2. Storrödtjärnstugan – STF Rogenstugan (17 km) 494m rauf - 604m runter
Samstag, 10.08.24
Wetter: heiter bis sonnig, windig
Um 06:00h morgens wurde der erste Rucksack gepackt. Das Rascheln der Tüten holt mich aus dem Schlaf. Ein älterer Mann, welcher einst von Deutschland nach Norwegen gezogen ist, will aufbrechen. Am gestrigen Tag hatte er schon 600km in den Beinen und wollte noch weiter bis Sälen. Bewundernswert.
Eine halbe Stunde später schiebe ich vorsichtig den schweren Stoffvorhang bei Seite und sehe, das die Vorhersage recht behalten hat. Die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Ich nehme alles, was ich zur Morgenhygiene und zum Frühstück benötige, mit aus dem Haus und genieße draußen mit einer Tasse Kaffe das hier und jetzt.
Alles ist ruhig, keine Menschenseele, die Sonne zaubert ein tolles Licht, man hat nichts von all dem Luxus zu Hause greifbar, nicht mal Strom, und trotzdem verspürt man eine ungewohnte Dankbarkeit. Dankbar, all das hier erleben zu dürfen. Es ist ja niemandem vorenthalten, aber die wenigsten kommen auf die Idee, es einfach mal zu machen.
*Fältjägarnstuga
Anscheinend habe ich eine ganze Weile im „hier und jetzt“ verbracht, denn unbemerkt steht plötzlich die Hüttenwirtin mit ihrem Dackel neben mir, und erkundigt sich, ob ich gut geschlafen habe und ob alles in Ordnung sei. Ich scherzte, das nur eine Hand voll Moltebeeren den Tag noch besser machen könnten.
„ there is a secret Spot behind the House with lots of berries“ entgegnet sie mir. Sie müsse nur kurz mit dem Hund eine Runde gehen, dann würde sie es mir zeigen.
Ich war baff. Moltebeeren kannte ich sonst nur von Fotos oder Erzählungen. Und die Frau hielt Wort. Kurze Zeit später hatte ich mein Töpfchen ausreichend gefüllt und war bereit für das beste Frühstück seit langem.
Es folgt die tägliche „morning routine“ mit Sachen packen, Wanderkleidung anziehen, dies das, etc. Um 09:30h geht es auf Richtung Rogen NP.
Meine frisch geschnürten Schuhe muss ich bereits 200m hinter der Hütte wieder ausziehen. Die Holzbohlen sind derart überschwemmt, das trotz Goretex trockenen Fußes nichts machbar ist. Dieses Spielchen setzt sich mehrmals fort. So gehe ich vorerst die nächsten Meter einfach Barfuß weiter.
*weiter Richtung Rogen NP
Nach dem Sumpfgebiet geht es auf gewundenen schmalen Pfaden Bergab zur Grenze des Rogen NP und im weiteren Verlauf des Weges wechseln die Passagen zwischen vielen Metern Holzplanken über Grasland und Sumpf sowie steinigen Abschnitten auf kleinen Wegen.
*Hier beginnt der Riese aus Fels und Stein
An der Brücke vor dem Vindskydd am Südende des Rogensee`s fülle ich noch mal meinen Wasservorrat auf, bevor ein langer und steiler Anstieg zum „Gipfel“ des Tandsjövålen (993m) auf mich wartet.
*südlichser Zipfel des Rogensee`s
Ab hier werden die Wege tatsächlich sehr abenteuerlich. Trittsicherheit und Gleichgewichtssinn sind eine Grundvoraussetzung, um hier weiter zu kommen.
Ich muss kurz lachen, als ich daran denke, wie ich bei den ODS gefragt habe, ob der Weg mit dem Wanderwagen machbar sei. Völlig absurd ;).
Auf halber Höhe gelangt man auf eine Art Hochplateau, teils mit flachen, heideähnlichen Sandflächen, die sogar einen Zeltplatz ermöglichen würden. Kurz vor den letzten Höhenmetern mache ich eine ausgedehnte Mittagsrast im strahlenden Sonnenschein, mit Cappuccino, Powerbar und warmen Porridge
*Stromversorgung läuft einwandfrei
Frisch gestärkt geht es an die letzten Höhenmeter. Allgemein ist es nicht sonderlich steil, aber der langgezogene, stetig ansteigende Weg, teils über esstischgroße Steine laugt auf Dauer aus.
*Blick zurück
Kurz vorm Gipfel zeigen sich die ersten Rentiere. Ruhig grasend stehen sie überall verteilt am Hang. Ein toller Anblick, auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Sie haben jedoch immer ein Ohr und ein Auge auf den störenden Wanderer gerichtet, um im Zweifelsfall schnell das Feld räumen zu können.
Oben angekommen hat man einen phantastischen Blick über einen Großteil des Rogens. In der Ferne sieht man, wie teils kräftige Schauer niederregnen.
Oft habe ich gelesen, dass die Leute hier enttäuscht im Regen oder dichten Nebel standen. Das Problem habe ich nicht. Allerdings macht der Wind einem längeren Aufenthalt einen Strich durch die Rechnung. Ohne meine dünne Kapuze, welche ich stets als Nackenschutz unter dem Hut trage, wären die letzten Tage schon äußerst ungemütlich geworden.
*Blick über den Rogensee
Nach einer kleinen Fotosession und einem Videocall, um meine Begeisterung teilen zu können, geht es auf der anderen Seite des Berges wieder hinab. Auf einsamen Singletrails beginnen schon bald die Bäume wieder die Oberhand zu gewinnen.
*Moosetraps 
Unten im Wald verweisen Infotafeln auf die Geschichte dieser Gegend. Einst wurden hier Elchgruben (Moosetraps) ausgehoben, um den majestätischen Tieren zu Leibe zu rücken. Grauenhaft, wenn ihr mich fragt. Aber so war es nun vor langer Zeit gang und gäbe.
Im weiteren Verlauf des Weges quere ich eine größere Holzbrücke über den Stor-Tandsjön und eine Wohnsiedlung mit Ferien-, bzw. Sommerhäusern. Mich zieht es jedoch geradewegs zur Rogenstugan.
Dort angekommen treffe ich auf den noch recht jungen Hüttenwirt. Schnell kommen wir ins Gespräch, da ihm als erstes meine leichten Trailrunner auffallen und er interessiert nachfragt. So etwas sieht man hier unter Einheimischen eher selten.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs ergibt sich die Möglichkeit, kleinere Annehmlichkeiten wie die Sauna, auch ohne Hüttenaufenthalt nutzen zu können. Dafür wird dann zwar eine Servicegebühr fällig, die aber dank Mitgliedschaft auch wieder günstiger ausfällt als normal.
Das kommt mir sehr entgegen, da ich eigentlich eine Nacht im Zelt für heute fest eingeplant hatte. Der Wind weht zwar teils stürmisch aus West, aber wenn sich ein Plätzchen finden lässt, wo es nicht so drückt, geht es an!
Nach einem kleinen Einkauf im Stuganshop geht es mit einer Dose Bier, einer Tafel Schokolade, Knäckebrot und Salami für das Abendbrot auf Entdeckungstour.
*Rogenstugan
*erstmal um das wichtigste kümmern
In zweiter Reihe auf dem Hauseigenen „Zeltplatz“ werde ich unter einer alten, angekippten Kiefer fündig. Der Platz passt perfekt für mein Zelt. Zwar ist der Boden etwas sumpfig, aber das Groundsheet regelt den Rest.
*traumhafter Campspot
*Die Uhr lädt ohne Probleme direkt am Panel
Um 18:00h ist die Sauna fertig angeheizt. Eigentlich erst die Damen, dann die Herren, und im Anschluss gemischt. Da sich die Nachfrage unter den Damen aber in Grenzen hält, kann jeder sofort hinein. Direkt am Seeufer gelegen, mit Holzofen befeuert, ist das etwas, was ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen möchte.
*links zwischen den Bäumen die Saunahütte
Zusammen mit einem Österreicher, welcher hier auf Grund des Windes seit Tagen fest sitzt, verbringe ich den Abend in der Sauna. Zum abkühlen geht es in das kalte Wasser des kristallklaren Sees. Bei mannshohen Wellen ist das am heutigen Tag noch die Kirsche auf der Sahnetorte.
Nach intensiven Austausch über unsere Touren und Abenteuer, zur Abwechslung mal wieder auf deutsch, geht es noch kurz für den Sonnenuntergang an den See und danach erschöpft aber glücklich ins Bett. Was für ein toller Tag!