Hier wird eine 90°-Hängematte gebaut

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  • Aktueller Projektstand:

    - Dyneema-Schnüre: 1mm -> 23 Abspannpunkte pro Seite, zu realisieren mit Whoopies.
    - Längenberechnung der Dyneema-Whoopies: Excel-Sheet
    - Stoff: Version 1 bekommt kalandrierte Fallschirmseide 47g/qm von ExTex, doppellagig, Version 2 aus Robotic XL von Ripstopbytheroll
    - Gurtband 10mm (Polyamid), ebenfalls von ExTex

    Das Baumkind (seit dem Spleißen von 46 Dyneema-Augen Anwärterin auf die Goldene Spleißnadel des Jahres 2016)

  • Der Plan:
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    Warum will ich so ein Ding?

    Ich habe schon länger überlegt, dass ich mir gerne eigene eigene HM machen möchte.
    Für gewöhnlich schlummere ich ja recht bequem in der TTTM Double - 2 m breit, so dass man bequem diagonal darin liegen kann. Aber es muß noch bequemer gehen...

    Mir kam der Gedanke, anstelle eines Rechtecks, das als Gathered End aufgehangen immer eine Bananenform hat, einen Flachlieger nach folgendem Schnittmuster zu bauen:

    [ATTACH=CONFIG]n14193[/ATTACH]

    Gleichzeitig bin ich aber so ein Gewichtsfanatiker... Also überlegte ich mir, dass man ein Teil des Stoffs durch leichte und luftige Dyneema-Schnüre ersetzen kann:

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    Das gibt es schon von Ergo, als Hammock Tent, oder von Konradsky als 90°-Hängematte.
    Nachdem ich mich kürzlich von dem Komfort einer 90°-Hängematte überzeugen konnte, habe ich mich an die Arbeit gemacht...

    [USER="14"]Mittagsfrost[/USER] Weitere Bilder kommen!

    Das Baumkind

  • Die Schnüre: Pro Seite habe ich 23 Dyneema-Schnüre angefertigt und Augen reingespleisst. Hier sind die Schnüre (noch mit ausgefranstem Ende) mit Längemarkierungen zu sehen.

    [ATTACH=CONFIG]n14366[/ATTACH]

    Die Länge der Schnüre hatte ich mir in einem Excel-Sheet vom guten alten Pythagoras ausgerechnen lassen, wobei die mittlere Schnur die kürzste war und mit 1m Länge und der Schnurabstand mit 10 cm angesetzt waren. Pro Schnur habe ich für die Spleisse insgesamt 50cm zugegeben.

    Für das Spleissen habe ich
    1) die Schnüre auf 2 cm Länge am Ende aufgedröselt und mit einem Opinel die Hälfte der Fasern weggeschnitten
    2) mit einer Stopfnadel (Gr. 13) und der Faser eines 0815-Edelstahldrahts die Schnüre durchgezogen.
    3) Jede Schnur wurde mit einer Längemarkierung versehen und das Auge direkt auf einen Karabiner gezogen.
    4) Schließlich habe ich die Schnüre mit einem Stück übrig gebliebenen Dyneema "verwebt", damit sie sich nicht mehr verheddern können.

    TODO für den nächsten Fernsehabend: die überstehenden Schnurenden auch noch reinziehen, damit es nicht so ausgefranst aussieht.

    Der Stoff: Zwei Lagen Stoff mit etwa folgenden Massen (ich habe nicht auf den Zentimeter genau gearbeitet)
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    An den Längsseiten ist 10mm starkes Gurtband (Polyamid) eingewickelt, an den kurzen Seiten einfach eingenäht.
    Das Einschubfach für die Isomatte habe ich 104cm breit gelassen, damit ich meine 1m breite Monstermatte einschieben kann (längs rollen und reinschieben - allerdings haftet der Stoff auf Eva sehr gut, so dass es eher ein zähes Überziehen ist).
    Das Einschubfach ist am Fußende 43 cm breit, damit die Matte bei unruhigem Schlaf nicht einfach rausflutschen kann, oben deutlich schmaler, so dass man mit der Hand beim Überziehen durchgreifen kann.

    Hier ist das Stück Stoff: Doppellagig, innen bambus, außen nachtblau:

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    An den Längsseiten haben ich dann die Dyneema-Schnüre durch das eingenähte Gurtband gezogen: Zuerst habe ich eine dünne Stopfnadel ohne Spitze (Gr. 13) genommen, dann mit einer dickeren Stopfnadel nachgebohrt und dabei das Dyneema durchgezogen.

