Leichte Hängematte mit Ridgeline gesucht; Hersteller-Angaben zur Tragfähigkeit?

  • Zur besseren Les- und Suchbarkeit teile ich hier mal meinen Vorstellungs-Thread auf die verschiedenen Unterthemen auf. Die Einleitung findet sich dort.


    Must Haves: vollständiges Moskitonetz, teilweise oder ganz abnehmbar, interne strukturelle Ridgeline

    Körpergröße: 175cm

    Akt. Gewicht: 95-100kg (Pandemie sei Dank)

    Schlafposition: Rücken & Seite

    Ziel Gewicht (HM ohne Aufhängung): <600g

    Ziel Tragfähigkeit: >150kg (?)

    Preis (nach Versand, USt und Zoll): <250€


    Ich bin immer wieder über die recht niedrigen Trägfähigkeiten europäischer HM überrascht. Wenn bei einer DD Frontline mit fast 900g Eigengewicht ohne Aufhängung lediglich 125kg angegeben werden, wenn beispielsweise eine Half Zipped (wegen des Preises an dieser Stelle mal gewählt) von Dutchware als Single Layer mit Hexon 1.6 rund 150kg tragen können soll bei knapp unter 500g Eigengewicht. Qualität der Nähte so unterschiedlich? Oder rechnet DD höhere Sicherheitsfaktoren ein? Oder geht Dutch hart an die Belastungsgrenze des Materials?


    Europäischer HM-Markt wirklich so karg?


    Was mir in den letzten Wochen mal wieder aufgefallen ist: in den USA ist Outdoor einfach deutlich populärer, wie es aussieht und praktisch sämtliche US Hersteller mit interessanten Produkten (sowohl im Sinne der Features als auch vom reinen Gewicht her) haben keine internationalen Fullfillment Warehouses. Ich habe mich nun schon etwas damit abgefunden, aus den USA importieren zu müssen, wenn es leicht und gut durchdacht sein soll.


    Aktuelle Kandidaten nach Recherche:


    Dutchware Chameleon Hexon 1.6 SL (Pro: 11ft, dem Vernehmen nach sehr bequem; Contra: schwer)

    Dutchware Half Zipped Hexon 1.6 SL (Pro: Gewicht, Preis; Contra: einseitig fest vernähtes Moskitonetz)

    Hammock Gear Circadian (Pro: Preis da Teil vom Wanderlust/Wanderluxe Kit; Contra: etwas schwerer)

    Kammok Mantis (Pro: Tragfähigkeit, Preis dank Set; Contra: schwer)

    Warbonnet Original Blackbird SL (Pro: leicht, dem Vernehmen nach sehr bequem; Contra: Preis dank horrender Versandkosten)


    Gibt es Empfehlungen (sowohl in o.g. Auswahl als auch generell)? Wie sind die Erfahrungsberichte mit den genannten Hängematten? Wie muss man die Tragfähigkeits-Angaben der verschiedenen Hersteller einschätzen?

  • Bei Hängematten ist es schwierig, die Bruchkraft und damit auch die Tragfähigkeit zu ermitteln. Bei einem Seil ist es einfach: Seil in ein Messgerät einspannen und ziehen bis es reißt. Für die Anwendung im Hängemattenbereich teilst du dann den ermittelten Wert durch 5 (Sicherheitsfaktor), dann hast du die empfohlene maximale Last. Dabei ist aber zu beachten, dass du diesen Wert nicht mit dem Gewicht in der Hängematte gleichsetzen kannst, weil noch die Variable des Aufhängewinkels dazu kommt. Bei einem Aufhängewinkel von 30°, muss jede Seite 100% des Gewichts tragen - nicht 50%. Bei flacheren Aufhängewinkeln wird die Belastung immer höher. So kann man jede Hängematte kaputt machen, und gelegentlich sogar Bäume zum Umfallen bringen.


    Bei einer Hängematte kommt dazu, dass sich das Gewicht in der Hängematte auf eine Fläche verteilt. Wenn das Gewicht plötzlich auf einen Punkt konzentriert wird weil du dich z.B. auf einen Ellenbogen aufstützt, kann eine Hängematte u.U. auch bei einem überraschend geringen Gewicht reißen. Es ist also für Hersteller sehr schwierig, eine Tragkraft anzugeben wenn sie nicht wissen, wie der Nutzer die Hängematte verwendet.


    Bei 100 kg Körpergewicht würde ich entweder eine Single Layer Hängematte aus 40D oder 70D Ripstop Nylon, oder eine Double Layer Hängematte in beliebiger Kombination verwenden. Wenn du die Grenzen nicht ausreizen möchtest (z.B. Single Layer aus 20D), solltest du bei normaler Anwendung (nicht zu flacher Aufhängewinkel, fallen lassen in die Hängematte, ...) keine Probleme haben.


