Ich stelle das überhaupt nicht in Abrede, dass alle durch die Bank weg östlich produzieren. Hilleberg hat das lange nicht zugegeben. Ich rede über einen qualitativen Vergleich, der im HM-Markt offensichtlich nicht oder noch nicht gegeben ist.
Es spielt im Preisvergleich nicht so die Rolle, wo sie produzieren.
Natürlich hängen Preis und Qualität zusammen. Und damit auch wo produziert wird. Warum produzieren die Hersteller nicht in ihren eigenen Ländern? Weil die Produktionskosten dann sehr viel höher wären, und der Gewinn kleiner. Und warum wird entsprechend hochwertige Ausrüstung nicht direkt von den Produzenten in den Billiglohnländern selbst vertrieben? Sie haben ja immerhin die Materialien und die billigen Arbeitskräfte. Aber ihnen fehlt das Knowhow und meiner Erfahrung nach auch ganz einfach das Interesse. Um gute Ausrüstung zu designen, muss man am Thema interessiert sein, und die Ausrüstung selbst benutzen. Das kostet viel Zeit. Zeit muss man sich leisten können.
Hersteller wie Dutch, Warbonnet, Dream Hammock oder Hammock Gear sind alle selbst Hängemattennutzer, die angefangen haben, Ausrüstung in für den Eigengebrauch zu designen - und erst später zu verkaufen. Ich bezweifele, dass der chinesische Fabrikbesitzer regelmäßig mit seinen Hängematten campen geht.
Mich interessiert im Moment, dass Artikel im Outdoorbereich in Amerika etwa das selbe kosten, wie in Europa, unabhängig, wo produziert wird.
Welche Artikel vergleichst du denn konkret?
Momentan sind die Preise für amerikanische Hängematten in Europa so, dass es sich vermutlich lohnen könnte, auch hier zu produzieren. MIch als Endkunden interessiert zunächst, wieviel ich gegenüber einem amerikanischen Endkunden zuzahlen muß, um eine HM in Warbonnet-Qualität in Europa in den Händen zu halten.
Ich habe mir mehr als einmal durchgerechnet, ob ich nicht selbst Hängematten herstellen könnte. Das Interesse hätte ich. Aber mit dem Preisen von Warbonnet könnte ich nicht annähernd mithalten. Momentan verdiene ich mit dem Import und Verkauf der US-Ausrüstung weniger als den Mindestlohn. Wenn ich auch noch anfangen würde, die Ausrüstung selbst herzustellen, würde der Stundenlohn noch weiter fallen. Ich habe keine Ahnung, wie es die US-Hersteller bei den Preisen schaffen, profitabel zu arbeiten. Ich vermute mal, dass da an einigen Stellen wie z.B. der Krankenversicherung gespart wird.
Es müssen nicht alle Produkte aus Fernost schlecht sein. Wenn man aber sieht, was für grottige Produkte etwa als Underquilt aus China angeboten werden, wundert man sich, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, so etwas überhaupt anzubieten. Die erfüllen ihre Funktion einfach nicht.
Ich habe nie behauptet, dass alle Produkte aus Fernost schlecht sind. Die Chinesen lernen dazu. Ich kenne mich im Zeltbereich nicht so wahnsinnig gut aus, aber mir scheint, dass man mittlerweile recht brauchbare Zelte auf Ali kaufen kann. Die Frage ist aber woher die Designs kommen. Es fällt oft auf, dass die Zelte bekannten Produkten sehr ähnlich sind. Sind die Chinesen durch Versuch und Irrtum zu einem ähnlichen Design gekommen? Haben sie sich an bekannten Produkten orientiert? Oder haben sie die Originalprodukte für den Anbieter produziert, und nutzen das Wissen weiter? Ich würde eher auf die letzten beiden Antworten tippen.
Der Grund warum bisher fast nur grottige Hängemattenausrüstung aus China kommt ist vermutlich, weil keiner der Hersteller von wirklich guter Ausrüstung in China produzieren lässt. Und weil sich die grottige Ausrüstung gut genug verkauft. Das Geschäftsmodell ist einfach ein ganz anderes. So lange das funktioniert, wird sich keiner die Mühe machen, bessere Ausrüstung herzustellen. Interessant wird es, wenn die Löhne auch in China steigen. Irgendwann wird das Geschäftsmodell Gewinne durch die Massenherstellung von Billigausrüstung zu erzielen nicht mehr funktionieren. Dann werden sie auf gutes - oder zumindest besseres - Design setzen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Aber damit werden auch die Preise steigen.
Die amerikanischen Premiumprodukte fallen besonders durch ein innovatives Produktdesign und auch in der exzellenten Materialauswahl auf, eben Premiumsegment. Ich bin überzeugt, dass über kurz oder lang die polnischen und ungarischen Hersteller ein vergleichbares Designmanagement brauchen, wenn sie sich in diesem Markt behaupten wollen.
Das sehe ich momentan nicht. Mein Eindruck ist, dass sich nur wenige Hersteller von günstigerer Ausrüstung mit den derzeit besten Produkten auseinandersetzen. Die, mit denen ich kommuniziert habe, hatten jedenfalls noch keine US-Hängematte in der Hand. Das heißt, sie fangen von 0 an, und müssen alle Fehler erst einmal selbst machen anstatt von anderen zu lernen.
Was die Produktionskosten angeht, möchte ich dezent widersprechen, dass Deutschland viel teurer als die USA ,sei. Der Preisunterschied zwischen den Kontinenten beim Endverbraucher, der alleine durch Einfuhr, Umsatzsteuer, Bearbeitung, Handling und letztendlich Handelsmargin entsteht, liegt bei 120 € und mehr, und zwar pro Matte. Das finde ich erheblich. Umverteilt auf die Größe des Mattenmarktes, der, wie gesagt, durch die Pandemie im Steigen begriffen ist, könnte ich mir schon vorstellen, dass es sich für den einen oder anderen Hersteller lohnen könnte, in dieses Segment einzusteigen.
Du bist der Meinung, dass du eine der einlagigen XLC vergleichbare Hängematte für $180 also für ca. 150 € in Deutschland herstellen (lassen?) und verkaufen könntest, und dabei noch einen halbwegs akzeptablen Stundenlohn hast? Selbst wenn das der Nettopreis wäre, und Endpreis bei 180 € inkl. Mehrwertsteuer liegen würde --- das möchte ich sehen.
Tatsache ist, dass der Hängemattenmarkt deutlich kleiner ist als der Zeltmarkt. Ich bin ziemlich sicher, dass das so bleiben wird - trotz Wachstum. Wer Geld verdienen will, sucht sich ein anderes Geschäft. Mit der Herstellung von realen Gegenständen Geld zu verdienen ist kein Zuckerschlecken. Wer in diesem Geschäft ist, macht das zu einem substantiellen Teil aus Spaß an der Freud, denn reich wird man damit eher nicht. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen 