Polar Hang - Finnisch Lappland 2022

  • Hallo, hier ein kleiner Reisebericht der letzten Woche von mir den ich gerne teilen möchte. Wir waren zu zweit mit Hängematten in Finnland unterwegs.

    Ich gehe auch auf Übernachtsplätze, Ausrüstung und Essen ein. Vielleicht kann es jemand für eigene Planungen gut gebrauchen. Aber zuerst zur Route. Auf der Suche nach einer Hängematte-geeigneten Region, möglichst im Norden fiel die Wahl schnell auf Finnland. Da es dort mehr Nationalparke gibt als Städte war die Wahl nicht so einfach. Entschieden haben wir uns dann für den Oulanka Nationalpark nahe Kuusamo. Hier gibt es einen sehr beliebten Trail, den Karhunkierros, oder auch Bärenrunde. Dieser lies sich gut durch weitere Km im Norden erweitern um eine Woche füllen zu können. Unser endgültiges Ziel war Sallatunturi.(während unserer Zeit dort wurde gerade in neuer Nationalpark eröffnet, gleich neben Sallatunturi, scheint ein guter Startpunkt für weitere Abenteuer zu sein).


    Die genaue Route findet ihr hier:

    https://en.mapy.cz/s/mecurehuzu


    Unsere Übernachtungsspots sind hier aufgelistet:


    66.2170144N, 29.3218989E

    66.3033278N, 29.5195856E

    66.4320822N, 29.1582389E

    66.5637986N, 28.9302619E

    66.6779533N, 28.7616497E

    66.7425797N, 28.7665742E


    Mittagsfrost Sieht nach einem neuen Eintrag im Hängebuch der Rekorde für den nördlichsten Hang aus, hier das Foto der Locations mit HM:



    Die Route lässt sich sehr gut in zwei Abschnitte einteilen, die Bärenrunde bis Hautajärvi und der Teil nördlich davon. Der erste Teil ist wohl einer der am meisten gegangenen Trails in Finnland, wir haben gehört das an manchen Tagen bis zu 200 Wanderer starten. Davon haben wir zum Glück so früh im Jahr nichts mitbekommen und sind nur selten Leuten begegnet, das maximum waren so 10-15 Leute an einem sehr beliebten Campingspot. Der war sehr weitläufig, deshalb hat man davon wenig gesehen, außer an der Toilette (der gesamte Weg hat Biotoiletten).

    Der Trail ist perfekt ausgeschildert, Markierungen alle 10 Meter, ein Schild jeder km und auch durch die Spuren auf dem Boden sehr einfach zu erkennen. Alles sumpfige ist mit Holzwegen überbrückt. Teilweise war der Weg geschottert, das habe ich so auch noch nicht gesehen, geschotterter Singletrail mitten im Wald. War sehr angenehm zu gehen. Der Weg war schon fast zu einfach, zumindest nicht so wie ich es aus Skandinavien gewohnt bin. Wer eine entspannte Wanderung über Wege mit Stadtparkqualität sucht und dazu die Finnische Wildnis um sich haben will, ist hier genau richtig. Der Weg führt zum großen Teil an einem Fluss entlang, was immer wieder zu tollen Aussichten führt. Ich kann verstehen warum der Weg so beliebt ist. Hier einige Bilder aus diesem Teil:











    Nachts um halb 1:




    Willkommen am Polarkreis:


    Der Wechsel in den nördlicheren Teil, der gleichzeitig den Übergang über den Polarkreis markiert hat, war dann deutlich zu spüren. Uns kam niemand mehr entgegen, Abends waren nur sehr wenig Leute an den auch eher spärlichen Hütten. Direkt nach einem kurzen Stück Straße kamen wir in ein Sumpfgebiet bei dem wir ordentlich nass geworden sind. Holzplanken gab es mal, sind aber verottet. Beschilderung war dürftig und man musste sich deutlich mehr Mühe geben vorran zu kommen. Bisher hatten wir vielleicht mal ein, zwei Mücken gesehen, jetzt kamen dutzende auf einmal (ist natürlich noch nichts gegen den Sommer). Der Weg wurde steiler und war nur noch ein leicht ausgelaufener Pfad war zu sehen. Hier fühlte man sich wie es klingt wenn man Wandern in Lappland sagt. Auch hier gab es wieder tolle Plätze und Aussichten und Hütten mit Feuerstellen. Ich kann diese Erweiterung nur deutlich empfehlen wer sich etwas mehr Abenteuer wünscht. Hier ein paar Bilder dazu:





    Interessante Quelle, das Wasser wurde von unten hochgedrückt:






    ----


    Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Tour mit der Hängematte, wir waren nicht die einzigen, die gemerkt haben wie viele Vorteile eine HM gegenüber einem Zelt dort hat. Mit dem Wetter hatten wir nur Glück, bis auf ein paar Tropfen an Tag 3 habe ich die Regenjacke lediglich für Mückenabwehr getragen. Das kann natürlich so früh im Jahr auch ganz anders aussehen. Der Schnee war bis auf einige schattige Ecken komplett weg. Interessant war natürlich auch die Sonne, die zwar um 1 Uhr ihren Tiefstand erreicht hat, aber nie unterging. Schlafen konnte ich zum Glück sehr gut, eine Uhr in der HM ist praktisch um ein Gefühl dafür zu haben wann man aufstehen kann. Vielleicht geht es ja irgendwann noch weiter in den Norden, aber es wird auch immer schwieriger die Hängematte einzupacken.