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    Die Schnüre sind momentan mit einem einfach Palstek auf Slip verknotet, damit sie noch justiert werden können. Nach der Grobjustierung kann ich sie dann an den nächsten beiden Fernsehabend zu Whoopies verspleissen, mit denen man dann eine Feinjustierung vornehmen kann:

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    Das Baumkind

  • Am oberen Ende die Fritzelenden auch noch eingespleißt (einfach mit 16er Stopfnadel durchgezogen). Sieht gleich ordentlicher aus:D

    Erkenntnis No. 1 des Power-Splicings: Es ist totaaaal wichtig, die Schnüre an den Enden sauber aufzudröseln und die eine Hälfte der Faser äußerst sauber und sehr sorgfältig abzuschneiden. Wenn man das macht, flutschen die Enden einfach durch. Hat man aber etwas unsauber gearbeitet und ein Millimeterchen steht über, erzeugt das beim Durchziehen einen Widerstand, der nur mit viel Hängen und Würgen überwunden werden kann.

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    Einmal editiert, zuletzt von Hammock Fairy (4. April 2023 um 13:01)

  • Am oberen Ende die Fritzelenden auch noch eingespleißt (einfach mit 16er Stopfnadel durchgezogen). Sieht gleich ordentlicher aus:D

    [ATTACH=CONFIG]n14384[/ATTACH]

    Erkenntnis No. 1 des Power-Splicings: Es ist totaaaal wichtig, die Schnüre an den Enden sauber aufzudröseln und die eine Hälfte der Faser äußerst sauber und sehr sorgfältig abzuschneiden. Wenn man das macht, flutschen die Enden einfach durch. Hat man aber etwas unsauber gearbeitet und ein Millimeterchen steht über, erzeugt das beim Durchziehen einen Widerstand, der nur mit viel Hängen und Würgen überwunden werden kann.

    Das Baumkind

    Ich versteh nicht so ganz, was Du mit durchflutschen gemeint hast. Ich habe noch nie die Erfahrnug gemacht, dass das Ausdünnen der Enden irgendeinen Einfluss auf die Durchflutscherei hat. Durchflutschen tut da gar nix, solange der Augspleiss "gelocked" ist. Außer man macht das lose Ende der Schnur zu kurz, dann kann sich das Hohlgeflecht aufdröseln und der Augspleiss geht auf.

    Auf jeden Fall hast Du da ein tolles Projekt am laufen, sieht wirklich gut aus soweit. Wird bestimmt superbequem!

    LG, Roland

  • Heute habe ich die neue Hängematte erstmals Probe gelegen --- und dabei festgestellt, dass die Schnüre suboptimal eingestellt sind, wodurch einzelne Whoopies sehr stark unter Spannung standen.

    Als nächstes habe ich festgestellt, dass Palsteks auf Slip mit 1mm Dyneema, wenn sie einmal festgezogen sind, festgezogen sind.:mad:

    Alles wieder zusammengepackt, nach Hause... Nun mach ich mich daran, die Palsteks wieder aufzudröseln, um sie dann nach [USER="21"]Konradsky[/USER] -Methode mit einen halben Schlag auf Slip, und dann mit der Schlaufe noch einen halben Schlag drauf, wieder zusammenzuknoten.

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  • Von der Kunst, einen Querlieger zu justieren

    Ein Querlieger ist - wenn man mal vom Spleißen der ganzen Schnüre absieht - schnell und einfach gemacht. Nur das Justieren der Schnüre ist eine eigene Kunst für sich...
    Folgende Varianten habe ich bislang ausprobiert:

    1.) Die Schnüre sind mittels Pythagoras so berechnet, dass die mittlere Schnur senkrecht steht, und die Schnüre links und rechts davon immer länger werden, so dass sich ein gleichschenkliges Dreieck ergibt. Fazit: Ja, man kann drin liegen, aber es fühlt sich an, als ob die Hüfte und Brustkorb höher als der Rest liegt.


    2.) Die Schnüre sind alle gleich lang gespannt (in meinem Fall 90 cm). Fazit: Man kann drin liegen, aber es fühlt sich wie eine Banane an, bei der der Kopf zu tief und die Füße zu hoch sind.


    Der menschliche Körper hat ja seinen Schwerpunkt nicht exakt auf der Hälfte, sondern eher zum Kopf hin. Deshalb ist nicht die mittlerste Schnur die senkrechte, sondern etwa die 10. Schnur von 23, so dass 10 Schnüre den Kopfteil ausmachen und 13 den Fußteil.

