7. Klinken – STF Fältjägaren Fjällstuga (16 km) 685m rauf - 333m runter
Donnerstag, 15.08.24
Wetter: regen, windig, kalt
Um 04:00h morgens werde ich von dicken Tropfen geweckt, welche lautstark auf das Außenzelt prasseln. Da ich gut geschützt liege drehe ich mich kurz um und schlafe sofort wieder ein. Gegen acht drückt dann die Blase und ich muss hoch. Der Regen ist in einen leichten Niesel über gegangen und ich nutze die Gelegenheit, meine Sachen die 50m ins Shelter zu tragen. Dort kann ich mich in Ruhe ausbreiten, Frühstücken und den Rucksack packen. Das Zelt ist beim verstauen noch sehr klamm. Ich fürchte da muss ich mich später noch mal drum kümmern. Vorerst mache ich mich um 09:00h auf den Weg zurück zum ersten Vindskydd in Klinken.
Von da aus geht es wieder steil bergan, hinaus aus dem Tal. Nach einer Weile höre ich ein plätschern in den Büschen. Ein Wasserfall rauscht neben dem Trail hinab ins Tal. Von der anderen Seit gestern konnte man ihn schon erahnen, nun weiß ich ungefähr wo ich bin.
Oben angekommen gilt es den Fluß zu queren. Den Kollegen auf dem Campingplatz in Fjällnäs habe ich noch gefragt, ob es irgendwelche Probleme mit Furten gegeben hat. „Nein nein, alles in Ordnung“ war seine Aussage. Heute sieht es etwas anders aus und der Regen hat seine Hausaufgaben gemacht. Viele Steine sind von den Wassermassen verschluckt und ich habe gedanklich schon meine Schuhe ausgezogen.
*Die kleinen Bäche sind nach dem Regen ordentlich gefüllt
Nach ein paar Metern Fluß aufwärts finde ich jedoch eine halbwegs geeignete Stelle, die ich mit Hilfe der Trekkingstöcke gut queren kann. Glück gehabt.
Die Sicht wird mit jedem Schritt schlechter und irgendwann gehe ich komplett im Nebel…oder den Wolken, das ist hier mittlerweile schwer zu unterscheiden. Nur auf die Rentiere ist wiedermal verlass, die sind immer in der Nähe, ganz gleich bei welchen Wetter.
*mystic Moments
Ich bin froh als ich nach einer Weile die Schutzhütte Svaaletjahke erreiche. Als ich die Tür öffne kommt mir eine gemütliche Wärme entgegen. Drinnen sitzt ein Vater mit seinen drei Söhnen. Sie warten das gröbste an Schlechtwetter ab. Da der Ofen in den Hütten nur im äußersten Notfall zu verwenden ist, haben die Jungs sich den Gasbrenner angeschmissen und heizen damit ordentlich ein. Mit Vatis Hilfe füllen die Kids das Logbuch aus, welches in den Hütten zur Nachverfolgung der Route ausliegt. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang, während ich mir einen kleinen Snack bereite.
Unterdessen klart es draußen tatsächlich auf. Die blauen Lücken in der Wolkendecke werden immer größer und ich will die Chance nutzen und weiter ziehen. Bis zur Hütte sind es noch 8km laut Uhr.
*Es sind die Kleinigkeiten auf die man achten muss
Der Wind hat sich auch verändert, allerdings nicht zum guten. Er bläst mir heftig entgegen. Teilweise muss ich sogar die Stöcker nutzen und mich zur Windabgewandten Seite abstützen, um nicht aus dem Tritt zu geraten. Wenn das hier oben so weiter geht, habe ich wohl die letzte Nacht in meinem Zelt gelegen.
