Ich steure mal meine Erfahrungen bei - vielleicht hilft dir das ja weiter.
Nach den ersten 2 oder 3 Jahren Erfahrungen mit fertig gekauften Hängematten, hat es mich in den Fingern gejuckt, eine bessere Hängematte zu nähen. Mich hat gewundert, dass es (zu dem Zeitpunkt) keine kommerziellen Hängematten gab, die die natürliche Kurve durch geformte Enden eliminieren. Auf dem Papier sah es jedenfalls ganz einfach aus. Um nicht unnötig Stoff zu vergeuden, habe ich mir bei der Berechnung der Kurven Hilfe von jemandem geholt, der Mathematik studiert hat. In der Theorie wäre das Ergebnis perfekt gewesen: eine super kurze (und damit leichte) Hängematte in der man perfekt gerade liegen kann.
Ich war schon kurz davor, den ausgewählten Stoff zuzuschneiden, als mir die Idee kam, wie ich das gleiche Ergebnis auch ohne schneiden und nähen erreichen kann. Dazu habe ich mir 50 m 0,06 mm dicke Angelschnur (glaube aus Dyneema bzw. UHMWPE) bestellt. Dann habe ich die errechnete Kurve mit Schneiderkreide auf das rechteckige Stück Hängemattenstoff gezeichnet. An der Kurve entlang habe ich die Angelschnur von Hand mit Heftstich eingezogen. Dadurch, dass die Angelschnur so dünn war, konnte ich auch eine dünne Nähnadel verwenden, die keine großen Löcher hinterlassen hat. Und weil die Angelschnur trotzdem extrem stark war (laut Verkäufer ca. 10 kg Bruchlast), war es kein Problem, den Stoff auf der Schnur zusammen zu schieben. Anschließend habe ich das geraffte Ende abgebunden und die Aufhängung wie gewohnt angebracht.
Die handwerkliche Seite hat perfekt funktioniert. Die Kurve ist vermutlich besser erhalten geblieben, als ich das mit einem genähten Tunnelzug hinbekommen hätte. Und ich konnte dasselbe Stoffstück für weitere Experimente benutzen.
Meine Idee hat aber leider überhaupt nicht funktioniert, weil ich außer Acht gelassen hatte, dass der Stoff flexibel ist. Der erste Prototyp war eine Katastrophe. Aber so habe ich gelernt, warum Hängematten mit diesem Design (z.B. die Amok Draumr, die Jahre später auf den Markt kam) zwingend eine Isomatte benötigen. Eine Isomatte wollte ich aber keinesfalls verwenden. Also habe ich die Kurven deutlich flacher gemacht, und bin nach einigen weiteren Prototypen beim gleichen Ansatz gelandet wie Waldläufer70 : Wenn es nicht möglich ist, eine Hängematte zu bauen, in der man ohne Isomatte oder Spreizstäbe absolut flach liegen kann, dann muss es doch wenigstens möglich sein, eine kurze Hängematte zu bauen, die die gleichen Liegeeigenschaften hat, wie eine längere Hängematte. Die Kurve habe genauso errechnet, bloß dass ich die Seiten kürzer gemacht habe (M- bzw. W-förmig) um eine Herausfallsicherung zu haben. Meine letzten Prototypen waren relativ bequem - bequem genug um das Konzept nicht ganz abzuschreiben. Was ich seitdem gerne machen wollte, ist eine ultra-kurze Hängematte (um die 250 cm) zu designen, die sich trotzdem ausreichend bequem liegt, um für Touren bei denen jedes Gramm zählt in Frage zu kommen.
Bei längeren Hängematten habe ich für mich festgestellt, dass der richtige Stoff für deutlich mehr Liegekomfort sorgt, als geformte Enden. Interessanterweise hat sich herausgestellt, dass ein guter Netzschnitt mehr zum Liegekomfort beitragen kann, als eine Kurve im Hängemattenstoff. Aber vielleicht habe ich auch zu früh mit dem Prototypenbau aufgehört.