    3.) Asymmtetrische Justierung: Im Kopfteil bleiben alle Schnüre auf 90 cm, im Fußteil werden sie jeweils um zwei cm pro Schnur länger (die letzte Schnur hat dann 90 cm + 13 * 2 cm = 116 cm). Fazit: steht noch aus...


    Das Baumkind

    Einmal editiert, zuletzt von Hammock Fairy (4. April 2023 um 13:03)

  • :yahoo: Mein Gott ... jetzt hat Sie's ... mein Gott jetzt hat Sie's

    Gut so, Weiter machen! :cool:

    lieben Gruß
    kahel

  • Fazit von Variante 3: Sehr hoher Liegekomfort:dirol:

    ABER:nea:: Der Stoff der Hängematte ist 117 cm breit und hängt mit 90 cm Länge für kurzen Schnüre so weit durch, dass ich die Matte deutlich höher aufhängen muß als meine Arme lang sind:wacko:

    Variante 4: Kürzen.... Aber wie:confused:

    Alle Schnüre 20 cm kürzer machen, führt nicht zum Ziel, weil sich die Hängematte dann "verkürzt"...
    Deshalb folgendes Vorgehen: Alle Schnüre erst einmal 20 cm kürzer machen. Dann von der Mitte ausgehend jede Schnur 1/2 cm länger machen...

    Das Baumkind

  • WENN ... das Ding fertig ist ... da bin ich total gespannt drauf! :yes:
    :thumbup: Schön dass Du uns so intensiv auf dem Laufenden hältst!

    gespannte Grüße
    kahel

  • Variante 5: Leider ist das Testen der Abspannung der insgesamt 46 Whoopies für mich momentan sehr zeitaufwendig, weil ich immer ins Wäldchen gehen muß, und zieht sich u.a. wegen früh einsetzender Dunkelheit und des anhaltend schlechten Wetters in die Länge. Grmpf. Wenn ich die Maße von Variante 4 nehme (Post #15), fühlt es sich an, als läge man mit dem Rücken auf einem Baumstamm - Kopf und Füße hängen nach unten...

    Der Vorteil von weniger Testgelegenheiten ist, dass man mehr Zeit zum Denken hat: Nun ist der menschliche Körper ja nicht überall gleich breit... Deshalb muß die Kontur des Körpers bei der Whoopie-Länge berücksichtigt werden: Im Bereich der Beine und des Kopfes können die Whoopies ruhig kürzer sein. Das Ergebnis liegt sich ohne Isomatte schon recht gut, ist aber noch verbesserungsbedürftig...

    Das Baumkind

  • Hallo Baumkind,

    wie ich dir schon geschrieben habe, ist es wesentlich einfacher mit einer Xtherm zu testen.
    Ich habe das mal mit einer Evazote probiert und das war einfach nur doof.
    Macht überhaupt kein Spass drin zu liegen.
    Wenn die Einstellung steht, kann man das mit dem Feintunig auch mit der Evazote machen.
    Aber der Liegekomfort ist für mich unter aller Kanone.
    Übernehme erst einmal meine Maße und dann kannst da mal in Ruhe drin schlafen.
    Das Rad muß ja nicht neu erfunden werden.

    Gruss
    Konrad, der seit 10 Tagen ohne Tarp testet und nur leichte Veränderungen gemacht hat.

  • Ich habe ein Wochenende in Ostfriesland dafür genutzt, mit Unterstützung von [USER="21"]Konradsky[/USER] die Abspannung meiner Hängematte durch Trial & Error zu verbessern. Gestern habe ich das Ergebnis nachgemessen und schwanke nun zwischen Variante 6 und Variante 3b: Interessanterweise entsprechen die Längen der Schnüre ziemlich genau der Variante 3 - mit Ausnahme der Beine, die ab dem Gesäß leicht angehoben sind (Änderungen in blau):

    Das Ausprobieren am Wochenende hat mir gezeigt, dass es die "ideale Abspannung" auch nicht gibt. Außerdem muß man seine persönlichen Vorlieben erst einmal kennen lernen - und das wird man wohl nur dadurch erreichen, indem man die Matte tatsächlich nutzt.

    Die nächsten Schritte:
    Ein schmales, sehr leichtes Tarp
    Ein Moskitonetz - da habe ich auch schon eine Idee, wie ich gewichtstechnisch gut und ohne Rundrum-Reißverschluß auskommen könnte
    Ein Cover oder Winter-Socke?

    Mal sehen...


    Das Baumkind

    Einmal editiert, zuletzt von Hammock Fairy (4. April 2023 um 13:04)

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