  • # Ausrüstung


    Anscheinend ist es für Finnen üblich eine gesamte häusliche Einrichtung in mehrere 100l Rucksäcke zu verpacken und diese dann durch die Wildnis zu schleppen. Ich habe selten so viel Zeug bei anderen Wanderern gesehen, und ich war schon oft genug mit Bushcraftern unterwegs. Was jeder Finne mindestens dabei hatte waren Crocs und ein komplettes Trangia-Set. Teilweise waren Leute mit Lastenkraxen unterwegs und hohen Türmen aus Zeug, Abends waren dann viele am Humpeln in ihren Crocs am Lager. Mit unseren 50l Rucksäcken und nahe einem 5kg Baseweight wurden wir wahrscheinlich für Tagestouristen gehalten.

    Insgesamt war ich mit meiner Ausrüstungswahl jedoch sehr zurfrieden. Aber wir hatten so viel Glück mit dem Wetter das man nicht wirklich sagen kann, ob es im Durschnitt die beste Wahl war. Im Prinzip haben wir die Regensachen (Jacke, Hose, Tarp, Handschuhe, Socken, UQP) nie gebraucht.


    Vor einigen Jahren habe ich sehr schlechte Erfahrungen mit Wanderstiefeln in Norwegischen Sümpfen gemacht. Nach 2 Tagen war damals das Gore-Tex durch und so viel Wasser in den Stiefeln das mir nur noch das auskippen alle paar km übrig blieb. Da ich mittlerweile auf Trailrunner umgestiegen bin, aber hier noch kein Erfahrung in Sümpfen hatte, war ich sehr gespannt wie das zusammenpasst. Daher auch die 3 Paar Socken um gegen alle Eventualitäten gesichert zu sein. Gebraucht habe ich davon nichts wirklich: Der Trail war die ersten 3 Tage komplett trocken oder mit Planken versehen. Fast schon langweilig. Interessanter wurde es dann später, das 2. Paar normale Socken war aber unnötig.


    Im Gegensatz zu Wanderstiefeln sind die Socken natürlich direkt nass in den Trailrunnern. Aber das hat einen großen Vorteil: Man geht einfach durch und hat nicht die ganze Zeit Bedenken ob die Membran hält. Außerdem trocknet es so schnell das auch die wasserdichten Socken unnötig waren. Ich habe sie lediglich einen Morgen verwendet, da die Schuhe noch klamm waren und ich zumindest beim Frühstück keine nassen Füße haben wollte. Fazit zu Trailrunnern in Lappland: Würde ich genau so wieder machen, außer es wäre deutlich kälter, dann vielleicht Neoprensocken.


    Kurze Hose war im Prinzip gut, wir hatten aber Glück mit Mücken. Entweder muss ich eine stichfeste Leggins finden (Regenhose wäre mir zu schwitzig auf Dauer) oder eine lange Hose nehmen.




    Was ich beim nächsten Mal weglassen würde:

    - Ersatz Socken

    - Ersatz Tshirt

    - Drybag schwarz (Hier war das Essen drinn, da nicht alles in den Liner gepasst hat. Aber da hätte ich einfach Gewicht sparen können)


    Was dazu kommt:

    - Mückenzeug

    - stichfeste Leggins?



    Mein Ausrüstungstipp nach der Tour: SwissPiranha Heringe. Die sind leicht, stabil, günstig, (angeblich) umweldfreundlicher und halten super fest. Ich bin verwundert warum die nicht von mehr Leuten benutzt werden.

  • tolle Tour. Tolle "Nacht-" Bilder.

    Danke für den Bericht. :thumbup:

    2001 waren wir auch auf der Bärenrunde. Damals noch Bodenbrüter.

    Damals hat mich fasziniert, dass die so toll ausgestattete Hütten incl. Axt und Säge hatten und niemand was klaut. Der Pfad war auch noch etwas uriger.

    Der nördliche Teil steht dann jetzt auch auf meiner Liste, zumal mir HM.

    il dolce far niente:sleeping:

  • Schöner Bericht von einer schönen Runde. Die Bärenrunde ist quasi unsere Haustour, da unsere Familien-Hütte 🛖 in der Nähe liegt. Was die Finnen teilweise auch dabei haben, sind Gummistiefel… 🙄

    Was den nördlichsten Hang betrifft, muss ich doch noch mal schauen, ob ich nicht Fotos aus Inari mit der Hängematte drauf finde 😉

    Falls Ihr mit Gas kocht, kann ich einen Thermacell-Aufsatz für die Gaskartusche gegen die Mücken 🦟 empfehlen: verbraucht wenig, hilft viel (ich trage gerade in den Sümpfen meist sogar ein Mückennetz über dem Kopf und Handschuhe 😬)

  • Was den nördlichsten Hang betrifft, muss ich doch noch mal schauen, ob ich nicht Fotos aus Inari mit der Hängematte drauf finde 😉

    Falls Ihr mit Gas kocht, kann ich einen Thermacell-Aufsatz für die Gaskartusche gegen die Mücken 🦟 empfehlen

    :cursing: Der Rekord war viel Arbeit, naja Spitzbergen steht eh schon auf der Liste, damit sollte ich dann vorerst sicher sein.


    Werde ich mir merken, am Lager waren die auch das nervigste. Unterwegs war meistens okay und wäre bei etwas kälteren Temperaturen gar kein Problem gewesen da ich mehr Klamotten getragen hätte. Bei 20C und Sonnenschein ist für mich nur noch kurze Hose und Tshirt Wetter.

  • Hatte ich glaube ich bereits mal vorgestellt, aber was Muecken, Fliegen etc. angeht kann ich das bugshirt (in Kombination mit stichfesten Handschuhen und Hose) waermstens empfehlen. Das Netz/Kapuze kann man aufzippen, es wiegt nichts, kann als Hemdersdatz genutzt werden und rettet mir in der bugseason regelmaessig das Leben.


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