie beim letzten Mal, wo es so gemütlich war.
Ist die Ridgeline vor dem Absitzen ganz leicht gespannt, so dass sie nur noch minim durchhängt, so wird sie sich beim Absitzen ganz spannen. Legen wir uns anschliessend hin, so spannt sie sich noch ein wenig mehr. Die Spannung sollte dann so stark sein, dass die Ridgeline kaum noch durchhängt und auch einen allfälligen Ridgeline Organizer elegant trägt und von unserem Gesicht fern hält.
Zusammenhang zwischen dem Hängewinkel und der Länge der Ridgeline
So weit so gut. Interessant ist, dass zwischen dem Hängewinkel und der Länge der Ridgeline im Verhältnis zur Länge der Hängematte ein Zusammenhang besteht.
Wenn man sich das Gesäss beim Sitzen der Hängematte als Punkt vorstellt (was bei einer langen Hängematte und einem durchschnittlichen Hängewinkel der Sache recht nahe kommt), so gelten die folgenden Zusammenhänge zwischen der Länge der Ridgeline im Verhältnis zur Länge der Hängematte (links) und dem Hängewinkel (rechts) in der folgenden Tabelle (Zahlen aus meinem Hängematten-Rechner![]()
[TABLE="border: 1, cellpadding: 4, cellspacing: 0"]
[tr][td]Verhältnis von Länge
Ridgeline/Hängematte (%)
Hängewinkel (°)
[/td][/tr][tr][td]90%
[/td][td]26°
[/td][/tr][tr][td]87% (86,6%)
[/td][td]30°
[/td][/tr][tr][td]86%
[/td][td]31°
[/td][/tr][tr][td]85%
[/td][td]32°
[/td][/tr][tr][td]84%
[/td][td]33°
[/td][/tr][tr][td]83%
[/td][td]34°
[/td][/tr][tr][td]82%
[/td][td]35°
[/td][/tr][tr][td]81%
[/td][td]36°
[/td][/tr][tr][td]80%
[/td][td]37°
[/td][/tr][tr][td]75%
[/td][td]41°
[/td][/tr][tr][td]70%
[/td][td]46°
[/td][/tr]
[/TABLE]
[SIZE=11px]Anmerkung: Die Werte sind auf ganze Zahlen gerundet.[/SIZE]
Hängt man die Hängematte in einem flacheren Winkel auf, als es die zu ihr "passende" Länge der Ridgeline vorgibt, so nimmt die Spannung der Ridgeline bald deutlich zu. Je mehr man diesen Hängewinkel unterschreitet, desto stärker wird die Ridgeline gespannt. Die Belastung des Hängemattenstoffes selbst wird weitgehend konserviert, es sind aber beim Liegekomfort nach wie vor leichte Unterschiede auszumachen, je nach dem, wie stark die Ridgeline gespannt ist.
Hinweis: Für die Belastung der Ridgeline liefert übrigens mein Hängematten-Rechner die konkreten Zahlen.
Mathematischer Zusammenhang
Das folgende Schaubild veranschaulicht den mathematischen Zusammenhang:
[ATTACH=CONFIG]n18311[/ATTACH]
Der Cosinus von 30° beträgt 0,866, was einer Länge der Ridgeline im Verhältnis zur Länge der Hängematte von 86,6% entspricht.
Ich wundere mich je länger je mehr, weshalb man von diesen Zusammenhängen kaum irgendwo liest.
Empfehlungen unter der Lupe
Die folgenden drei Grössen werden in der Regel empfohlen:
- Aufhängewinkel von 30°
- Länge der Ridgeline 83% der Länge der Hängematte
- keine zu grosse Spannung der Ridgeline
Machen wir ein Beispiel. Die Zahlen dazu habe ich meinem Hängematten-Rechner entnommen:
Wer die Hängematte so aufhängt, dass die ersten zwei Bedingungen erfüllt sind, und die Hängematte dann mit 100kg belastet, hat eine Belastung von mindestens 12,2kg auf der Ridgeline (im Sitzen), beim Liegen ist die Belastung noch etwas höher.
Um eine Vorstellung von dieser Belastung zu erhalten, habe ich einen Rucksack so gefüllt, dass er 12,2kg wiegt, und ihn dann aufgehängt. Die Schnur, an der ich ihn aufgehängt habe, lässt sich mit viel Mühe noch um etwa 45° knicken. (Sicher gibt es solche, denen das mit weniger Mühe gelingt als mir.) Ein Knicken um 90°, wie das vom Hersteller der Blackbird (Warbonnet Outdoors) für die Ridgeline empfohlen wird, ist da – jedenfalls für mich – nicht mehr möglich.
Allgemein, also unabhängig vom Gewicht in der Hängematte, gilt: Bei der empfohlenen Einstellung (Hängewinkel und Länge der Ridgeline) entspricht die Belastung der Ridgeline 12,2% der Last in der Hängematte (beim Sitzen), beim Liegen ist es etwas mehr. Wer weniger als 100kg wiegt, mag die Ridgeline also vielleicht noch um 90° "knicken", weil die Belastung dann weniger hoch ist.
Es ist denkbar, dass die Belastung der Ridgeline von 12,2% der Hängemattenlast aufgrund der Dehnbarkeit des Materials in der Praxis gegen 10% sinkt. Durch die Dehnung wird der Hängewinkel etwas grösser (steiler), was das ganze System etwas entspannt.
Schluss
Die Empfehlungen ergeben durchaus Sinn. Allerdings kann man die Belastung der Ridgeline auch tiefer halten, wenn man das möchte. Will man die Hängematte in einem 30°-Winkel aufhängen (sie wird sich dann unter Belastung noch um ein bis zwei Grad senken), so wären eher 85% der Hängemattenlänge das richtige Mass für die Ridgeline.
PS: 90°-Hängematten
Je steiler der Hängewinkel (z.B. bei 90°-Hängematten), desto weniger ist das Gesäss respektive die Körperachse nur noch ein Punkt. Einen groben Anhaltspunkt gibt die Tabelle oben aber doch. Wie steil ist übrigens der übliche Hängewinkel in einer 90°-Hängematte?