    Viel wichtiger ist die Frage, welche Dehnbarkeit für dich am bequemsten ist. Und das musst du leider selbst herausfinden.

  • Danke für die ausführlichen Infos. Wie sind denn Hexon 1.6 und 1.2 von Dutchware einzuschätzen? Ich habe nach kurzer Recherche gefunden, dass sie D40 (Hexon 1.6) bzw. D30 (Hexon 1.2) sind, aber augenscheinlich ja mit einem anderen (stärkeren?) Webmuster. Die reguläre Kammok Mantis ist aus D40 und die OG Blackbird als SL entweder 40D oder 70D.


    Zu meiner alten DD Frontline habe ich keine Infos gefunden, aber sie ist auf jeden Fall DL. Nun frage ich mich natürlich, wie DD mit der schweren DL Hängematte (auch für DL schwer) ein weight limit von 125kg angibt, während die 3 anderen als Single Layer teilweise 50% höher liegen (im falle der Kammok Mantis sogar fast beim Doppelten). Ich verstehe natürlich, dass die Messung der Tragfähigkeit schwierig ist und von vielen Faktoren abhängt. Alleine dynamische Lasten beim Umwälzen oder eben das etwas unsanftere Hineinsetzen werden ja locker das 1,5-2x des Eigengewichts erreichen.


    Auch wenn eine gewisse Standardisierung von Belastungstests sicherlich großartig wären, ich nehme mal stark an, dass der Markt viel zu klein ist, als dass sich hier etwas etablieren wird.


    Vielen Dank aber nochmal für den Hinweis zum Material und die ausführliche Erklärung!

  • Wie sind denn Hexon 1.6 und 1.2 von Dutchware einzuschätzen?

    Das schreibt Dutch doch:

    • Hexon 1.6 – 350 Pounds / 158 kg
    • Hexon 1.2 – 275 Pounds / 124 kg
    • Hexon 1.0 – 200 Pounds / 90 kg

    Ich habe nach kurzer Recherche gefunden, dass sie D40 (Hexon 1.6) bzw. D30 (Hexon 1.2) sind, aber augenscheinlich ja mit einem anderen (stärkeren?) Webmuster.

    Das macht bei bestimmten Anwendungen (z.B. Brückenhängematten) einen Unterschied, wurde aber sicherlich bei der Berechnung der empfohlenen maximalen Kapazität berücksichtigt.

    Die reguläre Kammok Mantis ist aus D40 und die OG Blackbird als SL entweder 40D oder 70D.

    Die Blackbird gibt es nicht mehr in 70D. Der 40D Stoff ist dem 1.6 oz Hexon sehr ähnlich.

    Nun frage ich mich natürlich, wie DD mit der schweren DL Hängematte (auch für DL schwer) ein weight limit von 125kg angibt, während die 3 anderen als Single Layer teilweise 50% höher liegen (im falle der Kammok Mantis sogar fast beim Doppelten).

    Das wird dir hier niemand beantworten können. Da fragst du am besten den Hersteller. Wobei ich mich frage, warum das für dich so wichtig ist. Mit deinem Gewicht bist du doch überall darunter. Du konzentrierst dich meiner Meinung nach auf den unwichtigsten Punkt. Viel wichtiger ist doch die Dehnung des Stoffes sowie Länge, Breite und Design der Hängematte.

  • Das schreibt Dutch doch:

    Hexon 1.6 – 350 Pounds / 158 kg
    Hexon 1.2 – 275 Pounds / 124 kg
    Hexon 1.0 – 200 Pounds / 90 kg

    Ich meinte bezüglich deiner Empfehlung von >=40D für eine Single Layer HM.

    Das macht bei bestimmten Anwendungen (z.B. Brückenhängematten) einen Unterschied, wurde aber sicherlich bei der Berechnung der empfohlenen maximalen Kapazität berücksichtigt.

    Okay, danke. Ich schließe daraus, dass ich den Angaben vertrauen kann. Damit ist die Frage beantwortet.

    Wobei ich mich frage, warum das für dich so wichtig ist. Mit deinem Gewicht bist du doch überall darunter.

    Der Vergleich zwischen den einzelnen Herstellerangaben ist eher Verwunderung. Das weckt dann meine Neugierde und ich frage mich, warum augenscheinlich ähnliche oder schwerere Materialien letztlich zu niedrigeren Angaben führen. Das ist alles.

  • Der Vergleich zwischen den einzelnen Herstellerangaben ist eher Verwunderung. Das weckt dann meine Neugierde und ich frage mich, warum augenscheinlich ähnliche oder schwerere Materialien letztlich zu niedrigeren Angaben führen.

