Wie ich auf einer Brücke schlief

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    • Offizieller Beitrag

    Da die Brückenhängematte als der Mercedes unter den Hängematten gilt (jeder bestaunt, aber kaum einer besitzt sie), möchte ich Euch meine ersten Erfahrungen mit einer Brückenhängematte schildern.
    Vorweg sei gesagt, daß ich in den letzten 8 Monaten nur eine Nacht nicht in einer Hängematte verbracht habe (ich war auf dem Sofa eingeschlafen). Ich verfüge also über gewisse Erfahrungen im Umgang mit "gewöhnlichen" oder auch "gathered end" oder "Reisehängematte" genannten Hängematten. dendronaut war so freundlich, mir einen Prototypen seiner Brückenhängematten zum Testen zur Verfügung zu stellen. Ich hatte schon viel davon gehört und gelesen, lag auch schon mal kurz in ein paar "bridge hammocks" drin, aber nun konnte ich ausgiebig und in aller Ruhe testen.

    Ich spannte mein Tarp zwischen zwei Kirschbäumen in meinem Garten auf. Da ich immer dort abhänge, geht das schon fast mit geschlossenen Augen. Ich legte die Baumgurte um die Bäume, zog die Schlinge der Whoopie Slings über die Knebel, wollte in gewohnter Weise die Länge der Abspannung einstellen und stellte fest, daß etwas nicht stimmt. Die Brückenhängematte ist zu lang für den Baumabstand. Ich hatte nicht berücksichtigt, daß bei Brückenhängematten zwischen den Querstreben (spreader bars) und der eigentlichen Abspannung noch ein Lastverteilungsdreieck liegt. Und das sowohl am Kopf-, als auch am Fußende. Zum Glück habe ich noch zwei hängemattentaugliche Bäume in etwas größerem Abstand stehen. Diesmal legte ich die Hängematte vorher auf dem Boden aus. Okay, die Länge paßt. So, jetzt noch die aus Aluminiumrohren bestehenden Querstreben einsetzen. Am Fußende werden zwei Segmente ineinander gesteckt, am breiteren Kopfende drei. Geht nicht. Zu straff gespannt. Also die Whoopies wieder etwas gelockert, die Querstangen angebracht und fertig.

    Denkste! Mein nächstes Problem war die richtige Abspannhöhe. Während die meisten Hänger ihre Reisehängematte unter einem Winkel von etwa 30° aufspannen, werden bei Brückenhängematten eher 20 bis 25° empfohlen. Irgendwann paßte dann alles und ich konnte mich vorsichtig hineinsetzen. Ups! Gut, daß ich mich vorsichtig hinengesetzt hatte, denn fast wäre ich wieder herausgekippt. Wenn auch bei einer Brückenhängematte der Schwerpunkt niedriger liegt als bei den furchtbar instabilen Stabhängematten, so ist es doch erst mal sehr ungewohnt, sich nicht einfach fallen lassen zu können.
    Ach war das herrlich, ausgestreckt und ganz flach liegen zu können! Und erst der seitliche Blick! Da ragt keine steile Wand aus Hängemattenstoff vor einem auf und versperrt die Sicht. Volles Panorama! Herrlich, so gefällt mir das. :D

    Nur in den Schultern drückte es etwas. Vielleicht doch etwas eng. Müsste man einen Hauch breiter machen. Dafür war am Fußende reichlich Platz. Eigentlich viel zuviel Platz. Und wieso sind am Fußende nicht zwei, sondern drei Segmente der Querstrebe zu sehen? Plötzlich wurde mir alles klar. Ich lag falsch herum. Ich setzte mich ruckartig auf und wäre fast herausgefallen. :cursing:
    Vorsicht, Brauner! Immer mit der Ruhe!
    Jaaaa, jetzt war die Welt in Ordnung! Die Schultern hatten richtig satt Platz. Vooorsichtig auf die Seite gedreht - paßt. Auf den Bauch - super! Man kann in der Hängematte auf dem Bauch liegen, ohne die Wirbelsäule ins Hohlkreuz zu zwingen! Das Paradies für den gemeinen Bauch- und Seitenschläfer, wie ich einer bin.
    Ich musste mich zwar etwas zwingen längs und nicht wie gewohnt diagonal zu liegen, aber das ist wohl die Macht der Gewohnheit und gibt sich mit der Zeit sicher von alleine.

