Beiträge von bogus

    Das Baugerüst ist auch klasse. Ist doch auch relativ schnell demontiert, solange die Schrauben nicht festrosten. Ich nehme an die Schrauben und Gewinde sind aus Edelstahl. :thumbup:

    Das ist ein "dauerhaftes Provisorium"! Glaube nicht das die Schrauben noch mal gelöst werden;) Die sind aus Messing oder Stahl. So fortschrittlich mit VA ist da noch nichts.

    WOW, Danke für deine Worte:thumbup:

    Du hast vollkommen recht. Es verging quasi kein Tag, an dem ich nicht schluchzend auf irgend einem Berg oder an einem Platz gestanden habe, einfach aus einer völligen Glückseeligkeit heraus, erschlagen von der Schönheit der Natur.

    Was du mit dem Motorrad schilderst, ist mir genau so am Fluss am Tag 4 passiert. Ich hatte xtra ein Video vom Spot aufgenommen, weil er mich so umgehauen hat. Aber als ich das Video dann zwei Tage später (dank Empfang) teilen konnte, hat es niemand verstanden. Es ist einfach der Gesamteindruck, welcher sich den ganzen Tag mit allen Bildern und Emotionen aufbaut. Aber das das alles nicht per Handy übertragbar ist, hat auch sein gutes. Sonst würde niemand mehr selber reisen müssen und alles könnte zu Hause am TV erlebt werden. Ein schrecklicher Gedanke.

    Und ja, Schweden hat mich seit der ersten Reise mit meinen Eltern (vor über 25 Jahren) fest in seinem Bann. Egal ob zu Wasser oder zu Land, es macht mir immer eine riesen Freude. Wenn ich nicht so ein Schisser wäre, würde ich am liebsten meine Sachen packen und auswandern. Aber etwas Zeit bleibt mir ja hoffentlich noch in diesem Leben. Man soll niemals nie sagen;)

    Der letzte Tag ist immer nicht so schön, egal auf welcher Tour. Ich hasse das Gefühl, wenn man zurück in die Zivilisation muss und das einfache Leben in der Natur ein Ende nimmt. Wenigstens hat hier das Wetter an dem Tag noch halbwegs mitgespielt.

    Auf längeren Reisen stecke ich mir immer ein kleines Vokabelheft ein, in dem ich meine Tage festhalte. So kann ich auch 4 Monate später noch alles recht gut wieder geben. So direkt nach einer Reise steht mir auch nicht der Sinn alles sofort in einen Bericht zu fassen. Etwas sacken muss das ja auch erst mal.

    Einen Bericht schreibe ich eigentlich ganz gerne. So kann man auch den anderen Forennutzern mal etwas zurück geben. Ich lese ja im Vorfeld auch eine Menge und nutze andere Erfahrungen für meine Planungen. Wenn man sich ran hält, und jeden Tag einen Tag niederschreibt, ist der Aufwand in etwa 14 Tage;)

    Ist schon in Ordnung. Man hat ja selber auch etwas, wo man jederzeit noch einmal nachschlagen kann.

    Ausgetauscht habe ich relativ Zeitnah das Zelt. Glaube innerhalb einer Woche habe ich es bei Kleinanzeigen veräußert. Was darauf folgen wird muss sich zeigen wenn es so weit ist. Und für die nächste Tour kommt ein neuer Schlafsack, bzw ein Qulit. Da muss ich mich noch mal genauer mit befassen. Den Rest würde ich ziemlich genau so wieder machen. Hatte es ja im Text schon einmal erwähnt...ich habe quasi alles benötigt was dabei war. Bis auf das Medi Kit. Aber das ist obligatorich bei so einer Reise.

    Freut mich das es dir gefallen hat. Da hat sich die Arbeit für mich schon gelohnt:thumbup:

    14. STF Blahammaren – Storlien (19 km) 421m rauf - 893m runter

    Donnerstag, 22.08.24

    Wetter: heiter, windig und kalt


    *Blick Richtung Osten am frühen Morgen


    Die Nacht war sehr unruhig. Das lag zum einen daran, dass das Zimmer bis aufs letzte Bett ausgebucht war, und irgend wer immer eine Art Geräusche von sich gibt. Zum anderen war ich schon gg 20:00h im Träumeland, und somit um 06:30h ausgeschlafen.

    Vorsorglich hatte ich mir meine Sachen am Abend schon in die Küche gelegt, und so konnte ich, ohne viel zu kramen das Zimmer verlassen und mich zum Frühstücken in die Küche setzen. Durch die Fenster schien die Sonne bereits aus allen Knopflöchern und eine Frau war in den letzten Zügen dabei ihren Rucksack zu beladen. Nach einigen Sätzen auf Englisch bemerkten wir doch recht schnell den deutschen Akzent und beschlossen, uns der Einfachheit halber auf deutsch weiter zu unterhalten;)

    Als ich um 08:00h meine restlichen Sachen aus dem Zimmer holen will, schläft der Rest noch tief und fest. Mit Kopflampe bewaffnet sammele ich alles zusammen und packe außerhalb des Zimmers alles ein. Danach geht es auch für mich auf die letzte Etappe.


    *Blick zurück zum Sylarna


    *Der heutige Weg, hinunter aus dem Fjäll Richtung Storlien


    Es ist immer wieder eine Freude, das Fjäll in diesen schönen, intensiven Farben im Sonnenschein bestaunen zu können. An den Tag von gestern mag ich dabei gar nicht denken. Einige Meter brgab hinter der Station, im Windschatten von großen Felsbrocken stehen die Reste zweier Zelte. Es gibt immer wieder ganz Mutige, die unbedingt der Natur trotzen müssen. Nun habe sie den Salat.

    *Zeltleichen



    Ich habe hier auf jeden Fall gelernt, dass es nicht empfehlenswert ist den Helden zu spielen. In den endlosen Weiten des Fjälls mit dem ständigen kalten Wind ist man nur ein Spielball der Launen der Natur. So lange das die Sonne scheint, ist alles toll und schön, aber wenn das Wetter umschlägt kann es sehr ,sehr ungemütlich werden.

    *Fjällstation auf den Blåhammeren Klippen


    Die ersten Kilometer geht es ausschließlich bergab. Der Hang ist in steinernen Terrassen gestaltet und beim Blick zurück wird die Fjällstation immer kleiner. Die Rasthütte Gräslidfjället lasse ich rechts liegen und kurze Zeit später erreiche ich wieder die Baumgrenze der Birken.

    *Vindskydd am Enan


    Einen wirklichen Schutz vor dem Wind bieten die kargen Birken heute leider nicht, und so beschließe ich bis zu dem Windschutz am Enan weiter zu gehen. Kurz vor dem Windschutz kreuzt eine hölzerne Hängebrücke den Fluss, welche für mich gedanklich schon das Ende des Weges markiert. Lange im Vorfeld hatte ich im Kopf hier die letzte Nacht geplant. Schön im Zelt, abends in der untergehenden Sonne vor dem Lagerfeuer sitzend auf den Fluss blicken…Ihr kennt das. Aber es kommt immer anders, als man denkt.



    Der weitere Weg ab hier ist wenig spektakulär. Eine weite Graslandschaft, welche zu größten Teilen aus Sumpf und Moor besteht. Viele Planken sind weggegammelt und die aufgeweichten Pfade lassen dich bei jedem Schritt tiefer in das Moor einsinken. Dazu ein wirklich unangenehmer Wind, der permanent von hinten in den Nacken pfeift.

    *Die Erhebung mittig links im Bild sind die Blåhammarens Klippen


    *Storvallen voraus


    *letzter Sumpfabschnitt kurz vor dem Ort


    Zwischendurch lässt sich immer wieder der Ort im Hintergrund erspähen, was allerdings ein baldiges Ende nur erahnen lässt. In der Realität zieht sich der Weg über viele Kilometer hin, besonders als man in Storvallen die Wildnis ganz verlässt und nur noch in Straßennähe durch Ferienhaussiedlungen marschiert.

    Laut meiner App kündigt sich zu allem Überfluss auch noch Regen an. Ich lege einen Zahn zu, um den Schauer bei einer Kleinigkeit zu essen im Coop verbringen zu können. Der Laden ist riesig. Alleine die Süßigkeitenabteilung ist so groß wie ein deutscher Rewe. Hier ist alles auf den Transitverkehr aus Norwegen ausgelegt. Ich besorge mir Ein Paar Kleinigkeiten zum Snacken, Hygieneartikel und einen Träger Bier für den Abend.

    Im Eingangsbereich befindet sich ein Imbiss, wo ich mich vorerst für den kleinen Hunger zwischendurch mit einem Sandwich versorge. Als es aufhört zu regnen, begebe ich mich auf die letzten Meter zum Hotel.

    *Zwischen Coop und Bahnhof


    Vom Coop geht es entlang der Straße um einen See. An dessen Ende befindet sich eine Art Wagenhalle, umgeben von alten, zugewachsenen Gleisanlagen. Direkt auf der anderen Seite sehe ich schon das Bahnhofsgebäude von Storlien. Unmittelbar daneben ist meine Unterkunft für die letzte Nacht, das Le Ski, Storlien Hotell & Night Club. Wo bin ich da nur wieder reingeraten? Zugegeben, es wäre nicht meine erste Wahl gewesen, aber hier in der Umgebung ist außerhalb der Skisaison tatsächlich der Hund begraben.