    Du hast ja bereits festgestellt, dass es keinen Standard gibt. Jeder Hersteller gibt eine Empfehlung für die er vermutlich bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn zwei Hersteller eine Hängematte aus dem gleichen Stoff anbieten, kann ein unterschiedliches Design zu unterschiedlichen Empfehlungen führen. DD Hängematten werden beispielsweise straffer aufgespannt, was zu einer höheren Belastung führt. Außerdem schreibt DD "comfortable for people up to 6ft 5in and 125kg" - "comfortable" entspricht nicht "Tragkraft". Der Stoff reißt nicht gleich, wenn das Gewicht des Nutzers über der empfohlenen Kapazität liegt - aber mit zunehmendem Gewicht dehnt er sich natürlich immer stärker. Das kann (muss aber nicht) als unbequem empfunden werden. Deshalb schreibt Warbonnet zum Beispiel:


    Note: The weight ratings listed below are based on comfort, not absolute tensile strength. So for instance the single layer is rated for a max of 250 lbs because users above that weight will experience more stretch than is ideal and so would be more comfortable in something with more support (like the Heavyweight double). The comfort ratings can be pushed somewhat but you will be trading in comfort in doing so.

  • Da du ja explizit auch nach dem europäischen Markt gefragt hast schmeiß ich mal noch zwei kleinere Hersteller in die Runde:

    • LESOVIK (DRAKA): 250kg als Limit vom Hersteller angegeben. Ich meine es ist 70D Ripstop Nylon. Knappe 800g für das ganze Set (Matte alleine 590g meine ich). Gibt's gewöhnlich auch bei Hammock Fairy im Shop. Hab diverse Sache von denen - gut verarbeitet. Mir persönlich ist sie nicht lang genug gewesen - bin aber auch 197cm. Preis: 179€
    • Khibu (Nirvana): Hat auch die viel zitierten 130kg als Limit. 40D Ripstop Nylon. Der DRAKA sehr ähnlich, aber knapp über den 600g bei gleichen Maßen. Von Khibu besitze ich allerdings noch nichts. Preis: 145€

    Versand liegt bei beiden bei 17€.


    Ich würde mir bei deinem Gewicht keine Gedanken über die Reisfestigkeit machen solange du 40D oder 70D Ripstop Nylon einsetzt, wie bereits empfohlen. Wiege auch 95kg und habe sämtliche meiner Matten bereits mal kurzzeitig mit einer zweiten Person belastet - bis heute ist keine gerissen - weder die gekauften, noch die Eigenfabrikate.


    Viel wichtiger ist m.M.n. der Komfort und hier werden oft Dimensionen und Dehnung des Stoffes zitiert. Da du nur 175cm groß bist, kann es gut sein, dass du mit den gängigen 150x300cm oder eben 330cm Matten gut zurecht kommst. Abraten würde ich von etwas Kürzerem. Wie dehnbar es sein soll, wird ganz individuell empfunden. Mir gefällt Hexon 1.6(40D) besser als Hexon 1.7(70D aber lose gewebt) oder meine 70D Matten. Könnte mir vorstellen, dass es wie bei Matratzen ist.


    Von Hängematten ohne Ripstop rate ich ab. Alle, in denen ich gelegen habe, dehnen sich für meinen Geschmack zu stark und ich hätte auch Sorgen, dass ich sie im Gelände mal kaputt mache (kleine Beschädigung und dann Weiterreißen).


    Vielleicht noch eine Idee: Eine Matte leihen oder eine ohne Moskitonetz selber nähen um den Komfort auszutesten. Wenn du dann weißt, was dir gefällt, kannst du Geld in die Hand nehmen und so ein voll integriertes System kaufen/importieren. Bei 150€ und drüber wäre es doch doof 2 mal zu kaufen.

  • Von Hängematten ohne Ripstop rate ich ab. Alle, in denen ich gelegen habe, dehnen sich für meinen Geschmack zu stark und ich hätte auch Sorgen, dass ich sie im Gelände mal kaputt mache (kleine Beschädigung und dann Weiterreißen).

    Die Ripstop-Fäden werden dich nicht retten, wenn du deine Hängematte beschädigst. Unter Last werden sie den Riss allenfalls verzögern aber nicht stoppen. Das Ripstopmuster ist lediglich eine Verdichtung von Fäden (bei normalen Ripstopstoffen).

  • Die Ripstop-Fäden werden dich nicht retten, wenn du deine Hängematte beschädigst. Unter Last werden sie den Riss allenfalls verzögern aber nicht stoppen. Das Ripstopmuster ist lediglich eine Verdichtung von Fäden (bei normalen Ripstopstoffen).

