... Nachts im wald aufbauen hatte mich damals schon weniger gestresst als erwartet. Das grosse kopfkino blieb aus und ich konnte meine Emotionen,stand halten und umgehen.
Nun kommt noch der Dauerregen hinzu. Ich wollte alle Szenarien durchtesten,damit ich die Erfahrungen habe,um in notfällen(wie diese Situation)gewappnet zu sein.
Aufbau bei starken wind am see,nachts im wald und jetzt also auch nachts im wald bei regen...
Prolog
Tigermilk und ich sind auch privat im Kontakt und Austausch, was mir immer wieder eine Quelle von Inspiration und Anregung ist.
Seine neugierig-konsequente Vorgehensweise beeindruckt mich sehr.
Ich bin wirklich kein großer Draussenhänger. In meiner Herkunftsfamilie habe ich keinerlei Camping-Vorbild, nur als Kind hatte ich mal ein Stoffzelt im Garten. Das musste man noch mit irgendeiner Flüssigkeit und dickem Pinsel imprägnieren.
Als ich am Welthängemattentag 2022 meine erste "richtige Hängematte" in Händen hielt, ahnte ich noch nicht, was damit alles möglich werden könnte.
Ein paar Draussenübernachtungen habe ich ja schon gemacht, sogar meinen ganz persönlichen frozen butt erlebt.
Schwerpunkt ist aber wohl, dass ich einfach kein Bett mehr habe und dauerhaft in der Hängematte schlafe. Wegen Schultern und Rücken.
Drinnen allerdings.
Draussen mal so richtig vom Regen erwischt zu werden, keinen Rückzug zum Haus oder wenigstens zum Auto zu haben und alles sowohl trocken einpacken und dann noch irgendwie nach Hause transportiert bekommen zu müssen, war mir seit Beginn ein erschreckender Gedanke.
Schon beim wuppitom am Strand fordert (zumindest mich) heraus, das Zeugs sandfrei wieder einzupacken und auch noch alles zu Fuß bis zum Parkplatz zu bekommen. Wenn`s dann da auch noch regnen würde - nicht auszudenken.
Ja, da bin ich vielleicht kompliziert. Oder ungeübt. Oder beides.
Andererseits: MUSS man das alles mitmachen, nur weil man Hängematten toll findet?
der Versuch
Es ist Wochenende und ich hab keinen Plan. Shicewetter ist auch noch angedroht.
Na gut.
Ich werd`s mal wagen. Ziel ist der Trekkingplatz Segeberger Heide.
Gelesen? "Offenes Feuer ist nicht gestattet"
Hier hamse gleich den ganzen Stubben abfackeln wollen.
Komoot führt mich wieder mal `ne ganz andere Strecke, gefällt mir aber gut.
Wiederholt kommen Regenschauer runter. Die Regenjacke lass ich irgendwann einfach an, nur die -hose landet immer wieder mal hinten unter dem Gummistraps vom Anhänger.
Mein Smartphone ist nicht wassergeschützt. Für`s Navigieren bei Regen unpraktisch. Ab und zu fummle ich`s also während der Fahrt aus der Jackentasche.
Nach knapp zwei Stunden und einem weiteren Regenguss vom feinsten erreiche ich den Segeberger Forst.
Ja, in Schleswig-Holstein wird das nix mit legalen Übernachtungen im Wald. Und nach meinen Erfahrungen mit unserem örtlichen Jagdpächter beim (vom Bauern ausdrücklich erlaubten) Bogenschiessen auf einer freien Weide habe ich auch keinen großen Mut, es auszuprobieren.
Ich bin mir ziemlich sicher, den Trekkingplatz bei diesem Mistwetter ganz für mich allein zu haben.
Sieben andere Parteien haben sich aber schon eingerichtet. Ein Hänger, der Rest Zelter.
Eine kurze Schauerpause nutze ich, mein SetUp aufzubauen. Diesmal beginne ich vorsichtshalber mit dem Tarp. Es tropft noch genug von oben aus dem Bäumen.
Hier zwischen diesen dicken Stümpfen habe ich im letzten Jahr gehangen, um Sternschnuppen zu beobachten.
Die Infrastruktur wurde weiterentwickelt.

Ich komme mit einem Backpacker ins Plaudern und wir vergleichen unser Gepäck.
Mir wird klar, dass ich wohl noch ziemlich am Anfang stehe... 
Um sein winziges Einmannzelt beneide ich ihn nicht. Er kann nur rückwärts über die kleine Kopföffnung reinkrabbeln.
Näh, nicht mit mir. Um morgens die ersten Schritte tun zu können, bevorzuge ich Stehhöhe unter`m Tarp. Sonst ist der Rest des Tages für mich schon vor dem Frühstück gelaufen.
Apropos essen. Will ich natürlich auch.
Ich bin weder ein großer Koch noch habe ich Bock auf den improvisierten Abwasch hinterher.
Vielleicht mangelt es mir auch wieder nur an Vorstellungskraft und Improvisationswillen.
