Ich beginne mal, bevor ich das Video schaue, und schreibe ein paar Punkte auf, wie ich mir meinen Platz aussuche:
Natürlich habe ich zu diesem Thema schon das eine oder andere gelesen und mir auch Gedanken gemacht. Aber wenn ich ehrlich bin, denke ich darüber kaum nach, wenn ich einen Platz suche. Bei mir ist das fast ausschliesslich eine Bauchangelegenheit.
Klar gibt es ein paar grundlegende Punkte, die ich beachte:
- Passt der Baumabstand?
- Gibt es spitze oder harte Gegenstände unter der Hängematte, die ich nicht beseitigen kann?
- Ist der Platz etwas abseits des Weges respektive vor Blicken geschützt?
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Falls es windet: Ist der Platz sehr exponiert oder eher windgeschützt? (Kreten meide ich, ausser der Wetterbericht verspricht nahezu Windstille. Von der Aussicht her sind Kreten oder Felsabbrüche nämlich oft sehr schöne Plätze.)
- Gibt es tote Äste oder Totständer in der Nähe? (Das sollte ich eigentlich gleich am Anfang schauen, frage mich das aber oft ganz zuletzt und habe auch schon den Platz ändern müssen, nachdem ich alles bereits aufgebaut hatte.)
Beim Zelt wären die analogen Fragen: Ist der Platz eben (da bin ich sehr heikel) und bringe ich die Heringe (möglichst von Hand) rein? Gibt es störende Gegenstände am Boden, die ich nicht entfernen kann? Ist der Platz geschützt vor Einblick (falls ich wild zelte) und vor Wind (falls Wind gemeldet ist)?
All diese Fragen stelle ich mir aber erst, wenn mir ein Platz gefällt. Warum fühle ich mich aber am einen Ort wohl und könnte mir vorstellen, mich dort für die Nacht einzurichten, während das an einem anderen Ort spontan nicht in Frage kommt oder erst, wenn ich den Ort einige Zeit habe auf mich wirken lassen? Da fällt es mir schwer, eine Antwort zu finden. Vielleicht spüre ich intuitiv, dass der Ort eher (zu) feucht ist oder nicht windgeschützt. Oft ist das einfach ein Bauchgefühl, das ich nur sehr schwer in Worten ausdrücken kann.
Eine wichtige Rolle spielt sicher, ob mir der Platz gefällt. Fühle ich mich dort wohl? Bietet er mir etwas, halte ich mich dort gerne auf? Gibt es beispielsweise Trinkwasser in der Nähe? Lädt er zum Verweilen ein? – An diesem Punkt versuche ich aber auch zu lernen: Man kann auch an einem schönen Platz kochen / essen und dann noch etwas weitergehen und einen guten Platz für die Nacht finden, der sich dann für einen gemütlichen Aufenthalt nicht zwangsläufig eignen muss. Und auch am Morgen ist es (gerade, wenn es eher kühl oder kalt ist) gar nicht mal schlecht, zuerst ein paar Kilometer zu gehen, bis der Körper warm ist und die Sonne die Luft wieder etwas aufgewärmt hat, bevor man eine Frühstückspause macht und sich einen Kaffee kocht. Mit anderen Worten: Ein Übernachtungsplatz muss nicht alles bieten. Man kann die Befriedigung der Bedürfnisse (Essen, Trinken, Toilette, Schlafen) auch örtlich staffeln.
Die ganze Geschichte mit der Nähe zu Gewässern und der erhöhten Feuchtigkeit dort, über die man oft liest, ist aus meiner Erfahrung auch so eine Sache: Ich habe schon zwei Meter von einem See entfernt übernachtet und hatte keinen Tropfen Kondensfeuchtigkeit (im Zelt!). Und ich habe schon 300 Meter über einem See campiert und alles war extrem feucht (ohne dass es geregnet hätte). Viel entscheidender als die Distanz zu einem Gewässer ist meiner Erfahrung nach die Wetterlage (Luftfeuchtigkeit). Natürlich mag ich einen trockenen Platz lieber. echinotrix hat mal irgendwo geschrieben, dass Bäume eine gute Hilfe beim bestimmen der tendenziellen Luftfeuchtigkeit seien: Birken und Espen zeigen meisten eine erhöhte Luftfeuchtigkeit an, Buchen, Eichen und vor allem Nadelgehölz eher einen trockenen Wald. (Sorry, wenn ich das nicht mehr ganz korrekt in Erinnerung haben sollte. Korrigiere und ergänze gerne!)
Und jetzt schaue ich mir mal das Video an...
- Baumdistanz: für mich sind 3,5 bis 5 Meter ideal. Das sind bei mir 4 bis 6 Schritte. (Ich nutze da nach wie vor oft meinen kleinen Trick, bei dem ich die Schritte zwischen den Bäumen zähle: 5 Schritte => Ankerpunkte etwa auf Augenhöhe.) Bei meiner Brückenhängematte sieht es etwas anders aus: Da sind eher 4 bis 6 Meter ideal, da sie flacher aufgespannt wird. (6-7 Schritte => Ankerpunkte etwa auf Augenhöhe)
- Windrichtung: Wenn man keine Türen am Tarp hat, die man schliessen kann, dann bietet man dem Wind zwar weniger Widerstand, wenn man in Windrichtung hängt (wie im Video empfohlen), man hängt aber voll im Durchzug und braucht entsprechend besseren Windschutz / Isolation. Da stellt sich die Frage, welches das kleinere Übel ist. Zudem haben es Winde so an sich, dass sie manchmal unvermittelt ihre Richtung ändern. Gerade bei Wetterwechseln ist das relativ häufig der Fall. (Ich habe schon öfters mein Zelt am Abend optimal mit dem Fussende in den Wind gestellt und nachts kam der Sturm dann plötzlich aus der exakt entgegengesetzten Richtung.)
- Dass man die Hängematte nicht über einen Weg hängt, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Da ich eher nicht gesehen werden möchte, fällt diese Möglichkeit für mich ohnehin weg. Ich würde die Hängematte aber zudem auch nicht über einen Wildwechsel* hängen. Es besteht zwar weniger die Gefahr, dass man nachts überrannt wird, denn die Tiere nehmen einen auch im Dunkeln wahr (sie sehen und riechen uns auch im Dunkeln), die Tiere fühlen sich aber gestört und geben dann bisweilen Laut. Manche Tiere versuchen auch, einen zu vertreiben, indem sie einen aus sicherer Distanz «stören».
* Wildwechsel sind eher kleine und manchmal ziemlich unscheinbare Trampelpfade, die vom Wild regelmässig (oft täglich oder sogar mehrmals täglich) genutzt werden; auch das Wild spart nämlich gerne Energie!