Tripreport Rothaarsteig Kurztripp Winter 2020
Vom 18.12 bis zum 22.12. habe ich auf dem Rothaarsteig von Brilon richtung Winterberg einen Kurztrip gemacht. Ziel des Trips war nicht das erreichen eines bestimmten Ortes sondern einfach eine gute Zeit draussen zu verbringen und diverses Gear zu testen.
Los gings am 18.12 von einem Parkplatz kurz hinter Brilon morgens um 9 Uhr.

Die Sonne kam raus und der klare Himmel versprach einen, wenn auch kalten so doch schönen Tag. Der Boden war durch den geschmolzenen Schnee gut durchweicht und schlammig. Das sollte sich auf dem gesamten Trip so durchziehen. Der Rucksack war mit Verpflegung für 6 Tage und den übrigen Kram prall gefüllt. In dem kleinen Zusatz-Rucksack war der Schlafsack und eine zusätzliche Decke.
Der zum Wanderwagen modifizierte Trollie hatte sich schon auf einer 4 Tages-Tour im Herbst bewährt, allerdings war der damalige Tripp nicht sonderlich bergig. Ich war also gespannt wie ich auf dem Rothaarsteig damit zurecht kommen würde. Da ich diese Strecke letztes Jahr schon einmal gegangen war und dabei den Rucksack getragen hatte, konnte ich recht gut vergleiche ob der Wanderwagen eher eine Erleichterung oder eine Behinderung sein würde.
Eine Weitere neuerung für mich waren die Trekkingstöcke. Bisher bin ich immer mit einem langen Wanderstab gegangen und habe diesen als sehr praktischen Begleiter schätzen gelernt. Von den Trekkingstöcken versprach ich mir allerdings eine gleichmäßigere Unterstützung, insbesondere bei längeren Steigungen.
Die Jacke war Anfangs zwar notwendig aber nach den ersten Anstiegen wurde sie zu einer Rolle gewickelt und auf den Wanderwagen verbannt. An die Trekkingstöcke musste ich mich erst gewöhnen, die richtige Längeneinstellung und einen runden Bewegungsablauf finden.

Noch lag der Weg im Schatten aber die Sonne war in Sicht. Auf solche Wegen war der Wanderwagen praktisch nicht zu spüren und es war herrlich zu gehen ohne das Gewicht des Rucksacks zu spüren.

Leider sehen Buchenwälder im Winter auch bei Sonne nicht wirklich schön aus, aber insgesamt war der Anblick einfach herrlich.
Dann gabs auch noch endlich die Antwort auf die Frage wo die Bäume nach der Baumschule hinkommen:
Es geht halt nichts über eine gute Ausbildung und auch Wald sein will gelernt werden….
Der Rest des weges von rund 8 km war weitestgehend ereignislos. Der Boden wechselte laufend von Schotter zu Schlamm und zurück. Interessant waren die teilweise tiefen Pfützen. Durch die gut Bodenfreiheit des Wanderwagens war ich aber nur selten zu Umwegen genötigt. Bei Stellen wie in dem Foto unten bin ich einfach in der Mitte des Weges geblieben und habe aufgepasst das der Wagen nicht zu einer Seite abrutscht.

An meinen angepeilten Ziel, einer kleinen Hütte im an einer Wegkreuzung hab ich mich erst mal nach einem geeignetem Platz für die Nacht umgeschaut. Da dieser schnell gefunden war galt es jetzt trockenes Feuerholz zu finden.

Ich hatte geplant auf meinem neuen Hobo zu kochen und diesen anschließend auch als Lagerfeuer für den Abend zu verwenden. Da es ab 16 Uhr bereits dämmerte war absehbar das der Abend lang werden würde und durch die Kälte sollte es auch nicht unbedingt ein Kleinfeuer sein. Dank des Buchen-Patches war gutes Stück Holz schnell gefunden und in Hobo-Taugliche Stücke zerlegt.

