Beiträge von bogus

    Moin,

    Nüsse, Studentenfutter u.ä habe ich für die Pausen dabei gehabt. Das mit dem Müsli habe ich im Vorfeld versucht nach einem Rezept aus dem Internet. Leider war es sehr sehr süß, und ich habe nach dem Essen regelmäßig Bauchweh bekommen. Dann habe ich kurz vor der Tour auf hochwertiges Müsli von Seitenbacher zurück gegriffen und es mit Oatsome für den geschmack gestreckt.

    Speck und frische Lebensmittel nachzukaufen gab es nur eine Möglichkeit, kurz vor dem Campingplatz. Da hätte man evtl mehr einkaufen müssen. Von Pilzen habe ich leider keine Ahnung, da habe ich mir schon ein paar mal gewünscht besseren Input zu haben. Vielleicht noch mal ein Plan für die Zukunft.

    10. Zeltplatz irgendwo im nirgendwo – STF Sylarna (16,4 km) 570m rauf - 460m runter

    Sonntag, 18.08.24

    Wetter: wechselhaft, kalt


    Am nächsten Morgen ist es leider nicht mehr ganz so schön. Das Zelt ist innen voller Kondens, der Wind hat wieder deutlich aufgefrischt und der Himmel hängt voller grauer Wolken. Erstaunlich, wie sich der Eindruck des Lagerplatzes nur durch einen Wetterwechsel ändern kann.

    *kalter Morgen mit eisigen Wind


    *Handschuhe zum Frühstück sind heute Pflicht


    Ich wische innen ein mal feucht durch, spanne die Türen auf beiden Seiten auf und lüfte quer. Bis es abgetrocknet ist, habe ich etwas Zeit. Also mache ich mich auf die Suche nach Blaubeeren, um mein Frühstück etwas aufzupimpen, bereite mir einen Kaffee und starre so vor mich hin.

    Zum Frühstück trage ich alle Kleidungsschichten die mein Rucksack her gibt, inkl. Handschuhen. Es ist jämmerlich kalt und die Frage, ob ich wirklich alles benötigt habe ,was im Vorfeld eingepackt wurde, kann ich nun nach dieser Tour guten Gewissens mit JA beantworten. Um 09:30h bin ich dann endlich unterwegs. Dick eingehüllt in meine Kapuze geht es auf gut gehbaren Wegen durch relativ unspektakuläre Landschaften.



    Klar, das Sylarna Massiv liegt immer gut sichtbar voraus, allerdings hatte ich mir das gestern schon gefühlte 5h angesehen und die äußeren Umstände machten es nicht interessanter. Heute kommen mir dafür schon ein paar mehr Leute entgegen und in der Rasthütte Miesehketjahke sitzen wir nach kurzer Zeit zu viert und machen Pause.

    *Rasthütte Miesehketjahke auf halben Wege


    Beim Blick auf die Karte überlege ich links abzubiegen, Richtung Ekorrdörren und dann über den Templet zur Fjällstation zu gelangen. In der Realität kann ich mit Blick von der Hütte aus allerdings nur Sumpfland und kleinere Seen ausmachen. Es ist wohl eher ein Winterweg und irgendwie fehlt mir heute auch die Lust, weiter danach zu suchen. Nach ein paar Snacks und etwas Klönschnack gehe ich weiter. Der Handölan hat hier über viele viele Jahre eine Landschaft aus Altarmen, Abbrüchen und kleinen Seen geschaffen.


    Er setzt sich schon etwas vom Rest der Umgebung ab, aber richtig genießen kann ich es nicht. Das erste Mal auf meiner Reise bekomme ich ein Gefühl von Müdigkeit, von satt gesehen. Der Aufnahmespeicher ist voll. Eine Art Reizüberflutung?

    Am Kläppen muss ich die nächste Pause einlegen. Die Oberschenkel Brennen und die Schritte werden schwerer. Eine heiße Tasse Tomatensuppe schafft Abhilfe. Vielleicht habe ich auch ein Kaloriendefizit, und die dauerhafte Ernährung aus den Tüten Reicht einfach nicht aus, um täglich 3.500 Kalorien aufzufüllen? Darüber sollte ich mir bei zukünftigen, längeren Touren auf jeden Fall Gedanken machen. Circa 3km vor der Fjällstation trennt sich der Weg, und man kann entweder über den Herrklumpen (1.289m) oder drum herum gehen. Ich entscheide mich für den längeren Weg drum herum und hoffe, so noch etwas mehr von Sylarna sehen zu können.


    *Wollgrasfelder in den Sumpfgebieten


    Bis auf ein paar Schneefelder bzw Gletscher, welche sich im Schatten des Berges der Sommersonne widersetzt haben, gibt es aber nicht viel zu sehen.


    Hier oben hat der Wind auch noch eine Schippe drauf gelegt und ich bin froh, als langsam in der Ferne die Häuser der Sylarna Fjällstation auftauchen.

    *Sylarna Fjällstation


    Von außen eher unscheinbar entpuppt sich die Fjällstation von innen als modernes und ziemlich frisch renoviertes Hotel.

    *Restaurantbereich


    Schon gestern Abend hatte ich auf Grund der Wettervorhersage ein Zimmer gebucht. An der Rezeption checke ich ein und erkundige mich, was wohl abends auf der Speisekarte steht. Reindeerstew ! Lecker! Eigentlich wollte ich ja an meinen Vorräten arbeiten, aber der Gedanke an ein richtiges, vollwertiges Abendessen lässt mich das noch einmal überdenken.

    Ich bekomme ein 8er Zimmer den Gang runter, Nummer 31, Värmland. Es ist nagelneu, mit richtig bequemen Betten und viel Platz. Kurz nach mir öffnet sich erneut die Tür und das Pärchen von der Rast in Miesehketjahke tritt ein. Mehr werden es auch heute nicht in diesem Zimmer.
    Nachdem alles eingerichtet ist, wird mal wieder Wäsche gewaschen. Die Trockenräume in den Hütten sind der Hammer und bereits am selben Abend kann ich die Wäsche wieder trocken in meinen Beuteln verstauen.

    Bis zum Abendessen lege ich mich in die bereits eingeheizte Sauna. Einfach herrlich. Ein kleines Fenster erlaubt den Blick auf die Berg, welcher allerdings bald durch lang anhaltenden Regen verblasst.

    Nach dem sehr leckeren Abendessen hänge ich noch eine ganze Weile alleine im Leseraum ab, welcher hart nach dem Ikea ScandiStyle Lehrbuch eingerichtet ist. Aber anders als in einer hippen Stadtwohnung passt es hier wenigstens ins Bild.

    Die völlig losgelösten und interessanten Gespräche der vergangenen Tage gibt es hier leider nicht mehr. Der Tagestourismus hat die Oberhand und alle Leute sind einander fremd. Die Trailmagic, wie ich sie zum Beispiel in der Fältjägarstugan erlebt habe, ist plötzlich nur noch eine schöne Erinnerung. Warum ist das so? Wieso haben Tageswanderer ein anderes Bedürfnis nach Gesellschaft als Distance Hiker? Im Gedanken an die ein oder andere Frage und etwas gemischten Gefühlen mache ich mich langsam auf den Weg ins Bett.

    9.2. STF Helags – Zeltplatz irgendwo im nirgendwo (5,9 km) 93m rauf - 170m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    In Reichweite zur Fjällstation meine ich ein Tarptent Stratospire erspäht zu haben. Ein Junger Mann kniet im Eingang und bastelt herum. Da ich die Zelte von Tarptent im Vorfeld auch auf dem Schirm hatte, bin ich neugierig und gehe drauf zu. Wir kommen ins Gespräch und er verrät mir, dass der Wind in der letzten Nacht die Ösen bzw. die Bänder herausgerissen hat und das ganze Zelt über ihm zusammengebrochen ist. Er musste in Eiseskälte das nötigste retten und in die Fjällstation umziehen. Nun will er den Schaden genau begutachten und einpacken. Sein Bruder schwört auf das HB Niak, aber ihm war es zu schwer. Nun zahlt er den Preis für das eingesparte Gewicht.


    Erneut passiere ich das Keron der vier Hunde. Anders als in meiner Nuckelpinne oder dem Strato muss sich hier vor Sturm und Regen niemand fürchten. My Home ist my Castle, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Es geht weiter auf dem Weg Richtung Sylarna. Bis zur Sylarna Fjällstation sind es gute 20km. Das Ganze heute noch am Stück ist natürlich abwegig, aber irgendwo vor der Misehketjahke Schutzhütte soll der Fluss Handölan bis nah an den Weg reichen. Vielleicht findet sich ja dort in der Nähe ein Fleckchen, irgendwo im Flussbett oder einer Senke.

    *Blick Richtung Norden auf`s Sylarna Massiv


    *Blick zurück zum Helags


    Nach einer guten Stunde kommt mir eine Person mit einem Rudel Hunde entgegen. Da mir meine Freude über die Vierbeiner wohl anzusehen ist, bleibt die Frau stehen und wir schnacken miteinander. Es ist die Frau aus dem Keron, welche heute den Tag mit den Hunden in der Sonne verbracht hat. Ein Zwei Kilometer weiter soll es links hinter einem Bach eine kleine, grasbewachsene und ebene Stelle geben, wo man herrlich liegen kann. Auch wurde aus einer halben Holzbohle für die Wege eine Bank zum Sitzen gezimmert. Sie hat es von einem anderen Wanderer erfahren und gibt diesen Tipp nun gerne weiter. Das werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

    Was Outdoorequipment angeht, scheint sie gut informiert zu sein, was sich im Gespräch immer wieder herausstellt, da wir teilweise die selbe Ausrüstung verwenden , bzw. verwendet haben. Zwei Gearjunkies unter sich;)

    Sie hat im Zelt alles dabei und das meiste Gewicht auf ihre Hunde aufgeteilt, welche ebenfalls alle mit Hunderucksäcken ausgestattet sind. Bei vier ausgewachsenen Schäferhunden kann man da schon einiges unter bekommen. Nach 20min verabschieden wir uns und ich mache mich auf die Suche nach „ihrem“ Spot. Hoffentlich gehe ich nicht dran vorbei.

