Bikepacking Niederlande

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  • Ich bin einmal mehr mit dem Fahrrad unterwegs und gedachte ein paar Erlebnisse und Erkenntnisse festzuhalten, auf das sie für irgendwen von Nutzen sein mögen, oder reiner Zeitvertreib.


    In Kiel wurde gestartet. Entlang des Nord-Ostsee-Kanals über Brunsbüttel zum Bremerhafen, Bremen, Oldenburg, Groningen, Zwolle, Utrecht, Eindhoven, Maastricht und dann nur noch über die Grenze nach Aachen, um mit dem Zug zurück zu fahren (zu herbe wäre das Downgrade von niederländischen Fahrradwegen zu deutscher Infrastruktur.

    Ich werde versuchen nach und nach Eindrücke zusammen zu fassen.

  • Nachdem die Tour dank Dauerregen schon zwei Tage nach hinten verlegt wurde, ging es dann doch bei leichten Schauern und jeder Menge Gegenwind los. Der Kanal war windtechnisch undankbar und als am späten Nachmittag ein Unterschlupf gefunden war, um etwas zu essen, hörte es nicht auf zu regnen und so wurde der Unterschlupf zur Schlafstätte umfunktioniert.
    Der Wind war allerdings so stark, dass ich trotz des großzügig überstehenden Dachs noch mein Tarp aufspannen musste, und aus einer kleinen Plane einen underquilt Protektor improvisieren musste.
    Immerhin war ebenfalls dank des Winds am nächsten Morgen alles wieder trocken.

  • Auch sonst hat der Regen ja seine schönen Seiten und so gab es auf dem Weg nach Brunsbüttel und der Fährfahrt über die Elbe immer wieder Regenbögen und eindrucksvolle Wolkenspiele. Die 15km Rückenwind auf dem Weg zur Fähre waren auch der Hammer!


  • Geschlafen wurde in kleinen wäldchenartigen Baumansammlungen, die nicht als Naturschutzgebiete gekennzeichnet waren.
    Dank spätem Aufbau und sorgsamer Platzwahl, kam es zu keinen zwischenmenschlichen Unannehmlichkeiten.

  • Nach 130km größtenteils gegen den doch heftigen Wind auf flachem Land und Feld war Groningen dann erreicht, als erster Niederländischer Stopp.

    Der Stadtcampingplatz war heillos überfüllt, weil ein Housefestival in der Stadt stattfand, ein Mann wollte mich schon zu einem anderen Campingplatz verweisen.
    Aber die gütige Platzwärterin meinte ich solle mir einfach einen Platz suchen.

    Beinahe jeder Zentimeter der Zeltwiese schien besetzt und was sehen meine müden Augen da? Eine Gruppe Bäume stehen da verlassen, formen praktisch eine Höhle, dazu noch perfekter Abstand. Wohlige Wärme empfing mich und bald dann auch der Schlaf zu wummernden Bässen im Hintergrund.


  • Auf dem Weg nach Zwolle dann weniger Glück, alle Campingplätze schon zu, sowieso immer nur Wiesen ohne Bäume.
    Dann ein kleiner Teich direkt neben dem Weg, Knorrige Bäume mit riesigen Stämmen.
    Ich lasse mich nieder und warte all die abendlichen Rennradenthusiast*innen ab, in der Hoffnung unbemerkt zu bleiben.

    Im halbdunkeln baue ich auf und sinke schnell in den Schlaf. Es folgt ein lautes rascheln und Kratzen. Ist das ein Tier? Ich öffne die Augen und da steht eine schwarze Silhouette direkt neben meiner Hängematte und schaut auf mich herab.
    Kurzer Moment der Todesangst, viel zu nah steht der Mensch mit seinem großen Hund.

    Müde entschuldige ich mich auf Englisch und erkläre, dass ich morgen wieder weg bin und alles schon zu hatte. Da antwortet mir eine freundlich weiche, beinahe liebliche Stimme. This is a good Spot to spend a Night. It is a Nice Place, sleep Well. Erleichterung.
    Am nächsten Morgen, sehen wir uns erneut. Er entschuldigt sich mich erschreckt zu haben, er sei nur neugierig gewesen, weil er selbst immer nur wild campe. Es sei ein Gastrecht und ich sollte mich in den Niederlanden zu Hause fühle, die Leute würde es nicht stören.

