Beiträge von Merlin

    Vor ein paar Jahren bin ich Ende Januar durch Spanien nach Portugal (Madrid-Lissabon-Peniche) gefahren.
    Nachdem ich durch einen Tag Schnee in Mitte Spanien gefahren bin, bin ich schnell Richtung Süden abgebogen.

    Ich war noch einige Kilometer vomMittelmeer entfernt aber tagsüber war es wirklich angenehm (Pullover, leichte Jacke, bei Bewegung auch T-Shirt Wetter) nachts aber definitiv frostig (0-3 Grad).
    Ich war damals mit dem Zelt unterwegs, habe aber dann doch überwiegend in Betten über Kneipen geschlafen, weil mein Schlafsack und meine Isomatte sehr dünn waren.


    Was super cool war, war dass es die totale Offseason war, ich hatte das Gefühl die Menschen in denen Gegenden durch die ich gekommen bin waren durchaus gelangweilt und amüsiert, dass da wer vorbei kommt. Das bedeutete beste Gastfreundschaft!

    Es ufert aus, um es kurz zu machen. Was ende Januar funktioniert hat, kann im November so falsch nicht sein.

    Südspanien mit warmen Equipment sollte Spaß machen, viele Sonnenstunden, gemäßigtes Wetter, gesellige Menschen.

    Außerdem ist meine Erfahrung, je mehr Tage Fahrrad gefahren wird, desto mehr Spaß macht es!

    Ich wünsche dir ne gute Reise!

    Um das hier auch zu einem Abschluss zu bringen.

    Es folgten weitere warme Tage und belebende Kilometer auf dem Fahrrad.
    Ich habe im Anschluss ausschließlich Campingplätze angesteuert und es war nicht immer einfach einen passenden Platz zu finden (wie auch gerade in einem Teil des Forums zu lesen ist).

    Eine Nacht standen zwei Zelte zwischen den guten Bäumen und wollten nicht verschoben werden, sodass der zu kleine Baumabstand reichen musste.
    Erst in der zweiten Nacht konnte dann bequem gelegen werden


    An dieser Stelle bin ich sehr dankbar für die trockenen Nächte, an denen kein Tarp benötigt wurde.

    An einem anderen Campingplatz ist die Besitzerin dann mit mir ins Gebüsch geklettert, um nach Bäumen zu suchen. Da war ich echt dankbar über die extra Aufhängung, die ich als Verlängerung dabei hatte.
    So konnte ich auch den riesigen Stamm nehmen und einen großen Zweig ein wenig aus dem Weg binden, um zu schlafen.

    Dann aber wieder Bäume, aber zu wenig Abstand… dafür ein kostenloser Stuhl zum ausleihen für Fahrradreisende.


    Auf der letzten Etappe durch die Niederlande und ein Stück Belgien wurde die Tour dann beendet, wie sie begonnen wurde, entlang eines Kanals.

    Die letzten Niederländischen Kulissen, bevor es dann nach Aachen zum Bahnhof ging, um mit dem Zug zurück zu fahren.



    Nach überschlagenen 900km Strecke ist da wieder ein Stück mehr Ruhe in mir, weniger Gedankenketten, Stille im Kopf. Ein schönes Körpergefühl eines Körpers, der sich erinnert, dass er nach draußen und viel bewegt gehört.

    Und es bleibt die Gewissheit, dass es mit dem passenden Setup (und ich liebe mein Setup!) jederzeit möglich bleibt, sich ein Stück dieses Gefühls in den Alltag zu holen.

    Meine Erfahrung und größtes Ärgernis ist, dass sich eine Mehrzahl der von mir besuchten Campingplätze sich aller Bäume entledigt haben. Dies gilt insbesondere für die Wiesen, die sie für Zelte deklariert haben.

    Hier stimme ich dem vorausgehenden Kommentar zu, da hängt dann alles von den Betreibern ab. Manchmal wurde mir freie Wahl bei der Baumsuche auf dem Platz überlassen. Öfter wurde mir gesagt, nur da wo Zelte stehen dürfe ich bleiben, ganz selten wurde sich sogar mit mir gemeinsam auf dem Platz nach passenden Bäumen umherschaut.


    Nach den gesammelten Erfahrungen habe ich für mich festgehalten:

    - Frage ich die Besitzer*innen nach Bäumen im Voraus, bekomme ich oft ein Nein, auch wenn sie welche hätten


    - ich erzähle nur auf Nachfrage, dass ich in einer Hängematte schlafen möchte, und gucke selbst, ob es Bäume gibt.


    - wenn ich keine finde hake ich noch mal nach.


    - weniger Fragen = besseren Schlaf.

    Gut aufgepasst :D

    Drei Tage lang ist (m)eine Freundin mitgekommen, die nun selbst die Bequemlichkeiten einer Hängematte für sich entdeckt und nicht mehr missen möchte.


