Mit welcher Nähmaschine näht ihr derzeit?
Zurzeit arbeite ich eigentlich nur mit meiner zweiten Nähmaschine, einer Pfaff 1221 (Baujahr ca. 1985), der versenkbaren Tisch-Version der Freiarm-Maschine Pfaff 1222. Diese Reihe ist in Outdoor- und Drachenbau-Kreisen bekannt und beliebt. Daher wird sie heute oftmals überteuert gebraucht angeboten.

Wie lange näht ihr schon mit der aktuellen Maschine?
Erst die zweite Saison. Ich besitze die Pfaff zwar bereits seit zwei Jahren, aber bevor ich richtig damit arbeiten konnte musste ich sie in den Check geben und einige Dinge reparieren lassen. Ich hatte die Maschine über ebay-Kleinanzeigen von einem Modedesigner gekauft, der mehrere Maschinen besaß und wohl finanziell etwas klamm war, so dass er die Pfaff 1221 verkauft hat. Er hatte sie bereits gebraucht von einer Frau aus Westdeutschland abgekauft.
Mit welchen Nähmaschinen habt ihr davor genäht?
Mit der geerbten Nähmaschine von meiner Mutter, einer Quelle Privileg 470 (Baujahr 1974, hergestellt von Brother in Taiwan).

Welche guten und schlechten Erfahrungen habt ihr mit den jeweiligen Maschinen gemacht?
Die Privileg ist ein mechanischer Panzer, sie ist einfach zu verstehen und robust gebaut. Trotz des stärkeren Motors, ist sie der Pfaff 1221 allerdings unterlegen. Die Geschwindigkeitskontrolle mit dem Anlasser ist bei der Privileg nicht sensibel genug. Selbst bei geringem Niederdrücken läuft die Maschine schon relativ schnell an. Die Pfaff 1221 habe ich habe mir zugelegt, weil ich bei der Bearbeitung von dünnen Polyester- und Nylon-Stoffen mit der Privileg recht schnell Probleme mit dem Stofftransport bekommen habe und sie auch bei dicken mehrlagigen Nähsituationen (Stichwort: Underquilt und bei Baumbändern) schlapp gemacht hat.
Die Pfaff läßt sich bei langsamer Stichgeschwindigkeit wesentlich kontrollierter an. Auch der Obertransport hilft schon merklich. Das schöne an der Pfaff ist, dass es auf dem Markt noch viele Ersatzteile gibt. In Berlin gibt es zwei Läden, die sich auf Pfaff-Reparaturen spezialisiert haben. Mein Reparateur war damals bei Pfaff angestellt und hat meine Maschine bei der Wartung auseinandergenommen. Der Spaß hat über 200 Euro gekostet (und war damit teurer als der Kaufpreis), aber die Maschine hatte relevante Verschleißprobleme. Einige Bauteile (die Walze für die Stichprogramm-Auswahl und auch einige Zahnriemen) sind aus Nylon gefertigt und nach 40 Jahren oftmals porös und brüchig. Doof, wenn man solche wichtigen Teile nicht austauschen kann. Wenn man sie nicht übermäßig ölt (Öl ist wohl tödlich für den Keilriemen und die Nylonbauteile), sind die Dinger sehr robust und zuverlässig.
Weiterhin haben die Pfaff-Maschinen spezielle Bauteile verbaut, die nicht standard sind, .z.B. das Poti im Anlasser. Es gibt mindestens drei Generationen von Anlassern für diese Maschinenreihe, und alle sind nicht kompatibel zueinander. Da muss man teilweise ganz schön lange nach Ersatzteilen suchen. Für das Potentiometer gab es keinen Ersatz mehr auf dem Markt, die Ritzel waren wohl speziell für Pfaff hergestellt worden. Daher habe ich das Anlasserpedal zum Elektro-Reparaturfachgeschäft gebracht. Der hat mir für 30 Euro das alte Poti auseinandergenommen und gereinigt, so dass es wieder wie geschmiert läuft.
Das einzige, was mir an der Pfaff als "Verschlechterung" zur Privileg erscheint, ist dass die Pfaff 1221 die Tischversion ist und keine Freiarm-Maschine (das wäre dann die Schwester-Maschine Pfaff 1222). Ob nun Hosenbeine umnähen, Ärmelbündchen oder bei Packsäcken nachträglich einen Tunnel für die Schnur nähen – da punktet meine Privileg 470 mit ihrem Freiarm wieder gegenüber der Pfaff ...
Ich denke, dass die Investitionen in die alte Pfaff immer noch besser sind als eine aktuelle Maschine, deren Bauteile gekapselt und nicht mehr zum Reparieren ausgelegt sind.
Wenn ihr plötzlich keine Nähmaschine mehr hättet, und euch nur eine anschaffen dürftet - für welche würdet ihr euch entscheiden und warum?
Ich stehe eher auf schwere Metall-Maschinen. Das ist auch meine Vorliebe bei Motorrädern. Eher unverkleidete Roadster als Plastikbomber bzw. Jogurtbecher. Daher würde ich immer wieder auf eine mechanische Gebrauchte zurückgreifen und nach einer verbreiteten und beliebten alten Pfaff suchen, bevor der Name verkauft wurde. Obertransport habe ich zu schätzen gelernt. Da ich meine Nähte eher bedächtig langsam nähe, ist mir ein sauberes Laufbild wichtig auch in "Zeitlupe".
Meine ersten Baumgurte habe ich zum Markisen- und Segelmacher gebracht, um die Schlaufen nähen zu lassen. Die Industriemaschine mit Drehstrom war sehr beeindruckend und hat den Auftrag in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit und -kraft weggesurrt. So eine Maschine wäre aber vollkommen überdimensioniert für mich als Hobbyisten.
Wäre das die gleiche Maschine wenn Geld kein Rolle spielen würde?
Auch wenn Geld keine Rolle spielte, ich würde wohl bei der Pfaff bleiben. Ich bin kein Profi, viele Programme brauche ich auch nicht. Das einzige, was mir bei beiden alten Maschinen fehlt, ist eine Overlock-Funktion. Aber zum Versäumen von Nähten gibt es ja auch noch die alten Möglichkeiten, wenngleich es etwas umständlicher ist ...