Hier also wie versprochen der Bericht, wie es über Umwege zur selbstgenähten 1kg-11-Fuss-Thermomatte kam.
Das heisst, hier werden eigentlich die dabei entstandenen Zufallsprodukte vorgestellt, insbesondere der 3x2m-Multifunktions-Gathered-End-3-Season-Thermo-Hängematten-Underquilt-mit-Windschutz-und-asymmetrischer-Winter-UQ-Befestigung. Oder eben die ELWMS.
Alles fing damit an, dass mir TreeGirl irgendwann Ideen gab, wie man einen Underquilt NOCH an der Hängematte befestigen kann, um die bekannten Probleme (verrutscht, hängt zu locker, hängt zu straff, engt die Füsse ein, Wind bläst an undichten Stellen rein usw.) zu vermeiden, und die Vorteile eines diagonal-genähten UQs anpries.
Da ich mich mittlerweile des HM-Nähens ermächtigt habe, wollte ich nun also mal selber basteln. Allerdings fällt es am Anfang ja bekanntlich schwer, zu entscheiden, was und wie genau. Also ist der Weg und auch das Ziel etwas verschwommen und kurvig.
Hier zunächst meine diffuse Wunschliste:
- Erstmal mit einer „anderen“ HM probieren, nicht gleich meine bestehenden zerschnippeln.
- Wäre super, wenn eine „Sorglos-Anklips-und-Reinlege“-Sommer-HM dabei rauskäme. Ganz ohne Untenrum-Isolierung geht’s eigentlich so gut wie nie - warum also nicht das angenehme mit dem schönen verbinden (fest vernähen)?
- Windschutz stand bei mir schon immer ganz oben. Die Isolation entweder winddicht angenäht oder irgendwie durch eine zweite, ganzflächig überstehende HM überdeckt wäre also super.
- Diese Sommer- (oder 3-Season-) Isolation darf gern in voller Breite liegen, jedenfalls lang genug muss sie sein.
- Wäre gut, wenn ich bestehendes Material zB. alte Deckenschlafsäcke oder den DD-UQ nutzen könnte.
- Jahreszeitliche bzw. Wetter-Flexibilität
- Natürlich auch akzeptables Gewicht
- Insbesondere auch Winter-UQ-Kompatibilität war in meinen Gedanken. Definitiv will ich nicht meinen fluffigen Daunen-UQ redundant machen, aber auch nicht annähen. Aber zusätzlich anbringbar und diagonal und verrutsch-sicher sollte der Daunen-UQ schon sein. Da ich dazu aber auch vorher schon Lösungen hatte, war das jetzt nicht primär.
Zunächst sprang mir ein Angebot einer 2x3m Hängematte einer asiatischen Firma aus dem Audiobereich ins Auge („SongMics“ 😊). Grün gabs die auch noch, und Karabiner wie auch Daisy-Chain-Gurte waren dabei. Das Ganze für einen Apfel und ein paar Eier, die ich auch schnell (hin) gelegt hatte. Die Matte ist an sich nicht schlecht, m.E. Ripstopp-Nylon (unbekannter Festigkeit aber wirkt OK) und wie gesagt immerhin 3m lang. Die schweren Stahlkarabiner und Gurte kann man sicher mal irgendwo im Garten verwenden. Was ich mit den überbreiten, losen Flappen an den Seiten machen werde, nun, man wird sehen.
Als Polsterung hatte ich zunächst erst mal meinen vormalig missglückten DIY-UQ wiederbelebt und irgendwie grob und reichlich locker hängend mit der Maschine angenäht. Die Isolierung natürlich nach unten, mich rein gelegt, und war erstaunlich gut. Insbesondere die volle isolierte Breite von fast 150cm gefiel mir, da bei angewinkelten Beinen (mit dem DD-UQ als Masstab) sonst immer was fehlte oder ein Gummistraffer den Komfort stahl. Leider aber als "wirklich komfortable" Isolierung noch etwas zu kurz und alt-weisser Baumwollstoff aussen ist auch nicht jedermanns Sache. Und für diesen Kompromiss auch zu schwer.
(Im Bild an einer ganz anderen TTTM-HM probegelegt:)
In puncto Winterkompatibilität, den Daunen-UQ wollte ich ja wie gesagt nicht annähen, aber punktgenau anklipsen kann man den ja. Also die zu kurze Isolierung erst mal wieder abgetrennt und dafür Schlaufen für den UQ rangenäht.
Man kann den UQ nun klassisch nach unten hängend nutzen. Aber insbesondere zum Windschutz hatte ich ja eine Sandwich-Aufhängung ins Auge gefasst: meine 11ft-HM mich tragend oben, darunter (mit verstellbaren Gummischüren) die „Audio“-HM mit diagonal angeklipstem UQ - darauf liegend aber (dank lockerer Aufhängung der unteren „Audio“-HM) nicht komprimiert. Die überbreiten Flappen der 3x2m Audio-HM konnte ich dann auch gut straff/hoch-binden und als Wind-, Sonnen oder Blickschutz nutzen, oder eben wahlweise innen über- oder aussen runterhängen lassen. Jedenfalls passte das schon mal alles sehr gut und der Winter kann kommen.
Mit einem kleinen Schönheitsfehler: Da sind jetzt statt EINES gleich DREI Stoffe, die man vor dem Hineinsetzen beidseitig fassen und ausbreiten muss. Wind kann da schon mal die eine oder andere Lage umstülpen. Und vielleicht auch noch ein Mückennetz oder Gebims an der Ridgeline im Weg, und im Winterhalbjahr evtl. mit Stirnlampe und dickeren Kleidungsstücken. Also weiter tüfteln.
Da ich v.a. eigentlich erst mal eine EINFACHE und bequeme Sommerlösung OHNE viel Gefummel wollte, habe ich dann noch einen weiteren Deckenschlafsack (190x140, Isolierung leider nur 1cm, mit einer „fertigen“ Nylon-Hülle) geopfert, unnötige Baumwollstoffbahnen, Reissverschlüsse etc. in stundenlanger Arbeit abgetrennt und abgerissen, und was übrig blieb an die „Audio-Matte“ noch umgenäht und dann vollflächig rangenäht.
An der Stelle habe ich WIRKLICH nähen gelernt. Jeder Meter Naht wurde im Schnitt zumindest einmal wieder aufgetrennt, bis es am Ende halbwegs passte und kein ungewolltes Hängemattenmaterial, Hemdsärmel, Tischdecken usw. mit eingenäht waren und jede Naht hielt, ohne Schlaufenfussel auf der anderen Seite. Die Nähmaschine habe ich auch 2x entwirrt und die vorletzte Nadel noch zerbrochen. Und für immer und ewig gelernt, warum man lachend gern zwei Euro mehr für guten, gleichmässig gesponnenen Garn ausgeben sollte.
Aber als alles akzeptabel und dran war, kurz probegelegen, war meine eierlegende Wollmichsau (ELWMS) geboren: der 3x2m-Multifunktions-Gathered-End-3-Season-Thermo-Hängematten-Underquilt-mit-Windschutz-und-asymmetrischer-Winter-UQ-Befestigung. Nun konnten Milch und Honig fließen, und alles für einen Apfel und paar Eier! Allerdings wog die Wolle des alten Deckenschlafsacks eben auch Sau-schwer: Die ELWMS wiegt alleine >1.5kg. Immer noch akzeptabel, aber eben viele doppelte Nylon- (und Baumwoll-) Schichten ohne zusätzlichen Nutzen - Flexibilität und geringe Kosten vor Gewicht eben.
In der folgenden Nacht entschloss ich mich, die ELWMS als "klassischen UQ" zu testen, also locker unter die eigentliche Träger-HM gehängt, die Isolationschicht in der Mitte "liegend". Ich bin 2:30h von Möwengekreisch aufgewacht, es war 10 Grad kalt, und ich konnte feststellen, dass der 1cm dünne Deckenschlafsack inmitten meiner zwei Sandwich-Hängematten immer noch gute Dienste leistet. Wind kam durch die Sandwichkonstruktion und die hochgezogenen Seitenflappen der überbreiten ELWMS natürlich auch keiner rein bzw. raus.
In der darauf folgenden Nacht schlief ich zur Abwechslung drinnen. Das heisst, ich schlief nicht wirklich, sondern durchdachte meine nächsten Schritte. Es wurde mir dann noch klar, dass alles viel einfacher und logischer wäre, wenn meine Vorzugs-11ft-HM dauerhaft eine aus besseren (leichteren) Materialien angenähte Isolationsschicht bekäme und ich somit die ELWMS/Audio-HM nur dann ranhängen müsste, wenn wirklich nötig (also nur bei Wind oder in kalten Nächten).
So kam es dann also doch noch zum eigentlichen Ziel-Projekt der 1kg-11ft-GE-Thermomatte.
Fazit:
Ob ich meine mittlerweile auch sehr lieb gewonnene ELWMS aus Gewichts- und Transportgründen jetzt noch mal auftrenne (also als reinen Windschutz oder sogar also reine (Tages-) HM verwende) oder einfach so lasse wie sie ist (also Kunstfaser-Isolations-Extrapack, oder als Zweit-Thermo-HM irgendwo im Sommerhaus?), das überleg ich mir noch. Hängt sicher davon ab, ob ich jemals wieder die Geduld aufbringe, 14m Naht aufzutrennen für einen Apfel und paar Eier…
Aber wo genäht wird, fallen eben auch Schlaufen!
Gruss Jörg!