    Innen ist es eine Mischung aus Spielothek, Bar und Restaurant. Alles ziemlich dunkel gehalten in einer Art Western Style. Viel bunte Lichter eine einzige Person im ganzen Lokal. Diese Person ist der Barkeeper, Rezeptionist und Kellner in einem. Er gibt mir meine Schlüssel für das Zimmer und ergänzt auch gleich dazu, dass er mein Frühstück in einem Karton vor die Tür auf dem Flur stellen wird. Es sind nur zwei Gäste im Haus und da lohnt es nicht extra ein Buffet aufzubauen. Nun gut, recht hat er ja. Da will ich mich am letzten Tag nicht auch noch beklagen.

    *Bahnhof von Storlien


    Da der Zugverkehr auf Grund von Arbeiten an den Schienen auf Busse umgelegt wurde, will ich mich vorsichtshalber noch nach dem genauen Startpunkt erkundigen. So wie es aus sieht fahren die Busse direkt vor dem Hotel ab, was die Sache für mich sehr einfach macht.


    Zugegeben, die letzte Woche mit dem andauernden orkanartigen Wind und der alltägliche Regen machen mir den Abschied nun leichter als angenommen. Den Abend verbringe ich mit einem Träger Bier auf dem Zimmer. Ich lasse alles noch einmal Revue passieren und schreibe die letzten Eindrücke in mein Reisetagebuch. Meine Gedanken reichen von der Anreise am ersten Tag bis zu der Wohnsituation hier vor Ort. Es wird noch einige Tage dauern, bis ich die vielen Eindrücke dieser Reise alle einordnen kann.

    Morgen Früh um 09:29h geht es also wieder nach Hause. Es soll natürlich Regnen. Ich freue mich drauf.


    Epilog

    Wie am Anfang erwähnt, war ich schon unzählige mal in Schweden, aber diese Reise war anders.

    Die erste Reise ganz alleine, von Anfang bis Abspann. Und doch war man nicht alleine , wenn man es nicht wollte. Die Natur hier draußen reißt einen in ihren Bann und lässt auch nicht mehr los. Die Aussicht, über Kilometer weit bis zum Horizont, die Farben der Pflanzen und Moose, die lustigen Rentiere mit ihren flapsigen Gang und die kargen Berge im Hochfjäll. Das klare Wasser in den Bächen und Flüssen, der stürmische Wind an den wilden Ufern des Rogens, die uralten Kiefern im Skedrbofjäll und die einsamen Hütten entlang des Wanderweges.

    Diese Aufzählung könnte noch Seitenweise so weiter gehen. Man muss es einfach erlebt haben, denn kein Foto dieser Erde kann das Gefühl ausdrücken, welches man vor Ort erlebt. Bei mir war es vor allem Dankbarkeit, die oft vollkommen plötzlich und unerwartet in mir aufkam.

    Dankbar darüber, dass ich hier sein und das erleben durfte. Dankbar darüber, dass die Natur hier draußen einen wieder erdet. Dankbar darüber, dass ich meine anhaltende Angst wegen meines Rückens endlich überwinden konnte, und nun weiß, das sman alles schaffen kann, wenn man hart dafür arbeitet. Dankbar, dass alles reibungslos und ohne Verletzungen geklappt hat. Und vor allem dankbar, dass nun zu Hause jemand auf mich wartet, der mir ohne mit den Wimpern zu zucken, diese Reise mit ermöglicht hat.


    „Auf der einen Seite hatte ich hier draußen ein unheimliches Freiheitsgefühl, und auf der anderen Seite hatte mich die Natur fest im Griff. Sie hat mir gezeigt wie groß ich werden kann aber auch wie klein ich bin.“

    -Pawo Wild-

    Damit hatte ich auch nicht gerechnet. Zumal wir in Niedersachsen zuvor einige Wochen unter permanenter Hitze mit 30°+ geplagt waren. Durch die Möglichkeit und mit dem Wissen, sich abends immer vernünftig trocknen zu können, empfand ich den Regen gar nicht so schlimm. Oft war es ja auch nachts über wo man sicher im Zelt oder einer Hütte gelegen hat. Der ständige und teilweise eiskalte Wind hat mich rückblickend mehr genervt. Die Temperaturen an sich waren natürlich nicht sommerlich, aber zum Wandern eigentlich gut geeignet.

    Ich habe aber oft daran gedacht, wie die Reise wohl verlaufen wäre, wenn ich so manchen UL Tipp hier bedingungslos berücksichtigt hätte, oder ich nur ein Tarp zur Verfügung gehabt hätte. An so manchen Abend bzw. Nacht hatte ich alles an was im Rucksack war und trotzdem hat es nicht gereicht um mollig warm durchzuschlafen. Genau so mein Zelt, dem ich im Bereich des Hochfjälls relativ früh eine Eignung abgesprochen habe. Da muss man unter diesen Bedingungen wirklich härtere Geschütze auffahren. Da waren die Stugas schon Gold wert. Aber auch das Hüttenleben kannte ich ja im Vorfeld nicht und hatte ich mir auch nicht so entspannt (zumindest im ersten Teil) vorgestellt.
    Allerdings muss man auch sehen, dass man sich ständig um 1.000m und höher bewegt. Also quasi immer auf höhe des Brockens, und auch da kann es im deutschen Sommer teilweise ungemütlich zugehen.

    Für die nächste Tour bin ich auf jeden Fall schlauer und werde mich im Vorfeld entsprechend ausrüsten. Da mich die Landschaft aber dermaßen beeindruckt hat, ist ein Besuch des nördichen Kungsleden wohl nur eine Frage der Zeit;)

    13. STF Storulvan – STF Blahammaren (12,4 km) 556m rauf - 193m runter

    Mittwoch, 21.08.24

    Wetter: regnerisch und stürmisch


    Die Nacht über bin ich allein geblieben. Acht Betten gibt es insgesamt im Haus, vier in jeder Haushälfte. Mir soll es recht sein, so kann ich mich am Morgen nach Belieben ausbreiten und meine Sachen packen. Gut, dass ich ausnahmsweise mal einen Wecker gestellt habe, denn es war bereits 07:30h als ich die Augen geöffnet habe. Das übliche Ritual der Körperpflege und kurze Zeit später geht es rüber in die Fjällstation zum Frühstücken.

    Das Buffet kommt etwas spartanisch daher, aber alles wichtige ist vorhanden und ich stopfe mich ordentlich voll.

    Auf der Karte ist mir ein kleiner Trampelpfad am Fuße des Getryggen aufgefallen, welcher auf direkten Wege Richtung Blåhammeren führt, jedoch bin ich mir nicht sicher ob das so eine gute Idee ist. Durch Zufall sitzt am Nachbartisch ein Ranger, bzw. sieht der gute Mann stark danach aus. Ich beschließe rüber zu gehen und zu fragen, ob er den Weg evtl. kennt. Mein Bauchgefühl war richtig. Er rät mir von dem Weg ab, da er zugewachsen und schlecht begehbar ist. Eher etwas für den Winter.

    Also bleibt es bei dem offiziellen Weg. Als ich mich auf mache, regnet es weniger als vorher gesagt, dafür weht ein ordentlicher Wind und das wir zweistellige Temperaturen haben, wage ich mal zu bezweifeln.

    *Tal von Ulvåtjärnen


    *So ein Schild hatte ich auch noch nie gesehen


    Zu sehen gibt es hier in der Gegend nicht wirklich etwas, außer deutlich mehr Menschen, die mir in aller Frühe schon entgegen kommen. Ihre Schuhe und Hosenbeine sind voller Matsch und Dreck und die häufigste Frage ist nach der Wegbeschaffenheit. Die war bis hier hin eigentlich ganz in Ordnung, doch ich befürchte, dass es nicht so bleiben wird.

    In der Rasthütte Ulvåtjärn mache ich Pause mit einer schwedischen Großfamilie. Immer wieder geht die Tür auf und neue Familienmitglieder betreten klitschnass den mittlerweile zu kleinen Innenraum der Hütte.

    *Schutzhütte Ulvåtjärn


    Dabei haben sie einen kleinen Schäferhundwelpen, der unter lautstarken Protest die Reise in einem Hunderucksack verbringt. Ich kann es gut verstehen. Für solch tollpatschige Gesellen kann ein Fehltritt in dem Schlammigen Gelände schnell mal ein Problem werden. Außerdem ist der Körper der Welpen noch nicht für derartige Wanderungen ausgelegt. Er wird früher oder später bestimmt noch genug Möglichkeiten bekommen, das Fjäll ausreichend zu erkunden.

    Kurz vor der Fjällstation Blåhammeren hängen die Wolken so tief, das man kaum noch etwas sehen kann. Die Umgebung ist nur schemenhaft in tristen Grautönen zu erahnen, während der Wind unerlässlich von vorne ins Gesicht peitscht. Ab und an schafft es die Sonne, für einen Bruchteil einer Minute am Horizont durch die Wolken zu brechen. Gerade lang genug um schnell das Handy zu zücken, um wenigstens ein tragisches Erinnerungsfoto für den heutigen Tag zu bekommen.


