- Offizieller Beitrag
Okay, der Name meines ersten DIY-UQ klingt wie die Bezeichnung eines koreanischen Kleinwagens, ich bin trotzdem stolz drauf :yes:
Zwei Tage habe ich in die Bastelei investiert, viele Nähte mussten wieder aufgetrennt werden und in Notsituationen wurden aus einer langen Naht auch mal mehrere kürzere. Nahaufnahmen der Nähte gibt es nicht, reiner Selbstschutz und eine Frage der Würde. Für alle Interessierten folgen meine Erfahrungen zur weiteren Diskussion oder zum Weiterverwerten.
Die Vorgaben:
- Aus einer nicht mehr genutzten Hängematte (mein alter DIY-Erstling: 280cm x 148cm) sollte ein Sooki als UQ genäht werden.
- Ich wollte möglichst viel ungenutztes Material aus eigenem Bestand benutzen, um die Kosten gering zu halten. Lediglich das Climashield Apex musste ich bei ExTex bestellen.
Die Zutaten:
350g DIY-Hängematte (280cm x 148cm - 3m Ripstop-Nylon, Hammock-Nylon, 70den, 66g/qm, imprägniert, oliv); 18 €
210g Therm-a-Rest Hammock Warmer (115cm x 185cm; addiert ca. 5°C an Wärme); 49 €
300g Climashield Apex Endlosfaser Isolation (200cm x 150cm, 133g/qm bzw. 4oz/sqyd, bis +5°C); 26 €
plus:
2x 1m Shockcord (4mm Durchmesser)
2x 3,5m Shockcord (2,5mm Durchmesser)
2 Z-Biner
2 Micro-Karabiner
2 Mini-Tankas
eine alte Schlafsackhülle (20cm x 40cm)
Gütermann 80er Polyestergarn
Gesamtgewicht am Ende: 975g (inkl. Beutel 1015g)
Materialkosten: ca. 100 € (Endverbraucherpreise)
Weitere Fotos am Ende des Beitrags
Die Hybrid-Idee:
Die Gesamtlänge von 280cm nutzen und dabei eine fest angenähte Isolationsschicht wie beim Warbonnet Wooki einbetten. Die Längen-Differenz der alten HM an den Enden zu meinen über 300cm langen aktuellen Hängematten durch jeweils 27,5cm 4mm-Shockcord verlängern und ausgleichen. Dafür habe ich durch die ehemaligen Whipping-Tunnel an den Enden der alten DIY-HM jeweils 1 Meter Shockcord gezogen. Die Shockcord-Enden werden mittels Marlspiekerschlag an die Z-Biner geknotet und die ganze Konstruktion wiederum an den Whoopies der aktuellen Hängematte am Kopf- und Fußende eingehängt. Durch das Verändern der Shockcord-Länge an Kopf- und Fußende soll dann ggf. die Position der Isolation später an die Länge der unterschiedlichen Hängematten und die Liegeposition angepasst werden können.
Der UQ soll für verschiedene Hängematten genutzt werden können. Einerseits bei meiner 335cm langen WBBB XLC (Liegerichtung: Kopf links, Füße rechts) als auch bei 330cm langen DIY-Hängematte (Liegerichtung hier: Kopf rechts, Füße links). Außerdem ist meine bevorzugte Liegeposition die Balerina. Aus diesen Gründen sollte das Isolationsmaterial nicht diagonal auf eine bestimmte Liegeposition optimiert genäht werden, sondern wurde klassisch als Rechteck geplant und auch nicht im „Sanduhr-Design“ um z.B. mehr Volumen und Gewicht zu sparen.
Die Isolation sollte in der Länge und Position unter der Hängematte am Warbonnet Wooki orientiert sein (etwa 50 cm vom Kopfende beginnend, 200cm Isolationsschicht und unten 85cm bis Fußende - Danke an Dios Mios , Mittagsfrost und Hammock Fairy , die ihre Wookis für mich vermessen und meine individuellen Abmessungen damit ergänzt haben!)
Der ursprüngliche Plan (ein Hinweis und eine Fehlkonstruktion):
Die Längsseiten der 148cm breiten Hängematte sollten jeweils 10cm nach innen einschlagen und eine 128cm breite Climashield-Isolation damit längs vernäht werden. Dabei entstünde praktischerweise jeweils ein Tunnelzug im Hängemattenstoff an beiden Seiten, der mit Shockcord genutzt werden könnte, um den UQ ggf. seitlich näher an die Hängematte zu bekommen. An Kopf und Fußende wollte ich den UQ offen lassen, um bei Bedarf eine weitere Schicht Apex leicht ein- oder ausbringen zu können. Da die Isolation zwischen der Hängematte und dem UQ liegt, müsste sie nicht von oben geschützt werden - ein Gedanke, der sich als GROSSER PLANUNGSFEHLER herausstellte!
