Hallöchen,
irgendwie bin ich hier noch einen Story von meinem letzten gelungenen Overnighter schuldig (ich zitiere mich aber mal selbst aus einem Blog, aber in bearbeiteter Form. Ich hoffe es ist recht so). Titel:
Grundsätzlich sollte einfach mal was passieren
Da ich aber dann zumindest an jenem Montag eine kleine Radrunde drehte und dabei dann dieses Waldstück entdeckte und genauer erkundete, konnte es dann gut mal herhalten.
Was mich auch ein wenig nach draußen zog war…
…jeden Abend hockt man irgendwie zu Hause am Küchenstammplatz und der Tag verschwindet im Nichts. Nicht das ich den Küchenstammplatz nicht mag, aber könnte es nicht mal netter sein?
Und dann hat man endlich Wochenende, aber irgendwie landet man dann doch wieder da, wo man sonst auch landet. Einziger Unterschied, man geht später zu Bett.
Es ist jetzt nicht gerade so das ich riesige Erwartungen an ein Wochenende habe, oder auch an einzelnen Abende davon, aber wenn man doch die Möglichkeiten hat, sie aber nicht nutzt, dann ist das doch irgendwie schade.
Nun gut…
Wetter hin oder her, es passte ja und so konnte ich für diese Nacht sowas wie eine kleine Auszeit mit besonderem Pfiff wahrnehmen.
Dabei ist der Begriff Pfiff nicht mal gut getroffen. Die Wahrnehmung ist ja in etwa so getrimmt, daß wenn man im Wald ist und sich eine Pause wo, zum Beispiele auf einer Sitzbank gönnt, irgendwann der Reiz der Ruhe vorbei ist.
Die meisten Menschen brechen dann wieder auf und kehren heim. Einen Schritt weiter zu gehen, daran denke viele nicht. Entschuldigt, ich schweife ab.
Jedenfalls hab ich dann mal meine Brockens zusammen gesucht und gepackt. Auch wenn ich eigentlich alles recht gut vorbereitet habe, es läuft da immer sowas wie ein Film mit.
„Hast du das und das, ist das auch komplett und in der Reihenfolge so sinnig gepackt?“ Man möchte ja nicht am späten Nachmittag wo im Wald stehen, ein gutes Wetter-Zeitfenster gehabt haben um dann festzustellen, daß was fehlt.
Das kann dann was ganz simples sein. Der Schokoriegel vor’m Schlafengehen, das alkoholfreie Radler als Absacker oder die Zahnbürste.
Und was ist mit einem Frühstück? Hat man auch eine Kleinigkeit die man(n) zum alltäglichen Koffeingetränk zu sich nimmt? Oder eine Powerbank damit das Medium den nötigen Strom bekommt? Kann ja auch mal notwendig sein.
Und dann war ich wieder an dem Punkt, daß alles ans Rad mußte-sollte.
Da ich ja inzwischen zumindest das ganze Schlafzimmer, also Schlafsack, Poncholiner und die Hängematte in den Packsack bekomme und jenen dann sogar in die Halterung des Frontloader war das schon mal gut.
Was jetzt aber nicht passte war mein Tarp.
Das passte einfach nicht mit in die Lenkerhalterung. Das war jetzt in so fern nicht wild, weil das Tarp beim Transport ruhig nass werden kann. Hängt man es auf, tropft es ja ab. Außerdem hat man ja keinen direkten Kontakt.
Es soll ja nur ein Dach sein. Also platzierte ich es kurzerhand auf der hinteren Tasche.
Da kam dann aber die nächste Aufgabenstellung. Die Boardküche mußte ja noch in die Arschrakete. Irgendwie wollte das nicht so, wie ich mir das dachte.
Auf der Jobanfahrt hatte ich dann aber dazu zumindest eine Idee. Es gibt so Teile die sich Anycage/ Versacage nennen. Die macht man anstelle eines Flaschenhalter dran und kann dann dort andere Dinge befestigen.
Da ich ja hinter dem Sattel gleich zwei Trinkflaschenhalter habe, könnte ich einen davon für so ein Teil entbehren. Und so kommt man nicht nur gedanklich weiter.
On top hatte ich ja auch noch den kleinen Beutel mit der Wechselwäsche für den Job.
Den hätte ich auch weglassen können, hab ja immer einen zweiten im Austausch am Job (was im Winter übrigens sehr gut ist, denn den Beutel den man mit nimmt ist kalt, der andere am Job aber hat warme Klamotten).
