Der oft empfohlene 30°-Aufhängewinkel bei Camping-Hängematten hat mit Komfort so gut wie nichts zu tun. Dieser Winkel schützt die Gurte und die Ridgeline, die aus leichten Materialien bestehen, um die Portabilität zu gewährleisten.
Der Winkel beeinflusst fast nur die Spannung im Aufhängungssystem, nicht aber die Kräfte im Hängemattenstoff selbst. Genau deshalb nutzen wir hyperstatische Materialien für Gurte und Ridgeline, die eine sehr niedrige statische Dehnung aufweisen. Fast niemand nutzt dynamische Materialien für die Aufhängung und Ridgeline, aber für den Hängemattenstoff schon. Dafür verwenden wir sehr unterschiedliche Materialien, manchmal sogar mehrlagig. Für mich sind Bäume, Gurte und Ridgeline das „Gestell“ – je statischer, desto besser –, während die Hängematte mit der Stoffwahl und Dimensionen individuell anzupassen ist. Selbst ich habe viele unterschiedliche Hängemattestoffe, aber immer dasselbe Material für das „Gestell“ (feste Bäume, SK78 RL und Loops und Dyneema Gurte). Ich hoffe, der Punkt, den ich machen möchte, ist verständlich. Viele scheine es anders zu sehen. Als Kletterer, der nur mit Winkel, Materialen und mobile Fixpunkte zu tun hat, schaue ich vielleicht die Materialein anders an, vielleicht sehe ich es falsch!
Komfort ergibt sich aus dem Stoff der Matte und ihre Dimensionen. Der einzige Winkel, der für den Komfort wichtig ist, ist der Höhenunterschied zwischen Kopf- und Fußende und den muss man selber finden. Den 30-Grad-Winkel muss der Hersteller empfehlen, damit nicht ständig über gerissene Hängematten berichtet wird, weil die Material für flachere Winkel nicht gemacht sind.
Würde man stärkere Gurte und eine robustere Ridgeline verwenden – oder wäre man selbst sehr leicht –, wäre sogar ein flacherer Winkel oder theoretisch auch 0° machbar, und der Komfort wäre fast derselbe. Einziger Komfortkiller bei der Ridgeline: eine schlabbrige Ridgeline.