Der Faden inspiriert mich, mal alte Fotos rauszukramen - und ich stelle überrascht fest, dass meine Vorlieben auch damals schon eher in Richtung einer Art Bikepacking (avant la lettre) gingen, natürlich mit allen Einschränkungen, die einem das (nicht) vorhandene Equipment der damaligen Zeit auferlegte.
Angefangen habe ich eher klassisch mit meinem DDR-Diamant-Rahmen, an den ich allerdings 1986 schon eine 105er Gruppe gebaut hatte. Wenn ich den Rahmen heute sehe, werde ich ganz wehmütig: was könnte man dort für eine gigantische Rahmentasche unterbringen... Leider gibt es Rahmen in dieser Höhe heute überhaupt nicht mehr.
Die Pannier-Taschen habe ich dann aber bald weggelassen und mein Equipment oben auf dem Gepäckträger und in einer Lenkertasche untergebracht und so knapp wie möglich gehalten, um leichter voranzukommen. Der Einwand von barfuß mit dem erhöhten Schwerpunkt mag zwar stimmen, aber er fällt beim Fahren weniger ins Gewicht als beim Abstellen des Rades - und der geringere Windwiderstand ohne Seitentaschen bleibt ein absolutes Plus. Das merkt man besonders in der norddeutschen Tiefebene. Hier bin ich Himmelfahrt 1987 in einem Tag von Braunschweig an die Nordsee bei Wremen geradelt (250 km).
Mit diesem hinten hoch und unten gar nicht bepacktem Rad war ich zwischen Ende der 1980er und frühen 1990er Jahren von Frankreich...
... bis Italien viele 1000 Km unterwegs gewesen - allerdings meist eher sportlich, d.h. selten unter 100 km am Tag. Nicht dass ich etwas gegen die der-Weg-ist-das-Ziel-Philosophie hätte, aber ich habe mir meistens Ziele gesetzt - und die wollte ich bis zum Ende der Semesterferien auch erreichen.
Da ich auf meinem Rad keinen Platz für anderthalb Kilo Kartentasche hatte, bin ich mit nur einer 500 000er Überblickskarte meistens an Flüssen langgeradelt, hier an der Loire, aber auch an der Rhone, der Donau, der Elbe, der Mosel, dem Rhein. Was ich damit sagen will: Es gab auch schon in den 1980ern andere Radreisende als die Karrimor-Ortlieb-Fraktion.
Aber dann ging mein schönes Rennrad bei einem Unfall kaputt (Rechtsabbieger - zum Glück ohne Schaden für mich) - und wie soll ich sagen, dann bin ich Anfang der 1990er zwischenzeitlich doch mal ins andere Lager gewechselt.
Ein Mountainbike mit Stahlrahmen, 21er XT-Schaltung, Low-Rider, Ständer, Rollendynamo - komplett selbst aufgebaut, einschließlich Einspeichen der Räder, ich war damals sehr stolz und fand das Ergebnis eine Zeitlang ganz toll. Die Taschen habe ich mir aus Cordura und einem PVC-Rahmen selber gebaut - und als sie fertig waren, musste ja auch irgendwas rein. Ich frage mich jetzt allerdings, was das wohl alles war, denn prinzipiell hatten meine Reisen einen ähnlichen Camping-Charakter wie vorher.
Nun ja, auch dieses Fahrrad ist längs Geschichte.
Inzwischen bin ich heilfroh, bei halbem Gesamtgewicht mit einem bequemeren Equipment unterwegs zu sein - und kann allen Zweiflern, denen an einem möglichst wenig kräftezehrenden Vorankommen liegt, nur empfehlen, das Bikepacking einfach mal auszuprobieren.