Zum abendessen gab es dann Bratkartoffeln langsam in ausgelassener Salami angebraten, dazu Früchtetee mit einem guten Schuss von Scottie's Geheimzutat .. .
In der Nacht kam dann ein Sturm auf der in kräftigen Böen durch den Wald pfiff. Die Temperaturen fielen auf 3.5 Grad. Mein Schlafsack hat gut warm gehalten und auch mein Sukie-Clone hat mich nicht fröstel lassen, an Kleidung waren Unterhose und TShirt völlig ausreichend.
Am nächsten Morgen konnte ich mich erst gegen 9 Uhr überwinden aus der Matte zu steigen und auch das nur weil die Natur ihr Recht verlangte. Ich hab dann als erstes den Hobo wieder angefeuert und nach dem Kaffee eine ordentliche Portion Rührei gebacken.
Nachdem dann alles wieder abgebaut und verstaut war ging es weiter bei herrlichem Sonnenschein aber beachtlichen Windböen.




Der Weg zieht sich in stetigem auf und ab durch den winterlichen Wald, einfach herrlich und Entspannung pure. Aus einer quelle entlang des Weges konnte ich meinen Wasservorrat wieder auf toppen.
Das heutige Tagesziel war nach lockeren 10 km erreicht. Die Hütte lage leicht erhöht neben dem Weg, aber war leider nur von zwei Seiten geschlossen.

Für die Nacht habe ich eine Platz oberhalb der Hütte gefunden der etwas schutz vor dem immer noch recht kräftigen Wind bot. Hinter der Hütte lag glücklicherweise trockenes Feuerholz, so dass mir die Suche danach erspart wurde. Allerdings gestaltete sich das zerkleinern eines ca 8 cm dicken, trockenen Buchen Astes als Herausforderung.

Nach dem Abendessen gabs dann wieder für den rest des Abends ein kleines Lagerfeuer. Allerdings würde das Vergnügen durch den Wind doch deutlich getrübt.
In der Nacht hat der Wind zwar nachgelassen aber dafür kam der angesagte Regen auf. Die Temperaturen waren bis auf 3 Grad gefallen sind aber mit dem einsetzendem Regen auf 5 Grad gestiegen. Wie in der Nacht zuvor war es mir in der Hängematte warm und gemütlich.
Da ich nächsten Morgen schneller los kommen wollte als am Tag zuvor gab es zum Frühstück nichts vom Hobo sondern nur Müesli und Kaffee vom Spiritus-Kocher.

Falls es jemand noch nicht bemerkt hat: Ich liebe dieses Teil 
Wie gehofft hat der Regen während des Frühstücks aufgehört und ich sah dem Tag gespannt entgegen. Der weg ging stetig bergan und die Untergrenze der tief hängenden Wolken war schnell erreicht.
Einmal in den Wolken blieb es für den Rest des Tages mehr oder weniger nebelig.

Der Richtplatz lud trotz der Tische und Bänke nicht wirklich zum Verweilen ein.

Der Wald im Nebel hatte schon ein besonderes Flair…..


Auf die längste Steigung flacht irgendwann ab und endlich ist der höchste Punkt erreicht. Der Langenberg, NRWs höchster Berg, aber leider ohne jegliche Aussicht.

Es scheint auch gerade Mode zu sein kaputte Schuhe zu hinterlassen, jedenfalls fanden sich welche auf dem Langenberg und auch auf dem Richtplatz war ein solches Paar an exponierter Stelle platziert.
Der rest des Weges zum heutigen Tagesziel verlief in mehr oder weniger dichtem Nebel und wo kein Schotter lag war der Boden aufgeweicht und schlammig. Aber da es jetzt bergab ging war das Laufen deutlich leichter.

Für den Abend sollte wieder auf dem Hobo gekocht werden und das Lagerfeuer sollte für etwas Wärme und gemütlichkeit sorgen. Da an der Hütte kein Feuerholz bereit lag habe ich in den umliegenden Waldstücken nach trockenem Holz gesucht aber das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Was an Holz auf dem Boden lag war entweder noch frisch oder schon durchweg verrottet. Auch Äste an den Fichten waren entweder noch gesund und frisch oder mit Moos überwuchert und durchgefault. Alles Ausweg blieb nur bei dickeren Stämmen darauf zu hoffen das sich im inneren noch halbwegs gesundes Holz befindet.