    *Blåhammerens Fjällstation


    Nach 12,5km ist es endlich geschafft und die Umrisse der Fjällstation erscheinen in den Wolken. Ich bin froh, als ich durch die klapprige Eingangstür in die warme Hütte komme, und endlich meine nasse Ausrüstung loswerde. Es geht gleich durch Richtung Trockenraum, wo die Heizventilatoren schon auf höchster Stufe ihre Arbeit verrichten. Ich ziehe meine nassen Sachen aus verteile alles auf den Leinen im Raum.

    Die Rezeption ist nicht besetzt und man soll sich im Shop einfach nehmen was man braucht. Bezahlt wird später wenn wieder jemand da ist. An der großen Tafel Marabou kann ich nicht vorbei gehen und so begleitet die Schoki mich in den Speiseraum;)

    Das Restaurant bzw. die Bewirtung wurde hier auf Grund eines Abkommens mit den Sami vor einiger Zeit geschlossen. Hier ist es „nur“ das Restaurant, weiter östlich des Sylarna wurde die komplette Gåsenstuga geschlossen. Die Sami sehen den wachsenden Tourismus hier in der Gegend (Jämtland Dreieck) als Gefahr für die Landschaft und natürlich deren Rentierherden. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es auch den ein oder anderen Vorfall gegeben hat, der das Fass zum überlaufen brachte. Jedenfalls gab es ein Abkommen mit dem Staat, das der Tourismus bleiben darf, wenn im Gegenzug ein paar „Touristenmagnete“ entfernt werden.

    Geblieben ist hier die Unterkunft, eine voll ausgestattete Gastroküche, der Speise- bzw. Aufenthaltsraum und ein paar Heißwasserspender. Ob sich wirklich die Touristen abhalten lassen wenn sie nicht mehr bekocht werden, wird sich zeigen. Aber ich denke das dass letzte Wort in diesem Konflikt noch nicht gesprochen ist.

    Im Speiseraum fällt mir ein Prospekt in die Hände, in dem über die Geschichte der Sami und deren Traditionen geschrieben wird. So gaben sich einst die Sami und die Rentiere ein Versprechen, immer aufeinander Acht zu geben. Die Tiere versorgten die Menschen mit Fleisch und Fellen, die Menschen behüteten die Tiere und deren Weideflächen. Dieses „Bündnis“ hat bis heute Bestand. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb die Samis mit etwas anderen Augen auf die Gegenwart blicken als wir.

    Nachdem ich dann um 14:00h das Zimmer beziehen konnte, gab es noch einen kleinen Powernap, und anschließend ging es in die wohlverdiente Sauna. Da habe ich mich schon seit den ersten Regentropfen heute Morgen drauf gefreut. In der Sauna gibt es für das perfekte Panorama eine Art Riesen Bullauge. Der Blick ist großartig. Als mir jedoch bewusst wird, das in der Ferne schon Storlien zu sehen ist, kommt ein Gefühl der Trauer in mir hoch. So lange hatte ich mich auf die Reise gefreut, und als wäre nichts gewesen, geht es nun schon dem Ende entgegen.


    Nach der Sauna klart es etwas auf und ich gehe noch mal nach draußen, um mir die Namensgebenden Klippen hinter dem Haus anzusehen. Die Klippen an sich sind von hier oben nicht sehr beeindruckend, aber die Sicht ins Tal macht das wieder gut. Der Blick reicht weit bis nach Norwegen und unten im Tal bahnt sich der Enan seinen Weg durch Wald und Stein.

    *Blick ins Enantal von den Blåhammeren Klippen


    *einsame Fjällstation weit und breit


    *Der Weg für Morgen


    Zurück in der Hütte mache ich es mir mit meiner letzten Dose Bier und einer Tüte Chips im Bett gemütlich. Ich bin wirklich platt. Unterdessen füllt sich das Zimmer immer mehr mit ankommenden Leuten bis mir letztendlich unter den beruhigenden Worten eines Podcasts die Augen zufallen. Gute Nacht Johnboy.

    12. Pausentag Storulvåns Fjällstation

    Dienstag, 20.08.24

    Wetter: wechselhaft


    Das prasseln von Regentropfen auf der Zeltplane holt mich aus dem Schlaf. Ein Blick bei YR verrät, dass es bis 09:00h so weiter gehen soll. Also bleibe ich liegen und schlafe einfach weiter. Als es aufhört und ich aus dem Zelt krabbele, zeigt sich, dass meine Platzwahl richtig war. Die Birken am gegenüberliegenden Hang des Berges biegen sich im Wind, während es hier auf meiner Seite nahezu windstill ist.


    Beim Frühstück gehe ich meine Optionen durch. Ich werde auf gar keinen Fall den Trail im strömenden Regen, versteckt unter meiner Kapuze verlassen. Das kann nicht die Erinnerung an die letzten Stunden bleiben. Und heute in einem Rutsch alles durchgehen ist A etwas sehr weit, und B bringt es mich auch nicht voran. Eine kurzfristige Umbuchung des Fluges würde mich anstatt 145€ nun 450€ kosten, fällt somit auch aus. Dann bleibt mir nur das aussitzen bzw. Zeit totschlagen.

    Ich beschließe heute hier zu bleiben und einen Pausentag einzulegen, morgen im Regen die knappen 10km zur Blåhammarens Fjällstation zu gehen, und Mittwoch bei hoffentlich besseren Wetter der Abstieg nach Storlien zu wagen. So soll es sein!

    An der Rezeption miete ich mich für eine Nacht in die alten Hütten etwas weiter außerhalb der Station ein und packe mein Lager zusammen.

    *Storulvån Fjällstation


    *einfache Hütten abseits der "Hotelanlage"


    Da es mit großer Wahrscheinlichkeit der letzte Einsatz des Zeltes war, bringe ich nach dem Abbauen ein Paar Sachen in den Trockenraum der Station. Zelt, Isomatte und Schlafsack können noch mal richtig abtrocknen und ich brauche das zu Hause nicht mehr aufbauen.

    Im Anschluß will ich mir eine kleine Fika gönnen. Im Restaurant zeigt sich, das dass ganze Buffet inkl. Getränken günstiger ist, als Kaffe und ein Stück Kuchen. Da mein Kalorienhaushalt sowieso im Keller ist schlage ich gleich zu. Fisch, Gemüse, Salat, Brot, Antipasti, dazu Süßes und Kaffe zum Dessert. Ich kann essen ohne Füllegefühl und es ist das erste mal, das ich den Preis bei einem Buffet vollständig wieder raus habe;)

    *Jämtlandstriangeln


    Zu Verdauung gibt es einen Spaziergang um die Gegend zu erkunden und gg. 15:00h kann ich nach der Reinigung meine Hütte beziehen. Das Häuschen ist von innen komplett renoviert und es gibt sogar Strom. Schon fast zu viel Luxus.


    *Spaziergang ohne Gepäck


    *mittig im Bild: Geschützter Zeltplatz im Birkenhain


    Für den Abend besorge ich mir zwei Dosen Norrland Guld und eine Tüte mit trockenen Birkenholz aus dem Shop. Wie auch schon im Rogen brennen die Birkenzweige mehr schlecht als recht und ich freue mich, einfach mal ein schönes Feuer ohne ständiges anpusten und rumstochern genießen zu können. Dazu gibt es Couscouspfanne und die Blaue Stunde im Radio. Vereinzelt schafft es die Sonne noch durch die lichten Birken, um den Feuerplatz und mit dieser tollen Stimmung geht auch der längste Pausentag einmal zu Ende.


    *gemütliche Feuerstelle hinter dem Haus


    *endlich mal ein vernünftiges Lagerfeuer ohne ständiges zutun

    Hi Azeban,

    das ganze ist ja schon über 1 Jahr her und ich habe leider keine weiteren Fotos geschossen. Auch sind die Materialien zum Spleissen nicht unbedingt zu empfehlen. Das orangene Geflecht war eine 50m Spule von Ama****. Allerdings ist es innen nicht hohl und es bedarf einer menge Fummelei um das Ende da rein zu bekommen. Da gibt es mit Sicherheit bessere Materialien für.

    Das Gummi ist ein 5mm Rundgummi von eba***, als Meterware zu beziehen.

    Und dann ist es eigentlich ganz einfach. Mit einer Spitze (z.B vom Lötkolben) stochert man zwei Löcher in das Geflecht, zieht das Gummi durch und knotet es zusammen. Den Abstand muss man individuell je nach Dehnung des Gummis bestimmen. Die Enden des Geflechts spleisst man ein und näht mit der Maschine 2-3x drüber. Fertig ist`s

    11. STF Sylarna – STF Storulvan (16,9 km) 336m rauf - 652m runter

    Montag, 19.08.24

    Wetter: heiter, windig und kalt


    Um 06:30h ist bereits Bewegung im Zimmer. Zwischen aufwachen und sofort zum Frühstück stürmen vergehen nicht mal 5min. Und so liege ich kurze Zeit später wieder alleine im Schlafzimmer und habe meine Ruhe. Der Wetterbericht verspricht für die kommenden Tage nichts gutes. Wind bis 100km/h plus Böen und aufkommenden Regen. Heute ist Montag und der Flieger geht erst am Donnerstag. Noch dazu missfällt mir der Umstand, von hier aus in die nächste Hütte zu Wandern und dann im strömenden Regen die letzte Etappe zu bestreiten. Ich muss mir also noch etwas überlegen. Heute startet der Tag allerdings wie versprochen mit Sonne.


