Mit Hängematte im Schluchtensteig
-Tourbericht Juni / 21-
"Spoiler vorne weg, es war die härteste, schönste und aufregendste Tour seit langem."
Den Schluchtensteig hatten wir schon lange auf unserer Agenda und im Sommer 2021 war es endlich soweit.
Zuvor hatten wir noch einen kurzen Stop im Nordschwarzwald und hatten dort zwei veregnete aber wunderschöne Wandertage erlebt.
Der anhaltende Regen in den ersten zwei Tagen im Schluchtensteig tat unserer Stimmung keinen Abbruch aber die Schlammschlacht in der Schlucht ließ uns an unsere Grenzen stoßen.
Trailrunners waren unter diesen Umständen jedenfalls nicht die beste Wahl, wir standen die ersten drei Tage knöcheltief im Schlamm und der Weg durch die Wutachflühen war unter diesen Umständen auch nicht ungefährlich.
Es ging entlang höher Felswände und wir wählten jeden Schritt mit bedacht um nicht abzustürzen.
Der Adrenalinspiegel war in diesem Abschnitt bei anhaltenden Regen sehr hoch und unsere Trekkingstöcke bohrten sich besonders Tief in den Schlamm.
Das im Anschluss folgende Gewitter war der vorläufiger Höhepunkt des Tages und wir saßen es unter einer Bahnbrücke aus.
Mit der vorbei schnaufende "Sauschwänzle Bahn" (Dampflokomotive) löste sich das Gewitter langsam auf und es ging bei gemäßigtem Regen weiter zum nächsten Übernachtungsplatz.
Unsere durchweichten Füße und die anhaltende Schlammschlacht ließen uns am Abend kurz über ein beenden der Tour nachdenken.
Einsetzender Sonnenschein am Tag darauf und wunderschöne Ausblicke, Wasserfälle und abwechslungsreiche Natur wie ich sie selten zuvor erlebt habe gaben uns aber schließlich wieder die nötige Motivation.
Wir führten unsere Tour fort
was aber blieb, Schlamm ,Schlamm und nochmal Schlamm und dadurch waren wir natürlich langsamer wie geplant aber lieber langsam und sicher als verletzt in der Schlucht. Später mahnte uns der Anblick einer gestürzte Wanderrin, nochmals zur Vorsicht.
"Sie sah aus wie eine frisch gesuhlte Wildsau aber verletzt hat sie sich zum Glück nicht."
Nach kurzem Gespräch ging es weiter.
Die Schlucht unter diesen Umständen verlangte uns nach wie vor einiges ab und für unsere nächtlichen Lager haben wir obendrauf immer noch zusätzliche Höhenmeter in Kauf genommen, um die Schlucht zu verlassen da wir nicht im Naturschutzgebiet nächtigen wollten. Ein flauschiges Plätzchen in toller Kullise fand sich außerhalb zum Glück immer und entschädigte für die zusätzlichen Strapazen meist mit einem schönen Ausblick oder Sonnenuntergang.
Die Bezeichnung #toptrailofgermany hat der Schluchtensteig definitiv verdient!
Fast schon zuviele wunderschöne Eindrücke in zu kurzer Zeit, völlig verausgabt, dreckig und trotzdem SOOOO lebendig. Ja so fühlte es sich an!
An Tag 5 haben die Strapazen der letzten Tage ihren Tribut gezollt und wir haben vorzeitig unsere Tour nach Ertappe 5 von 6 beendet.
Der Schwarzwald hat unser Herz aber trotz Schlammschlacht im Nu erobert.
Wir kommen wieder...
"Ach da war ja noch was...... mit dem reißerischen Clickbait im Titel "Tiger und Löwen" und so. 😉
Mit Bus und Bahn ging es zurück zu unserem Auto, dort beschlossen wir noch ein wenig die Gegend zu erkunden bevor es für uns zur Erholung an den Bodensee ging.
Den sehr touristischen Titisee ließen wir auf unserer kleinen Rundfahrt durch den Schwarzwald links liegen, nach einem zünftigen Abendessen in einem sehr ländlich gelegenen Wirtshaus haben wir schließlich einen x beliebigen Wanderparkplatz angesteuert der möglichst Tief im Wald lag.
Der Ort für unser Nachtlager war entschieden
aber schon bei der Zufahrt in dieses Waldstück wahren komische Plakate mit Tigern und Löwen zu erkennen. Solche Tierparks meide ich normal aber die einsetzende Dunkelheit ließ uns schließlich an diesem Waldparkplatz unser Lager aufschlagen.
Vor dem einschlafen gingen mir noch einige Gedanken durch den Kopf.
Solche Tiere gehören doch in Freiheit und nicht hinter Gitter!
Als in der Nacht dann aber die ganz "besondere Geräuschkulisse" Los ging und plötzlich das brüllen von Löwen gefühlt direkt neben der Hängematte zu hören war änderte sich meine Meinung ganz schnell.
Freiheit dieser Tiere in allen Ehren aber bitte erst ab Morgen!😉
Fazit: Absolut traumhafte Tour, allerdings empfehlenswert noch anhaltender Trockenperiode. Wie wir im Nachhinein von einem Bekannten erfahren haben war die Schlucht nur eine Woche später wieder halbwegs trocken und er hatte eine super Tour.
Nach sinntflutartigen Regenfällen wie sie bei uns im Vorfeld herrschten sollte man vielleicht die Tour verschieben oder in anderes Terrain verlegen.
Die Wutach hat großartiges geleistet und sich über Jahrtausende tief in die Hänge des Schwarzwalds gegraben. Geschaffen hat sie damit eine überwältigende Landschaft und ein beliebtes Wanderterrain. Pfade, Holzbohlenwege und Treppen führen durch den größten Canyon Deutschlands, vorbei an Muschelkalkwänden und Stromschnellen. Einfach unfassbar schön aber leider in gewissen Teilabschnitten über den Sommer auch gerne mal überlaufen.
Viel Spaß mit den Bildern!