    Gut zu wissen, ich dachte der Name wäre etwas mehr Programm. Bleiben zumindest die Hilfe beim akkuraten Zuschneiden, etwas mehr Dehnungsresistenz und Vorbeugen gegen Fadenverschiebungen?

  • Gut zu wissen, ich dachte der Name wäre etwas mehr Programm. Bleiben zumindest die Hilfe beim akkuraten Zuschneiden, etwas mehr Dehnungsresistenz und Vorbeugen gegen Fadenverschiebungen?

    Ich denke nicht, dass "Ripstop" für die Anwendung als Hängematte entworfen wurde, sondern für Kleidung und Isolierung. In beiden Fällen ist keine große Last auf dem Material, und da wird das Weiterreißen schon behindert.


    Gegen Fadenverschiebungen hilft Ripstop gar nicht. Das wird nur durch eine dichtere Webung (= mehr Gewicht bei gleicher Fadenstärke!) eingeschränkt bzw. verhindert.


    Das Ripstopmuster beeinflusst aber natürlich das Dehnungsverhalten. Ob sich ein Ripstopstoff weniger dehnt als ein Tafettastoff hängt aber vor allem von der Fadenstärke und der Webdichte ab.

  • Da du nur 175cm groß bist, kann es gut sein, dass du mit den gängigen 150x300cm oder eben 330cm Matten gut zurecht kommst

    Ich bin 1,60 m und bevorzuge eindeutig die 3,30 m langen Matten. 3 m funktionieren bei meiner Größe zwar auch, sind aber eindeutig nicht so bequem. Die verwende ich nur wenn ich unterwegs im Auto hänge, weil da einfach nicht mehr Platz ist.

    Ich würde bei einer Größe von 1,75 m in jedem Fall zu einer längeren Matte raten.

    • LESOVIK (DRAKA): 250kg als Limit vom Hersteller angegeben. Ich meine es ist 70D Ripstop Nylon. Knappe 800g für das ganze Set (Matte alleine 590g meine ich). Gibt's gewöhnlich auch bei Hammock Fairy im Shop. Hab diverse Sache von denen - gut verarbeitet. Mir persönlich ist sie nicht lang genug gewesen - bin aber auch 197cm. Preis: 179€
    • Khibu (Nirvana): Hat auch die viel zitierten 130kg als Limit. 40D Ripstop Nylon. Der DRAKA sehr ähnlich, aber knapp über den 600g bei gleichen Maßen. Von Khibu besitze ich allerdings noch nichts. Preis: 145€

    Danke für die beiden Tipps. Die Draka finde ich interessant. Wäre zwar schön, wenn es die auch nicht bunt gäbe, aber letzten Endes ist das ja eher nebensächlich. In den 590g ist das Moskitnetz mit eingerechnet? Ein wenig schade, dass die Details zur Matte etwas vage gehalten sind auf der Website. Ich habe zwar schon einen Satz Whoopie Slings (DIY, allerdings nicht aus Dyneema) und DD Treehugger, aber Ersatz ist nie verkehrt. Schnitt und Preis sind jedenfalls sehr interessant.


    Bei Khibu fand ich den Bestellprozess ehrlich gesagt etwas umständlich.


    Gibt's eine Option "Peak Shelves" einzusetzen? Die werden ja normalerweise einmal am Ende der HM eingehängt und mindestens an der Ridgeline, manchmal ja auch noch links und rechts an kleinen Ösen. Die Idee dieses Ordnungssystems finde ich nämlich recht attraktiv, was neben allerlei anderer kleiner cleverer Details einer der Gründe war, warum ich die Dutchware Chameleon interessant fand.

    Ich würde mir bei deinem Gewicht keine Gedanken über die Reisfestigkeit machen solange du 40D oder 70D Ripstop Nylon einsetzt, wie bereits empfohlen.

    Ja, zu dem Schluss bin ich nach dem Rat von Hammock Fairy dann auch gekommen und die 40D und Äquivalente sind damit dann auch zum Material der Wahl geworden.

    Vielleicht noch eine Idee: Eine Matte leihen oder eine ohne Moskitonetz selber nähen um den Komfort auszutesten. Wenn du dann weißt, was dir gefällt, kannst du Geld in die Hand nehmen und so ein voll integriertes System kaufen/importieren.

    Ich habe ja eine DD Frontline, die ist mir nur zu schwer, um sie auf längere Touren mitzunehmen, sie hat keine Ridgeline und ist letztlich nicht wirklich das, was ich gern hätte. Ich nehme gern ein HM aus Europa ohne Import-Gedöns. Bei den HMs ist das wohl auch wohl nicht so das Problem. Die Quilts aus Europa sind irgendwie ganz schön schwer im Vergleich zu US-Cottage Herstellern.


    Danke euch für die Tipps.


    P.S.:

    Da du nur 175cm groß bist,

    Ey ...

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