Bei mir ist die HM ja schon eine Weile wieder auf dem Weg, hatte nur einfach keine Zeit meinen Review-Teil mal zu schreiben. Ich versuche mich bei dem zu beschränken, was schon eindeutig aus den anderen Tests hervorgeht.
1. Die HM DRAKA:
Der Stoff hat, wie ich das von der Spirit (Lesovik Duch) kenne wenig Dehnung. Er fühlt sich weniger seidig und weich an als Hexon 1.7. Als unangenehm plastikartig würde ich ihn nicht beschreiben. Das Packmaß und das Gewicht finde ich akzeptabel. Hier muss man sich einfach im Klaren sein, dass das Moskitonetz einen Rattenschwanz mit sich zieht: Die Reißverschlüsse machen hier sicherlich ordentlich was aus. Die Abspannschnüre tun ein Übriges. Eine reine HM aus dem Stoff in gleicher Länge dürfte weniger als die Hälfte wiegen.
Das Moskitonetz finde aber ganz gut gelöst, die Abspanner tun ihren Dienst und selbst ohne geht es eigentlich auch ganz gut. Das Netz ist ein wenig dehnbar, ich hatte keine Angst es könnte reißen.
Hier ein paar Bilder:



Mit den seitlichen Abspannern.

Ohne die seitlichen Abspanner.
Gleichzeitig liegt hier mein größter Kritikpunkt. Ich hatte es schon in einem anderen Faden geschrieben:
Die seitlichen Abspannschnüre kreieren eine harte Barriere für den Underquilt. Das kann positiv sein, wie im Beispiel weiter oben mit dem HUQ180. Der UQ kann nicht einseitig unter dem Gesäß weg nach oben rutschen. Der Otul ist jedoch 140cm breit, er bildet, wenn ordentlich abgespannt eine Art Wanne mit Seitenwänden. Wenn man diagonal liegt kommt diese Seitenwand auch am Kopf und Fußende über die Kante der HM hoch (bei einer netzlosen HM gleicher Breite). Man kann ihn dann sogar oben zusammenschließen und eine Art Cocon bilden. Das geht mit der Draka nicht. Man könnte denken, dass dieses Verhalten nicht auftritt, weil die HM 10cm breiter ist als der UQ. Wenn man diagonal liegt hat man aber die Kante auf der einen Seite höher als auf der anderen. Während der UQ also auf der einen Seite die Kante nicht erreicht, wird er auf der anderen blockiert. Dadurch bildet sich ein mehr oder weniger großes Luftloch. Den Rest könnt ihr euch ja denken. Der HUQ ist mit 120cm etwas schmaler und ich denke das reicht schon aus. Meine Freundin hatte mit dem Otul auch keine Probleme, da sie nicht so groß ist und weniger diagonal lag.

Hier sieht man die Barriere die sich bildet, die m.M.n. Den UQ etwas limitiert.
Die Ridgeline ist für meinen Geschmack auch zu lang eingestellt. Dadurch hat man sie relativ schnell im Gesicht. Gleichzeitig bedeutet das einen weniger diagonalen Liegewinkel, was es einem UQ nach Bauart des Otul oder den Cumulus Modellen wieder leichter macht.
Das Liegegefühl ist dadurch sicher nicht unangenehm aber für Menschen mit 197cm einfach nicht gemacht. Wir haben Druck auf der Ferse und Nacken bei 330cm Gesamtlänge. Und je geringer der Winkel in dem wir diagonal liegen desto größer ist dieser Druck auch. Lesovik wirbt mit komfortabel bis 200cm Körpergröße, das geht m.M.n. an der Realität vorbei. Gleichzeitig ist es ein Stück weit relativ. Die Draka ist viel bequemer für mich als die ENO Single nest mit 280cm meines Kumpels.
Ich sehe diese HM nicht als Konkurrent zu den wohl sehr ausgefeilten Warbonnet-Modellen sondern eher als gut verarbeitete Alternative zu dem was Amazonas und Konsorten auf den Markt schmeißt. Hier bekommt man ein deutliches Upgrade was das Material und die Langlebigkeit angeht, finde ich.
2. Der Underquilt OTUL:
Hier schließe ich mich den Vorrednern an. Das ist kein Winter UQ für Deutschland oder Polen. 133g/m Apex Climashield leisten das nicht. Viel hängt von der genauen Situation ab. Ich habe einige unbequem kalte Nächte knapp unter 0 damit verbracht. Das geht wenn man will. Merino Unterwäsche, Schlafsack, Tarp bis auf den Boden gegen den Wind und perfekt abspannen. Wenn man hat, noch die Daunenweste unter den Torsobereich in den UQ legen. Von Komforttemperatur kann da aber nicht mehr die Rede sein. Ab 5 Grad hab ich in dieser Konfiguration wieder durchgeschlafen.

