Beiträge von Mittagsfrost

    Macht Euch nur lustig! :cursing:

    Habt Ihr denn gar kein Mitgefühl? Schlägt kein menschliches Herz in Eurer Brust? Wisst Ihr nicht, wie weh das tut? Man hat eine Hängematte mit und kann sie nicht aufhängen. ;(;(;(

    Normalerweise sind meine Baumgurte fest mit der Hängematte verbunden. Auf der Tour wollte ich ein paar Gramm sparen und habe mir relativ kurze Baumgurte mit angebundener Dyneemaschnur hergestellt. Feineinstellung dann mit Turtle Ties. Na ja, im Ergebnis habe ich dann ein paar Gramm mehr als beabsichtigt eingespart.

    Aber ich habe meine Lektion gelernt. Erziehung durch Schmerz.

    Ja, mein Rad ist schon etwas speziell. Ich hatte es damals für 170 DM im Baumarkt gekauft, aber es tut, was es soll. Es hat mich nun schon zum dritten Mal von Südsachsen bis an die Ostsee gebracht. Diebe haben zum Glück seine inneren Werte noch nicht erkannt und es nur nach Äußerlichkeiten beurteilt, d.h. stehengelassen. Möge es so bleiben!

    Ein kurzes Fazit der Reise:

    - Vermeide größere Touren im Hochsommer! Es sei denn, du bist Masochist.

    - Wenn du das Etui der Fahrradbrille mit allen Wechselgläsern mitnimmst, dann nimm auch die Fahrradbrille und nicht die Sonnenbrille mit!

    - Laß die Baumgurte nicht allein zurück!!!!!

    - Hängematte UND Zelt sind manchmal Gold wert. ;)

    - Kochgeschirr kann man sich im Hochsommer sparen.

    - Eine Woche nach der Tour macht Fahrradfahren wieder Spaß.

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    Tag 7 - Durchgerüttelt und von der Hitze gequält

    Die Sonne brennt. Wie schön wäre es, jetzt aufs Boot umzusteigen und zu segeln, statt zu strampeln.

    Hatte irgendjemand mal behauptet, Fahrradfahren wäre schön? Der Bursche hat ja keine Ahnung!

    Nicht nur, daß hier mal in die Telefoninfrastruktur investiert werden müßte, nein auch die Verkehrswege hätten eine Modernisierung nötig. Manche Dorfstraße hat anscheinend seit dem Dreißigjährigen Krieg keine Sanierung mehr erfahren. Sind das Huckelpisten! Vorbei die Zeiten des sanften Dahinrollens auf Asphalt. Hier am Stettiner Haff ist Katzenkopfpflaster angesagt. Bei dem Geruckel lösen sich nicht nur Nieren und Gallensteine. Wenn man nicht aufpasst, fallen einem auch die Plomben aus den Zähnen!

    Da, endlich ein Sandweg!

    In Ueckermünde gibt es wieder Netz. Ich frage bei Noodles an, ob er Lust und Zeit zum gemeinsamen Abhängen hätte. Er antwortet mir aus Norwegen. Ja, so ist das bei unangekündigten Besuchen. :(

    Anklam ist eine hübsche Stadt.

    Aber außerhalb wird alles, was nicht Bundesstraße heißt, für Mensch und Material zur Tortur. Ich muß jetzt sowieso den Radweg verlassen. Er führt nach Usedom, ich will aber nach Greifswald. Was tun? Nehme ich die lokalen Radwege, Buckelpisten, die durch den Wald führen? Oder wage ich mich auf die B 109? Asphalt, aber Sonnenglut und Lkws. Ich beweise Mut. Die 40 km halte ich das durch.

    Und dann ist es so weit, ich bin am Ziel meiner Reise, ich bin in Greifswald! :love:

    Mann, bin ich geschafft! Die 90 km hatten es in sich. Jetzt geht es erst mal nach Wieck, in meine Lieblingsfischgaststätte.

