Für mich ist eine längere Wanderung ohne selbstgekochte warme Mahlzeiten einfach nur Quälerei. Ich denke, man beraubt sich dabei auch eines wichtigen Kulturguts. Die Tätigkeit des Kochens, das Essen selber, ggf. Zusammensitzen mit anderen Wanderern oder einfach der Genuss guter Lebensmittel sind für das eigene Wohlbefinden meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen.
Hätte ich vor zwei Jahren genauso unterschrieben.
Ich las immer von weniger Stress ohne kochen, Komplexitätsreduktion etc. und dachte, das ist doch Genuss, abends meine warme Rahmensuppe, das ist Belohnung.
Aber dann hab ich's auf der ersten längeren Tour gezwungenermaßen einfach ausprobiert (von andernorts kurzentschlossen gestartet, kein Zugriff auf mein Kochzeug und Decathlon hatte nur schweren Kram)
und siehe da - ich habe plötzlich verstanden und nachfühlen können, was gemeint war.
Nach langen Lauftagen mit 40-50km und Lageraufbau nicht noch kochen müssen, kein zusätzliches Wasser dafür einplanen müssen, keine Brennstoff-Kalkuliererei, keinen super fettigen Topf sauber bekommen müssen - das hatte ich alles idealisiert und verdrängt.
Die Alternative wird mMn. genauso in's negative übertrieben, um sich das schön zu reden. Nein, ich trage keinen crotch bag im Schritt und schlürfe Körperwärme Pampe.
Was gibt es besseres, als beim resupply in einen Supermarkt einzufallen und nach Herzenslust das besonders gehaltvolle zu kaufen? Was schwer ist, wird vor Ort vertilgt bis zum Platzen, Obst, Eis, Pudding, Kuchen, Nudelsalat, halbe Hähnchen - was rein geht. Ostern steht an - es gibt überall hartgekochte Eier! Auch eine Dose Linsen ist super - oder vor Ort einen dicken Sandwich machen, Säfte, Milchshakes, Limo etc.etc.
Ein Hoch auf den Nitro Score - immer schön nach E Ausschau halten 
Man kann es auch umkehren, alles eine Frage der Perspektive. Gelebter Exzess statt abgepackte trockenmahlzeiten, von denen ich vor drei Wochen bei Tourstart hoffte, dass sie mir auch jetzt noch nicht aus dem Hals hängen - es aber inzwischen lleidertun, aber nun hat man sie ja schon so weit mit sich rum geschleppt, da muss man sie sich rein würgen.
Und was im Gewicht-kalorie Verhältnis besser ist, wird eingepackt. Viele setzen aus Brot, ist nicht so meins, das würde ich auch nicht unter Belohnung rubrizieren. Stattdessen viel cracker, nachos, kekse, Nüsse, Riegel, Schoko, trockenobst etc. Und wenn es nicht mehr weit bis zum Ende der Tagesetappe ist, kann auch schwereres mit - dafür ist ja der Rucksack so leicht!
Hatte letztes mal dann noch ein Mini esbit kochset mit, weil ich die Tasse eh für overnight oats nutzen wollte - habe in drei Wochen glaube ich ein- oder zwei mal ein Instant Gericht gemacht - und es war mies. Das kommt ja noch dazu - je nach Destination ist da die Auswahl im Mini Tante Emma Laden ziemlich schlecht, für Wochen schleppt da doch niemand einen Vorrat mit - und resupply per Post ist wieder nur Stress.
Love it!
P.s. es gibt natürlich auch weiterhin kurze Genussrouten und overnighter, bei denen ich gerne koche - dann aber überhaupt kein Auge auf's Gewicht des Essens habe und dann auch all in, frische Ravioli, Sahnesaucen Fleisch etc.
Da spielt Gewicht dann aber auch generell weniger eine Rolle und der Rucksack ist ja eh auch noch weniger gefüllt als bei weiteren Touren, bei denen bei mir das Laufen im Vordergrund steht.