Das Stück das hier fehlt sollte mir den Abend erwärmen. Beim zerkleinern zeigte sich das auch dieser Stamm recht weit in der Zersetzung war aber er war immerhin trocken genug zum verbrennen.
Da der Nebel im laufe des Abends immer dichter wurde und die unmittelbare Umgebung der Hütte als allgemeines Klo verwendet wurde beschloss ich die Nacht in der Hütte zu verbringen.

In der Nacht ist die Temperatur auf 2.4 Grad gefallen und es blieb nebelig. Vor die Öffnung hab ich die Tarp gespannt so gut es ging. Allerdings ist das Thunderfly nicht wirklich gut dafür geeignet, aber immerhin besser als nichts.
Trotzdem ich ja aus dem wind war bin ich nicht warm geworden im Schlafsack. Erst als ich meine noch Weste angezogen und die Decke über den Schlafsack gelegt hatte wurde es warm. Anscheinend hat die Daune im Schlafsack so viel Feuchtigkeit aufgenommen das die Wärmeleistung nicht mehr gegeben war. Genaueres wird nachwiegen ergeben.
Als nächstes Tagesziel war Roupie Ropes Hütte mit ca. 12 km Weg vorgesehen. Es hat zwar nicht geregnet aber es blieb nebelig und der Wind hat stark zugenommen. Auf freien Flächen war es recht unangenehm und ich musste recht stramm laufen um warm zu bleiben. Ohne wirkliche Pause war die Strecke dann auch recht zügig abgelaufen und die Hütte war erreicht.
Das Bild der Hütte ist aus dem Frühjahr, so sonnig war es leider bei meiner Ankunft dort nicht. Ca. 30 Minuten nach meiner Ankunft fing es dann auch richtig an zu regnen und das blieb dann über die Nacht so.
Für trockenes Feuerholz war neben der Hütte gesorgt und vor der Hütte bot ein kleiner, klarer Teich für genügend Wasser. Also alles bereit für einen gemütlichen Abend.

Zum Abendessen gab es Bratlinge und der Rest des Holzstapels wurde beim Lagerfeuer verheizt. Es hat zwar hinter Hütte ein paar gut platzierte Bäume zum abhängen aber bei dem Dauerregen hatte ich keine Lust mehr raus zu gehen. Also hab ich wieder die Matte in der Hütte aufgehängt.