    Tatsächlich kreuzt 10min später ein Bächlein den Weg und links davon führt ein kleiner Trampelpfad zum besagten Platz. Er ist wie auf einem Plateau gelegen, abgeschirmt von einem 50cm hohen Absatz, auf dem wiederum 50cm hohe Blaubeerbüsche wachsen. Der Wind kommt aus Südwest, abgeschwächt vom nördlichen Ausläufer des Helags. Der Rest der hier noch ankommt, wird von den Büschen abgehalten. Dieser Platz ist hier draußen tatsächlich ein Glücksgriff und ich bin sofort überzeugt.

    *Bergausläufer als Windschutz, links oben die Spitze des Helags


    Das Zelt stelle ich heute drei Mal auf, da ich zuerst schlecht liege und die anderen beiden Versuche die windanfällige Seite des Zeltes genau gen Wind zeigt. Falls es hier draußen doch noch umschlägt, will ich zumindest halbwegs aufgestellt sein. Ich melde mich bei meiner Familie, koche mein Abendbrot und erkunde etwas die Gegend. In der Ferne scheint es mehr zu regnen, was sich deutlich am Himmel abzeichnet. Allerdings zieht bis auf einen kleinen Schauer alles unweit von mir vorbei.

    *Über dem Sylarna regnen sich die Wolken ab


    *hier geht es morgen weiter


    Gegen 21h soll die Sonne direkt hinter dem Sylarnamassiv unter gehen. Da bin ich mal gespannt.

    Zum Reisebuch schreiben lege ich mich vorerst ins Zelt. Es dauert aber nicht lange, und ich nehme ein paar Meter weiter hinter dem Zelt merkwürdige Klopfgeräusche wahr. Die Rentiere sind neugierig und sind bis auf paar Meter heran gekommen. Ich sehe, wie sie mit ihren Hufen auf den bewachsenen Boden stampfen, und so unter der Oberfläche liegende Wurzeln und andere Leckereien freilegen, die sie dann genüsslich abgrasen können. Sobald man sich allerdings bewegt, schrecken die Tiere auf und suchen das Weite.

    Das alleine ist schon schön anzusehen, so ganz aus der Nähe, aber was ich in weiter Ferne über den Bergen sehe, verschlägt mir die Sprache. Ein nahendes Gewitter verdunkelt die gerade untergehende Sonne und erzeugt ein Naturschauspiel der Extraklasse. Ein diffuses Licht und der herabfallende Regen rahmen das ganze Bild perfekt ein…und ich habe einen Logenplatz.

    *mächtig gewaltig




    Nachdem alles ausgiebig abgelichtet wurde, geht es in den Schlafsack. Es war ein langer Tag.

    Mitten in der Nacht werde ich wach. Es ist arschkalt und ich muss raus zum Pinkeln. Während ich da so stehe und in den Himmel blicke, fallen mir weiße Schlieren am Nachthimmel auf. Ich hatte mal davon gehört, dass weniger intensive Polarlichter erst durch die Belichtung der Kamera wirklich sichtbar werden. In echt hatte ich bisher noch keine Lichter sehen können, aber einen Versuch ist es Wert. Ich ziehe mich wärmer an und hole mein Handy raus….und tatsächlich. Aurora Borealis gibt sich die Ehre, direkt über meinem Zelt. Ich kann mein Glück kaum fassen.


    *Aurora Borealis


    *fehlt nur noch ein Rentier im Hintergrund



    Sollte morgen meine Reise aus Gründen zu Ende sein, hätte ich alles gesehen, was ich mir auch nur im entferntesten ausgemalt habe. Mit einem großartigen Gefühl der Dankbarkeit und einem breiten Grinsen steige ich zurück in meinen Schlafsack.

    9.1 STF Helags (9,5 km) 800m rauf - 826m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: heiter, windig und kalt



    Heute bin ich tatsächlich mal der letzte der wach wird. Überall in den Betten regt sich schon was. Es ist 07:00h und wie versprochen scheint die Sonne. Genau so habe ich mir den Aufstieg seit langer Zeit vorgestellt. Erneut muss ich an Berichte aus dem Forum denken, wo die Leute an den wirklich schönen Stellen im Regen oder in den Wolken standen, und nichts sehen konnten. Gott sei es gedankt, bleibt mir das größtenteils erspart.

    Es folgt die morning Routine und die Überlegung, wie ich mein Wasser und etwas Proviant auf den Berg bekomme, ohne es die ganze Zeit tragen zu müssen. Ich bastele mir aus meinem Gürtel und einem Drybag eine Art Umhängetasche vom Typ Talahon. Rein kommen meine Flasche, Nüsse und Riegel. Das sollte reichen für eine kleine Rast.

    Um 08:10h bin ich auf dem Weg nach oben. Die Runde im Uhrzeigersinn soll man laut Flurfunk besser gehen können, also versuche ich es so herum. Auf dem Weg fallen mir ein großes Keron und eine Person mit vier Schäferhunden auf. Das Zelt steht wie eine eins und trotzt den Elementen. Ich freue mich, dass hier oben die Zelte ihre Verwendung finden, wie von Bo Hilleberg einst gedacht. Kein tristes Leben auf dem Campingplatz in Parzellen, eingepfercht von Lorbeerhecken und Hagebuttensträuchern.

    *Keron 4GT in seinem Element


    Der Einstieg in den Berg beginnt rechts neben dem heuabrauschenden Bach.

    *mittig rechts im Bild die Helags Fjällstation


    Etwas weiter oben wird dieser dann gequert und man erreicht ein Plateau mit kleinen Gletscherseen.



    Weiter geht es auf unterschiedlich großen Steinbrocken bzw. Platten. Diese sind mehr schlecht als recht mit einem orangenen Punkt markiert. Jedoch verliere ich des öfteren die Übersicht und verlasse mich letztendlich ganz auf den Track auf meiner Uhr. Gut, dass ich im Rogen diese Art des Wanderns vorher ausreichend üben konnte.


    *den Aufstieg kann sich jeder selber suchen


    Nachdem der lange Anstieg überwunden ist, geht es etwas geradeaus und der Predikstolen zeigt sich aus einer ganz anderen Sicht.

    *Predikstolen von Oben


    Im Hintergrund liegt der Sylsjön, nahe der Norwegischen Grenze. Eine Idee den Menschenmassen zu entgehen war eine Tour entlang des Ostufers des Sees. Leider ist dies auf Grund der Wetterverhältnisse nicht möglich gewesen, was sich später auch noch als Glücksfall herausstellen sollte.

    Weiter geht es Richtung Gipfel. Eine kleine Kletterei über größere Felsen und dann ist es geschafft. Weder vor noch hinter mir ist irgend jemand zu sehen. Oben liegt eine Box aus Edelstahl, welche das Gipfelbuch beinhaltet. Ein Turm aus Steinen ist aufgeschichtet und mit einer Planke aus Holz wurde notdürftig eine Sitzgelegenheit geschaffen. Leider zieht es hier oben so dermaßen, das ein längerer Aufenthalt, und sei es nur für eine Tüte Nüsse, nicht möglich ist. Der durchgeschwitzte Körper kühlt in wenigen Minuten aus.

    So trage ich mich mit einer leeren Kugelschreibermine in das Buch ein, schieße ein paar Fotos und mache mich wieder auf den Weg hinunter. Während der Fotos verdunkelt eine graue Wolke den Himmel, aus der sogar kurzzeitig Schneeflocken fallen. Und das mitten im August.

    *Helagstoppen 1.797m



    Die andere Seite des Berges unterscheidet sich landschaftlich vom Aufstieg. Der Untergrund besteht eher aus glatten Felsen und man kann bis an die Abbruchkante heran gehen.

    *nördliche Flanke des Berges


    *Blick nach Süden




    Ich steige langsam weiter ab und nach 3:50h bin ich wieder an der Fjällstation angekommen. Pünktlich zum Mittag. In der Gemeinschaftsküche bereite ich mir Porridge und Kaffee, dazu noch einen dicken Schokoball von der Rezeption.

    *Gemeinschaftsküche der Fjällstation


    Über das W-Lan der Station mache ich noch ein paar Handyupdates und checke den Wetterbericht. Es ist noch früh am Tage und eigentlich zu schön, um hier den Tag zu vergeuden. Ich beschließe heute noch ein paar Kilometer zu machen und spontan zu sehen, wo sich was finden lässt. Um 13:15h bin ich erneut auf dem Weg Richtung Sylarna.

    8. STF Fältjägaren Fjällstuga – STF Helags (13,3 km) 503m rauf - 526m runter

    Freitag, 16.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    Wie bestellt scheint um 06:30h die Sonne durch die Fenster. Um niemanden zu wecken stöbere ich noch eine Weile im Handy, schaue mir Fotos an, dies das. Gegen 07:00h mache ich mich langsam und leise fertig.

    Zum Frühstück gibt es erst Müsli, dann bereite ich mein Track`n eat Rührei, welches ich seit ca. 2 Jahren zu Hause liegen habe, und im Anschluss kommt noch die Herbergsmutter mit selbst gebackenen Brötchen und Butter herein. So lässt es sich leben.

    Gegen 09:00h verabschiede ich mich von den drei Trailrunnern mit einem Lächeln und dem Hinweis, dass ich später in der Sauna auf sie warten werde. Es geht 13km ziemlich gerade aus, mit einer kleinen aber langezogenen Steigung am Fuße des Helags. Als ich mich nach ein paar Hundert Metern noch mal umdrehe ist die Stuga bereits nur noch ein kleiner Punkt auf dem Berg.

    *Blick zurück zur Hütte


    Der Predikstolen liegt noch mit dem Gipfel in den Wolken und ich hoffe das sich das innerhalb der nächsten Stunde auflösen wird. Es wäre zu schade diesen Anblick nicht in voller Schönheit genießen zu können.

    *Predikstolen in den Wolken


    Als ich kurz verschnaufe und einen Schluck aus meiner Flasche nehme kommen die drei „Jungs“ aus der Stuga vorbei gelaufen. Schnell zücke ich mein Handy. So ein Foto von ihnen und dem Helags im Hintergrund haben sie bestimmt auch noch nicht.