    Aus meiner größten Angstvorstellung ist eine schöne Erfahrung geworden, erleichtert ziehe ich weiter und stelle fest, die Bäume tragen Zeichen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte.

  • Es folgen die zwei heißtest Tage, über 30grad, dankbar bin ich für die Bäume, die mir Schatten spenden, mir die Möglichkeit geben kurz zu entspannen und Leiche kühle im Rücken zu fühlen.
    Nicht jeder Stopp ist Bildlich festgehalten, aber stetiger Begleiter ist die Gewissheit, mein Hängematten Setup up ist meinem Zelt Setup um einiges voraus, was Bequemlichkeit, Spontanität, Schlafqualität und Abenteuerlust angeht.

  • Gut aufgepasst :D

    Drei Tage lang ist (m)eine Freundin mitgekommen, die nun selbst die Bequemlichkeiten einer Hängematte für sich entdeckt und nicht mehr missen möchte.


    Ich hab ihr mein altes Ticket to the Moon Setup gegeben.
    Sie ist dann trotz unsachgemäßen abspannen des Tarps und fehlenden drip Lines trotz stark Regen trocken geblieben, und ich kann bis heute nicht begreifen wie…

  • Schade, das du nicht täglich berichtet hast!

    Ich habe ein Strandgrundstück, zwischen Elsfleth und Brake, direkt an der Weser und dem Weserradweg und würde jeden aus diesem Forum gerne für eine Nacht beherbergen.

    Allerdings ist direkt auf meinem Grundstück nur ein Hängemattenplatz.

    Aber ich habe schon mehrmals einfach meine Nachbarn gefragt und es ging bisher immer, das da noch ne zweite Hängematte Platz fand.

    Solange es nicht von Donnerstag auf Freitag ist, würde ich morgens erscheinen und für Brötchen und Kaffee sorgen. Grillen am Abend ist auch kein Problem.

    Aber nun ist es zu spät!

  • Um das hier auch zu einem Abschluss zu bringen.

    Es folgten weitere warme Tage und belebende Kilometer auf dem Fahrrad.
    Ich habe im Anschluss ausschließlich Campingplätze angesteuert und es war nicht immer einfach einen passenden Platz zu finden (wie auch gerade in einem Teil des Forums zu lesen ist).

    Eine Nacht standen zwei Zelte zwischen den guten Bäumen und wollten nicht verschoben werden, sodass der zu kleine Baumabstand reichen musste.
    Erst in der zweiten Nacht konnte dann bequem gelegen werden


    An dieser Stelle bin ich sehr dankbar für die trockenen Nächte, an denen kein Tarp benötigt wurde.

    An einem anderen Campingplatz ist die Besitzerin dann mit mir ins Gebüsch geklettert, um nach Bäumen zu suchen. Da war ich echt dankbar über die extra Aufhängung, die ich als Verlängerung dabei hatte.
    So konnte ich auch den riesigen Stamm nehmen und einen großen Zweig ein wenig aus dem Weg binden, um zu schlafen.

    Dann aber wieder Bäume, aber zu wenig Abstand… dafür ein kostenloser Stuhl zum ausleihen für Fahrradreisende.


    Auf der letzten Etappe durch die Niederlande und ein Stück Belgien wurde die Tour dann beendet, wie sie begonnen wurde, entlang eines Kanals.

    Die letzten Niederländischen Kulissen, bevor es dann nach Aachen zum Bahnhof ging, um mit dem Zug zurück zu fahren.



    Nach überschlagenen 900km Strecke ist da wieder ein Stück mehr Ruhe in mir, weniger Gedankenketten, Stille im Kopf. Ein schönes Körpergefühl eines Körpers, der sich erinnert, dass er nach draußen und viel bewegt gehört.

    Und es bleibt die Gewissheit, dass es mit dem passenden Setup (und ich liebe mein Setup!) jederzeit möglich bleibt, sich ein Stück dieses Gefühls in den Alltag zu holen.

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