(Allgemein kann ich mich mit dem Xmid nicht so 100%ig anfreunden. Es hat einfach zu viele große Flächen, die schon bei mittlerem Wind nicht straff genug sind, um Außen und Innenzelt verlässlich zu trennen. Resultat ist dann eine nasse Innenzeltwand, welche bei meiner Körpergröße wirklich sehr unvorteilhaft ist. Ich brauche eh schon die 2P Variante, damit ich diagonal liegen kann und nicht oben und unten anecke. Dazu kommt, das man im Auslieferungszustand einzig zwei Abspannleinen an den Poles dabei hat und acht mini Heringe. Für die laue Sommernacht wie Gestern im windstillen Tal ist es toll, aber für alles andere in dieser Gegend ist es m.M.n nichts. Hier oben sind die UL Zelte einfach im Nachteil und den Elementen nicht gewachsen. Es hat schon seine Gründe wieso die Skandinavischen Hersteller alle etwas Robuster und schwerer bauen.)
Ca. 4km hinter der RH gilt es dann doch noch einen größeren Bach zu queren. Und das geht beim besten Willen nicht mit Schuhen. Also alles ausziehen, durchwaten und wieder anziehen. Aber halt! Vielleicht gehe ich erst mal weiter. Der nächste Anstieg ist zwar zu sehen, aber noch etwas hin. Es fühlt sich schon lustig an, wenn der aufgeweichte Boden unter dem Gewicht des Körpers zwischen den Zehen hindurch quetscht. Und das alles bei einstelligen Temperaturen. Aber ich lag mit meiner Vermutung richtig. Die nächste Furt lässt nicht lange auf sich warten.
Als das geschafft ist geht es wieder einmal bergan. Am Scheitelpunkt des Weges sieht man ganz in der Ferne plötzlich die Fältjägarstugan. Ich bin wirklich froh als ich dort ankomme. Heute ist einfach kein schönes Wanderwetter.
Ich werde freundlich von der recht jungen Hüttenwirtin begrüßt. Als ich die Küche betrete beginnt sie zügig mit der Einweisung. Von meiner Anmerkung, dass ich über die Regeln auf den Hütten im Bilde bin lässt sie sich nicht abbringe und rattert ihren Text runter.
Direkt danach greift sie zum Schrubber und wischt meine Fußabdrücke über, welche von den feuchten Socken auf dem Holzboden zu sehen sind. Mir dämmert es, das die gute Frau es nicht so easy nimmt hier oben. Meine Frage, ob wir nicht den Ofen anfeuern können wird verneint. Es würde zu schnell zu warm werden und dann müsste man wieder Lüften. Holz sei hier Mangelware und wenn man nicht erfroren ist unterwegs würde man sich auch so aufwärmen können. Wäsche trocknet auch draußen im Wind.
Okkeeeeeeeee, dann ist das wohl so. Ich gehe runter zum See um mich im eisigen Wind und noch kälteren Wasser zu waschen. Es ist wirklich kein schönes Ritual, aber der Schweiß muss ja irgendwie runter. Bei der Gelegenheit wasche ich auch gleich mein Kleidung ein mal durch. Oben hänge ich alles auf die Leine und verziehe mich ins Haus.
Über den Tag verteilt kommen noch ein Vater mit seiner bereits erwachsenen Tochter und drei Trailrunner, ebenfalls von Klinken bzw. Ramundberget. Alle samt Schweden.
Irgendwann fällt mir auf, das sich wirklich alle im Raum ausschließlich auf Englisch unterhalten. Ich meine es sind Landsleute, sie könnten es auch auf schwedisch tun. Da ich der Sprache jedoch nicht mächtig bin, scheint es wie selbstverständlich, das sie mich mit einbeziehen in ihre Gespräche. Ich bin wirklich gerührt, diese Art der Gastfreundschaft kannte ich noch nicht.
Am Abend kommt die Hüttenwirtin noch mal vorbei, macht für alle eine Feuerunterweisung, kündigt Schlafen und Frühstückszeiten an und erkundigt sich zum Schluss noch im Namen des STF, ob und wie wir von der Schließung der STF Gåsen erfahren haben. Fehlt nur noch das wir alles Unterschreiben müssen;)
(Gut das Sie nicht gesehen hat, wie ich mein Außenzelt im Schlafbereich hinter dem Vorhang getrocknet habe. Dann wäre es das für mich gewesen;)
Morgen Früh soll die Sonne raus kommen, dann geht es schlanke 13km zur Helags Fjällstation.