Für alle, die noch nicht damit gearbeitet haben (wie ich): Climashield Apex fühlt sich an wie eine Mischung aus Glasfaserwolle und Zuckerwatte. Es bleibt bereits an geringfügig eingerissenen Fingernägeln und rauen Nagelbetträndern hängen. Die einzelnen Isolationslagen werden in der Produktion gegeneinander verschoben übereinander gelegt und lassen sich mit nur wenig Mühe wieder voneinander zupfen. Nachdem ich es mir anschauen konnte, bin ich der Meinung, dass nicht mit Stoff umnähtes Apex stark schmutzanfällig ist, falls es mal auf den Erdboden oder ins Laub fällt und es droht die Gefahr des Zerreissens, wenn man am Gebüsch/Ästen hängen bleibt. Somit ist eine beidseitige Ummantelung des Materials mit Ripstop o.ä. für eine längere Haltbarkeit zwingend nötig!
Ich hatte aber nicht mehr genügend Ripstop-Material für eine zweite Außenschicht, um die Isolation auch von der anderen Seite einzukammern, daher bedurfte es einer Planänderung.
Ein neues Konzept musste her:
Nach kurzen Überlegungen habe ich mich dafür entschieden, meinen ohnehin fast nie alleine genutzten Therm-a-Rest Hammock Warmer (Underquilt Protector [UQP]) als zweite Außenhaut für die Isolationsschicht zu verwenden, um das Apex zu schützen. Nachdem ich das Apex auf den Hammock Warmer genäht hätte, wollte ich diesen dann direkt unter die alte UQ-Hängematte aufbringen. Die Überlegung dabei: Der UQP hätte nicht nur den Vorteil den Hysooqui gegen Wind, Dreck und Spritzwasser von unten zu schützen, sondern könnte gleichzeitig noch die Isolationswerte in Kombination mit dem Climashield Apex aufgrund seiner wärmereflektierenden Innenseite erhöhen (laut Hersteller um etwa +5°C).
Das Problem dabei: Die ursprünglich geplanten Maße konnten aufgrund des Formats des T-a-R Hammock Warmer nicht mehr eingehalten werden (trotz aufgetrennter Gummizüge waren die Maße des Hammock Warmers lediglich 185cm x 115cm). Das war aber okay, da ich knapp unter 180cm groß bin und in der diagonalen Körperlage nicht über die Isolationsränder „hinausliegen“ würde. Die Breite von 115cm wäre immer noch doppelt so breit wie eine Standard-Isomatte. Desweiteren besteht der Hammock Warmer aus einer Folie und nicht aus gewebten Stoff, d.h. die beim Nähen entstehenden Löcher im Material durch die Nadel bleiben bestehen, auch wenn man eine Naht wieder auftrennen muss.
Die damit überflüssige Länge der gelieferten 220cm Apex habe ich am Kopfende dann doppelt gelegt und angenäht, da ich an den Schultern am meisten friere. So musste zwar die Breite auf 115cm gestutzt werden, die Länge des Füllmaterials aber nicht auf 185cm Länge gekürzt. Macht eine Doppellage an Kopf und Schultern von etwa 30cm.
Die Nähte an den seitlichen Rändern habe ich so gesetzt, dass ich die bereits von Haus aus existierenden Seitentunnelzüge des Hammock Warmers ggf. weiterhin nutzen kann, um die Isolation näher an die Hängematte zu bringen, wenn nötig.
Am Fußende habe ich in der Mitte einen ca. 40cm breiten Klettstreifen eingenäht, um ggf. später noch eine weitere Lage Apex für eine höhere Isolationsleistung im Rumpf nachlegen zu können. Ebenso habe ich jeweils zwei ca. 20cm breite Öffnungen an den Längsseiten gelassen, um späteres Isolationsmaterial besser positionieren und fixieren zu können. Um nicht die Wärme durch die offenen Seitenstellen zu verlieren, habe ich letztendlich jeweils 3,5 Meter von 2,5mm-Shockcord durch die ursprünglichen Tunnelzüge des Hammock Warmers gezogen, durch zwei Tankas geschlauft und diese - wie die 4mm-Shockcord-Enden aus den Whipping Channels - an den Z-Binern befestigt. So kann ich ihre Länge variieren und links und rechts straffen oder auch entspannen. Ich habe die beiden dünnen Gummizüge beim Liegen nicht bemerkt. Ich vermute, ich könnte sie auch weglassen und es würde keine Wärme entfleuchen. Das bleibt aber noch zu testen.