Ohne guten Windschutz und sonstige Extramaßnahmen sehe ich diesen UQ nicht unter 10 Grad. Er ist also eher ein auf leicht getrimmter 3-Jahreszeiten UQ.
Auch hier ist das Ding keine Konkurrenz zu Modellen wie dem Wookie sondern ein gut verarbeitetes Einsteigerprodukt. Wer sich keinen Cumulus und dergleichen kaufen möchte, wegen Daune oder weil zu teuer, findet hier ein Produkt was meiner Meinung nach besser ist als Vieles was snugpak, Amazonas und DD Hammocks so anbieten. Man muss einfach wissen wo die Grenzen liegen. Mit 820g gehört er zu den leichtesten Kunstfaser-UQ, die über die ganze Körperlänge gehen.
Wenn hier mehr Bilder gewünscht sind, lasst es mich wissen.
3. Das Tarp HEKSA:
Mein Lieblingsprodukt aus dem Konvolut. Alles was Lesovik baut ist auf Minimalismus und ein Stück weit Gewichtsersparnis getrimmt. Es hat also keine zusätzlichen Abspannpunkte. Man kann damit keine Türen machen.
Das Hex-Tarp mit Catenary Cuts hat meiner Meinung nach klare Gewichtsvorteile gegenüber einem klassischen langen Rechteck, wenn es vorwiegend für die HM eingesetzt wird. Ich finde auch, dass es sich leichter perfekt abspannen lässt. Das braucht bei mir mit Tarps ohne diese Kurven immer deutlich längere Feinjustierung.
Ich kann es nur mit dem Tarp M von DD Hammocks vergleichen, das ich vorher hatte. Das Tarp M ist etwas vielseitiger, wiegt aber fast das doppelte. Während man die Leinen bei DD Hammocks getrost entsorgen kann, bekommt man bei Lesovik brauchbare Leinen und Spanner an jeder Ecke. Man könnte sie noch gegen etwas leichteres austauschen, da ist noch ein bisschen was zu holen. Heringe sind keine dabei, Lesovik verkauft allerdings welche. Mir waren die zu teuer und ich hab mir ein sehr ähnliches No-Name-Produkt gekauft. Finde ich aber besser, als diese 0815 stahlnägel dazuzulegen, die den ersten Trip nicht überstehen.
Ich hab das Tarp jetzt schon eine Weile und bin damit auch schon mal in einen richtigen Wolkenbruch gekommen und war heilfroh es dabei gehabt zu haben.

Der Preis ist mit 129€ UVP bei Lesovik natürlich nicht von schlechten Eltern. Es gibt eine Reihe nicht schlechter Polyester Tarps für etwa 50€, die sind immer deutlich schwerer als welche aus Nylon. Es gibt auch Hex tarps aus Polyester bspw. Von Hennesy für knappe 80€, jedoch ohne Cat-Cut. Nylon ist das erste Upgrade das Geld kostet, der Schnitt das zweite.
Vergleichbar ist vielleicht das Amazon ultralight adventure Tarp. 100 gramm leichter, mit 340*280 cm in beide Richtungen 20 Zentimeter kürzer, in exakt derselben Preiskategorie.
Bei meiner selbstgenähten Hängematte mit 380cm Länge sehe ich die Grenze dieses Tarps erreicht. In einem Sturm mit Regen und ungünstiger Position wird Kopf oder Fußende nass werden, da bin ich mir sicher. Aber die Faustregel HM-Länge = Tarplänge dürfte das für viele von euch, die sich im Bereich bis 360cm Länge tummeln, zu einem tollen leichten Tarp machen.

Am Schluss sei noch gesagt, dass Lesovik noch ein recht kleiner Hersteller ist, es die Produkte aber doch immer wieder auch auf so Seiten wie Campz.de gibt. Oftmals lässt sich da etwas Geld sparen, wenn es Rabattaktionen gibt. Mein HEKSA hab ich mit einem absurden 40% Rabatt in einem polnischen Hängematten Shop gekauft. Ob man das macht, oder lieber den Hersteller direkt unterstützt, muss man natürlich selbst entscheiden.