Ich hab mich ja Anfang letzten Jahres einige Zeit damit gespielt, einen kommerziell verwertbaren Synthetikunderquilt zu entwickeln (Wooki-Style). Es hat mich interessiert, ob das prinzipiell möglich und markfähig ist.
Ich hab' 5 Prototypen eines 20°F-Quilts genäht und die Arbeitsabläufe dabei so gut wie möglich optimiert. Am Ende bin ich auf knapp 3 Stunden Arbeit pro Quilt gekommen (inkl. Materialbestellung, Zuschnitt, Näharbeiten, Finishing, Verpackung und Versand; ohne Marketing, weil ich über einen Partnershop verkauft hätte). Die Materialkosten lagen bei knapp 110,- € pro Quilt (alles inklusive außer Nähmaschinenverschleiß). Verkauft hätte ich ihn zu einem Endpreis von 199 €.
Pro Quilt hätte ich also etwa 90 Euro verdient. 10% davon wären an den Shopbetreiber gegangen, bleiben 81 €. Davon die Hälfte weg für Steuerklasse V und Versicherungen, bleiben 40 €. Bei 3 Stunden Arbeit ergeben sich 13,30 € Nettostundenlohn. Das finde ich eigentlich ganz ordentlich, wenn man bedenkt was manche Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen verdienen. Immerhin deutlich über dem Mindestlohn!
Ich habe mich aber letztendlich dagegen entschieden, das als Erwerbsarbeit zu machen, weil ich zwar super gerne entwickle, aber nicht 20 Stunden pro Woche immer wieder das gleiche nähen will. Und auf Kundewünsche einzugehen habe ich von vorneherein ausgeschlossen, weil dadurch die Wirtschaftlichkeit dramatisch sinkt (riesiger Overhead für Kommunikation, Entwicklung/Logistik und ggf. Reklamationen).
Bottom Line: Man kann meiner Meinung nach durchaus im Cottage-Vendor-Stil in D produzieren, aber man darf nicht erwarten, dass man damit easy-peasy auf 50.000 € Bruttojahresgehalt kommt...