    *Blick aus dem Schlafzimmer


    Ich nutze die Zeit alleine im Zimmer um in Ruhe meine Sachen zu packen. Anschließend besorge ich im Shop noch etwas Proviant und begebe mich dann in ein anderes Gebäude gegenüber, wo im EG die „Selbstversorgerküche“ zu finden ist.

    *Selbstversorgerküche im Nebengebäude


    Während ich da so sitze und frühstücke, kommen mehrere Leute vorbei, um sich heißes Wasser zu zapfen oder Sachen aus dem Kühlschrank zu nehmen. Niemand bekommt seine Zähne auseinander für ein freundliches Guten Morgen oder eine andere Art der Begrüßung. Keine Gespräche, keine Interessen, nichts dergleichen. Es ist wirklich befremdlich. Aber was solls.

    Vor der Fjällstation mache ich noch Fotos vom Sylarna bei Sonnenschein, gratuliere meiner Mum zum Geburtstag und dann geht es los.


    *Sylarna bei Sonnenschein sieht schon netter aus als gestern


    Ich gehe hinter den Häusern weiter, einfach weil es in dem Moment der kürzere Weg ist. Hier lagern Berge von Müll, verpackt in große BigPacks, welche auf die Abfuhr per Heli warten. Auch das gehört zur Wahrheit dazu, wenn so ein Luxuriöses Leben hier draußen, mitten im nichts ermöglicht wird.

    *Blick hinter die Kulissen


    *Blick zurück auf die Sylarna Fjällstation


    Meine Gedanken vom Morgen, bezüglich der weiteren Reise beschäftigen mich noch immer. Das Wetter ist heute, bis auf eisigen Wind, sehr schön. Gerne würde ich das ein letztes Mal für eine Nacht im Zelt nutzen, aber bei 100km/h Wind sollte das gut überlegt sein.

    Bei einer kleinen Rast an der Gamla Sylen Schutzhütte zücke ich erneut die Karte. Ich könnte an der nächsten Weggabelung den Kungsleden verlassen und mich Richtung Storulvåns Fjällstation begeben. Dort haben die Flüsse Stor-Ulvån und der Handölan ein breites Tal in die Landschaft gegraben, welches durch die vorgelagerten Berge perfekt vor dem drohenden Sturm geschützt liegt. Zeit ist genug und einen Versuch ist es Wert. Sonst wird weiter improvisiert.

    *Schutzhütte Gamla Sylen


    Gesagt, getan. An der nächsten Gelegenheit verlasse ich den Hauptweg und befinde mich kurze Zeit später im Quellgebiet des Enan. Schön ist es hier. Im Hintergrund kann man sowohl den Berg Helags als auch Sylarna erkennen.

    *Quellgebiet des Enan mit Helags und Sylarna im Hintergrund


    Aber auch die Tatsache, dass man sich nun mitten im Jämtlands Dreieck befindet, wird mit jedem Schritt deutlicher. Die Mitreisenden auf den Wegen nehmen zu und es ist nicht mehr mit den völlig vereinsamten Wegen der vergangen Tage vergleichbar. Ab der RH Spåime ähnelt es eher einem Wochenendtag in Torfhaus/ Harz. Aber nun gut, da muss ich durch.

    *Schutzhütte Spåime


    Schon bald ändert sich wieder das Landschaftsbild und die ersten Birken tauchen auf. Auch die angekündigten Wolken kommen immer näher und haben den Wind im Gepäck.

    *Lill-Ulvån


    Ich mache mir ein Bild von der Umgebung und finde beim Abstieg ins Tal links des Weges eine wiesenähnliche Fläche zum Campen. Hinter mir ein schützender Hain aus Birken, auf der anderen Seite der Wiese, unweit vom Camp, der Stor-Ulvån. Der moosige Grasboden ist etwas sumpfig, aber das Groundsheet wird es schon richten.


    Ich richte mich ein und erledige die alltäglichen Dinge des Abends. Die alte Feuerstelle wird fit gemacht und ein kleiner Vorrat an Holz beschafft. In der Nähe der Fjällstation finde ich eine alte Wegbohle, welche mir als Sitzgelegenheit dient. Als das Feuer brennt, schreibe ich meinen Tag im Buch nieder und genieße die vielleicht letzte Nacht draußen in der wunderschönen Natur. Bei 10° Außentemperatur brauche ich mich heute um kalte Füße nicht zu sorgen.

    *Lagerfeuerromantik

    Moin,

    Nüsse, Studentenfutter u.ä habe ich für die Pausen dabei gehabt. Das mit dem Müsli habe ich im Vorfeld versucht nach einem Rezept aus dem Internet. Leider war es sehr sehr süß, und ich habe nach dem Essen regelmäßig Bauchweh bekommen. Dann habe ich kurz vor der Tour auf hochwertiges Müsli von Seitenbacher zurück gegriffen und es mit Oatsome für den geschmack gestreckt.

    Speck und frische Lebensmittel nachzukaufen gab es nur eine Möglichkeit, kurz vor dem Campingplatz. Da hätte man evtl mehr einkaufen müssen. Von Pilzen habe ich leider keine Ahnung, da habe ich mir schon ein paar mal gewünscht besseren Input zu haben. Vielleicht noch mal ein Plan für die Zukunft.

    10. Zeltplatz irgendwo im nirgendwo – STF Sylarna (16,4 km) 570m rauf - 460m runter

    Sonntag, 18.08.24

    Wetter: wechselhaft, kalt


    Am nächsten Morgen ist es leider nicht mehr ganz so schön. Das Zelt ist innen voller Kondens, der Wind hat wieder deutlich aufgefrischt und der Himmel hängt voller grauer Wolken. Erstaunlich, wie sich der Eindruck des Lagerplatzes nur durch einen Wetterwechsel ändern kann.

    *kalter Morgen mit eisigen Wind


    *Handschuhe zum Frühstück sind heute Pflicht


    Ich wische innen ein mal feucht durch, spanne die Türen auf beiden Seiten auf und lüfte quer. Bis es abgetrocknet ist, habe ich etwas Zeit. Also mache ich mich auf die Suche nach Blaubeeren, um mein Frühstück etwas aufzupimpen, bereite mir einen Kaffee und starre so vor mich hin.

    Zum Frühstück trage ich alle Kleidungsschichten die mein Rucksack her gibt, inkl. Handschuhen. Es ist jämmerlich kalt und die Frage, ob ich wirklich alles benötigt habe ,was im Vorfeld eingepackt wurde, kann ich nun nach dieser Tour guten Gewissens mit JA beantworten. Um 09:30h bin ich dann endlich unterwegs. Dick eingehüllt in meine Kapuze geht es auf gut gehbaren Wegen durch relativ unspektakuläre Landschaften.



    Klar, das Sylarna Massiv liegt immer gut sichtbar voraus, allerdings hatte ich mir das gestern schon gefühlte 5h angesehen und die äußeren Umstände machten es nicht interessanter. Heute kommen mir dafür schon ein paar mehr Leute entgegen und in der Rasthütte Miesehketjahke sitzen wir nach kurzer Zeit zu viert und machen Pause.

    *Rasthütte Miesehketjahke auf halben Wege


    Beim Blick auf die Karte überlege ich links abzubiegen, Richtung Ekorrdörren und dann über den Templet zur Fjällstation zu gelangen. In der Realität kann ich mit Blick von der Hütte aus allerdings nur Sumpfland und kleinere Seen ausmachen. Es ist wohl eher ein Winterweg und irgendwie fehlt mir heute auch die Lust, weiter danach zu suchen. Nach ein paar Snacks und etwas Klönschnack gehe ich weiter. Der Handölan hat hier über viele viele Jahre eine Landschaft aus Altarmen, Abbrüchen und kleinen Seen geschaffen.


    Er setzt sich schon etwas vom Rest der Umgebung ab, aber richtig genießen kann ich es nicht. Das erste Mal auf meiner Reise bekomme ich ein Gefühl von Müdigkeit, von satt gesehen. Der Aufnahmespeicher ist voll. Eine Art Reizüberflutung?

    Am Kläppen muss ich die nächste Pause einlegen. Die Oberschenkel Brennen und die Schritte werden schwerer. Eine heiße Tasse Tomatensuppe schafft Abhilfe. Vielleicht habe ich auch ein Kaloriendefizit, und die dauerhafte Ernährung aus den Tüten Reicht einfach nicht aus, um täglich 3.500 Kalorien aufzufüllen? Darüber sollte ich mir bei zukünftigen, längeren Touren auf jeden Fall Gedanken machen. Circa 3km vor der Fjällstation trennt sich der Weg, und man kann entweder über den Herrklumpen (1.289m) oder drum herum gehen. Ich entscheide mich für den längeren Weg drum herum und hoffe, so noch etwas mehr von Sylarna sehen zu können.


    *Wollgrasfelder in den Sumpfgebieten


    Bis auf ein paar Schneefelder bzw Gletscher, welche sich im Schatten des Berges der Sommersonne widersetzt haben, gibt es aber nicht viel zu sehen.