    Mmmm, lecker Labskaus! Das gibt mir die nötigen Mineralstoffe. Wie Ihr sehen könnt, ist auch das Bier schon wieder fast verdunstet. Dabei hatte ich es gerade erst hingestellt.

    Gestärkt und etwas ausgeruht mache ich mich auf in Richtung Innenstadt.

    Hier der Greifswalder Dom. Wieviele Tage ich in Greifswald verbringen werde, weiß ich noch nicht. Aber eins ist sicher. Zurück fahre ich mit der Bahn. Bei der Hitze tue ich mir die Strecke nicht noch einmal an. Und dann auch noch bergauf (flußaufwärts). Nein, das könnt Ihr vergessen! Ich fahre Bahn und dann verbringe ich den Resturlaub im Garten in der Hängematte!

    Tag 6 - Mann, tut mir der Hintern weh

    Nach einer erholsamen Nacht (Hängematte eben!) setzte ich mich wieder auf's Rad. Der gestrige Wind hatte die Mücken wohl fortgeweht? Oder war es ihnen zu heiß geworden? Der Morgentau war jedenfalls recht schnell verschwunden.

    Ich kam ordentlich ins Schwitzen. Das lag zum einen an der glühenden Sonne (über 30 Grad), zum anderen am Streckenprofil. Nach etwa 20 km verließ der Radweg die Oder und führte jetzt über Land. Heute ist der Tag des Bergauf-Bergabfahrens. Ich gebe zu, mehrere Kilometer habe ich das Rad geschoben. Es besitzt zwar drei Gänge, aber der zweite funktioniert nur manchmal und der erste so gut wie gar nicht. Meinem geplagten Hintern tat das Laufen auch sehr gut. Man kann sagen, er hat jeden Schritt genossen.

    Der Schloßsee in Penkun war - obwohl ziemlich trüb - eine willkommene Gelegenheit, sich abzukühlen, die Daunensachen zu trocknen und den fahrradgeplagten Körperteilen etwas Ruhe zu gönnen. Meine Wasserflaschen sind auch schon wieder leer. Zeit, sie am nächsten Biergarten wieder aufzufüllen.

    Weiter gehts, und wieder bergauf-bergab. Die Höhenunterschiede betragen zwar nur selten mehr als 10 m, aber ich genieße jeden Dezimeter, den es heruntergeht. Da kann ich mich nämlich auf die Pedalen stellen und muß nicht sitzen. Die Gegend ist hübsch und sehr abwechslungsreich, aber mir ist nicht nach Fotografieren, sondern nur nach Trinken und Nichtsitzenmüssen.

    Nach etwa 100 km setzte dann die Dämmerung ein und es wurde Zeit, sich einen Übernachtungsplatz zu suchen. Hier in Rieth gab es zwar kein Mobilfunknetz, dafür aber jede Menge hungriger Mücken. Nein, nicht schon wieder!

    Eigentlich wollte ich ja die beiden Bäume im Bildhintergrund für meine Hängematte nutzen, aber das Net Tent erschien mir in Anbetracht des potentiellen Blutverlustes doch als die bessere Alternative. Schnell noch unter die Zeltplatzdusche und dann ab in die Koje!

    Eigentlich wollte ich noch noodles mein morgiges Eintreffen in Greifswald ankündigen, aber mangels Netz mußte ich den Anruf vertagen. Ach, schön, so auf dem Bauch oder der Seite zu liegen!

    So, der Sturm auf die Seelower Höhen steht bevor. Vielleicht sollte ich aber vorher noch einen kurzen Abstecher in den Blühstreifen unternehmen? Die Dame des Hauses liebt Blumen und ich will ja heute dort übernachten und Bier trinken und ihren Mann in stundenlange Gespräche verwickeln ...

    Tag 5 - Treten, treten, treten

    Frisch geduscht und gefrühstückt und mit reichlich Proviant versehen ging es gegen 10 wieder zur Grenze, um in Kietz-Küstrin auf den Oder-Neiße-Radweg zu stoßen. Der Wind blies - wie üblich - kräftig von vorn, die Mückenplage hatte sich vorerst erledigt.

