Ich komme noch einmal auf die Karabiner zurück, weil meiner Ansicht nach in dieser Diskussion einige Aspekte durcheinander gebracht werden.
Ich bleibe bei Kletterkarabinern von Herstellern die ihre Produkte testen und dafür garantieren.
Nahezu alle Hängemattennutzer, hier im Forum, aber auch anderswo, gehen davon aus, dass sie "Kletterkarabiner" benutzen oder benutzen sollten. Die dann fast ausnahmslos gezeigten und benutzten Schnappkarabiner sind aber keine Kletterkarabiner. Schnapper werden in Situationen verwendet, in denen die Geschwindigkeit des Ein- und Ausklippens wichtiger ist als die zusätzliche Sicherheit, die eine Verschlusssicherung bietet; also wenn man an einer Wand hochsteigt und sich in kürzester Zeit am nächsten Fixpunkt einhakt und dafür eine Expressschlinge (Exe) verwendet. In allen anderen Situationen, beim Einbinden ins Seil, beim Abseilen oder beim Gehen in einer Seilschaft benutzt ein Kletterer keine Schnapper, niemals, das tun nur Lebensmüde. Statt dessen benutzt man einen Karabiner mit Verschlusssicherung. Lasst euch das von
@Bernd Odenwald erklären.
Ein solcher Karabiner mit Verschlusssicherung sieht so aus wie die Exemplare links und in der Mitte. Diese Karabiner gehen garantiert nicht unbeabsichtigt auf, aber man kann sie auch nicht so schnell bedienen.
Für Hängemattennutzer ist dieser Geschwindigkeitsaspekt allerdings völlig irrelevant. Hier hat man in jedem Fall die Zeit, um sein Setup sicher aufzubauen. Wem es also um
eine gefühlt höhere Sicherheit
geht, der sollte tunlichst von Schnappern die Finger lassen und sich einen Karabiner mit Verschlusssicherung gönnen.
Doch nun die gute Nachricht: sehr viele Schnappkarabiner bieten ausreichende Sicherheitsreserven, um sie als Hängemattennutzer verwenden zu können. Die Frage ist nur, wieviel Sicherheit braucht man. Und hier gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Selbst
baugleiche Karabiner von Warbonnet und DIYGearSupply
werden einmal mit 13 KN (die Beschreibung behauptet 1100 lb - also rund die Hälfte) oder 500 kg (laut Beschreibung sollen das auch 1100 lb sein) gerated. Die Ungereimtheiten der Beschreibung springen ins Auge.
Und damit komme ich zum oben genannten
, der aller Wahrscheinlichkeit nach auch
ist und von allen Shopbetreibern unisono als "Kletterkarabiner" beworben wird, d.h. 21 kn (=2100 kg) Last aushalten soll. Er sieht genauso aus, wie der Karabiner oben rechts im Bild, auf dem auf der anderen Seite "not for climbing" steht.
Er wiegt genauso viel, nur soll er angeblich statt 12 kn auch die 21 kn abhalten, die für die Kletternorm UIAA nötig sind. Wenn man einmal die beiden echten Kletterkarabiner mit diesem Hänfling vergleicht, kommen einem Zweifel, dass es sich dabei um vergleichbare Produkte handeln soll - mir jedenfalls. Nicht zuletzt weil das mit 12 kn viel zurückhaltender beworbene Produkt mir vertrauenswürdiger scheint, habe ich vom Camp Nano Abstand genommen.
Letztendlich muss man dem chinesischen Händler / Hersteller voll vertrauen.
Nein, das muss und sollte man nicht, in keinem Fall. Ich plädiere statt dessen dafür, den eigenen Kopf zu verwenden, selber Tests anzustellen und so Erfahrung zu sammeln.
Für diejenigen, die noch nicht so lange hier im Forum verweilen, möchte ich noch auf Christian, den dendronaut hinweisen, der die Koma Brückenhängematte hergestellt hat und vor mir lange der einzige deutsche Hängemattenhersteller war. Die Koma wurde geliefert mit dem
von Edelrid, der gleichfalls aus China kommt, früher mit 400 kg gerated wurde, heute aber mit <12 kn, also nicht klettertauglich, beworben wird. Soweit ich sehe, hat damals niemand an dieser Wahl Anstoß genommen. Im Vergleich dazu glaube ich mit dem oben gezeigten China-Karabiner ausreichende Sicherheitsreserven zu haben. Aber das glaube ich nicht nur, sondern teste es bei jeder von mir hergestellten Cross Hammock neu aus, bevor ich sie verkaufe.