Erste Erfahrungen mit dem Hysooqui im Feld:
- es wird schnell spürbar wärmer um mich herum („Hurra, er funktioniert!“)
- der Hysooqui bleibt unter der Hängematte gut in Position
- die Gummizüge durch die Whipping-Channels der alten DIY-HM scheinen recht gut an meinen Hängematten anzuliegen und abzudichten. Um das möglichst gut zu gewährleisten, habe ich die 4mm-Gummizüge mittels jeweils eines Mini-Karabiner oberhalb der Hängematte am Kopf- und Fußende noch einmal gerafft (siehe Fotos im Anhang)
- seitlicher Wind an Schultern und Waden wird spürbar reduziert
- durch Abtasten überprüft: die Apex-Isolation wird nicht im Hammock Warmer plattgedrückt. Die 4mm-Shockcord-Enden an Kopf und Fuß sind beim Reinlegen flexibel genug, um mit dem Material eine wärmende Luftschicht zwischen UQ und HM aufzubauen. Man spürt den Hysooqui trotzdem leicht unterm Rumpf, er liegt also sanft an.
- das Zurückstopfen in den Transportsack gestaltet sich auch mit den seitlichen Öffnungen in der Isolation unproblematisch. Kein Bodenkontakt beim Reinstopfen und das Apex scheint auch trotz offener Stellen an den Rändern genügend geschützt.
- ggf. werde ich noch einmal 100cm x 150cm Climashield unterm Rumpf ergänzen, um die Wärmeleistung für kältere Temperaturen zu erhöhen.
- eine Grenzwertprüfung für die aktuelle Isolation steht leider noch aus. Eventuell besteht für mich die Chance den Hysooqui Ende Oktober bei einer Übernachtung noch einmal in Aktion zu testen. Bisher waren es immer noch 14 Grad Celsius und es war tagsüber, da war alles sehr angenehm. Das 133g/qm Apex soll ja bis +5°C Grenztemperatur funzen … mal sehen.
FAZIT:
Der Hysooqui ist doppelt so schwer, im verpackten Zustand doppelt so groß, aber nur halb so teuer (wenn alles neu gekauft werden müsste) wie ein Daunenquilt mit vergleichbaren Maßen und ähnlichen Wärmewerten (vgl. Cumulus, UK Hammocks, Hammock Gear Incubator).
Die Schlafsackhülle ließe sich bei Bedarf um ca. 40% in der Länge kompressieren, da ist noch eine Menge Luft drin. Wenn man etwas höherwertigeres Ripstop-Material kaufen würde, wäre das Packvolumen und Gewicht wohl nochmals wesentlich zu verringern. Die 66g/qm meiner alten Erstlingsmatte sind ja nicht unbedingt state-of-the-art.
Für alle, die in Erwägung ziehen, sich einen UQ selber nähen zu wollen, am Ende meines Berichtes ein Zitat aus der „Kickass Quilts“-Anleitung von Patrick McKenna, das ich so voll unterschreiben kann:
ZitatIf you're here just to save money though, I honestly don't think it's worth it. […] unless you already have materials, I think you'll find that the amount you save by making one from scratch isn't worth the time and effort. This section is more for making your own [UQ] for the pure satisfaction of it or as a starting point for a more personal custom project.
Ich fand die Möglichkeit, aus meiner alten Hängematte einen sehr flexiblen UQ zu bauen, der klassische UQ-Elemente und Wooki/Sooki-Elemente in sich vereint, spannend. Ob ich eine zweite Version aus höherwertigerem Material bauen werde, weiß ich noch nicht. Ich werde erst einmal die Grenzen meines aktuellen Hysooquis ausloten wollen. Unabhängig davon weiß ich Daunen, kleines Packvolumen und professionelle Nähte auch zu schätzen und unterstütze mit meinem Geld gerne fähige Leute, die mit solcher Arbeit ihren Lebensunterhalt erwirtschaften wollen, wenn das Produkt stimmt.
Hat schon jemand anderes von euch einmal mit einem Hybrid aus den beiden Arten von Unterisolation experimentiert? Im Forum hatte ich bei meiner Recherche noch nichts gefunden (was ja nicht bedeutet, dass es noch keiner probiert hat).
Nachtrag: Habe gerade einen Beitrag von Mittagsfrost im Forum gefunden. Du hast ja einen sehr ähnlichen Weg mit deinem Hammooki beschritten :drinks: