14. STF Blahammaren – Storlien (19 km) 421m rauf - 893m runter
Donnerstag, 22.08.24
Wetter: heiter, windig und kalt
*Blick Richtung Osten am frühen Morgen
Die Nacht war sehr unruhig. Das lag zum einen daran, dass das Zimmer bis aufs letzte Bett ausgebucht war, und irgend wer immer eine Art Geräusche von sich gibt. Zum anderen war ich schon gg 20:00h im Träumeland, und somit um 06:30h ausgeschlafen.
Vorsorglich hatte ich mir meine Sachen am Abend schon in die Küche gelegt, und so konnte ich, ohne viel zu kramen das Zimmer verlassen und mich zum Frühstücken in die Küche setzen. Durch die Fenster schien die Sonne bereits aus allen Knopflöchern und eine Frau war in den letzten Zügen dabei ihren Rucksack zu beladen. Nach einigen Sätzen auf Englisch bemerkten wir doch recht schnell den deutschen Akzent und beschlossen, uns der Einfachheit halber auf deutsch weiter zu unterhalten;)
Als ich um 08:00h meine restlichen Sachen aus dem Zimmer holen will, schläft der Rest noch tief und fest. Mit Kopflampe bewaffnet sammele ich alles zusammen und packe außerhalb des Zimmers alles ein. Danach geht es auch für mich auf die letzte Etappe.
*Blick zurück zum Sylarna
*Der heutige Weg, hinunter aus dem Fjäll Richtung Storlien
Es ist immer wieder eine Freude, das Fjäll in diesen schönen, intensiven Farben im Sonnenschein bestaunen zu können. An den Tag von gestern mag ich dabei gar nicht denken. Einige Meter brgab hinter der Station, im Windschatten von großen Felsbrocken stehen die Reste zweier Zelte. Es gibt immer wieder ganz Mutige, die unbedingt der Natur trotzen müssen. Nun habe sie den Salat.
*Zeltleichen
Ich habe hier auf jeden Fall gelernt, dass es nicht empfehlenswert ist den Helden zu spielen. In den endlosen Weiten des Fjälls mit dem ständigen kalten Wind ist man nur ein Spielball der Launen der Natur. So lange das die Sonne scheint, ist alles toll und schön, aber wenn das Wetter umschlägt kann es sehr ,sehr ungemütlich werden.
*Fjällstation auf den Blåhammeren Klippen
Die ersten Kilometer geht es ausschließlich bergab. Der Hang ist in steinernen Terrassen gestaltet und beim Blick zurück wird die Fjällstation immer kleiner. Die Rasthütte Gräslidfjället lasse ich rechts liegen und kurze Zeit später erreiche ich wieder die Baumgrenze der Birken.
*Vindskydd am Enan
Einen wirklichen Schutz vor dem Wind bieten die kargen Birken heute leider nicht, und so beschließe ich bis zu dem Windschutz am Enan weiter zu gehen. Kurz vor dem Windschutz kreuzt eine hölzerne Hängebrücke den Fluss, welche für mich gedanklich schon das Ende des Weges markiert. Lange im Vorfeld hatte ich im Kopf hier die letzte Nacht geplant. Schön im Zelt, abends in der untergehenden Sonne vor dem Lagerfeuer sitzend auf den Fluss blicken…Ihr kennt das. Aber es kommt immer anders, als man denkt.
Der weitere Weg ab hier ist wenig spektakulär. Eine weite Graslandschaft, welche zu größten Teilen aus Sumpf und Moor besteht. Viele Planken sind weggegammelt und die aufgeweichten Pfade lassen dich bei jedem Schritt tiefer in das Moor einsinken. Dazu ein wirklich unangenehmer Wind, der permanent von hinten in den Nacken pfeift.
*Die Erhebung mittig links im Bild sind die Blåhammarens Klippen
*Storvallen voraus
*letzter Sumpfabschnitt kurz vor dem Ort
Zwischendurch lässt sich immer wieder der Ort im Hintergrund erspähen, was allerdings ein baldiges Ende nur erahnen lässt. In der Realität zieht sich der Weg über viele Kilometer hin, besonders als man in Storvallen die Wildnis ganz verlässt und nur noch in Straßennähe durch Ferienhaussiedlungen marschiert.
Laut meiner App kündigt sich zu allem Überfluss auch noch Regen an. Ich lege einen Zahn zu, um den Schauer bei einer Kleinigkeit zu essen im Coop verbringen zu können. Der Laden ist riesig. Alleine die Süßigkeitenabteilung ist so groß wie ein deutscher Rewe. Hier ist alles auf den Transitverkehr aus Norwegen ausgelegt. Ich besorge mir Ein Paar Kleinigkeiten zum Snacken, Hygieneartikel und einen Träger Bier für den Abend.