    Ich hab ihr mein altes Ticket to the Moon Setup gegeben.
    Sie ist dann trotz unsachgemäßen abspannen des Tarps und fehlenden drip Lines trotz stark Regen trocken geblieben, und ich kann bis heute nicht begreifen wie…

    Es folgen die zwei heißtest Tage, über 30grad, dankbar bin ich für die Bäume, die mir Schatten spenden, mir die Möglichkeit geben kurz zu entspannen und Leiche kühle im Rücken zu fühlen.
    Nicht jeder Stopp ist Bildlich festgehalten, aber stetiger Begleiter ist die Gewissheit, mein Hängematten Setup up ist meinem Zelt Setup um einiges voraus, was Bequemlichkeit, Spontanität, Schlafqualität und Abenteuerlust angeht.

    Auf dem Weg nach Zwolle dann weniger Glück, alle Campingplätze schon zu, sowieso immer nur Wiesen ohne Bäume.
    Dann ein kleiner Teich direkt neben dem Weg, Knorrige Bäume mit riesigen Stämmen.
    Ich lasse mich nieder und warte all die abendlichen Rennradenthusiast*innen ab, in der Hoffnung unbemerkt zu bleiben.

    Im halbdunkeln baue ich auf und sinke schnell in den Schlaf. Es folgt ein lautes rascheln und Kratzen. Ist das ein Tier? Ich öffne die Augen und da steht eine schwarze Silhouette direkt neben meiner Hängematte und schaut auf mich herab.
    Kurzer Moment der Todesangst, viel zu nah steht der Mensch mit seinem großen Hund.

    Müde entschuldige ich mich auf Englisch und erkläre, dass ich morgen wieder weg bin und alles schon zu hatte. Da antwortet mir eine freundlich weiche, beinahe liebliche Stimme. This is a good Spot to spend a Night. It is a Nice Place, sleep Well. Erleichterung.
    Am nächsten Morgen, sehen wir uns erneut. Er entschuldigt sich mich erschreckt zu haben, er sei nur neugierig gewesen, weil er selbst immer nur wild campe. Es sei ein Gastrecht und ich sollte mich in den Niederlanden zu Hause fühle, die Leute würde es nicht stören.

    Aus meiner größten Angstvorstellung ist eine schöne Erfahrung geworden, erleichtert ziehe ich weiter und stelle fest, die Bäume tragen Zeichen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte.

    Nach 130km größtenteils gegen den doch heftigen Wind auf flachem Land und Feld war Groningen dann erreicht, als erster Niederländischer Stopp.

    Der Stadtcampingplatz war heillos überfüllt, weil ein Housefestival in der Stadt stattfand, ein Mann wollte mich schon zu einem anderen Campingplatz verweisen.
    Aber die gütige Platzwärterin meinte ich solle mir einfach einen Platz suchen.

    Beinahe jeder Zentimeter der Zeltwiese schien besetzt und was sehen meine müden Augen da? Eine Gruppe Bäume stehen da verlassen, formen praktisch eine Höhle, dazu noch perfekter Abstand. Wohlige Wärme empfing mich und bald dann auch der Schlaf zu wummernden Bässen im Hintergrund.


    Geschlafen wurde in kleinen wäldchenartigen Baumansammlungen, die nicht als Naturschutzgebiete gekennzeichnet waren.
    Dank spätem Aufbau und sorgsamer Platzwahl, kam es zu keinen zwischenmenschlichen Unannehmlichkeiten.

    Auch sonst hat der Regen ja seine schönen Seiten und so gab es auf dem Weg nach Brunsbüttel und der Fährfahrt über die Elbe immer wieder Regenbögen und eindrucksvolle Wolkenspiele. Die 15km Rückenwind auf dem Weg zur Fähre waren auch der Hammer!


    Nachdem die Tour dank Dauerregen schon zwei Tage nach hinten verlegt wurde, ging es dann doch bei leichten Schauern und jeder Menge Gegenwind los. Der Kanal war windtechnisch undankbar und als am späten Nachmittag ein Unterschlupf gefunden war, um etwas zu essen, hörte es nicht auf zu regnen und so wurde der Unterschlupf zur Schlafstätte umfunktioniert.
    Der Wind war allerdings so stark, dass ich trotz des großzügig überstehenden Dachs noch mein Tarp aufspannen musste, und aus einer kleinen Plane einen underquilt Protektor improvisieren musste.
    Immerhin war ebenfalls dank des Winds am nächsten Morgen alles wieder trocken.

    Ich bin einmal mehr mit dem Fahrrad unterwegs und gedachte ein paar Erlebnisse und Erkenntnisse festzuhalten, auf das sie für irgendwen von Nutzen sein mögen, oder reiner Zeitvertreib.


    In Kiel wurde gestartet. Entlang des Nord-Ostsee-Kanals über Brunsbüttel zum Bremerhafen, Bremen, Oldenburg, Groningen, Zwolle, Utrecht, Eindhoven, Maastricht und dann nur noch über die Grenze nach Aachen, um mit dem Zug zurück zu fahren (zu herbe wäre das Downgrade von niederländischen Fahrradwegen zu deutscher Infrastruktur.

    Ich werde versuchen nach und nach Eindrücke zusammen zu fassen.