    Hier oben hat der Wind auch noch eine Schippe drauf gelegt und ich bin froh, als langsam in der Ferne die Häuser der Sylarna Fjällstation auftauchen.

    *Sylarna Fjällstation


    Von außen eher unscheinbar entpuppt sich die Fjällstation von innen als modernes und ziemlich frisch renoviertes Hotel.

    *Restaurantbereich


    Schon gestern Abend hatte ich auf Grund der Wettervorhersage ein Zimmer gebucht. An der Rezeption checke ich ein und erkundige mich, was wohl abends auf der Speisekarte steht. Reindeerstew ! Lecker! Eigentlich wollte ich ja an meinen Vorräten arbeiten, aber der Gedanke an ein richtiges, vollwertiges Abendessen lässt mich das noch einmal überdenken.

    Ich bekomme ein 8er Zimmer den Gang runter, Nummer 31, Värmland. Es ist nagelneu, mit richtig bequemen Betten und viel Platz. Kurz nach mir öffnet sich erneut die Tür und das Pärchen von der Rast in Miesehketjahke tritt ein. Mehr werden es auch heute nicht in diesem Zimmer.
    Nachdem alles eingerichtet ist, wird mal wieder Wäsche gewaschen. Die Trockenräume in den Hütten sind der Hammer und bereits am selben Abend kann ich die Wäsche wieder trocken in meinen Beuteln verstauen.

    Bis zum Abendessen lege ich mich in die bereits eingeheizte Sauna. Einfach herrlich. Ein kleines Fenster erlaubt den Blick auf die Berg, welcher allerdings bald durch lang anhaltenden Regen verblasst.

    Nach dem sehr leckeren Abendessen hänge ich noch eine ganze Weile alleine im Leseraum ab, welcher hart nach dem Ikea ScandiStyle Lehrbuch eingerichtet ist. Aber anders als in einer hippen Stadtwohnung passt es hier wenigstens ins Bild.

    Die völlig losgelösten und interessanten Gespräche der vergangenen Tage gibt es hier leider nicht mehr. Der Tagestourismus hat die Oberhand und alle Leute sind einander fremd. Die Trailmagic, wie ich sie zum Beispiel in der Fältjägarstugan erlebt habe, ist plötzlich nur noch eine schöne Erinnerung. Warum ist das so? Wieso haben Tageswanderer ein anderes Bedürfnis nach Gesellschaft als Distance Hiker? Im Gedanken an die ein oder andere Frage und etwas gemischten Gefühlen mache ich mich langsam auf den Weg ins Bett.

    9.2. STF Helags – Zeltplatz irgendwo im nirgendwo (5,9 km) 93m rauf - 170m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    In Reichweite zur Fjällstation meine ich ein Tarptent Stratospire erspäht zu haben. Ein Junger Mann kniet im Eingang und bastelt herum. Da ich die Zelte von Tarptent im Vorfeld auch auf dem Schirm hatte, bin ich neugierig und gehe drauf zu. Wir kommen ins Gespräch und er verrät mir, dass der Wind in der letzten Nacht die Ösen bzw. die Bänder herausgerissen hat und das ganze Zelt über ihm zusammengebrochen ist. Er musste in Eiseskälte das nötigste retten und in die Fjällstation umziehen. Nun will er den Schaden genau begutachten und einpacken. Sein Bruder schwört auf das HB Niak, aber ihm war es zu schwer. Nun zahlt er den Preis für das eingesparte Gewicht.


    Erneut passiere ich das Keron der vier Hunde. Anders als in meiner Nuckelpinne oder dem Strato muss sich hier vor Sturm und Regen niemand fürchten. My Home ist my Castle, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Es geht weiter auf dem Weg Richtung Sylarna. Bis zur Sylarna Fjällstation sind es gute 20km. Das Ganze heute noch am Stück ist natürlich abwegig, aber irgendwo vor der Misehketjahke Schutzhütte soll der Fluss Handölan bis nah an den Weg reichen. Vielleicht findet sich ja dort in der Nähe ein Fleckchen, irgendwo im Flussbett oder einer Senke.

    *Blick Richtung Norden auf`s Sylarna Massiv


    *Blick zurück zum Helags


    Nach einer guten Stunde kommt mir eine Person mit einem Rudel Hunde entgegen. Da mir meine Freude über die Vierbeiner wohl anzusehen ist, bleibt die Frau stehen und wir schnacken miteinander. Es ist die Frau aus dem Keron, welche heute den Tag mit den Hunden in der Sonne verbracht hat. Ein Zwei Kilometer weiter soll es links hinter einem Bach eine kleine, grasbewachsene und ebene Stelle geben, wo man herrlich liegen kann. Auch wurde aus einer halben Holzbohle für die Wege eine Bank zum Sitzen gezimmert. Sie hat es von einem anderen Wanderer erfahren und gibt diesen Tipp nun gerne weiter. Das werde ich mir auf jeden Fall ansehen.

    Was Outdoorequipment angeht, scheint sie gut informiert zu sein, was sich im Gespräch immer wieder herausstellt, da wir teilweise die selbe Ausrüstung verwenden , bzw. verwendet haben. Zwei Gearjunkies unter sich;)

    Sie hat im Zelt alles dabei und das meiste Gewicht auf ihre Hunde aufgeteilt, welche ebenfalls alle mit Hunderucksäcken ausgestattet sind. Bei vier ausgewachsenen Schäferhunden kann man da schon einiges unter bekommen. Nach 20min verabschieden wir uns und ich mache mich auf die Suche nach „ihrem“ Spot. Hoffentlich gehe ich nicht dran vorbei.

    Tatsächlich kreuzt 10min später ein Bächlein den Weg und links davon führt ein kleiner Trampelpfad zum besagten Platz. Er ist wie auf einem Plateau gelegen, abgeschirmt von einem 50cm hohen Absatz, auf dem wiederum 50cm hohe Blaubeerbüsche wachsen. Der Wind kommt aus Südwest, abgeschwächt vom nördlichen Ausläufer des Helags. Der Rest der hier noch ankommt, wird von den Büschen abgehalten. Dieser Platz ist hier draußen tatsächlich ein Glücksgriff und ich bin sofort überzeugt.

    *Bergausläufer als Windschutz, links oben die Spitze des Helags


    Das Zelt stelle ich heute drei Mal auf, da ich zuerst schlecht liege und die anderen beiden Versuche die windanfällige Seite des Zeltes genau gen Wind zeigt. Falls es hier draußen doch noch umschlägt, will ich zumindest halbwegs aufgestellt sein. Ich melde mich bei meiner Familie, koche mein Abendbrot und erkunde etwas die Gegend. In der Ferne scheint es mehr zu regnen, was sich deutlich am Himmel abzeichnet. Allerdings zieht bis auf einen kleinen Schauer alles unweit von mir vorbei.

    *Über dem Sylarna regnen sich die Wolken ab


    *hier geht es morgen weiter


    Gegen 21h soll die Sonne direkt hinter dem Sylarnamassiv unter gehen. Da bin ich mal gespannt.

    Zum Reisebuch schreiben lege ich mich vorerst ins Zelt. Es dauert aber nicht lange, und ich nehme ein paar Meter weiter hinter dem Zelt merkwürdige Klopfgeräusche wahr. Die Rentiere sind neugierig und sind bis auf paar Meter heran gekommen. Ich sehe, wie sie mit ihren Hufen auf den bewachsenen Boden stampfen, und so unter der Oberfläche liegende Wurzeln und andere Leckereien freilegen, die sie dann genüsslich abgrasen können. Sobald man sich allerdings bewegt, schrecken die Tiere auf und suchen das Weite.

    Das alleine ist schon schön anzusehen, so ganz aus der Nähe, aber was ich in weiter Ferne über den Bergen sehe, verschlägt mir die Sprache. Ein nahendes Gewitter verdunkelt die gerade untergehende Sonne und erzeugt ein Naturschauspiel der Extraklasse. Ein diffuses Licht und der herabfallende Regen rahmen das ganze Bild perfekt ein…und ich habe einen Logenplatz.

    *mächtig gewaltig




    Nachdem alles ausgiebig abgelichtet wurde, geht es in den Schlafsack. Es war ein langer Tag.

    Mitten in der Nacht werde ich wach. Es ist arschkalt und ich muss raus zum Pinkeln. Während ich da so stehe und in den Himmel blicke, fallen mir weiße Schlieren am Nachthimmel auf. Ich hatte mal davon gehört, dass weniger intensive Polarlichter erst durch die Belichtung der Kamera wirklich sichtbar werden. In echt hatte ich bisher noch keine Lichter sehen können, aber einen Versuch ist es Wert. Ich ziehe mich wärmer an und hole mein Handy raus….und tatsächlich. Aurora Borealis gibt sich die Ehre, direkt über meinem Zelt. Ich kann mein Glück kaum fassen.


    *Aurora Borealis


    *fehlt nur noch ein Rentier im Hintergrund



    Sollte morgen meine Reise aus Gründen zu Ende sein, hätte ich alles gesehen, was ich mir auch nur im entferntesten ausgemalt habe. Mit einem großartigen Gefühl der Dankbarkeit und einem breiten Grinsen steige ich zurück in meinen Schlafsack.