    Alles prima, nur das Geschaukel machte mich fast schwindlig. Ob es an der ungewohnten Abspannlänge lag? Wie war das doch gleich noch mal? Je länger das Pendel, desto niedriger die Frequenz. Mir kam sie aber höher vor. Vielleicht lag's ja an der strafferen Aufhängung. Egal. Jetzt wird erst mal der Einsatz einer Isomatte getestet.
    Die Hängematte hat einen doppelten Boden, in den man eine Isomatte einschieben kann. Dazu dreht man die Hängematte am besten einmal um ihre Längsachse, so daß die Unterseite nach oben kommt. Da der Einschub sowohl am Kopf- als auch am Fußende möglich ist ließ sich das Einlegen meiner 2,8 cm dünnen und 51 cm schmalen Therm-A-Rest Isomatte ganz bequem bewerkstelligen. Hängematte wieder zurückgedreht, ganz vorsichtig eingestiegen. Mit der Zeit lerne ich es. Die Isomatte liegt wie eine Eins und verrutscht nicht. Das war mir selbst in meiner doppellagigen Hängematte noch nie gelungen. Schön warm am Rücken! Da muß ich doch gleich mal meine Luxusisomatte (5 cm dick und 66 cm breit) ausprobieren. Die eine Isomatte raus und die andere rein, eine Sache von wenigen Sekunden. Jetzt schnell noch das Tarp aufgespannt, es beginnt zu regnen.

    Da lag ich nun lang ausgestreckt in einer Brückenhängematte. Von unten warm gepolstert, von oben gegen den Regen geschützt. Nur seitlich zog es. Ja, der Seitenwind war eine ganz neue Erfahrung. Das kannte ich von meiner Reisehängematte so nicht. Man kann eben nicht alles haben. Dafür hatte ich jetzt freie Sicht. Gegen das Schaukeln hatte ich mir eine Schnur mit einem Hering seitlich etwa in der Mitte der Hängematte am Boden befestigt. Einmal kurz greifen und dann langsam locker lassen und schon hatte die Schaukelei ein Ende.
    Eigentlich wollte ich noch dem Trommeln des Regens lauschen und die Regentropfen zählen, aber Ihr wißt schon ... Irgendwie muß ich plötzlich bewußtlos geworden sein. :saint:

    Das war mein Erfahrungsbericht zum Thema Brückenhängematte. Ich hoffe, den Uneingeweihten etwas Neues erzählt zu haben. Die Eingeweihten mögen mir bitte sagen, welche Anfängerfehler ich begangen habe und welche Tricks ein erfahrener Brückenschläfer anwendet um selbige zu vermeiden.

    Nachtrag nach einem halben Jahr:
    Ich habe mir mittlerweile eine KOMA gekauft und sie jetzt 3 mal aufgehängt. Diesmal hatte ich keinerlei Probleme mit der Schaukelei. Selbst die Kippeligkeit schien stark nachgelassen zu haben. Vielleicht hatte ich sie das erste Mal doch falsch (zu straff?) aufgehängt?
    Daher mein Rat an alle, die in einer Brückenhängematte unter Seekrankheit leiden: Gebt nicht gleich auf, sondern experimentiert mit der Aufhängung!

    Omnia vincit lectulus pensilis.

    Einmal editiert, zuletzt von Mittagsfrost (15. Dezember 2018 um 23:10)

  • Du hast vergessen die Bilder mit anzeigen zu lassen ... :aggressive:

    ansonsten, verrate ich Dir nix.
    Ich will das von Dir lesen, was Dir alles so widerfährt mit den Brückenhängematten.
    Du schreibst so schön. :wub:

    lieben gruß
    kahel

  • Wie war das doch gleich noch mal? Je länger das Pendel, desto niedriger die Frequenz. Mir kam sie aber höher vor. Vielleicht lag's ja an der strafferen Aufhängung.


    Ich meine, dass das Pendel eigentlich kürzer sein müsste als bei einer klassischen Matte, da der Schwerpunkt, bzw. der Körper des Okkupanten, näher an der Höhe vom Drehpunkt (Aufhängung Baum) liegt. Unzweifelhaft ist aber, dass es wackliger wird, je strammer die Matte gespannt ist. Längere Triangelschnüre würde dem entgegen wirken, leider wird damit auch die Länge der Ridgeline länger. Aber nach den ersten paar Malen habe ich recht schnell gewusst wie ich mich hinein legen muss, ohne dass nennenswerte Pendelbewegungen entstehen :bad: :D

    "Six by nine. Forty two."
    "That's it. That's all there is."
    "I always thought something was fundamentally wrong with the universe"

  • Der Bericht hat mir auch gefallen. Danke :)

    Hang the Whoopie Sling on the knot, not on the toggle!

    Hammocks and Tents. These two worlds can live together in peace and harmony. ;)

  • Das... das war... bewegend :crying: Ein sehr toller Erfahrungsbericht, Dankesehr!

    Gruß,
    LighD

    "Jedes Gramm zählt, wenn der Rücken sich schon quält"

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