Und die Jacke zum imprägnieren kam auch noch mit. So war das Bike mal wieder mehr als gut beladen. Aber es fuhr sich eigentlich ganz gut. Vor allem spurtreu.
Klar, mit der gut gefüllten Lenkerrolle ist ein zu nervöses Lenken kaum möglich.
Der Akt
Die Hinfahrt trocken war und der Aufbau zeitlich sowas von passte. Das Einzige was ich vergessen hatte, war ein Stück Plane um sich auf den Waldboden zu setzen. Kurzum, mein Lager war schnell aufgebaut.
Kann dann praktisch sein, wenn man sich was zum Verzehr zubereitet. Jetzt ging das aber auch so, sitzt man halt in der tiefen Hocke (die ich dank regelmäßigem Training gut hinbekomme).
Für die kleine Mahlzeit am Abend hatte ich dieses Mal die Gemüseravioli ausgewählt. Also die Tüte aufgerissen und ab in den Topf.
Die Zubereitung auf dem Vargo mit dem Spiritusbrenner ging so rasant von statten, daß ich noch einen Schuss Wasser zugeben mußte, damit das nicht im Topf anbrennt. Geschmacklich war das übrigens auch sehr angenehm.
Nach dem Abendessen wurde die Boardküche wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand gebracht und sich ein Schokoriegel gegönnt.
So liegend in der Hängematte hatte das was. Die Regentropfen fielen auf das Tarp, ringsrum war außer dem Regen nur ein paar Vöglein zu hören. Irgendwann griff ich mir noch einen zweiten Riegel und dazu dann den alkoholfreien Radler.
Nachdem jener gemütlich in der Cocoon liegend geleert war kam das Zähneputzen dran. Um mich herum dämmerte es schon gut und die Regenwolken gaben das ihrige zum schwindenden Licht.
Die kleine Stirnlampe in der Hängematte hängend war nötig um dem Klappmechanismus der Reisezahnbürste Herr zu werden. War aber auch kein Wunder, hatte ich sie bis dahin nur einmal benutzt.
Dann wurd‘ s frisch, der Kreislauf verabschiedete sich langsam davon schleichend in den Ruhemodus. Noch schnell die Radhose ausgezogen und in den Schlafsack geschlüpft. Es dauerte auch wohl kaum länger als bis kurz nach neun wo ich dann das Medium Handy an die Powerbank brachte und weg legte.
Wann ich die Augen geschlossen habe, kann ich gar nicht mehr sagen? Lange war das aber mit Sicherheit nicht.
Im Verlauf der Nacht wurde dann hängemattentypisch das Radler wo in die Landschaft gebracht, mehr passierte aber auch nicht.
Wild war keines zu sehen. Eigentlich rechnete ich damit, denn im Umkreis waren doch hier und da Wühlspuren zu sehen gewesen. Aber nun gut…
Die Nacht endete wie wohl die meisten Nächte in der Natur. Geschlafen wie ein Bär schlug ich erstmalig mit dem einstimmenden Vogelgesang das eine oder andere Auge auf.
Nach dem der morgendlichen Wasserhaushalt reguliert war schlüpfte ich noch für eine grobe dreiviertel Stunde in den Schlafsack. Immer wieder den einen oder anderen Ausblick in den Regen-Nebel-Wald werfend.
Dann war die Nacht aber definitiv vorbei. Ich war so hellwach das ich mir nicht mal einen Mokka machte.
Hab dann einfach alles eingepackt, immer wieder geschaut ob nicht wo was liegen oder hängen geblieben ist, dann wieder alles am CAADX verstaut.
Seltsamerweise war die Arschrakete jetzt leerer als auf der Hinfahrt. Erklärung dafür???
Juckte mich nicht, hab dann das voll beladene CAADX noch über die unwegsamen und durch den nächtlichen Regen aufgeweichten Wegstrecken geschoben, dann mir die Schuhe in Profil mit einem kleinen Stock grob sauber gemacht und bin zur Burg gerollt.
Der Tagesstart gab alles…
… ringsrum sah es aus wie in einem Zauberwald. Passte doch alles.
Kurz nach der Ankunft war das CAADX auch schon entladen, das Tarp hing zum trocknen in der Fitness-Garage und ich schlüpfte unter die Dusche. Einen Espresso doppio und drei Scheiben französisches Landbrot mit Spiegelei weiter wurde wie üblich die Samstagszeitung geblättert. Alles ist gut.
Ich hoffe das war jetzt all zu lang.