    Um so weiter ich gehe um so besser kommt die steile Flanke des Predikstolens zur Geltung. Auch die Wolken haben sich derweil verzogen und wenn man denkt es geht einfach nicht mehr besser, kommt von irgendwo meist ein Rentier daher. Und wenn man sein Tellerchen ganz aufgegessen hat, auch mal ein weißes;) Da kann Harry Potter sein Patronus einpacken.

    *Laut den Sami bringen weiße Rentiere Glück



    Voller Freude über den heutigen Tag bemerke ich den Anstieg vor dem Rentierzaun gar nicht wirklich und plötzlich taucht auch schon der erste Hinweis zur Station auf. Die letzten 3h vergingen wie im Flug und in 500m ist es schon geschafft.


    *Helags Fjällstation


    Die Helags Mountain Station unterscheidet sich recht deutlich von allen vorhergegangenen Hütten, aber das war mir halbwegs bewusst. Ich bin schon sehr gespannt was mich dort erwartet.

    Nachdem ich mich etwas umgesehen habe betrete ich das Hauptgebäude, welches ziemlich mittig in dem Gebäudekomplex liegt und die Küche, Restaurant und Rezeption beinhaltet. Alles ist hier auf einmal ohne Einschränkungen vorhanden. Strom, Wärme, W-Lan, fließend Wasser, richtige Toiletten und ein gar nicht so kleiner Shop für alles was man braucht…oder auch nicht.

    Zugegeben, es gleicht mehr einem Hotel mit check in per PC und der ganzen Aufmachung, aber nach fast einer Woche ohne alles ist es mir ganz genehm. Man muss sich auch mal was gönnen.


    *Viele Wege führen zum Helags


    Während meiner Fika mit einem Kaffee und zwei Schokobällen beschließe ich heute Nacht hier zu bleiben und morgen in aller Ruhe den Helags zu besteigen. Ich habe Zeit ohne Ende und man muss auch mal genießen und nicht nur Kilometer abreißen. Oft denke ich mir nach den Touren ich hätte mir mehr Zeit lassen sollen. Diesen Vorsatz will ich nun mal in die Tat umsetzen. Danach werde ich weiter sehen.

    Ich buche die älteste Hütte auf dem Areal, ohne Strom und Licht (welche von dem Vater letzten Abend als „sehr Cozy“ empfohlen wurde) und das Abendessen, was laut Internet jeder mal gegessen haben sollte. Ich bin sehr gespannt.

    *cozy Cabin



    Im Shop gibt es noch eine Tüte Chips und ein Schlafsackliner als Unterstützung für den zu kalten Schlafsack. Heute Nacht wird der Liner aber als Hüttenschlafsack ausreichen.

    Von 15:00h - 17:30h geht es in die Sauna. Die Lage ist 1 Doppel A, mit toller Aussicht auf den Gletscher. Drinnen sitzen auch schon die drei Trailrunner, von denen ich mir nun natürlich anhören darf, was ich die ganze Zeit gemacht habe. Während man bei 100° in der Sauna schwitzt kommen einem allerdings schon ein paar Gedanken, ob das alles so seine Richtigkeit hat, unterdessen das 2km weiter der Gletscher allmählich abschmilzt. Den Rest der Saunarunde scheint es allerdings nicht weiter zu stören und es wird munter erzählt und diskutiert.

    *Bastu mit Ausblick auf den Helags Gletscher


    Zwischen den Saunagängen geht es jedoch nicht unter die nagelneuen Duschen einen Raum weiter, sondern ca. 150m splitterfasernackt durchs Fäll, hinunter zum Gletscherbach. Das „Helagsbadet“ ist dort etwa 50cm tief und lädt ein zur Abkühlung der anderen Art. Die uns entgegen kommenden Wanderer staunen nicht schlecht als wir uns auf den schmalen Holzplanken begegnen;) Muss man mal gemacht haben.

    *Helagsbadet;)


    Pünktlich um 18:00h wird zum Essen gebeten. Die Köche und Kellnerinnen, alle samt sehr jung, stellen vor versammelten Publikum ihr Menü vor. Dazu gibt es Empfehlungen zu Wein und Bier. Es gibt frischen Fisch mit Gemüse und Wurzeln aus der Region, dazu selbstgemachte Butter und Brot, das alles in Buffetform und so viel man mag. Dazu ein kühles Helagsbier für 105,- SEK/Flasche


    Die allgemein tolle Atmosphäre, das leckere Essen und die netten Gespräche am Tisch lassen die Preise jedoch vergessen. Ich sitze mit einem jüngeren Mann Mitte Ende 30 zusammen und wir erzählen uns von unseren Reisen. Er ist in Ljungdalen gestartet und hat sich schon am ersten Tag den Arm verletzt. Sein Handgelenk ist angeschwollen wie ein Apfel. Da es aber seine letzten Tage vom Vaterschaftsurlaub sind, hat er sich nicht beirren lassen, und ist trotzdem weiter gezogen.

    Über den Helgas, nach Vålåstugorna, weiter zur Sylarna Fjällstation und gestern wieder hier her zurück. Das alles mit kaputten Handgelenk. Ich frage ihn ob er eine dicke Baumwollbinde zur Stabilisation haben möchte, aber er ist überzeugt das Ibu`s reichen. Ich biete ihm meine Pillen aus der Reiseapotheke an. Es ist das erste und letzte mal auf der Reise, dass ich den Beutel des Medikits öffne, dazu noch nicht mal für mich. So kann es gerne bleiben.

    Die Empfehlung, hier auf den Hütten das Essen zum probieren wenn man mal die Möglichkeit hat, kann ich nur bestätigen. Ein rundum tolles Erlebnis. Vielleicht auch den entbehrungsreichen Tagen zuvor geschuldet, aber was solls. Am Abend liege ich in meinem Bett, schreibe noch etwas im Tagebuch und mache dann bald die Augen zu.

    Morgen geht es hoch hinaus.

    7. Klinken – STF Fältjägaren Fjällstuga (16 km) 685m rauf - 333m runter

    Donnerstag, 15.08.24

    Wetter: regen, windig, kalt


    Um 04:00h morgens werde ich von dicken Tropfen geweckt, welche lautstark auf das Außenzelt prasseln. Da ich gut geschützt liege drehe ich mich kurz um und schlafe sofort wieder ein. Gegen acht drückt dann die Blase und ich muss hoch. Der Regen ist in einen leichten Niesel über gegangen und ich nutze die Gelegenheit, meine Sachen die 50m ins Shelter zu tragen. Dort kann ich mich in Ruhe ausbreiten, Frühstücken und den Rucksack packen. Das Zelt ist beim verstauen noch sehr klamm. Ich fürchte da muss ich mich später noch mal drum kümmern. Vorerst mache ich mich um 09:00h auf den Weg zurück zum ersten Vindskydd in Klinken.

    Von da aus geht es wieder steil bergan, hinaus aus dem Tal. Nach einer Weile höre ich ein plätschern in den Büschen. Ein Wasserfall rauscht neben dem Trail hinab ins Tal. Von der anderen Seit gestern konnte man ihn schon erahnen, nun weiß ich ungefähr wo ich bin.


    Oben angekommen gilt es den Fluß zu queren. Den Kollegen auf dem Campingplatz in Fjällnäs habe ich noch gefragt, ob es irgendwelche Probleme mit Furten gegeben hat. „Nein nein, alles in Ordnung“ war seine Aussage. Heute sieht es etwas anders aus und der Regen hat seine Hausaufgaben gemacht. Viele Steine sind von den Wassermassen verschluckt und ich habe gedanklich schon meine Schuhe ausgezogen.

    *Die kleinen Bäche sind nach dem Regen ordentlich gefüllt


    Nach ein paar Metern Fluß aufwärts finde ich jedoch eine halbwegs geeignete Stelle, die ich mit Hilfe der Trekkingstöcke gut queren kann. Glück gehabt.

    Die Sicht wird mit jedem Schritt schlechter und irgendwann gehe ich komplett im Nebel…oder den Wolken, das ist hier mittlerweile schwer zu unterscheiden. Nur auf die Rentiere ist wiedermal verlass, die sind immer in der Nähe, ganz gleich bei welchen Wetter.

    *mystic Moments


    Ich bin froh als ich nach einer Weile die Schutzhütte Svaaletjahke erreiche. Als ich die Tür öffne kommt mir eine gemütliche Wärme entgegen. Drinnen sitzt ein Vater mit seinen drei Söhnen. Sie warten das gröbste an Schlechtwetter ab. Da der Ofen in den Hütten nur im äußersten Notfall zu verwenden ist, haben die Jungs sich den Gasbrenner angeschmissen und heizen damit ordentlich ein. Mit Vatis Hilfe füllen die Kids das Logbuch aus, welches in den Hütten zur Nachverfolgung der Route ausliegt. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang, während ich mir einen kleinen Snack bereite.

    Unterdessen klart es draußen tatsächlich auf. Die blauen Lücken in der Wolkendecke werden immer größer und ich will die Chance nutzen und weiter ziehen. Bis zur Hütte sind es noch 8km laut Uhr.


    *Es sind die Kleinigkeiten auf die man achten muss



    Der Wind hat sich auch verändert, allerdings nicht zum guten. Er bläst mir heftig entgegen. Teilweise muss ich sogar die Stöcker nutzen und mich zur Windabgewandten Seite abstützen, um nicht aus dem Tritt zu geraten. Wenn das hier oben so weiter geht, habe ich wohl die letzte Nacht in meinem Zelt gelegen.

    (Allgemein kann ich mich mit dem Xmid nicht so 100%ig anfreunden. Es hat einfach zu viele große Flächen, die schon bei mittlerem Wind nicht straff genug sind, um Außen und Innenzelt verlässlich zu trennen. Resultat ist dann eine nasse Innenzeltwand, welche bei meiner Körpergröße wirklich sehr unvorteilhaft ist. Ich brauche eh schon die 2P Variante, damit ich diagonal liegen kann und nicht oben und unten anecke. Dazu kommt, das man im Auslieferungszustand einzig zwei Abspannleinen an den Poles dabei hat und acht mini Heringe. Für die laue Sommernacht wie Gestern im windstillen Tal ist es toll, aber für alles andere in dieser Gegend ist es m.M.n nichts. Hier oben sind die UL Zelte einfach im Nachteil und den Elementen nicht gewachsen. Es hat schon seine Gründe wieso die Skandinavischen Hersteller alle etwas Robuster und schwerer bauen.)

    Ca. 4km hinter der RH gilt es dann doch noch einen größeren Bach zu queren. Und das geht beim besten Willen nicht mit Schuhen. Also alles ausziehen, durchwaten und wieder anziehen. Aber halt! Vielleicht gehe ich erst mal weiter. Der nächste Anstieg ist zwar zu sehen, aber noch etwas hin. Es fühlt sich schon lustig an, wenn der aufgeweichte Boden unter dem Gewicht des Körpers zwischen den Zehen hindurch quetscht. Und das alles bei einstelligen Temperaturen. Aber ich lag mit meiner Vermutung richtig. Die nächste Furt lässt nicht lange auf sich warten.

    Als das geschafft ist geht es wieder einmal bergan. Am Scheitelpunkt des Weges sieht man ganz in der Ferne plötzlich die Fältjägarstugan. Ich bin wirklich froh als ich dort ankomme. Heute ist einfach kein schönes Wanderwetter.




    Ich werde freundlich von der recht jungen Hüttenwirtin begrüßt. Als ich die Küche betrete beginnt sie zügig mit der Einweisung. Von meiner Anmerkung, dass ich über die Regeln auf den Hütten im Bilde bin lässt sie sich nicht abbringe und rattert ihren Text runter.

    Direkt danach greift sie zum Schrubber und wischt meine Fußabdrücke über, welche von den feuchten Socken auf dem Holzboden zu sehen sind. Mir dämmert es, das die gute Frau es nicht so easy nimmt hier oben. Meine Frage, ob wir nicht den Ofen anfeuern können wird verneint. Es würde zu schnell zu warm werden und dann müsste man wieder Lüften. Holz sei hier Mangelware und wenn man nicht erfroren ist unterwegs würde man sich auch so aufwärmen können. Wäsche trocknet auch draußen im Wind.

    Okkeeeeeeeee, dann ist das wohl so. Ich gehe runter zum See um mich im eisigen Wind und noch kälteren Wasser zu waschen. Es ist wirklich kein schönes Ritual, aber der Schweiß muss ja irgendwie runter. Bei der Gelegenheit wasche ich auch gleich mein Kleidung ein mal durch. Oben hänge ich alles auf die Leine und verziehe mich ins Haus.

    Über den Tag verteilt kommen noch ein Vater mit seiner bereits erwachsenen Tochter und drei Trailrunner, ebenfalls von Klinken bzw. Ramundberget. Alle samt Schweden.

    Irgendwann fällt mir auf, das sich wirklich alle im Raum ausschließlich auf Englisch unterhalten. Ich meine es sind Landsleute, sie könnten es auch auf schwedisch tun. Da ich der Sprache jedoch nicht mächtig bin, scheint es wie selbstverständlich, das sie mich mit einbeziehen in ihre Gespräche. Ich bin wirklich gerührt, diese Art der Gastfreundschaft kannte ich noch nicht.

    Am Abend kommt die Hüttenwirtin noch mal vorbei, macht für alle eine Feuerunterweisung, kündigt Schlafen und Frühstückszeiten an und erkundigt sich zum Schluss noch im Namen des STF, ob und wie wir von der Schließung der STF Gåsen erfahren haben. Fehlt nur noch das wir alles Unterschreiben müssen;)

    (Gut das Sie nicht gesehen hat, wie ich mein Außenzelt im Schlafbereich hinter dem Vorhang getrocknet habe. Dann wäre es das für mich gewesen;)

    Morgen Früh soll die Sonne raus kommen, dann geht es schlanke 13km zur Helags Fjällstation.

    Und selbst die schönsten Fotos können nur einen Bruchteil dessen wiedergeben, wie es live vor Ort ist. Das muss man selbst gesehen haben.

    Und die endlose Weite ist wirklich beeindruckend. Die Alpen sind ja auch sehr schön, aber immer nur bis zur nächsten "Wand". Das Gefühl im Fjäll ist wirklich einzigartig

    6. Fjällnäs Camping & Lodges – Klinken (19,6 km) 852m rauf - 934m runter

    Mittwoch, 14.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, warm


    Die Nacht war sehr windig, was aber zur Folge hat, dass es heute keinerlei Probleme mit Feuchtigkeit gibt. Um 06:00h muss ich raus aufs Klo. Bei dieser Gelegenheit nehme ich gleich meine Powerbank mit ins Waschhaus zum aufladen.

    Zurück im Zelt fallen mir sofort wieder die Augen zu. Als ich zum zweiten mal aufwache ist es bereits nach acht. Frühstück steht 08:30h abholbereit in der Rezeption. Ich packe meine sieben Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Ich bekomme einen schicken Korb mit allem was das Herz begehrt. Verschiedene Brötchen, Croissant, Wurst, Käse, Obst, Marmelade, ein Ei, Kaffee, Saft und Milch. Einfach großartig. Um das gebührend zu zelebrieren gehe ich runter zum See, wo ich gestern eine Picknikbank entdeckt habe, und lasse es mir gut gehen.

    *Hiker`s Breakfast am See


    Am Ende ist bis auf den letzten Krümel alles aufgegessen. Endlich mal die Menge an Kalorien, welche meinem Körper nach derartigen Anstrengungen auch zu steht;) Ganz andere Hausnummer als 150g Müsli jeden Morgen.

    Gegen 09:30h bin ich wieder auf dem Trail. Ein kurzes Stück weiter auf der Straße, dann geht es rechts ab den Hang hoch. Die Umgebung kommt einem langsam bekannt vor. In den Hängen der Täler ist immer alles voll mit Birkenwäldern, weiter oben lichten sich diese und es geht in Grasland und Sumpf über.



    *Blick zurück


    Einzig die Berge im Hintergrund nehmen langsam Form an und überragen die eher kleinen Hügel vergangener Tage deutlich. Die Kroktjärnstugan lasse ich nach ein paar Fotos links liegen und gehe auf schmalen Wegen weiter zur Långbrottjärnstuga.

    *Blick voraus


    *Schutzhütte Kroktjärnstugan


    Über den Fluss des Långbrottsjöarna kreuzt eine etwas größere Hängebrücke aus Metall und die wärmende Sonne lädt ein, um bei einer ausgiebigen Rast die Füße im kalten Wasser baumeln zu lassen.


    *Mit dem Arsch im Wind ;)


    *Verlassene Hütte der Samen


    Es gibt Knäckebrot mit Salami, eine Tasse Cappuccino und einen Riegel. Zum zweiten mal liege ich diesen Urlaub nun Oberkörperfrei in der Sonne. (Es sollte tatsächlich das letzte mal bleiben).

    Aus heiterem Himmel rennt plötzlich neben mir ein Rentier quer durch den Fluß. Bis ich mein Handy aus dem Hüftgurt gekramt habe ist er auf der anderen Seite die Böschung hoch und im Fjäll verschwunden.

    Nach der Pause geht es erneut bergauf ins Långbrottfjället. Die Felsen sind nun ganz verschwunden und die Landschaft besteht ausschließlich aus Grashügeln. Plötzlich kommen mir fünf Wanderer innerhalb von 10min entgegen. So viele habe ich die ganzen letzten Tage nicht gesehen.

    Oben angekommen gibt es einen ersten Blick auf den Helags. Auch der vorgelagerte, 1.681m hohe Predikstolen ist auf den Bildern zu erkennen. Das ist mir aber erst hinterher aufgefallen. Mein Ziel für die nächsten Tage ist also schon sichtbar, das motiviert und steigert die Vorfreude.

    *Helags voraus


    Hier oben ist es eigentlich ganz schön, jedoch macht der fast schon stürmische Wind einen längeren Aufenthalt recht ungemütlich. Hinter dem Klastjärnen See geht der Trail langsam wieder Bergab ins Tal und sobald man aus dem Wind heraus ist, sind gefühlte 25°. Die steigenden Temperaturen und die drückende Luft kommen mir komisch vor. Ein Blick in die App bestätigt meine Befürchtungen…Gewitter im Anmarsch.

    *Das Grüne Tal von Arryn, ähh Klinken


    *Brücke über den Ljusnan

    *Trinkwasserqualität an jedem Bach

    *alter Heuschober im Klinkental


    In der Talsohle angekommen führt eine Brücke über den Fluss Ljusnan, wo sich direkt auf der anderen Seite der Shelter befindet. Aber irgendwie kann ich mich mit diesem Spot nicht anfreunden. Es ist dieses Gefühl, was ab und an mal sagt: „Hier nicht!“

    Ich habe in der Vergangenheit immer gut daran getan, darauf zu hören. In der Karte ist Flußabwärts noch ein weiteres Shelter eingezeichnet und die Schilder zeigen an, das es 1,5km bis dahin sind. Die gehe ich nun auch noch. Wenn es nichts ist komme ich halt wieder zurück.

    Gesagt getan, beim zweiten Shelter gefällt es mir deutlich besser. Zugegeben ist es eher ein Bushaltestellenhäuschen als ein Shelter, aber die Vibes hier sind besser. Ich baue mein Zelt am Fluss auf und bereite im Anschluss einen Topf Spaghetti Bolognese.

    *Ein einfacher Unterstand steigert den Komfort bei Regen um 100%


    *erste Reihe


    Hier in der Nähe zu Ramundberget besteht sogar Handyempfang und die Akkus sind alle voll. Deshalb gönne ich mir heute um 18:00h mal die Blaue Stunde auf NDR1, während ich ein paar Dehnübungen mache und die gute Zeit genieße. Für den mentalen Akku einfach Gold wert.

    Und tatsächlich muss ich zum ersten mal auf dieser Reise mein Mückennetz auspacken. Der Wanderer auf dem Camper hatte es mir für das waldige Tal bereits prophezeit. Bislang konnte es problemlos im Rucksack verweilen, aber das Wetter, das viele und hohe Gras sowie die Nähe zum Fluss sind wohl eine gute Mischung für Mücken bzw Knots. Aber auch das tut der guten Stimmung heute keinen Abbruch.




    Ab und an kommt eine Gruppe mit dem E-Bike aus Ramundberget vorbei, aber sonst bleibe ich für mich alleine. Den Abend verbringe ich mit Tagebuch schreiben und Tagesplanung für morgen. Da es ab heute Abend die nächsten 24h regnen soll, buche ich ein Bett in der Fältjägarstuga. Das werden dann morgen 14km im Regen, aber mit Aussicht auf eine richtiges Bett und einen warmen Ofen stellt das kein Problem dar.

    Bis zum Einschlafen bleibt der Regen weiterhin aus

    5. Gaalovenjohke – Fjällnäs Camping & Lodges (21,2 km) 612m rauf - 673m runter

    Dienstag, 13.08.24

    Wetter: heiter und kalt


    Um 06:20h werde ich wach und wundere mich, wieso die Sonne noch nicht aufs Zelt scheint. YR sagt ab frühen Morgen Sonne voraus. Der Blick aus dem Zelt schafft Klarheit. Sie steht noch nicht hoch genug, um über das Rödfjället mit stolzen 1243m zu scheinen.

    Die Nacht war wieder mal recht feucht. Die Nähe zum Fluß und die Windstille haben alles in der Umgebung mit einer Schicht Morgentau überzogen. Mit meinem 40x40cm Allzweckhandtuch wische ich die Feuchte von der Zeltwand ab und hänge die Wäscheleine um in die ersten Sonnenstrahlen. Danach gehe ich hinunter zum Wasser um zu Frühstücken. Ich kann mir alle Zeit der Welt lassen, denn so kann ich nichts einpacken. Gegen 09:00h bin ich dann abreisebereit.

    Es geht durch dichten Birkenwald hoch hinauf über die Hänge des Rödfjälls, was am frühen Morgen eine ernsthafte Anstrengung darstellt. An der Broktjärnskojan verschnaufe ich kurz und inspiziere die neu erbaute Hütte. Sie ist mit einem Ofen, gehackten Holz, Axt und Säge sowie einer Alu-Notfallkiste ausgestattet. Darin befindet sich alles was man zum Überleben benötigt, von nagelneuen Trangiazubehör bis hin zur Trockenration. Alles unversehrt und einsatzbereit. Wäre bei uns leider kaum vorstellbar.



    *Schutzhütte Broktjärnskojan


    Die Hütte ist aber erst der Anfang des Berges. Die nächsten Kilometer gehen weiter steil Bergan.


    Oben angekommen freue mich über den Ausblick, welcher den Weg der letzten zwei Tage erahnen lässt


    *hinten rechts das Skedbrofjäll, links dahinter der Bustvålen am Rogen

    *Kilometerweite Sicht nach Norwegen


    An dem moosbedeckten Bächlein fülle ich meine Flasche auf und bemerke beim Blick aufs Handy, das tatsächlich hier oben mal wieder Empfang ist. Ich nutze die Gelegenheit um mich zu Hause zu melden. Denn seit der Nacht an der Rogenstuga gab es kein Lebenszeichen mehr von mir.

    Beim Blick zurück erklärt es sich auch, wieso der Berg Rödfjäll heißt. Im Herbst muss es hier einfach herrlich aussehen.


    *Das Rödfjället


    Der Weg wird zunehmend besser und auch die Steine sind plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Ich erreiche nach vier Tagen das Ende des Rogen NP, auf das durch eine kleine Schautafel hingewiesen wird.


    *Das Ende des Rogen NP, im Hintergrund das Skedbrofjäll


    In der Ferne sieht man schon die ersten Bergkuppen des Hamrafjälls und noch weiter hinten ein paar letzte Schneefelder. Langsam wird es spannend.

    *bessere Wege Richtung Hamra



    An der Gabelung kurz hinter dem NP biege ich rechts ab Richtung Tänndalen, über den Bach Svanån und entlang des Sees Svansjön. Der Weg ist gut ausgelaufen und ich kann lange Meter machen. Ein ganz anderes Gehen als noch auf den steinigen Wegen zuvor.


    *Traumhaus


    Während einer Kaffeepause am Bach realisiere ich, wie viele Touristen hier umher spazieren. Nun scheint es wohl vorbei mit der Ruhe. Die Menschen beschränken sich allerdings auf einfache Wege, gut begehbar und am besten nicht weiter als 1h entfernt. Mein Weg entlang des Svansjön scheint allerdings wenig begangen zu sein.

    Die Strauchweiden werden immer dichter und zwischendurch verschwindet der Pfad dann endgültig. Hinzu kommt natürlich noch Wasser und Sumpfboden. Es sind glücklicherweise nur ein paar Abschnitte und nach guten 1 1/2h erblicke ich das Skigebiet/Bikepark von Tänndalen.



    Um so näher ich komme, um so erschreckender finde ich die ganze Kulisse. Aber man kann es nicht ändern. Die Leute hier sind wohl auf den Tourismus angewiesen und im Endeffekt kann ich mich davon ja nicht ausnehmen, nur weil meine Art der Reise zu Fuß ist, statt mit dem Bike. Trotzdem möchte ich nicht länger bleiben als es sein muss.



    *Schattenplatz


    *Ferien - Wohnpark ohne eine Menschenseele


    Was mich stutzig macht, ist, das niemand weit und breit zu sehen ist. Das ganze gleicht einer Geisterstadt wie aus dem Film. Unten vor den roten Häusern steht ein Kinderkarussell mit vier Reifen, befestigt an vier Armen, welches von alleine seine Runden dreht. Die Fallout Serie könnte es nicht besser darstellen. Es ist wirklich spooky.

    Ich erblicke einen Sportstore, wo ich gleich die Gelegenheit wittere, mir ein paar Handschuhe zuzulegen. Ich bin wirklich nicht zimperlich, aber der andauernde und kalte Wind hat mich schon so manche Nerven gekostet. Und die Richtigen Berge kommen ja erst noch, da will ich wenigstens etwas vorbereitet sein.

    Gesagt getan. Bikehandschuhe zum Downhill fahren müssen es richten. Die gefütterten Heestra waren mir dann doch etwas zu teuer. Der Verkäufer im Shop fragt mich ob ich auch die Polarlichter in der Nacht gesehen habe. Die sozialen Medien sind voll damit. Leider habe ich das nicht. Es hätte das Fass der Glückseligkeit gestern wahrscheinlich auch zum überlaufen gebracht. Traurig bin ich nun trotzdem etwas, diese Chance hier oben verpasst zu haben.

    Das gesparte Geld der Handschuhe gebe ich 100m weiter im Hamra Livs aus, wo es eine Packung Nudeln, neues Müsli, zwei Dosen Bier und eine Tafel Schokolade gibt. Zum Abendbrot einen Salat mit Baguettestange. Weiter geht es entlang der 84 Richtung Fjällnäs Camping & Lodges. Ein Päärchen, welches ich in der Storrödtjärnstuga kennengelernt habe, hat mir den Platz inkl. des Hikers Breakfast empfohlen. Das werde ich mir ansehen.

    Nach 500m auf dem Asphalt habe ich allerdings die Schnauze voll von der Straße und halte das erste mal in meinem Leben den Daumen raus. Und tatsächlich dauert es nicht lange bis ein Norweger auf Einkaufstour anhält und mich zum einsteigen auffordert. Keine Frage wohin und wozu, einfach rein. Noch bevor wir uns richtig kennenlernen rauscht das Schild des Campers an uns vorbei und wir halten an. Danke für die tolle Fahrt.

    Der Platz liegt zwischen der Landstraße 84 nach Norwegen und dem See Malmagen. Mittig steht ein altes „Bauernhaus“, welches die Rezeption, Sanitären Anlagen und eine Küche beinhaltet. Runter Richtung See gibt es einen großen Schotterplatz für die Camper und Wohnmobile, ebenfalls Holzhütten zum mieten. Die Zeltwiese liegt oben an der Straße mit einem großen Tipi drauf für die Glampingfreunde.

    In der Rezeption gibt es auch das ein oder andere für Wanderer zu kaufen wie z.B Gaskartuschen, Trekkingnahrung, Süßes usw. Kein ausgestatteter Outdoorladen, aber ähnlich den Vorräten auf den Stugas würde ich sagen.

    Ich Buche eine Nacht im Zelt, das Frühstück für morgen und für den Abend die Sauna. Obwohl mein Zelt unmittelbar an der Straße steht, wird es abends ruhiger, sobald der Laden im Dorf zu hat und der Verkehr gen Null geht.

    Nachdem alles aufgebaut ist esse meinen Salat und begebe mich zum aufwärmen und entspannen mit meinem Multihandtuch in die Bastu ;)




    Als ich wiederkomme hat ein junger deutscher Wanderer neben mir Quartier bezogen. Er geht den Weg von Norden aus und hat einige Storys aus dem Fäll zu gebrochenen Zeltstangen und zerrissenen Zelten im Gepäck. Es ist kein Zuckerschlecken oben im Helags.

    Wir erzählen von unseren Erlebnissen auf dem Trail und geben uns gegenseitig Tipps für die nächsten Tage. Endlich im Schlafsack, genieße ich die Vorzüge des W-Lan, schaue mir noch Bilder an und schlummere dann friedlich und erschöpft ein.

    4. Rödviken Vindskydd – Gaalovenjohke (18,3 km) 502m rauf - 412m runter

    Montag, 12.08.24

    Wetter: Heiter, kalt, windig



    Da der gestrige Tag mit 9km recht kurz und ich am Abend früh im Bett war, ist meine Bodybattery fast auf auf 100%. Ein gutes Zeichen für die heutige Etappe.



    Die Nacht war wärmer als erwartet und durch den offenen Windschutz gab es keine Probleme mit Kondens oder ähnlichen. Da nichts abzubauen, ist läuft die morning routine heute besonders schnell ab. Waschen, Kaffee trinken, Müsli essen, Sachen in den Rucksack und los.

    Ich verabschiede mich von den Jungs, die teilweise noch im Schlafsack liegen, und bin um 08:30h unterwegs.

    Der Himmel ist grau in grau, der Wind bläst unverändert von schräg hinten in den Nacken und so bleibt auch meine Kapuze am heutigen Tag wieder unentbehrlich. Gut, dass mein neuer Hut Kinnriemen hat, so sitzt er zuverlässig auf meinem Haupt.


    *eisiger Wind, wie jeden Tag


    Wie auch die letzten drei Tage geht es auf steinigen Singletrails weiter Richtung Norden. Vorläufiges Ziel heute, der Fluss Gaalovenjohke in gut 20km Entfernung.

    Gleich zu Beginn geht es etwas Bergan, herum um den Bustvålen zur Kreuzung Revahütten. Zwischendurch zeigt sich immer wieder der Rogen durch die Bäume. Im Hintergrund hängen dicke graue Wolken, die auch den ein oder anderen Regenschauer im Gepäck haben.

    Von der Kreuzung ist es nur ca. 1km bis zur Norwegischen Grenze. Ich biege hier allerdings rechts ab Richtung Skedbrostugan.

    *Im Hintergrund der Rogen, an dessen Ufer gelangt man allerdings nur selten


    Plötzlich ändert sich der Trail. Die Steine werden größer, die Landschaft wird rauer, öffnet sich und ich kann von oben in das Tal vor dem Skedrbofjället sehen. Es verschlägt mir die Sprache.

    *Blick ins Skedbrofjäll

    Es scheinen immer mehr blaue Lücken durch die Wolkendecke, welche die Spitze des gegenüberliegenden Berges fest umschlossen hält. Dazu die saftig grünen Kiefern…das Bild ist perfekt.

    Etwas weiter wird mein Weg von einer Gruppe Rentieren versperrt. Auch sie scheinen die Holzplanken zu nutzen, um leichter im sumpfigen Gelände voran zu kommen.




    Wir konnten uns allerdings ohne Probleme einigen und ich durfte passieren. Der weitere Weg wird immer beeindruckender. Die Kulisse wechselt irgendwo zwischen Herr der Ringe und Winnetou. Kleine Berge ganz aus Stein, über die es auf und ab geht, vorbei an Jahrhunderte alten Baumskulpturen. Bislang ist es eindeutig der schönste Abschnitt des gesamten Weges.



    *Da liegen ein paar Jahrhunderte auf der Seite


    Ich bin froh, als ich in der Ferne die wehende weiße Fahne der Skedbrostugan ausfindig machen kann. Trotz ständiger Bewegung bin ich durchgefroren, die Hände schmerzen vor Kälte. Ein paar Handschuhe wären toll, und das mitten im August.


    *Sekdbrostugan


    Nach kurzer Absprache mit dem Hüttenwirt darf ich eintreten. Auch wenn man sich mit eigenem Brenner nur eine Tüte Suppe warm machen will, werden 40SEK Servicegebühr fällig, als Mitglied im STF wohlgemerkt, sonst 80SEK. Aber gut, wir wollen nicht knauserig sein und einen warmen Ofen kann ich wirklich gebrauchen. Dieser knistert auch schon leise vor sich hin, als ich die Küche betrete. Ein weiterer Mann liegt in seinem Bett und liest ein Buch. Der einzige Gast vor Ort.

    Als mein Teekesselchen auf dem Ofen köchelt, kommen wir ins Gespräch. Er ist Angler und eigentlich mit dem Packcraft unterwegs, doch auf Grund des Windes musste er seine Plänen ändern und nun das beste draus machen. Einquartiert hat er sich in der Stuga und befischt nun die umliegenden Seen. Wir tauschen uns über das Angeln, die schwedischen Gepflogenheiten und Gott und die Welt aus. Mein Englisch wird von Tag zu Tag flüssiger und die Verständigung klappt, wenn auch teils mit Händen und Füßen, recht gut.

    Die Zeit vergeht wie im Flug und nach einer Tasse Cappuccino und einem Teller Tomatensuppe rödeln wir Beide langsam zusammen. Er will noch auf den See, Rotforellen fangen und anschließend hoch ins Skedbrofjäll, Ausschau halten nach Moschusochsen. Ich will weiter zu meinem angepeilten Rastplatz.


    *Skedbrofjället (1138m) mit Skedbrosjön

    Wie vorausgesagt ist zwischenzeitlich der Himmel vollends aufgeklart und richtig gutes Wanderwetter. Gut gelaunt geht es voran, als wie mit dem Pinsel gezogen plötzlich die Steine aufhören und ein weiteres Stück Sumpfland auftaucht.



    *keep on!

    Langsam entwickelt die sich die Landschaft weiter zu einer Art Seenplatte. Rechts und links überall Wasser, mittendurch der Trail als kleiner Trampelpfad in Kniehohen Blaubeersträuchern und Heidekraut.



    Hinter der nächsten Kurve tut sich ein Spot mit Mega Aussicht auf. Der Platz wirkt auf den ersten Blick sehr einladend, doch leider ist der Boden äußerst uneben und klitsch nass. So sehr ich mich auch anstrenge einen geeigneten Platz für mein Zelt zu finden, muss ich am Ende einsehen, dass es nichts wird. So weit kann es aber auch eigentlich nicht mehr sein.


    *was für ein schöner Platz


    Ich gehe rechts entlang des Dalstenhån, bis ich an dessen Ende wieder auf den Winterweg treffe. Von da an geht es erneut etwas hoch auf eine Anhöhe und langsam kommt in mir die Frage auf, ob und wie man hier bloß zelten soll? Hoffentlich habe ich mich nicht verzettelt bei meiner Recherche.

    Ein weiteres mal geht es Bergab und als die Kiefern langsam weniger werden, komme ich unter einem Blätterdach aus Moorbirken auf eine Lichtung. Das Tal macht den Eindruck eines ausgewaschenen Flussbettes, feiner weißer Kiesel auf den Wegen, verkrüppelte Moorbirken hier und da und immer wieder ebene, moosbedeckte Plätze zum Zelten. Im Hintergrund reihen sich die Berge aneinander, der glasklare Fluß schlängelt sich einmal schützend um den Platz durch grasbedeckte Moorlandschaft.


    *Im Hintergrund links das Rödfjället


    *der Fluss Gaalovenjohke


    Einfach ein mega Platz und ein toller Tag. Auf jeden Fall bisher der schönste der Reise, wenn nicht sogar der letzten Jahre. Ich bin hin und Weg und langsam gehen mir die die Superlativen aus. Ein großartiges Gefühl von Dankbarkeit überkommt mich für diese schöne Zeit.

    *Zelten in einem Bilderbuch. Die Götter meinen es heute gut mit mir


    Nachdem die Euphorie wieder etwas abgeklungen ist gehe ich zur Tagesordnung über. Ab 15:00h geht das heute ausnahmsweise Oberkörperfrei. Wäsche waschen, Zelt aufbauen, sich selber waschen, und ein Doppelpack Nasi Goreng von Travellunch zubereiten, im Anschluss ein kleines Nickerchen auf der recht neuen Holzbrücke. Während ich dort so liege, kommt in diesem Moment die einzige Person des ganzen Tages daher, geht wortlos über die Brücke und verschwindet wieder über den Berg zwischen den Birken.



    *Meine Küche. Topf, Schüssel und Kaffeebecher in einem


    Am Abend sammele ich noch etwas Holz um endlich mal mein Lagerfeuer zu entzünden. Das gehört auf so einer Reise bei so einer Kulisse für mich einfach dazu. Die trockenen Äste der Birken scheinen auf den ersten Blick ok, aber in den Flammen qualmt das Holz mehr als es brennt. Es ist mit viel Arbeit verbunden das Feuer am Leben zu halten, und so beschließe ich bei Einbruch der Dunkelheit ins Bett zu gehen. Besser kann es heute auch einfach nicht mehr werden .



    3. STF Rogenstugan – Rödviken Vindskydd (8,5 km) 178m rauf - 202m runter

    Sonntag, 11.08.24

    Wetter: heiter bis sonnig, kalt

    Am nächsten Morgen werde ich um 07:00h vom Regen geweckt. So war das aber nicht abgemacht! Da die nächsten Etappen mit den Kilometern etwas unpassend liegen, und ich dadurch heute eh nur 9km gehen will, habe ich keinerlei Zeitdruck und bleibe einfach liegen. Nach einer Stunde prasseln die Tropfen immer noch auf die Außenhaut des Zeltes, also beschließe ich mein Frühstück in den Apsiden zuzubereiten. Schließlich wird das Zelt mit eben diesen großen Apsiden beworben, dann soll es mal zeigen was es kann.

    Mit dem Müslibecher in der Hand studiere ich mal wieder die Karte. Ehrlicherweise kann man bei genauerer Betrachtung der Karte mehr wissenswertes entdecken, als im TV-Programm zu Hause. Vielleicht behalte ich dieses Ritual einfach daheim bei.

    Die Tropfen werden weniger, also mache mich langsam fertig für den Tag. Leider muss ich dabei feststelle, dass ich irgendwo meine Zahnbürste verlegt habe. Ich trockne noch schnell das Zelt mit meinem Handtuch und mache mich im Anschluss auf zur Rogenstuga, in der Hoffnung, eine neue Zahnbürste im Shop zu finden.

    Gerade als ich eintreffe, tritt der Hüttenwirt aus der Tür. Er und seine Frau wollen eine Wanderung unternehmen, um irgendetwas zu besorgen. Perfektes Timing. Tatsächlich werde ich fündig und kehre mit einer neuen Bambuszahnbürste, Blå Band Tütennahrung und Kex Waffelgebäck zum Zeltplatz zurück.

    Der Wind hat in der Zwischenzeit ganze Arbeit geleistet und das Außenzelt ist fast getrocknet. Ich packe alles ein und bin gg 10:00h reisefertig.

    Es geht über kleine Wanderpfade, die sich immer wieder mit langen Metern an Holzplanken abwechseln. Vorbei an viel Moor und Grasflächen, Rentieren und Bachläufen. Ich denke an die drei Männer in der Schutzhütte, als sie den Rogen mit „random Forest“ beschrieben habe. Das trifft hier ganz gut zu. Spektakulär ist es nicht.




    Von den vielen kleinen Seen nördlich des Weges bekommt man leider nichts zu Gesicht, was sehr schade ist. Auch der Rogen schimmert nur ab und zu in der Ferne. Auf dem letzten Abschnitt vor dem Shelter nehmen die Steine wieder zu und der Wald wird dichter.

    Plötzlich taucht ein kleines Schild auf…links ab zum Vindskydd. Es geht ca. 50m einen Hang hinunter und auf halben Wege glitzert schon die Sonne auf der Wasseroberfläche durch die Baumreihen hindurch. Der Platz ist wunderbar gelegen und durch die vorgelagerte Halbinsel vor Wind geschützt. Noch dazu ist niemand anzutreffen, herrlich. Einzig das Platzangebot für Zelte ist äußerst beschränkt. Die Feuerstelle ist mittig vor dem Shelter gelegen und je nach Windrichtung entweder ein Feuer, oder das Aufbauen der Zelte nicht möglich.

    Da ich ganz alleine bin, beschließe ich das Zelt eingepackt zu lassen und dafür ein schönes Lagerfeuer zu machen. Einen Schlafplatz richte ich mir innerhalb der Hütte aus den Bänken her, die dafür aber noch in der Höhe angepasst werden müssen. Eine kleine Fummelei, aber Zeit habe ich ja heut genug.





    Das Bett ist gemacht. Als nächstes steht Feuerholz auf dem Plan. An der Kreuzung oben auf dem Weg ging es auch zur anderen Seite weiter, dazu alte Kiefern weit und breit, die wiederum hervorragendes Brennholz versprechen. Also machte ich mich auf den Weg.

    Nach ca. 300m komme ich zu den vorhin erwähnten kleineren Seen, nördlich des Trails. Einige Fischerhäuschen und Boote liegen am Ufer, in der Ferne Rentiere beim grasen, eingebettet in einer friedlichen Ruhe, welche nur durch das Rauschen des Windes unterbrochen wird. Ratz fatz habe ich zwei Arme voll Holz zusammen und mache mich wieder auf den Heimweg.



    Wieder am Shelter angekommen, bilde ich mir ein, plötzlich eine Rentierglocke zu hören, wie man sie von den Kühen im Allgäu kennt. Diese Glocke stellt sich allerdings als Alutasse heraus, welche außen an einem Rucksack baumelt. Vier Kanuten aus Deutschland sind auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Nach einigen Überlegungen und einer ausgedehnten Kaffeepause beschließen die vier hier zu bleiben, und kurze Zeit später steht der ganze Platz voll mit vier Einpersonenzelten. Kreuz und quer, krumm und schief. Ihr erinnert euch, ich hatte schon Bedenken bei einem ;)

    Seis drum, das Feuer hatte sich für den Abend erledigt und ich beschließe für mich, die öffentlichen Plätze in Zukunft so gut es geht ganz zu meiden.

    Mit einem Podcast auf den Ohren sinke ich schon bald in den Schlaf.

    Im Nachhinein könnte man den Weg sogar in Teilen mit der HM gehen. Man müsste nur die Etappen auf die grünen Täler verteilen. Töfsingdalen NP ist auf jeden Fall geeignet zum Hängen, der Rogen sowieso. Und es kommen noch weitere Möglichkeiten. Oben im Hochfjäll um Helags muss man dann auf die Hütten ausweichen. Aber dazu später mehr...

    2. Storrödtjärnstugan – STF Rogenstugan (17 km) 494m rauf - 604m runter

    Samstag, 10.08.24

    Wetter: heiter bis sonnig, windig



    Um 06:00h morgens wurde der erste Rucksack gepackt. Das Rascheln der Tüten holt mich aus dem Schlaf. Ein älterer Mann, welcher einst von Deutschland nach Norwegen gezogen ist, will aufbrechen. Am gestrigen Tag hatte er schon 600km in den Beinen und wollte noch weiter bis Sälen. Bewundernswert.

    Eine halbe Stunde später schiebe ich vorsichtig den schweren Stoffvorhang bei Seite und sehe, das die Vorhersage recht behalten hat. Die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Ich nehme alles, was ich zur Morgenhygiene und zum Frühstück benötige, mit aus dem Haus und genieße draußen mit einer Tasse Kaffe das hier und jetzt.

    Alles ist ruhig, keine Menschenseele, die Sonne zaubert ein tolles Licht, man hat nichts von all dem Luxus zu Hause greifbar, nicht mal Strom, und trotzdem verspürt man eine ungewohnte Dankbarkeit. Dankbar, all das hier erleben zu dürfen. Es ist ja niemandem vorenthalten, aber die wenigsten kommen auf die Idee, es einfach mal zu machen.

    *Fältjägarnstuga



    Anscheinend habe ich eine ganze Weile im „hier und jetzt“ verbracht, denn unbemerkt steht plötzlich die Hüttenwirtin mit ihrem Dackel neben mir, und erkundigt sich, ob ich gut geschlafen habe und ob alles in Ordnung sei. Ich scherzte, das nur eine Hand voll Moltebeeren den Tag noch besser machen könnten.

    „ there is a secret Spot behind the House with lots of berries“ entgegnet sie mir. Sie müsse nur kurz mit dem Hund eine Runde gehen, dann würde sie es mir zeigen.


    Ich war baff. Moltebeeren kannte ich sonst nur von Fotos oder Erzählungen. Und die Frau hielt Wort. Kurze Zeit später hatte ich mein Töpfchen ausreichend gefüllt und war bereit für das beste Frühstück seit langem.



    Es folgt die tägliche „morning routine“ mit Sachen packen, Wanderkleidung anziehen, dies das, etc. Um 09:30h geht es auf Richtung Rogen NP.

    Meine frisch geschnürten Schuhe muss ich bereits 200m hinter der Hütte wieder ausziehen. Die Holzbohlen sind derart überschwemmt, das trotz Goretex trockenen Fußes nichts machbar ist. Dieses Spielchen setzt sich mehrmals fort. So gehe ich vorerst die nächsten Meter einfach Barfuß weiter.

    *weiter Richtung Rogen NP


    Nach dem Sumpfgebiet geht es auf gewundenen schmalen Pfaden Bergab zur Grenze des Rogen NP und im weiteren Verlauf des Weges wechseln die Passagen zwischen vielen Metern Holzplanken über Grasland und Sumpf sowie steinigen Abschnitten auf kleinen Wegen.

    *Hier beginnt der Riese aus Fels und Stein



    An der Brücke vor dem Vindskydd am Südende des Rogensee`s fülle ich noch mal meinen Wasservorrat auf, bevor ein langer und steiler Anstieg zum „Gipfel“ des Tandsjövålen (993m) auf mich wartet.

    *südlichser Zipfel des Rogensee`s


    Ab hier werden die Wege tatsächlich sehr abenteuerlich. Trittsicherheit und Gleichgewichtssinn sind eine Grundvoraussetzung, um hier weiter zu kommen.


    Ich muss kurz lachen, als ich daran denke, wie ich bei den ODS gefragt habe, ob der Weg mit dem Wanderwagen machbar sei. Völlig absurd ;).

    Auf halber Höhe gelangt man auf eine Art Hochplateau, teils mit flachen, heideähnlichen Sandflächen, die sogar einen Zeltplatz ermöglichen würden. Kurz vor den letzten Höhenmetern mache ich eine ausgedehnte Mittagsrast im strahlenden Sonnenschein, mit Cappuccino, Powerbar und warmen Porridge



    *Stromversorgung läuft einwandfrei


    Frisch gestärkt geht es an die letzten Höhenmeter. Allgemein ist es nicht sonderlich steil, aber der langgezogene, stetig ansteigende Weg, teils über esstischgroße Steine laugt auf Dauer aus.

    *Blick zurück


    Kurz vorm Gipfel zeigen sich die ersten Rentiere. Ruhig grasend stehen sie überall verteilt am Hang. Ein toller Anblick, auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Sie haben jedoch immer ein Ohr und ein Auge auf den störenden Wanderer gerichtet, um im Zweifelsfall schnell das Feld räumen zu können.

    Oben angekommen hat man einen phantastischen Blick über einen Großteil des Rogens. In der Ferne sieht man, wie teils kräftige Schauer niederregnen.

    Oft habe ich gelesen, dass die Leute hier enttäuscht im Regen oder dichten Nebel standen. Das Problem habe ich nicht. Allerdings macht der Wind einem längeren Aufenthalt einen Strich durch die Rechnung. Ohne meine dünne Kapuze, welche ich stets als Nackenschutz unter dem Hut trage, wären die letzten Tage schon äußerst ungemütlich geworden.



    *Blick über den Rogensee


    Nach einer kleinen Fotosession und einem Videocall, um meine Begeisterung teilen zu können, geht es auf der anderen Seite des Berges wieder hinab. Auf einsamen Singletrails beginnen schon bald die Bäume wieder die Oberhand zu gewinnen.


    *Moosetraps ?(


    Unten im Wald verweisen Infotafeln auf die Geschichte dieser Gegend. Einst wurden hier Elchgruben (Moosetraps) ausgehoben, um den majestätischen Tieren zu Leibe zu rücken. Grauenhaft, wenn ihr mich fragt. Aber so war es nun vor langer Zeit gang und gäbe.

    Im weiteren Verlauf des Weges quere ich eine größere Holzbrücke über den Stor-Tandsjön und eine Wohnsiedlung mit Ferien-, bzw. Sommerhäusern. Mich zieht es jedoch geradewegs zur Rogenstugan.

    Dort angekommen treffe ich auf den noch recht jungen Hüttenwirt. Schnell kommen wir ins Gespräch, da ihm als erstes meine leichten Trailrunner auffallen und er interessiert nachfragt. So etwas sieht man hier unter Einheimischen eher selten.

    Im weiteren Verlauf des Gesprächs ergibt sich die Möglichkeit, kleinere Annehmlichkeiten wie die Sauna, auch ohne Hüttenaufenthalt nutzen zu können. Dafür wird dann zwar eine Servicegebühr fällig, die aber dank Mitgliedschaft auch wieder günstiger ausfällt als normal.

    Das kommt mir sehr entgegen, da ich eigentlich eine Nacht im Zelt für heute fest eingeplant hatte. Der Wind weht zwar teils stürmisch aus West, aber wenn sich ein Plätzchen finden lässt, wo es nicht so drückt, geht es an!

    Nach einem kleinen Einkauf im Stuganshop geht es mit einer Dose Bier, einer Tafel Schokolade, Knäckebrot und Salami für das Abendbrot auf Entdeckungstour.

    *Rogenstugan


    *erstmal um das wichtigste kümmern


    In zweiter Reihe auf dem Hauseigenen „Zeltplatz“ werde ich unter einer alten, angekippten Kiefer fündig. Der Platz passt perfekt für mein Zelt. Zwar ist der Boden etwas sumpfig, aber das Groundsheet regelt den Rest.



    *traumhafter Campspot


    *Die Uhr lädt ohne Probleme direkt am Panel


    Um 18:00h ist die Sauna fertig angeheizt. Eigentlich erst die Damen, dann die Herren, und im Anschluss gemischt. Da sich die Nachfrage unter den Damen aber in Grenzen hält, kann jeder sofort hinein. Direkt am Seeufer gelegen, mit Holzofen befeuert, ist das etwas, was ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen möchte.


    *links zwischen den Bäumen die Saunahütte


    Zusammen mit einem Österreicher, welcher hier auf Grund des Windes seit Tagen fest sitzt, verbringe ich den Abend in der Sauna. Zum abkühlen geht es in das kalte Wasser des kristallklaren Sees. Bei mannshohen Wellen ist das am heutigen Tag noch die Kirsche auf der Sahnetorte.

    Nach intensiven Austausch über unsere Touren und Abenteuer, zur Abwechslung mal wieder auf deutsch, geht es noch kurz für den Sonnenuntergang an den See und danach erschöpft aber glücklich ins Bett. Was für ein toller Tag!


    1. Övre Fosksjön – Storrödtjärnstugan (20,5 km) 509m rauf - 494m runter

    Freitag, 09.08.24

    Wetter: Bedeckt mit einsetzenden Regen, kalt, windig


    Am Abend liege ich noch lange wach. Die vielen neuen Eindrücke und die späte Wanderung lassen mich vorerst nicht einschlafen.

    Später in der Nacht wache ich auf und bemerke wie klirrend kalt es ist. Mein 300er Cumulus LiteLine mit Comf. +4° ist definitiv am Ende. Dazu kommt eine Luftfeuchte von gefühlten 100%. Es ist wie zelten mitten in einer Wolke. Das Fußende des Schlafsacks fühlt sich auf der Außenhaut feucht an. Bei einer Kontrolle mit der Kopflampe stelle ich aber fest, das ich von der Zeltwand locker noch gute 15cm entfernt bin. Daher kann es also nicht kommen. Zusätzlich zu meinem Longsleeve und dem Pullover ziehe ich mir den Atom Hoody an und die Kapuze fest über den Kopf. Über das Fußende kommt vorsichtshalber die geschlossene Regenjacke, nicht das es doch noch anstreift.

    Ab 05:00h bin ich erneut wach. Bei meinem Toilettengang entschädigt die aufgehende Sonne allerdings die nächtlichen Unstimmigkeiten.



    Da die Wetterapp ab 11:00h durchgehenden Regen vorher sagt, beschließe ich noch kurz zu chillen und dann den Tag frühzeitig zu beginnen. Es gibt das erste Frühstück, bestehend aus Oatsome Smoothie mit Hafermüsli und einer Tasse Kaffee. Nach dem Zeltabbau bin ich um 07:30h wieder auf dem Trail.




    Der Himmel ist anfangs freundlich, bezieht sich aber mit der Zeit. Der Wind treibt weiterhin kalt und ungemütlich von hinten an. Nach ca. 3 1/2km auf breiten Pfaden geht es rechts ab Richtung Töfsingdalens NP. Im Internet ist wenig darüber bekannt bzw. geschrieben und es wird von einer weglosen Gegend mit hunderte Jahren alten Bäumen und haushohen Felsbrocken berichtet. Ein kleiner felsiger Abstieg führt hinunter zu den Schutzhütten am Särsjön See.



    Die zwei Shelter liegen recht nah bei einander und sind gut ausgestattet mit viel gerader Fläche und Platz für Zelte. Andere Wanderer treffe ich hier allerdings nicht an. Etwas weiter unten am See befinden sich auch noch ein paar „Ferienhäuser“, die meist von Anglern über eine Institution der Kommune (Name leider entfallen) gemietet werden können.



    Für mich geht es allerdings weiter auf kleinen, von Kiefernnadeln bedeckten Singletrails Richtung Hävlingestugorna. Kurz vor den Hütten kommen mir drei junge Männer mit dicken Rucksäcken entgegen. An jedem Rucksack steckt eine Fliegenrute senkrecht dem Himmel empor. Es bleibt aber bei einer freundlichen Begrüßung und jeder geht weiter seinen Weg.

    An der Hävlingestugorna unterhalte ich mich eine ganze Weile mit dem Hüttenwirt über Gott und die Welt. Ein sehr netter Mann der sich auch gerne Zeit nimmt wenn keine Übernachtung dabei heraus springt. Er bestätigt mir, das dass Wetter heute noch umschlagen wird und den Rest des Tages Regen angesagt ist. Spätestens ab mittags. Es ist allerdings erst 10Uhr…eindeutig zu früh um den Tag zu beenden. Die nächste Möglichkeit zur Einkehr wäre die Storrödtjärnstugan, gute 10km entfernt. Da die Hüttenwirte untereinander scheinbar alle ein gutes Verhältnis pflegen, nimmt er kurzer Hand sein Handy und ruft „oben“ an. Es sind noch einige Betten frei und ich kann gerne vorbei kommen, so die Rückmeldung.

    Das ist doch mal ein Wort. Und in Anbetracht der Wetterlage, welche aus 15h Stunden Dauerregen besteht, eine willkommene Option. Wir verabschieden uns und ich mache mich auf den Weg. An der kleinen Holzbrücke über den Särsjön passiere ich ein Schild zum Töfsingdalens NP. Wenn das der Eingang sein sollte ist der NP wirklich weglos und äußerst steinig.



    Allgemein verändert sich der Weg während des Aufstiegs zum Olåsen erheblich. Waren die Wege bis hierhin teils sehr breit und gut begehbar, sind sie nun deutlich schmaler und übersät mit Steinen. Diese sind zwischen Handball und Medizinball Groß, gesäumt von dicken Felsbrocken rechts und links. Alles eingebettet in einen Wald aus Moorbirken, welche gerade die ersten Anzeichen einer goldenen Herbstfärbung zeigen. In vier Wochen wird es hier sicher magisch aussehen.



    Zu allem Überfluss kommen die ersten Regentropfen hinzu. Als ein Großteil des Anstiegs vorbei ist, ziehe ich meine Regensachen über. Sicher ist sicher.

    Ab einer gewissen Höhe lichten sich die Birken wieder und ehe man sich versieht steht man auf freier Pläne mit weiter Sicht. Ganz da oben am Horizont befindet sich die Slagusjön Raststuga. Die Hütte ist auch bitter nötig, da meine Hände vor lauter Kälte und Nässe langsam das kribbeln anfangen.


    Oben angekommen sehe ich das die Tür schon offen steht. Drinnen sitzen drei junge Schweden und ihr Vierbeiniger Begleiter Falcon. Noch bevor ich fragen kann ob ich eintreten darf, wird mir heißes Wasser und Suppe angeboten. Mega!

    Wir kommen ins Gespräch und sie erzählen mir von ihrer Tour. Von Grövelsjön zu Fuß zum Hävlingen, von da an mit dem Kanu zum Rogen und nun zu Fuß zurück zum Auto. Das Gebiet zwischen Grövelsjön und Rogen scheint für Wochenendausflüge sehr attraktiv zu sein.

    Über den Rogen sprechen sie allerdings nicht so begeistert. „Stones, Stones and much more Stones“ und „such a Random Forest“ bekomme ich öfters zu hören. Aber Gut, die sind als Einheimische auch schwer Verwöhnt. Ich habe zu Hause nur den Stumpenharz und freue mich hier über quasi alles :)

    Nach einer guten halben Stunde breche ich wieder auf, um die letzten Kilometer auf dem nassen und wolkenverhangenen Weg hinter mich zu bringen. Die Tatsache, das der Regen mittlerweile die mintfarbenen Moosflechten auf den Steinen in einen rutschigen Schlick verwandelt hat, macht das vorankommen nicht einfacher. Auch sind die Markierungen teilweise verblasst oder nicht mehr sichtbar.




    Um so erleichterter bin ich, als im Nebel endlich die Umrisse der Hütte zu erkennen sind.



    Die Hüttenwirtin hat auf Grund des Telefonats schon auf mich gewartet. Sie bittet mich herein ins warme. In der „Küche“ steht eine Kellerhexe schwedischer Bauart, welche eine mollige Wärme im ganzen Haus verteilt. Während sie dem Ofen weiter einheizt, erklärt sie mir die Abläufe in den STF Hütten. Alles hat eine klare Struktur. Frische Eimer mit Wasser aus dem See, dreckige Eimer mit Abwaschwasser für die Latrine. Baden hier, Trinken dort. Einfach aber effektiv.


    Nach einer kleinen Überschlagsrechnung trete ich vor dem bezahlen der Übernachtung kurzerhand in den STF ein. Das geht problemlos mit Adresse und Unterschrift. Mit dem Wissen, dass mein Schlafsack bei schlechteren Wetter wirklich nicht mehr erholsam schlafen lässt, rentiert sich die Mitgliedschaft bereits bei/ab der dritten Buchung. So kostet eine Übernachtung als Mitglied 400SEK anstatt 550SEK. Weitere Vergünstigungen inbegriffen.

    Die Hütte füllt sich langsam über den Tag, aber alles bleibt im Rahmen. Ich gehe noch bei eisigen Wind und Regen vor dem Haus baden, schreibe mein Tagebuch und bereite eine ordentliche Doppelportion Travellunch zu. Am Abend studiere ich die Karte für den weiteren Weg.

    Erschöpft und glücklich über das warme Bett, lausche ich den prasselnden Regentropfen am Fenster und schlafe bald ein. Morgen früh soll die Sonne lachen.