Danke für diese Idee, Hammock Fairy ! Ich hatte eure Ausführungen in dem anderen Faden mit Interesse verfolgt und wollte dort schon etwas dazu posten. Aber ein eigenen Thread für dieses Thema aufzumachen finde ich auch passender.
Ich bin nicht vollständig auf die Hängmatte konvertiert, sondern wechsle immer noch zwischen den Welten, je nachdem ob ich mit meiner Frau reise (Zelt), zuhause im Ehebett schlafe (Futon) oder allein bzw. mit anderen aus diesem Forum mit der Hängematte unterwegs bin.
Der Wechsel auf die Hängematte fällt mir persönlich am schwersten. In ihr schlafe ich nachts am unruhigsten. Zuerst dachte ich, dass es an der Liegeposition liegt. Ich bin auf dem Boden primär Seitenschläfer und wechsle in der Nacht oftmals meine Liegeseite. Besonders in meiner ersten Hängematte (einer DD Frontline) fühlte ich mich eingeengt und konnte meine Position in der Nacht kaum verändern. Bei meinen eigenen Hängematten und in der Warbonnet XLC, wo man diagonal drin liegt, klappt es mittlerweile auch, dass ich nachts von der Rückenlage (mit übergeschlagenen Beinen oder in Ballerina-Position) in die Seitenlage wechsel. Dabei stabilisiere ich meinen Rumpf hinterm Rücken mit dem Arm, der zu diesem Zeitpunkt "unten" ist (vergleichbar einer stabilen Seitenlage bei der Ersten Hilfe). Angenehm finde ich auch, dass der Kopf je nach Liegeseite durch den Rand der Hängematte bei der seitlichen Lagerung stabilisiert wird wie mit einem Kopfkissen.
Wichtig finde ich auch, dass die Hängematte von vornherin am Fußende höher hängt, so dass ein runtersacken Richtung Fußende vermieden wird. Wenn die Füße am Ende der Hängematte zusammengedrückt werden, ist das für mich nicht sehr bequem und meinem Schlaf nicht unbedingt förderlich.
Eine Zeit lang dachte ich auch, dass mein unruhiger Nachtschlaf in der Hängematte daran liegt, dass ich einfach keine Umgewöhnungszeit habe, wenn ich nur für eine oder zwei Nächte mit der Matte draußen bin. Da mir die Umstellung vom Bett drinnen auf das Zelt draußen aber leichter fällt, vermute ich eher, dass es an den fehlenden (Zelt-)Wänden liegt, wenn ich nachts in der Hängematte öfter als sonst aufwache.
Ich vergleiche das mit dem Unterschied beim Fahren eines Autos oder eines Motorrades. Der Kontakt zur Straße ist für mich beim Motorradfahren immer noch viel konkreter, ich fühle mich in den Verkehr wesentlich eingebundener - was ja auch sinnvoll ist, da ich als Motorradfahrer gefährdeter bin ohne Knautschzone und Anschnallgurt. Bei der Hängematte ist es für mich so ähnlich. Der Kontakt zur Natur ist unterm Tarp mit Blick in die Umgebung wesentlich konkreter als beim Zelt, wo der Reisverschluss alles dicht gemacht hat und ich mich dann der Illusion der sicheren vier Wände hingebe.
Wenn ich nachts aufwache, checke ich mit meinem Visus im Halbschlaf aus der Hängematte heraus die Umgebung, die oftmals vom Mond illuminiert und konturiert ist. Ich verbinde also die Geräusche, die ich nachts höre mit einer kurzen visuellen Überprüfung meiner Umgebung. Im Zelt nutze ich ja nur mein Gehör, horche kurz auf und dreh' mich dann auf die andere Seite und schlafe weiter. Somit kann es sein, dass ich diese Mikro-Wachphasen in der Hängematte bewußter wahrnehme und auch wacher werde als wenn ich im Zelt oder im Bett schlafe (wo mir die Umgebung ja ohnehin vertraut ist). Das würde erklären, warum ich das Gefühl habe, nachts in der Hängematte unruhiger zu schlafen als im Zelt, da diese prüfenden Kurzwachphasen in der Hängematte mich mehr aus dem Schlaf holen.
Erschwert wird das noch dadurch, dass ich Brillenträger bin. Wenn ich nachts von einem Geräusch aufwache und alles unscharf sehe, greife ich dann doch immer wieder mal zur Brille, die im Ridgeline Organizer liegt, um auch wirklich etwas da draußen erkennen zu können. Diese motorische Handlung holt mich natürlich noch mehr aus dem Schlaf raus, so dass ich dann immer eine kurze Zeit brauche, um wieder einzupennen.
Zuerst dachte ich, dass ich nach einer derart oft unterbrochenen Nacht am nächsten Morgen total gerädert sein müsste und der folgende Tag dann extrem zäh vonstattengeht und ich total übermüdet sein müsste. Das ist aber nach den bisherigen Hängematten-Nächten draußen nie der Fall gewesen. Zwar habe ich immer noch das Gefühl in der Hängematte unruhiger zu schlafen, aber ich fühle mich am darauf folgenden Tag tatsächlich frisch. Da ich oftmals aus dem Wald direkt zur Arbeit fahre, kann ich auch sagen, dass meine Leistungsfähigkeit nach einer Nacht draußen in der Hängematte nicht verringert ist. Übernächtigung schlägt sich bei mir auch oftmals in Form von Migräne durch, was ich nach einem Aufenthalt mit der Hängematte im Wald oder auf dem Campingplatz auch noch nie gehabt habe.
Das mag dem einen oder anderen, der das jetzt liest, total anstrengend und kaum erholsam vorkommen. Aber ich kann nur sagen, dass ich mich auf jede Übernachtung in der Hängematte freue und einfach diese nächtlichen Wachphasen als gegeben akzeptiert habe. Solange ich mich am nächsten Tag fit fühle und es mir Spaß macht, gibt es für mich auch keinen Grund damit aufzuhören. Was ich mich allerdings noch frage ist, ob dieses nächtliche Aufwachen eine Frage der Gewöhnung ist und eventuell weniger wird, wenn man längere Zeit am Stück nachts draußen mit der Hängematte schläft - oder ob es eher eine Sache der persönlichen Eigenschaften ist und der individuellen psychischen Disposition, mittelfristig also vermutlich so bleiben wird?