Der Bikepacker hat frisch für sich zubereitet. (Wo steckt er das nur alles hin in seinen kleinen Taschen?)
Ach egal. Immerhin passt meine Gaskartusche in meinen Topf mit rein, da hab ich schon mal mitgedacht. 
Ach ja, und den DIY-Stuhl hab ich auch mitgenommen.
Es dämmert bereits, als das letzte Pärchen des Tages kommt und sie ihm beim Aufbau des offenbar nagelneuen Zeltes zusieht.
Schön ist es hier. Der Platz bietet wirklich genug Raum für viele.
Bei einsetzendem Regen renne ich vom Bikepacker zu meinem Camp zurück und knülle die nun nasse Fleecejacke in meine große Rolltasche. Tja, nun wird`s da wohl feucht drin werden. Und morgen stopfe ich da die Daunenquilts rein.
Sollte ich mir darüber jetzt Gedanken machen oder ist das eben so? Ich weiss es nicht.
Es ist kurz vor zehn als ich mich in die Behaglichkeit meiner Hängematte zurückziehe. Draussen gießt es in Strömen und ich bin zutiefst dankbar, nicht in einem Zelt liegen zu müssen.
Leider pladdert es derart laut auf mein Tarp, dass ich in dieser Nacht gefühlt nur sehr wenig Schlaf finde. Öhrenstöpsel habe ich nicht dabei. Einerseits hab ich nicht so gern irgendwelche Stopfen im Ohr, andererseits höre ich mich dann immer extralaut selber atmen.
Stört beides.
Aber schlafbrilleseidank geht es in den morgendlichen Dämmerstunden dann doch bis irgendwie kurz nach sieben.
Als ich müde zum Microcamp des Bikepackers rüberschiele, ist der schon auf und davon. Hoffentlich war er über Nacht nicht abgesoffen. Die dünne Isomatte hätte ihn ganz sicher nicht vor den Fluten gerettet.
Es regnet nach wie vor. Ich verzehre die gestrige Stulle aus dem Brotbeutel, den ich nun zum Verstauen der tropfnassen Aufhängung von Hängematte und Tarp nutzen kann. Auch darüber hatte ich vorher nicht bis zum Ende nachgedacht. Gurte und Schnüre ziehen Wasser, und das nicht zu knapp.
An der Buche läuft`s im Bächlein herab.
Meine Abtropfschnüre aus altem Baumwollfaden haben einen gute Job gemacht.
Was daran noch vorbeilief, wurde von der Gurtschlaufe nach unten abgeleitet.
Also schön langsam und mit Bedacht alles einpacken. Die Physik ist ebenso zuverlässig wie gnadenlos und alles sollte in der richtigen Reihenfolge geschehen. Sonst liegt am Ende irgendwas im Dreck oder wird nass. Oder, schlimmer noch, beides.
Zu guter letzt rein in die Regenklamotten und schon mit Helm auf dem Kopf noch das Tarp in die SnakeSkins bergen. Das nasse Knäuel wird nachher dann ganz aussen auf die Tasche von Hänger gestopft.
Etwa zwei Stunden strampele ich dann im windigen Dauerregen wieder mit dem Rad nach Hause.
Ich nehme den mir bekannten Weg, das Handy will ich zwecks Navigation auf keinen Fall hervorholen.
Sonntagmorgens ist kaum Verkehr, da kann ich ruhig auch ein paar größere Straßen fahren.
Ankommen ist heute das Ziel.
Die Füßlinge der Regenhose sind ein Segen.
Zum Glück ist es warm genug, dass ich keine kalten Hände kriege.
Den Stehkragen der Jacke sollte ich künftig unter`s Kinn klemmen, sonst läuft mir der Regen durch den Bart am Hals zur Brust herunter.
Alles nicht schlimm heute, denn es ist mild. Zum Glück.
Zuhause ziehe ich direkt den Gartenschlauch vor`s Haus und spritze mein komplettes Gespann noch einmal ab.
Alles total verdreckt, also warum nicht die Gelegenheit nutzen.
Noch in Regenklamotten hänge ich das klatschnasse Tarp im schmalen Verandakeller auf. Da macht`s nichts, wenn ich nochmal nass werde.
Dann rein mit dem ganzen restlichen Zeug - und erstmal einen heißen Cappuchino aufsetzen! 
Fazit
Okay, ich kann`s. Bei Regen campen, meine ich.
Jetzt habe ich das mal bewusst so provoziert und auch alles hinbekommen.
Das nimmt der Überraschung schon den Schrecken.
Aber es ist auch kompliziert, aufwändig und will wohl bedacht vonstatten gehen. Von der "Nacharbeit" mal ganz zu schweigen.
Und ich konnte auch nach dieser Nacht wieder nach Haus zurückkehren. Nicht auszudenken, wenn ich jetzt noch ein paar Tage unterwegs vor mir hätte.
Nein, ich werde wohl möglichst ein Genusshänger bleiben. Aber immerhin hab ich`s versucht und nicht immer bloss befürchtet.
Herrliche Grüße
jenshelge