    Schöne Abschnitte wechselten sich mit weniger interessanten ab. Auf den langweiligen Teilen motivierte ich mich mit Kilometerzählen. 100m für die Mama, 100 m für den Papa, ... :) Na ja, manchmal macht Fahrradfahren schon Spaß.

    Die Uferpromenade von Schwedt gefiel mir gut, leider habe ich das Fotografieren vergessen.

    Nach 116 km Strampelei gegen den Wind war ich dann in der Abenddämmerung gerade noch in der Lage, meine Hängematte gut versteckt aufzubauen und glitt sofort in einen tiefen Schlaf. Herrlich, wenn man Baumgurte hat! ;)

    Tag 4 - Faulenzen tut gut

    Der heutige Tag kann fast als Ruhetag durchgehen. Ich habe vor, in Küstrin den Radweg zu verlassen und nach Seelow abzubiegen, um einen alten Kumpel zu besuchen. Da er heute erst gegen 15 Uhr aus dem Urlaub zurückkommt, kann ich mir für die rund 60 km Zeit lassen.

    So gegen 9 Uhr packe ich mein Gatewood Cape zusammen und führe gleich ein Fachgespräch mit einem Camper, der die Idee super findet, ein Regenponche als Zelt aufzuspannen. Als ich ihm dann die technischen Daten, vor allem das Gewicht nenne, ist er hochbegeistert.

    Die rund 10 km bis Frankfurt sind schnell geradelt. Nachdem ich die letzte mitgebrachte Tomate verspeist habe, geht es erst mal einkaufen. Heute ist Montag und der Baumarkt hat wieder auf. Ach, wie freue ich mich!

    Ist das nicht ein toller Anblick? Endlich wieder Baumgurte! :love:

    Die müssen wir doch gleich mal ausprobieren. Bei dem recht straffen Wind (selbstverständlich von vorn, aber das weiß ja jeder Radfahrer) kann ich auch gleich mal die Ausrüstung trocknen lassen. Ein Nickerchen wäre ja nicht schlecht, aber das Knattern des Silnylon im Wind hält mich munter.

    Vorher gibt's an der Zapfstelle noch was zu trinken. Tolle Idee, so ein Frischmilchzapfautomat.

    In Lebus hat man den Eindruck, man könne bei Niedrigwasser die Oder einfach furten. Keine Ahnung, ob es mit einem entsprechenden Fahrzeug klappen würde.

    Viel Verkehr scheint jedenfalls nicht zu sein, die Störche lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

    Die Leute, die oberhalb der Kirche ihr Haus gebaut haben, müssen sich nicht vor einem Hochwasser fürchten und haben darüber hinaus noch einen prima Blick auf den Fluß.

    Tag 3 - Fahren oder gestochen werden

    Ganz früh am Morgen, mit dem Einsetzen der Dämmerung wachte ich auf. Genauer gesagt ging aufgrund hohen Blasendrucks der Tief- in Halbschlaf über und ein Dreikampf begann. Auf der einen Seite stand die Müdigkeit / das Verlangen des geschundenen Körpers nach Erholung und der Horror vor den draußen lauernden Blutsaugern, auf der anderen Seite kämpfte der stetig steigende Druck. Ich war gerade dabe, wieder in den Tiefschlaf zu gleiten, da bekam die Blase unerwartete Unterstützung. Es begann zu regnen. Erst folgte ein Tropfen bedächtig dem anderen, dann klatschten die Regentropfen um die Wette auf mein Mückennetz. Eigentlich wollte ich mir gerade überlegen, wie ich es am schnellsten fertigbringe, den Reißverschluß zu öffnen, rauszuspringen, den Reißverschluß wieder zu verschließen, um meine Behausung mückenfrei zu halten, zum Fahrrad zu sprinten, das Gatewood Cape zu suchen, Druck von der Blase zu lassen, das Cape über das Mückenzelt zu werfen (oder vielleicht sogar richtig abspannen?), den Reißverschluß wieder zu öffnen, alleine - ohne Mücken - wieder einzusteigen und die Schotten dichtzumachen, aber dazu ließ mir das Trommeln des Regens keine Zeit. Also im Halbschlaf raus, in der Hoffnung mir im Halbdunkel nicht den Kopf an einem Baum oder Ast zu prellen. Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, aber in wenigen Sekunden hatte ich es geschafft, das Überzelt überzuwerfen und zu verspannen, zu pinkeln, von etwa 20 Mücken ausgesaugt zu werden, mir die große Zehe an einem Ast aufzureißen und wieder ins Zelt zu gelangen, ohne daß mein Quilt sehr naß geworden wäre. Ich hingegen schon. Hält das feine Moskitonetz so viel Regen ab?