    9.1 STF Helags (9,5 km) 800m rauf - 826m runter

    Samstag, 17.08.24

    Wetter: heiter, windig und kalt



    Heute bin ich tatsächlich mal der letzte der wach wird. Überall in den Betten regt sich schon was. Es ist 07:00h und wie versprochen scheint die Sonne. Genau so habe ich mir den Aufstieg seit langer Zeit vorgestellt. Erneut muss ich an Berichte aus dem Forum denken, wo die Leute an den wirklich schönen Stellen im Regen oder in den Wolken standen, und nichts sehen konnten. Gott sei es gedankt, bleibt mir das größtenteils erspart.

    Es folgt die morning Routine und die Überlegung, wie ich mein Wasser und etwas Proviant auf den Berg bekomme, ohne es die ganze Zeit tragen zu müssen. Ich bastele mir aus meinem Gürtel und einem Drybag eine Art Umhängetasche vom Typ Talahon. Rein kommen meine Flasche, Nüsse und Riegel. Das sollte reichen für eine kleine Rast.

    Um 08:10h bin ich auf dem Weg nach oben. Die Runde im Uhrzeigersinn soll man laut Flurfunk besser gehen können, also versuche ich es so herum. Auf dem Weg fallen mir ein großes Keron und eine Person mit vier Schäferhunden auf. Das Zelt steht wie eine eins und trotzt den Elementen. Ich freue mich, dass hier oben die Zelte ihre Verwendung finden, wie von Bo Hilleberg einst gedacht. Kein tristes Leben auf dem Campingplatz in Parzellen, eingepfercht von Lorbeerhecken und Hagebuttensträuchern.

    *Keron 4GT in seinem Element


    Der Einstieg in den Berg beginnt rechts neben dem heuabrauschenden Bach.

    *mittig rechts im Bild die Helags Fjällstation


    Etwas weiter oben wird dieser dann gequert und man erreicht ein Plateau mit kleinen Gletscherseen.



    Weiter geht es auf unterschiedlich großen Steinbrocken bzw. Platten. Diese sind mehr schlecht als recht mit einem orangenen Punkt markiert. Jedoch verliere ich des öfteren die Übersicht und verlasse mich letztendlich ganz auf den Track auf meiner Uhr. Gut, dass ich im Rogen diese Art des Wanderns vorher ausreichend üben konnte.


    *den Aufstieg kann sich jeder selber suchen


    Nachdem der lange Anstieg überwunden ist, geht es etwas geradeaus und der Predikstolen zeigt sich aus einer ganz anderen Sicht.

    *Predikstolen von Oben


    Im Hintergrund liegt der Sylsjön, nahe der Norwegischen Grenze. Eine Idee den Menschenmassen zu entgehen war eine Tour entlang des Ostufers des Sees. Leider ist dies auf Grund der Wetterverhältnisse nicht möglich gewesen, was sich später auch noch als Glücksfall herausstellen sollte.

    Weiter geht es Richtung Gipfel. Eine kleine Kletterei über größere Felsen und dann ist es geschafft. Weder vor noch hinter mir ist irgend jemand zu sehen. Oben liegt eine Box aus Edelstahl, welche das Gipfelbuch beinhaltet. Ein Turm aus Steinen ist aufgeschichtet und mit einer Planke aus Holz wurde notdürftig eine Sitzgelegenheit geschaffen. Leider zieht es hier oben so dermaßen, das ein längerer Aufenthalt, und sei es nur für eine Tüte Nüsse, nicht möglich ist. Der durchgeschwitzte Körper kühlt in wenigen Minuten aus.

    So trage ich mich mit einer leeren Kugelschreibermine in das Buch ein, schieße ein paar Fotos und mache mich wieder auf den Weg hinunter. Während der Fotos verdunkelt eine graue Wolke den Himmel, aus der sogar kurzzeitig Schneeflocken fallen. Und das mitten im August.

    *Helagstoppen 1.797m



    Die andere Seite des Berges unterscheidet sich landschaftlich vom Aufstieg. Der Untergrund besteht eher aus glatten Felsen und man kann bis an die Abbruchkante heran gehen.

    *nördliche Flanke des Berges


    *Blick nach Süden




    Ich steige langsam weiter ab und nach 3:50h bin ich wieder an der Fjällstation angekommen. Pünktlich zum Mittag. In der Gemeinschaftsküche bereite ich mir Porridge und Kaffee, dazu noch einen dicken Schokoball von der Rezeption.

    *Gemeinschaftsküche der Fjällstation


    Über das W-Lan der Station mache ich noch ein paar Handyupdates und checke den Wetterbericht. Es ist noch früh am Tage und eigentlich zu schön, um hier den Tag zu vergeuden. Ich beschließe heute noch ein paar Kilometer zu machen und spontan zu sehen, wo sich was finden lässt. Um 13:15h bin ich erneut auf dem Weg Richtung Sylarna.

    8. STF Fältjägaren Fjällstuga – STF Helags (13,3 km) 503m rauf - 526m runter

    Freitag, 16.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, kalt


    Wie bestellt scheint um 06:30h die Sonne durch die Fenster. Um niemanden zu wecken stöbere ich noch eine Weile im Handy, schaue mir Fotos an, dies das. Gegen 07:00h mache ich mich langsam und leise fertig.

    Zum Frühstück gibt es erst Müsli, dann bereite ich mein Track`n eat Rührei, welches ich seit ca. 2 Jahren zu Hause liegen habe, und im Anschluss kommt noch die Herbergsmutter mit selbst gebackenen Brötchen und Butter herein. So lässt es sich leben.

    Gegen 09:00h verabschiede ich mich von den drei Trailrunnern mit einem Lächeln und dem Hinweis, dass ich später in der Sauna auf sie warten werde. Es geht 13km ziemlich gerade aus, mit einer kleinen aber langezogenen Steigung am Fuße des Helags. Als ich mich nach ein paar Hundert Metern noch mal umdrehe ist die Stuga bereits nur noch ein kleiner Punkt auf dem Berg.

    *Blick zurück zur Hütte


    Der Predikstolen liegt noch mit dem Gipfel in den Wolken und ich hoffe das sich das innerhalb der nächsten Stunde auflösen wird. Es wäre zu schade diesen Anblick nicht in voller Schönheit genießen zu können.

    *Predikstolen in den Wolken


    Als ich kurz verschnaufe und einen Schluck aus meiner Flasche nehme kommen die drei „Jungs“ aus der Stuga vorbei gelaufen. Schnell zücke ich mein Handy. So ein Foto von ihnen und dem Helags im Hintergrund haben sie bestimmt auch noch nicht.


    Um so weiter ich gehe um so besser kommt die steile Flanke des Predikstolens zur Geltung. Auch die Wolken haben sich derweil verzogen und wenn man denkt es geht einfach nicht mehr besser, kommt von irgendwo meist ein Rentier daher. Und wenn man sein Tellerchen ganz aufgegessen hat, auch mal ein weißes;) Da kann Harry Potter sein Patronus einpacken.

    *Laut den Sami bringen weiße Rentiere Glück



    Voller Freude über den heutigen Tag bemerke ich den Anstieg vor dem Rentierzaun gar nicht wirklich und plötzlich taucht auch schon der erste Hinweis zur Station auf. Die letzten 3h vergingen wie im Flug und in 500m ist es schon geschafft.


    *Helags Fjällstation


    Die Helags Mountain Station unterscheidet sich recht deutlich von allen vorhergegangenen Hütten, aber das war mir halbwegs bewusst. Ich bin schon sehr gespannt was mich dort erwartet.

    Nachdem ich mich etwas umgesehen habe betrete ich das Hauptgebäude, welches ziemlich mittig in dem Gebäudekomplex liegt und die Küche, Restaurant und Rezeption beinhaltet. Alles ist hier auf einmal ohne Einschränkungen vorhanden. Strom, Wärme, W-Lan, fließend Wasser, richtige Toiletten und ein gar nicht so kleiner Shop für alles was man braucht…oder auch nicht.

    Zugegeben, es gleicht mehr einem Hotel mit check in per PC und der ganzen Aufmachung, aber nach fast einer Woche ohne alles ist es mir ganz genehm. Man muss sich auch mal was gönnen.


    *Viele Wege führen zum Helags


    Während meiner Fika mit einem Kaffee und zwei Schokobällen beschließe ich heute Nacht hier zu bleiben und morgen in aller Ruhe den Helags zu besteigen. Ich habe Zeit ohne Ende und man muss auch mal genießen und nicht nur Kilometer abreißen. Oft denke ich mir nach den Touren ich hätte mir mehr Zeit lassen sollen. Diesen Vorsatz will ich nun mal in die Tat umsetzen. Danach werde ich weiter sehen.

    Ich buche die älteste Hütte auf dem Areal, ohne Strom und Licht (welche von dem Vater letzten Abend als „sehr Cozy“ empfohlen wurde) und das Abendessen, was laut Internet jeder mal gegessen haben sollte. Ich bin sehr gespannt.

    *cozy Cabin



    Im Shop gibt es noch eine Tüte Chips und ein Schlafsackliner als Unterstützung für den zu kalten Schlafsack. Heute Nacht wird der Liner aber als Hüttenschlafsack ausreichen.

