Ich habe Das geheime Leben der Bäume auch gelesen und durchaus einige interessante Aspekte darin gefunden, über die ich so vorher noch nicht nachgedacht hatte. Grundsätzlich finde ich es auch ok, wenn man Themen aus nicht-wissenschaftlicher, glaubensbasierter oder esoterischer Sicht betrachtet. Was mich allerdings an Peter Wohllebens Buch sehr gestört hat ist, dass hier keine nachvollziehbare Trennung zwischen wissenschaftlich anerkannten Thesen und eigener Interpretation stattgefunden hat. Auch wenn das Buch nicht ausdrücklich als wissenschaftliche Arbeit ausgewiesen ist, so erweckt es doch häufig genau diesen Anschein, da oft auf Forschungsergebnisse und Studien verwiesen wird. Ich beschäftige mich gern und umfassend mit Gehölzbiologie, hatte aber oft Schwierigkeiten, nachzuvollziehen, welcher Teil jetzt noch Zitat und welcher schon Interpretation ist.
Die Diskussion um die Person Wohllebens hat mich nicht sonderlich interessiert, von daher kenne ich hierzu keine Fakten und will ihn nicht anprangern. An sich ist es ja auch uneingeschränkt gut, wenn er mit seinem Buch viele Menschen erreicht und mehr Sensibilität für den Baum als faszinierendes Lebewesen schafft. Man darf aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass unser Wald keine Wildnis, sondern Wirtschaftsraum ist. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass das in mir als naturliebender Mensch Begeisterung auslöst, aber gleichzeitig muss ich damit rechnen, dass der Holzbedarf in Deutschland, der nicht durch die eigene Holzwirtschaft gedeckt wird, von Ländern importiert wird, in denen weder nachhaltig noch sonstwie unter naturverträglichen Aspekten Holz eingeschlagen wird.