    Jedenfalls war ich jetzt munter. Leider hielt der Regen nur wenige Minuten an und es wurde sehr schnell hell. Kein Grund mehr, länger faul herumzuliegen und sich der unvermeidlichen Auseinandersetzung mit den Mücken zu entziehen.

    Etwa 50 Stiche später war alles irgendwie (also wild durcheinander) verstaut und ich wieder auf dem Sattel.

    Nach dem Regenguß war es heute furchtbar schwül. Da ja mückenbedingt sowohl das abendliche als auch das morgendliche Waschen ausfiel, klebte alles. Ekelhaft!

    Zu Guben gibt es eigentlich nur zu sagen, daß es früher mal Wilhelm-Pieck-Stadt Guben hieß und daß ich schnell durchgefahren bin, weil es auf mich einen sehr öden Eindruck machte.

    Das Highlight des Tages war eindeutig dieser See bei Bresinchen.

    Sauberes,badewannenwarmes Wasser mit kleinen und großen Fischen drin. Sicher ein Paradies für Angler. Sogar mückenfrei! Ach, tat das Baden (gleich in voller Montur, die Sachen mußten ja auch gewaschen werden) gut! Zähneputzen, Wechselwäsche an und ich fühlte mich wieder wie ein zivilisierter Mensch. Fahrradfahren macht Spaß.

    Gut, auf solchen sich über viele Kilometer hinziehenden und gleich aussehenden Abschnitten vielleicht weniger, aber es hält wenigstens die Mücken ab. Denn sobald man auch nur kurz anhält, um einen Schluck zu trinken, fallen die Biester sofort über einen her.

    In Ratzdorf (hier mündet die Oder in die Neiße bzw. umgekehrt) auf dem Michael-Jackson-Spielplatz (den hat er nach dem Oderhochwasser gespendet) hat der Hunger über die Angst, gestochen zu werden, gesiegt und ich habe erst mal gefrühstückt.

    Es ist schwül und tröpfelt immer wieder mal.

    Es gibt schöne Ausblicke

    und welche mit zweifelhafter Schönheit.

    Dem Schema ordnen sich auch Eisenhüttenstadt (ehemals Stalinstadt, häßlich, trostlose Neubauten) und Fürstenberg (hübsch, heute Stadtteil von "Hütte") unter. Ich sehe zu, daß ich weiterkomme. Stehenbleiben bedeutet, gestochen zu werden. Besonders reizvoll ist der Oderradweg hier sowieso nicht. Radweg, Damm, Oder. Über viele Kilometer. Fahrradfahren soll Spaß machen? Ich habe da so meine Zweifel.

    In Lossow, südlich von Frankfurt, biege ich vom Radweg ab und fahre zum Helenesee. Es ist zwar noch früh am Nachmittag, aber es wird Zeit, mal wieder im See zu baden oder eventuell auf dem Campingplatz zu übernachten und eine warme Dusche zu genießen.

    Weil es wieder zu regnen anfing, entschied ich mich für den Campingplatz. Ach, soviele Bäume im geeigneten Abstand und ich ohne Baumgurte! :(

    Tagesleistung 81 km