5. Gaalovenjohke – Fjällnäs Camping & Lodges (21,2 km) 612m rauf - 673m runter
Dienstag, 13.08.24
Wetter: heiter und kalt
Um 06:20h werde ich wach und wundere mich, wieso die Sonne noch nicht aufs Zelt scheint. YR sagt ab frühen Morgen Sonne voraus. Der Blick aus dem Zelt schafft Klarheit. Sie steht noch nicht hoch genug, um über das Rödfjället mit stolzen 1243m zu scheinen.
Die Nacht war wieder mal recht feucht. Die Nähe zum Fluß und die Windstille haben alles in der Umgebung mit einer Schicht Morgentau überzogen. Mit meinem 40x40cm Allzweckhandtuch wische ich die Feuchte von der Zeltwand ab und hänge die Wäscheleine um in die ersten Sonnenstrahlen. Danach gehe ich hinunter zum Wasser um zu Frühstücken. Ich kann mir alle Zeit der Welt lassen, denn so kann ich nichts einpacken. Gegen 09:00h bin ich dann abreisebereit.
Es geht durch dichten Birkenwald hoch hinauf über die Hänge des Rödfjälls, was am frühen Morgen eine ernsthafte Anstrengung darstellt. An der Broktjärnskojan verschnaufe ich kurz und inspiziere die neu erbaute Hütte. Sie ist mit einem Ofen, gehackten Holz, Axt und Säge sowie einer Alu-Notfallkiste ausgestattet. Darin befindet sich alles was man zum Überleben benötigt, von nagelneuen Trangiazubehör bis hin zur Trockenration. Alles unversehrt und einsatzbereit. Wäre bei uns leider kaum vorstellbar.
*Schutzhütte Broktjärnskojan
Die Hütte ist aber erst der Anfang des Berges. Die nächsten Kilometer gehen weiter steil Bergan.
Oben angekommen freue mich über den Ausblick, welcher den Weg der letzten zwei Tage erahnen lässt
*hinten rechts das Skedbrofjäll, links dahinter der Bustvålen am Rogen
*Kilometerweite Sicht nach Norwegen
An dem moosbedeckten Bächlein fülle ich meine Flasche auf und bemerke beim Blick aufs Handy, das tatsächlich hier oben mal wieder Empfang ist. Ich nutze die Gelegenheit um mich zu Hause zu melden. Denn seit der Nacht an der Rogenstuga gab es kein Lebenszeichen mehr von mir.
Beim Blick zurück erklärt es sich auch, wieso der Berg Rödfjäll heißt. Im Herbst muss es hier einfach herrlich aussehen.
*Das Rödfjället
Der Weg wird zunehmend besser und auch die Steine sind plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Ich erreiche nach vier Tagen das Ende des Rogen NP, auf das durch eine kleine Schautafel hingewiesen wird.
*Das Ende des Rogen NP, im Hintergrund das Skedbrofjäll
In der Ferne sieht man schon die ersten Bergkuppen des Hamrafjälls und noch weiter hinten ein paar letzte Schneefelder. Langsam wird es spannend.
*bessere Wege Richtung Hamra
An der Gabelung kurz hinter dem NP biege ich rechts ab Richtung Tänndalen, über den Bach Svanån und entlang des Sees Svansjön. Der Weg ist gut ausgelaufen und ich kann lange Meter machen. Ein ganz anderes Gehen als noch auf den steinigen Wegen zuvor.
*Traumhaus
Während einer Kaffeepause am Bach realisiere ich, wie viele Touristen hier umher spazieren. Nun scheint es wohl vorbei mit der Ruhe. Die Menschen beschränken sich allerdings auf einfache Wege, gut begehbar und am besten nicht weiter als 1h entfernt. Mein Weg entlang des Svansjön scheint allerdings wenig begangen zu sein.
Die Strauchweiden werden immer dichter und zwischendurch verschwindet der Pfad dann endgültig. Hinzu kommt natürlich noch Wasser und Sumpfboden. Es sind glücklicherweise nur ein paar Abschnitte und nach guten 1 1/2h erblicke ich das Skigebiet/Bikepark von Tänndalen.
Um so näher ich komme, um so erschreckender finde ich die ganze Kulisse. Aber man kann es nicht ändern. Die Leute hier sind wohl auf den Tourismus angewiesen und im Endeffekt kann ich mich davon ja nicht ausnehmen, nur weil meine Art der Reise zu Fuß ist, statt mit dem Bike. Trotzdem möchte ich nicht länger bleiben als es sein muss.
*Schattenplatz
*Ferien - Wohnpark ohne eine Menschenseele
Was mich stutzig macht, ist, das niemand weit und breit zu sehen ist. Das ganze gleicht einer Geisterstadt wie aus dem Film. Unten vor den roten Häusern steht ein Kinderkarussell mit vier Reifen, befestigt an vier Armen, welches von alleine seine Runden dreht. Die Fallout Serie könnte es nicht besser darstellen. Es ist wirklich spooky.
Ich erblicke einen Sportstore, wo ich gleich die Gelegenheit wittere, mir ein paar Handschuhe zuzulegen. Ich bin wirklich nicht zimperlich, aber der andauernde und kalte Wind hat mich schon so manche Nerven gekostet. Und die Richtigen Berge kommen ja erst noch, da will ich wenigstens etwas vorbereitet sein.
Gesagt getan. Bikehandschuhe zum Downhill fahren müssen es richten. Die gefütterten Heestra waren mir dann doch etwas zu teuer. Der Verkäufer im Shop fragt mich ob ich auch die Polarlichter in der Nacht gesehen habe. Die sozialen Medien sind voll damit. Leider habe ich das nicht. Es hätte das Fass der Glückseligkeit gestern wahrscheinlich auch zum überlaufen gebracht. Traurig bin ich nun trotzdem etwas, diese Chance hier oben verpasst zu haben.
Das gesparte Geld der Handschuhe gebe ich 100m weiter im Hamra Livs aus, wo es eine Packung Nudeln, neues Müsli, zwei Dosen Bier und eine Tafel Schokolade gibt. Zum Abendbrot einen Salat mit Baguettestange. Weiter geht es entlang der 84 Richtung Fjällnäs Camping & Lodges. Ein Päärchen, welches ich in der Storrödtjärnstuga kennengelernt habe, hat mir den Platz inkl. des Hikers Breakfast empfohlen. Das werde ich mir ansehen.
Nach 500m auf dem Asphalt habe ich allerdings die Schnauze voll von der Straße und halte das erste mal in meinem Leben den Daumen raus. Und tatsächlich dauert es nicht lange bis ein Norweger auf Einkaufstour anhält und mich zum einsteigen auffordert. Keine Frage wohin und wozu, einfach rein. Noch bevor wir uns richtig kennenlernen rauscht das Schild des Campers an uns vorbei und wir halten an. Danke für die tolle Fahrt.
Der Platz liegt zwischen der Landstraße 84 nach Norwegen und dem See Malmagen. Mittig steht ein altes „Bauernhaus“, welches die Rezeption, Sanitären Anlagen und eine Küche beinhaltet. Runter Richtung See gibt es einen großen Schotterplatz für die Camper und Wohnmobile, ebenfalls Holzhütten zum mieten. Die Zeltwiese liegt oben an der Straße mit einem großen Tipi drauf für die Glampingfreunde.
In der Rezeption gibt es auch das ein oder andere für Wanderer zu kaufen wie z.B Gaskartuschen, Trekkingnahrung, Süßes usw. Kein ausgestatteter Outdoorladen, aber ähnlich den Vorräten auf den Stugas würde ich sagen.
Ich Buche eine Nacht im Zelt, das Frühstück für morgen und für den Abend die Sauna. Obwohl mein Zelt unmittelbar an der Straße steht, wird es abends ruhiger, sobald der Laden im Dorf zu hat und der Verkehr gen Null geht.
Nachdem alles aufgebaut ist esse meinen Salat und begebe mich zum aufwärmen und entspannen mit meinem Multihandtuch in die Bastu ![]()
Als ich wiederkomme hat ein junger deutscher Wanderer neben mir Quartier bezogen. Er geht den Weg von Norden aus und hat einige Storys aus dem Fäll zu gebrochenen Zeltstangen und zerrissenen Zelten im Gepäck. Es ist kein Zuckerschlecken oben im Helags.
Wir erzählen von unseren Erlebnissen auf dem Trail und geben uns gegenseitig Tipps für die nächsten Tage. Endlich im Schlafsack, genieße ich die Vorzüge des W-Lan, schaue mir noch Bilder an und schlummere dann friedlich und erschöpft ein.