Im Eingangsbereich befindet sich ein Imbiss, wo ich mich vorerst für den kleinen Hunger zwischendurch mit einem Sandwich versorge. Als es aufhört zu regnen, begebe ich mich auf die letzten Meter zum Hotel.
*Zwischen Coop und Bahnhof
Vom Coop geht es entlang der Straße um einen See. An dessen Ende befindet sich eine Art Wagenhalle, umgeben von alten, zugewachsenen Gleisanlagen. Direkt auf der anderen Seite sehe ich schon das Bahnhofsgebäude von Storlien. Unmittelbar daneben ist meine Unterkunft für die letzte Nacht, das Le Ski, Storlien Hotell & Night Club. Wo bin ich da nur wieder reingeraten? Zugegeben, es wäre nicht meine erste Wahl gewesen, aber hier in der Umgebung ist außerhalb der Skisaison tatsächlich der Hund begraben.
Innen ist es eine Mischung aus Spielothek, Bar und Restaurant. Alles ziemlich dunkel gehalten in einer Art Western Style. Viel bunte Lichter eine einzige Person im ganzen Lokal. Diese Person ist der Barkeeper, Rezeptionist und Kellner in einem. Er gibt mir meine Schlüssel für das Zimmer und ergänzt auch gleich dazu, dass er mein Frühstück in einem Karton vor die Tür auf dem Flur stellen wird. Es sind nur zwei Gäste im Haus und da lohnt es nicht extra ein Buffet aufzubauen. Nun gut, recht hat er ja. Da will ich mich am letzten Tag nicht auch noch beklagen.
*Bahnhof von Storlien
Da der Zugverkehr auf Grund von Arbeiten an den Schienen auf Busse umgelegt wurde, will ich mich vorsichtshalber noch nach dem genauen Startpunkt erkundigen. So wie es aus sieht fahren die Busse direkt vor dem Hotel ab, was die Sache für mich sehr einfach macht.
Zugegeben, die letzte Woche mit dem andauernden orkanartigen Wind und der alltägliche Regen machen mir den Abschied nun leichter als angenommen. Den Abend verbringe ich mit einem Träger Bier auf dem Zimmer. Ich lasse alles noch einmal Revue passieren und schreibe die letzten Eindrücke in mein Reisetagebuch. Meine Gedanken reichen von der Anreise am ersten Tag bis zu der Wohnsituation hier vor Ort. Es wird noch einige Tage dauern, bis ich die vielen Eindrücke dieser Reise alle einordnen kann.
Morgen Früh um 09:29h geht es also wieder nach Hause. Es soll natürlich Regnen. Ich freue mich drauf.
Epilog
Wie am Anfang erwähnt, war ich schon unzählige mal in Schweden, aber diese Reise war anders.
Die erste Reise ganz alleine, von Anfang bis Abspann. Und doch war man nicht alleine , wenn man es nicht wollte. Die Natur hier draußen reißt einen in ihren Bann und lässt auch nicht mehr los. Die Aussicht, über Kilometer weit bis zum Horizont, die Farben der Pflanzen und Moose, die lustigen Rentiere mit ihren flapsigen Gang und die kargen Berge im Hochfjäll. Das klare Wasser in den Bächen und Flüssen, der stürmische Wind an den wilden Ufern des Rogens, die uralten Kiefern im Skedrbofjäll und die einsamen Hütten entlang des Wanderweges.
Diese Aufzählung könnte noch Seitenweise so weiter gehen. Man muss es einfach erlebt haben, denn kein Foto dieser Erde kann das Gefühl ausdrücken, welches man vor Ort erlebt. Bei mir war es vor allem Dankbarkeit, die oft vollkommen plötzlich und unerwartet in mir aufkam.
Dankbar darüber, dass ich hier sein und das erleben durfte. Dankbar darüber, dass die Natur hier draußen einen wieder erdet. Dankbar darüber, dass ich meine anhaltende Angst wegen meines Rückens endlich überwinden konnte, und nun weiß, das sman alles schaffen kann, wenn man hart dafür arbeitet. Dankbar, dass alles reibungslos und ohne Verletzungen geklappt hat. Und vor allem dankbar, dass nun zu Hause jemand auf mich wartet, der mir ohne mit den Wimpern zu zucken, diese Reise mit ermöglicht hat.
„Auf der einen Seite hatte ich hier draußen ein unheimliches Freiheitsgefühl, und auf der anderen Seite hatte mich die Natur fest im Griff. Sie hat mir gezeigt wie groß ich werden kann aber auch wie klein ich bin.“
-Pawo Wild-