Ich habe auch überlegt, warum das Jedermannsrecht in skandinavischen Ländern und Finnland und (meiner ungenauen Erfahrung nach ähnlich auch in Canada und Teilen der USA) recht gut funktioniert, in Deutschland bzw. Mitteleuropa aber nicht so oft oder gar nicht.
Ein Grund scheint mir die gelegentliche "stossweise Übersättigung" der Wälder mit Ausflüglern zu sein, naja und sicher auch die deutsche "Gründlichkeit" (was man nicht kontrollieren kann, verbietet man am besten erst mal) und eben auch die negativen Beispiele wie Müll und Missbrauch. Aber das gibts auch hier - wenn auch in geringerem Ausmass - Bevölkerungsdichte-bedingt.)
Definitiv bin ich NICHT der Meinung, dass es immer DIE ANDEREN sind (Wohnmobilisten als Beispiel), sondern wo viele Menschen sind, sind auch rein statistisch viele schwarze "Schafe" darunter. Ich meine, auch Hängematten-Camper feiern gelegentlich gern ein Stelldichein im Wald (auch ich tu das vorr. am WE mit zwei guten Freunden), three is a party, und der Müll wird dann auch frühestens am nächsten Morgen entfernt, das gibt dann auch schnell das Bild von wilden Vagabunden ab (jetzt mal aus der Sicht von Wohnmobilisten oder Rentner-mit-Hund-auf-dem-Sonntagmorgen-Spaziergang). Kein Zweifel: Die meisten HM-Freunde treibt die Liebe zur Natur in den Wald. Aber sozial zu Menschen sein will man ja auch, die sind ja auch Natur...
Eines ist mir aber aufgefallen: In Finnland (und ähnlich sicher auch in den anderen positiven Beispielländern) "bezahlt" man Menschen, um gesägtes Holz und Werkzeug für die Feuerstellen in Nationalparks bereit zu stellen, den Müll, der eben doch am Ende hier und da aus den Mülleimern quillt oder gar um die Feuerstelle liegen bleibt, wegzubringen, Hinweisschilder und Facilitäten (zur Müll-und anderen Problemvermeidung und eben zum allgemeinen Nutzen) zu erneuern und die Kompostier-Klos an den Feuer-/Übernachtungsstellen in den Nationalparks zu leeren usw. Der Staat investiert in Gesundheit und Naturverbundenheit - sehr günstige Investition eigentlich.
In wiederum anderen Ländern "spart" man Arbeitskräfte ausgerechnet im öffentlichen Bereich (man kauft bestenfalls Service ein, um die Dinge irgendwie am Laufen zu halten), um dieselben Menschen dann woanders im Sozialsystem abzufangen und bestenfalls anderweitig wieder einzugliedern.
Den "Nutzen" des Waldes für den Menschen berechnet man leider viel zu häufig nur in Sauerstoff-m3 oder Holzpreisen, oder gar in entgangenen Industrie- oder Wohnflächen-Grundstückspreisen, und wo die Kosten/Nutzenrechnung negativ ausfällt...
Gut wäre es aber auch, die Natur auch als Gesundheitsfaktor und Jungbrunnen wiederzuerkennen, Mensch und Natur wieder zu verkoppeln (wie es ja eigentlich sein sollte), den Menschen zur Naturliebe und Mitverantwortung also wieder stärker einzubinden. Aber wie schafft man das?
Mit gutem Beispiel voran ist tatsächlich alles, was mir dazu einfällt. Eventuell noch "richtig" wählen und engagieren - Wald- statt Wirtschaftswachstum fördern. Gute Frage: Was nützt mir persönlich mehr, den Wald vor der Nase oder grösseres Gehalt? Die Frage hätte ich mir selbst noch vor zehn Jahren anders beantwortet. 