Mit der Tarp hatte ich für die Nacht wieder die Öffnung links etwas geschlossen, was zumindest den Wind abgehalten hat. In der nacht ist warmluft aufgekommen was zu deutlicher Kondensation geführt hat. Am morgen war die Hängematte von unten durchgehend nass, an dem isolierten Teil mit winddichtem Stoff hatte sich sogar tröpfchen gebildet.
Eigentlich war noch eine weitere Etappe nach Winterberg geplant aber in Anbetracht der Wetterlage habe ich darauf verzichtet und mich von einem Parkplatz in der Nähe abholen lassen und den Trip damit beendet.
Was funktioniert hat und was nicht
Der Wanderwagen
Kurz gesagt das Teil ist gold wert!
Da alles was schwer ist möglichst nahe an die Achse kommt bleibt recht wenig gewicht am Zuggurt übrig. Auch das Ziehen selber ist recht entspannt und über weite Strecken kann man vergessen das man überhaupt einen Wagen dabei hat. Lediglich wenn es steiler bergauf geht macht sich das Gewicht auf dem Wagen dann doch bemerkbar. Wenn es bergab geht ist der Wagen eine unheimliche Erleichterung für die Knie da man nicht mehr bei jedem Schritt das gesamte Rucksackgewicht abfedern muss. Es gab ein paar Stellen an denen ich doch einen kleinen Umweg gemacht habe um ein Hindernis zu umgehen aber entschieden weniger als ich mit gerechnet habe. Es gab auch ein paar Gelegenheiten bei denen mir das gute Stück umgefallen ist aber das passierte nur dann wenn ich mehr geträumt als auf den Weg geachtet habe.
Die Trekking-Stöcke
Die ideale Ergänzung für den Wanderwagen!
Richtig eingesetzt erzeugt man mit den Stöcken nahezu den gesamten Vortrieb und benutzt die Beine praktisch nur noch zum stützen. Das trägt deutlich zu dem entspannten und leichten Laufgefühl mit dem Wanderwagen bei. Man muss sich zwar an das ständige Tick Tick Tick… der Stöcke gewöhnen aber da geht recht schnell und wenn man doch mal ruhe beim laufen haben will, oder sie auf längeren Asphaltstraßen nicht braucht, sind die Stöcke schnell an dem Wagen fest geschnallt.
Bei Wanderungen ohne Wanderwagen würde ich aber doch den klassischen Wanderstock vor ziehen da er durch seine Länge mehr Möglichkeiten bietet.
Hobokocher
Es gibt genügend Diskussionen für das für und wieder von Hobos und den verschiedenen Modellen. Was die meisten dieser Diskussionen allerdings voraussetzen ist dass zumindest halbwegs trockenes Holz zur Verfügung steht. Bei diesem Trip musste ich feststellen das es je nach Gegend schon eine Herausforderung sein kann brennbares Material zu finden. Ohne Säge und entweder einem Beil oder einem stabilen Messer ist das Zerkleinern von dickeren Stämmen/Ästen praktisch nicht machbar.
Für den Hobo selber gilt das er einfach eine gewisse größe und insbesondere "zugwirksamme", also weitestgehend geschlossene Höhe, braucht damit er heiß genug brennt um feuchtes Holz zu verbrennen. Gute Erfahrungen habe ich mit einer runden Bauform von 10cm Durchmesser und der diesmal benutzten Bauform von 10x10cm Grundfläche und 10 cm geschlossener Höhe gemacht.
Mein Trip hätte mir ohne den Hobo entschieden weniger Spass gemacht und weil mir klar war welche Bedingungen ich zu erwarten hatte habe ich entsprechendes "Zubehör" mit und damit auch dessen Gewicht in kauf genommen.
Spirituskocher
Ein Nachbau des Capillary-Hoop-Stoves in einem zerlegbaren Topfständer mit angebrachten Windschutz der aussen an der Tasse verstaut wird und dort auch als Isolierung dient. Zum Test hab ich mal den Stove samt Spiritus über Nacht in den Gefrierschrank gestellt und am nächsten Morgen angefeuert, er tat einfach wie er sollte.
Schlafsack
Das waren meine ersten Erfahrungen mit einem Daunenschlafsack bei solchem Wetter und ich war nicht wirklich begeistert. Mit meinen Kufa-Schlafsäcken habe ich einen solche Leistungsabfall noch nicht erlebt. Dafür habe diese ein deutlich höheres Volumen. Bei längeren Touren mit dem Wanderwagen und ähnlichen Wetterbedingungen werde ich wieder zum Kufa greifen.
Sukie-Clone
Volumen und Gewicht könnten wahrscheinlich noch optimiert werden aber ich glaube nicht das ich da noch Aufwand rein stecke. Insgesamt bin ich mit dem Sukie-Clone rundum zufrieden. Er ist bei mir ständig an der Hängematte angebracht und verschwindet mit ihr zusammen in Snake-Skin und Kompressionsbeutel. Under Quilt und Hängematte bildet praktisch eine einheit.
Baumgurte
Meine strahlend weißen Baumgurte habe ich mit schwarzem Acryllack behandelt um das strahlendes Weiß etwas zu mildern. Eine daraus resultierende Schwächung der Gurte konnte ich bisher nicht feststellen, aber das besagt erstmal noch nichts. Der Lack selber hält nur bedingt und es wird sich zeigen wieviel nach der kommenden Wäsche davon noch vorhanden ist.
Regenschirm
An Stelle einer Regenjacke habe ich einen Regenschirm mitgenommen aber das war eine Pleite. Bei der ersten Windböe hat sich gleich das Gestänge zerlegt. Da sind noch bessere Lösungen gefragt.
Schuhe
Ich habe mir Wanderschuhe ohne Membran besorg da diese erfahrungsgemäß recht schnell aufgeben. Um diese Schuhe wasserfest zu machen habe ich sie mit Sno Seal eingerieben da dies in anderen Foren als die beste Behandlung zum Schuhe wasserfest machen empfohlen wurde. Es hat vollstens funktioniert. Trotz des ganzen Schlamms und so mancher Durchlaufener Pfütze haben die Schuhe dicht gehalten. Eine klare Empfehlung für Sno Seal