    Von 15:00h - 17:30h geht es in die Sauna. Die Lage ist 1 Doppel A, mit toller Aussicht auf den Gletscher. Drinnen sitzen auch schon die drei Trailrunner, von denen ich mir nun natürlich anhören darf, was ich die ganze Zeit gemacht habe. Während man bei 100° in der Sauna schwitzt kommen einem allerdings schon ein paar Gedanken, ob das alles so seine Richtigkeit hat, unterdessen das 2km weiter der Gletscher allmählich abschmilzt. Den Rest der Saunarunde scheint es allerdings nicht weiter zu stören und es wird munter erzählt und diskutiert.

    *Bastu mit Ausblick auf den Helags Gletscher


    Zwischen den Saunagängen geht es jedoch nicht unter die nagelneuen Duschen einen Raum weiter, sondern ca. 150m splitterfasernackt durchs Fäll, hinunter zum Gletscherbach. Das „Helagsbadet“ ist dort etwa 50cm tief und lädt ein zur Abkühlung der anderen Art. Die uns entgegen kommenden Wanderer staunen nicht schlecht als wir uns auf den schmalen Holzplanken begegnen;) Muss man mal gemacht haben.

    *Helagsbadet;)


    Pünktlich um 18:00h wird zum Essen gebeten. Die Köche und Kellnerinnen, alle samt sehr jung, stellen vor versammelten Publikum ihr Menü vor. Dazu gibt es Empfehlungen zu Wein und Bier. Es gibt frischen Fisch mit Gemüse und Wurzeln aus der Region, dazu selbstgemachte Butter und Brot, das alles in Buffetform und so viel man mag. Dazu ein kühles Helagsbier für 105,- SEK/Flasche


    Die allgemein tolle Atmosphäre, das leckere Essen und die netten Gespräche am Tisch lassen die Preise jedoch vergessen. Ich sitze mit einem jüngeren Mann Mitte Ende 30 zusammen und wir erzählen uns von unseren Reisen. Er ist in Ljungdalen gestartet und hat sich schon am ersten Tag den Arm verletzt. Sein Handgelenk ist angeschwollen wie ein Apfel. Da es aber seine letzten Tage vom Vaterschaftsurlaub sind, hat er sich nicht beirren lassen, und ist trotzdem weiter gezogen.

    Über den Helgas, nach Vålåstugorna, weiter zur Sylarna Fjällstation und gestern wieder hier her zurück. Das alles mit kaputten Handgelenk. Ich frage ihn ob er eine dicke Baumwollbinde zur Stabilisation haben möchte, aber er ist überzeugt das Ibu`s reichen. Ich biete ihm meine Pillen aus der Reiseapotheke an. Es ist das erste und letzte mal auf der Reise, dass ich den Beutel des Medikits öffne, dazu noch nicht mal für mich. So kann es gerne bleiben.

    Die Empfehlung, hier auf den Hütten das Essen zum probieren wenn man mal die Möglichkeit hat, kann ich nur bestätigen. Ein rundum tolles Erlebnis. Vielleicht auch den entbehrungsreichen Tagen zuvor geschuldet, aber was solls. Am Abend liege ich in meinem Bett, schreibe noch etwas im Tagebuch und mache dann bald die Augen zu.

    Morgen geht es hoch hinaus.

    7. Klinken – STF Fältjägaren Fjällstuga (16 km) 685m rauf - 333m runter

    Donnerstag, 15.08.24

    Wetter: regen, windig, kalt


    Um 04:00h morgens werde ich von dicken Tropfen geweckt, welche lautstark auf das Außenzelt prasseln. Da ich gut geschützt liege drehe ich mich kurz um und schlafe sofort wieder ein. Gegen acht drückt dann die Blase und ich muss hoch. Der Regen ist in einen leichten Niesel über gegangen und ich nutze die Gelegenheit, meine Sachen die 50m ins Shelter zu tragen. Dort kann ich mich in Ruhe ausbreiten, Frühstücken und den Rucksack packen. Das Zelt ist beim verstauen noch sehr klamm. Ich fürchte da muss ich mich später noch mal drum kümmern. Vorerst mache ich mich um 09:00h auf den Weg zurück zum ersten Vindskydd in Klinken.

    Von da aus geht es wieder steil bergan, hinaus aus dem Tal. Nach einer Weile höre ich ein plätschern in den Büschen. Ein Wasserfall rauscht neben dem Trail hinab ins Tal. Von der anderen Seit gestern konnte man ihn schon erahnen, nun weiß ich ungefähr wo ich bin.


    Oben angekommen gilt es den Fluß zu queren. Den Kollegen auf dem Campingplatz in Fjällnäs habe ich noch gefragt, ob es irgendwelche Probleme mit Furten gegeben hat. „Nein nein, alles in Ordnung“ war seine Aussage. Heute sieht es etwas anders aus und der Regen hat seine Hausaufgaben gemacht. Viele Steine sind von den Wassermassen verschluckt und ich habe gedanklich schon meine Schuhe ausgezogen.

    *Die kleinen Bäche sind nach dem Regen ordentlich gefüllt


    Nach ein paar Metern Fluß aufwärts finde ich jedoch eine halbwegs geeignete Stelle, die ich mit Hilfe der Trekkingstöcke gut queren kann. Glück gehabt.

    Die Sicht wird mit jedem Schritt schlechter und irgendwann gehe ich komplett im Nebel…oder den Wolken, das ist hier mittlerweile schwer zu unterscheiden. Nur auf die Rentiere ist wiedermal verlass, die sind immer in der Nähe, ganz gleich bei welchen Wetter.

    *mystic Moments


    Ich bin froh als ich nach einer Weile die Schutzhütte Svaaletjahke erreiche. Als ich die Tür öffne kommt mir eine gemütliche Wärme entgegen. Drinnen sitzt ein Vater mit seinen drei Söhnen. Sie warten das gröbste an Schlechtwetter ab. Da der Ofen in den Hütten nur im äußersten Notfall zu verwenden ist, haben die Jungs sich den Gasbrenner angeschmissen und heizen damit ordentlich ein. Mit Vatis Hilfe füllen die Kids das Logbuch aus, welches in den Hütten zur Nachverfolgung der Route ausliegt. Wir unterhalten uns eine ganze Zeit lang, während ich mir einen kleinen Snack bereite.

    Unterdessen klart es draußen tatsächlich auf. Die blauen Lücken in der Wolkendecke werden immer größer und ich will die Chance nutzen und weiter ziehen. Bis zur Hütte sind es noch 8km laut Uhr.


    *Es sind die Kleinigkeiten auf die man achten muss



    Der Wind hat sich auch verändert, allerdings nicht zum guten. Er bläst mir heftig entgegen. Teilweise muss ich sogar die Stöcker nutzen und mich zur Windabgewandten Seite abstützen, um nicht aus dem Tritt zu geraten. Wenn das hier oben so weiter geht, habe ich wohl die letzte Nacht in meinem Zelt gelegen.

    (Allgemein kann ich mich mit dem Xmid nicht so 100%ig anfreunden. Es hat einfach zu viele große Flächen, die schon bei mittlerem Wind nicht straff genug sind, um Außen und Innenzelt verlässlich zu trennen. Resultat ist dann eine nasse Innenzeltwand, welche bei meiner Körpergröße wirklich sehr unvorteilhaft ist. Ich brauche eh schon die 2P Variante, damit ich diagonal liegen kann und nicht oben und unten anecke. Dazu kommt, das man im Auslieferungszustand einzig zwei Abspannleinen an den Poles dabei hat und acht mini Heringe. Für die laue Sommernacht wie Gestern im windstillen Tal ist es toll, aber für alles andere in dieser Gegend ist es m.M.n nichts. Hier oben sind die UL Zelte einfach im Nachteil und den Elementen nicht gewachsen. Es hat schon seine Gründe wieso die Skandinavischen Hersteller alle etwas Robuster und schwerer bauen.)

    Ca. 4km hinter der RH gilt es dann doch noch einen größeren Bach zu queren. Und das geht beim besten Willen nicht mit Schuhen. Also alles ausziehen, durchwaten und wieder anziehen. Aber halt! Vielleicht gehe ich erst mal weiter. Der nächste Anstieg ist zwar zu sehen, aber noch etwas hin. Es fühlt sich schon lustig an, wenn der aufgeweichte Boden unter dem Gewicht des Körpers zwischen den Zehen hindurch quetscht. Und das alles bei einstelligen Temperaturen. Aber ich lag mit meiner Vermutung richtig. Die nächste Furt lässt nicht lange auf sich warten.

    Als das geschafft ist geht es wieder einmal bergan. Am Scheitelpunkt des Weges sieht man ganz in der Ferne plötzlich die Fältjägarstugan. Ich bin wirklich froh als ich dort ankomme. Heute ist einfach kein schönes Wanderwetter.




    Ich werde freundlich von der recht jungen Hüttenwirtin begrüßt. Als ich die Küche betrete beginnt sie zügig mit der Einweisung. Von meiner Anmerkung, dass ich über die Regeln auf den Hütten im Bilde bin lässt sie sich nicht abbringe und rattert ihren Text runter.

    Direkt danach greift sie zum Schrubber und wischt meine Fußabdrücke über, welche von den feuchten Socken auf dem Holzboden zu sehen sind. Mir dämmert es, das die gute Frau es nicht so easy nimmt hier oben. Meine Frage, ob wir nicht den Ofen anfeuern können wird verneint. Es würde zu schnell zu warm werden und dann müsste man wieder Lüften. Holz sei hier Mangelware und wenn man nicht erfroren ist unterwegs würde man sich auch so aufwärmen können. Wäsche trocknet auch draußen im Wind.

    Okkeeeeeeeee, dann ist das wohl so. Ich gehe runter zum See um mich im eisigen Wind und noch kälteren Wasser zu waschen. Es ist wirklich kein schönes Ritual, aber der Schweiß muss ja irgendwie runter. Bei der Gelegenheit wasche ich auch gleich mein Kleidung ein mal durch. Oben hänge ich alles auf die Leine und verziehe mich ins Haus.

    Über den Tag verteilt kommen noch ein Vater mit seiner bereits erwachsenen Tochter und drei Trailrunner, ebenfalls von Klinken bzw. Ramundberget. Alle samt Schweden.

    Irgendwann fällt mir auf, das sich wirklich alle im Raum ausschließlich auf Englisch unterhalten. Ich meine es sind Landsleute, sie könnten es auch auf schwedisch tun. Da ich der Sprache jedoch nicht mächtig bin, scheint es wie selbstverständlich, das sie mich mit einbeziehen in ihre Gespräche. Ich bin wirklich gerührt, diese Art der Gastfreundschaft kannte ich noch nicht.

    Am Abend kommt die Hüttenwirtin noch mal vorbei, macht für alle eine Feuerunterweisung, kündigt Schlafen und Frühstückszeiten an und erkundigt sich zum Schluss noch im Namen des STF, ob und wie wir von der Schließung der STF Gåsen erfahren haben. Fehlt nur noch das wir alles Unterschreiben müssen;)

    (Gut das Sie nicht gesehen hat, wie ich mein Außenzelt im Schlafbereich hinter dem Vorhang getrocknet habe. Dann wäre es das für mich gewesen;)

    Morgen Früh soll die Sonne raus kommen, dann geht es schlanke 13km zur Helags Fjällstation.

    Und selbst die schönsten Fotos können nur einen Bruchteil dessen wiedergeben, wie es live vor Ort ist. Das muss man selbst gesehen haben.

    Und die endlose Weite ist wirklich beeindruckend. Die Alpen sind ja auch sehr schön, aber immer nur bis zur nächsten "Wand". Das Gefühl im Fjäll ist wirklich einzigartig

    6. Fjällnäs Camping & Lodges – Klinken (19,6 km) 852m rauf - 934m runter

    Mittwoch, 14.08.24

    Wetter: blauer Himmel und Sonne, warm


    Die Nacht war sehr windig, was aber zur Folge hat, dass es heute keinerlei Probleme mit Feuchtigkeit gibt. Um 06:00h muss ich raus aufs Klo. Bei dieser Gelegenheit nehme ich gleich meine Powerbank mit ins Waschhaus zum aufladen.

    Zurück im Zelt fallen mir sofort wieder die Augen zu. Als ich zum zweiten mal aufwache ist es bereits nach acht. Frühstück steht 08:30h abholbereit in der Rezeption. Ich packe meine sieben Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Ich bekomme einen schicken Korb mit allem was das Herz begehrt. Verschiedene Brötchen, Croissant, Wurst, Käse, Obst, Marmelade, ein Ei, Kaffee, Saft und Milch. Einfach großartig. Um das gebührend zu zelebrieren gehe ich runter zum See, wo ich gestern eine Picknikbank entdeckt habe, und lasse es mir gut gehen.

    *Hiker`s Breakfast am See


    Am Ende ist bis auf den letzten Krümel alles aufgegessen. Endlich mal die Menge an Kalorien, welche meinem Körper nach derartigen Anstrengungen auch zu steht;) Ganz andere Hausnummer als 150g Müsli jeden Morgen.

    Gegen 09:30h bin ich wieder auf dem Trail. Ein kurzes Stück weiter auf der Straße, dann geht es rechts ab den Hang hoch. Die Umgebung kommt einem langsam bekannt vor. In den Hängen der Täler ist immer alles voll mit Birkenwäldern, weiter oben lichten sich diese und es geht in Grasland und Sumpf über.



    *Blick zurück


    Einzig die Berge im Hintergrund nehmen langsam Form an und überragen die eher kleinen Hügel vergangener Tage deutlich. Die Kroktjärnstugan lasse ich nach ein paar Fotos links liegen und gehe auf schmalen Wegen weiter zur Långbrottjärnstuga.

    *Blick voraus


    *Schutzhütte Kroktjärnstugan


    Über den Fluss des Långbrottsjöarna kreuzt eine etwas größere Hängebrücke aus Metall und die wärmende Sonne lädt ein, um bei einer ausgiebigen Rast die Füße im kalten Wasser baumeln zu lassen.


    *Mit dem Arsch im Wind ;)


    *Verlassene Hütte der Samen


    Es gibt Knäckebrot mit Salami, eine Tasse Cappuccino und einen Riegel. Zum zweiten mal liege ich diesen Urlaub nun Oberkörperfrei in der Sonne. (Es sollte tatsächlich das letzte mal bleiben).

    Aus heiterem Himmel rennt plötzlich neben mir ein Rentier quer durch den Fluß. Bis ich mein Handy aus dem Hüftgurt gekramt habe ist er auf der anderen Seite die Böschung hoch und im Fjäll verschwunden.

    Nach der Pause geht es erneut bergauf ins Långbrottfjället. Die Felsen sind nun ganz verschwunden und die Landschaft besteht ausschließlich aus Grashügeln. Plötzlich kommen mir fünf Wanderer innerhalb von 10min entgegen. So viele habe ich die ganzen letzten Tage nicht gesehen.

    Oben angekommen gibt es einen ersten Blick auf den Helags. Auch der vorgelagerte, 1.681m hohe Predikstolen ist auf den Bildern zu erkennen. Das ist mir aber erst hinterher aufgefallen. Mein Ziel für die nächsten Tage ist also schon sichtbar, das motiviert und steigert die Vorfreude.

    *Helags voraus


    Hier oben ist es eigentlich ganz schön, jedoch macht der fast schon stürmische Wind einen längeren Aufenthalt recht ungemütlich. Hinter dem Klastjärnen See geht der Trail langsam wieder Bergab ins Tal und sobald man aus dem Wind heraus ist, sind gefühlte 25°. Die steigenden Temperaturen und die drückende Luft kommen mir komisch vor. Ein Blick in die App bestätigt meine Befürchtungen…Gewitter im Anmarsch.

    *Das Grüne Tal von Arryn, ähh Klinken


    *Brücke über den Ljusnan

    *Trinkwasserqualität an jedem Bach

    *alter Heuschober im Klinkental


    In der Talsohle angekommen führt eine Brücke über den Fluss Ljusnan, wo sich direkt auf der anderen Seite der Shelter befindet. Aber irgendwie kann ich mich mit diesem Spot nicht anfreunden. Es ist dieses Gefühl, was ab und an mal sagt: „Hier nicht!“

    Ich habe in der Vergangenheit immer gut daran getan, darauf zu hören. In der Karte ist Flußabwärts noch ein weiteres Shelter eingezeichnet und die Schilder zeigen an, das es 1,5km bis dahin sind. Die gehe ich nun auch noch. Wenn es nichts ist komme ich halt wieder zurück.

    Gesagt getan, beim zweiten Shelter gefällt es mir deutlich besser. Zugegeben ist es eher ein Bushaltestellenhäuschen als ein Shelter, aber die Vibes hier sind besser. Ich baue mein Zelt am Fluss auf und bereite im Anschluss einen Topf Spaghetti Bolognese.

    *Ein einfacher Unterstand steigert den Komfort bei Regen um 100%


    *erste Reihe


    Hier in der Nähe zu Ramundberget besteht sogar Handyempfang und die Akkus sind alle voll. Deshalb gönne ich mir heute um 18:00h mal die Blaue Stunde auf NDR1, während ich ein paar Dehnübungen mache und die gute Zeit genieße. Für den mentalen Akku einfach Gold wert.

    Und tatsächlich muss ich zum ersten mal auf dieser Reise mein Mückennetz auspacken. Der Wanderer auf dem Camper hatte es mir für das waldige Tal bereits prophezeit. Bislang konnte es problemlos im Rucksack verweilen, aber das Wetter, das viele und hohe Gras sowie die Nähe zum Fluss sind wohl eine gute Mischung für Mücken bzw Knots. Aber auch das tut der guten Stimmung heute keinen Abbruch.




    Ab und an kommt eine Gruppe mit dem E-Bike aus Ramundberget vorbei, aber sonst bleibe ich für mich alleine. Den Abend verbringe ich mit Tagebuch schreiben und Tagesplanung für morgen. Da es ab heute Abend die nächsten 24h regnen soll, buche ich ein Bett in der Fältjägarstuga. Das werden dann morgen 14km im Regen, aber mit Aussicht auf eine richtiges Bett und einen warmen Ofen stellt das kein Problem dar.

    Bis zum Einschlafen bleibt der Regen weiterhin aus