Welche Isolation wird benötigt

  • Da ich mir eine Isolation für die Hängematte zulegen möchte, stehe ich vor der Entscheidung welchen Temperaturbereich diese abdecken soll. Dazu habe ich mal ein paar Überlegungen angestellt die ich gerne teilen möchte.


    Zuerst habe ich überlegt in welcher Klimazone die Isolation hauptsächlich verwendet wird. Ein Blick auf die letzten Touren verrät, dass exotische Ziele leider selten sind. So beschränke ich mich auf die nähere Umgebung und habe die Daten einer Wetterstation südlich von Kassel hergenommen.

    Dazu wurden die Lufttemperaturdaten so zusammengefasst, dass für jeden Tag im Betrachtungszeitraum die kälteste gemessene Temperatur ausgewertet werden konnte. Dieser Minimalwert liegt gewöhnlich in den frühen Morgenstunden, also da wo die Isolation benötigt wird.

    Der Betrachtungszeitraum beläuft sich auf neun volle Jahre.




    Beispiel: Bei etwa 100 Tagen pro Jahr liegt die kälteste gemessene Temperatur unter oder bei 2 °C





    Beispiel: Bei etwa 1500 Tagen von allen betrachteten Tagen lag die Temperatur unter oder bei 6°C






    Beispiel: Etwa 10 % aller betrachteten Tage liegt unter oder bei -2 °C. Oder umgedreht 90 % aller Tage liegen über -2°C.



    Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen.

  • Interessante Zusammenstellung, Danke!

    Bei gekauften Underquilts hat man oft nur die Wahl zwischen 20°F (ca. -7°C) und 40°F (ca. +4°C). Da hilft einem der Blick in die Tabelle weiter. Es ist schon ein Unterschied, ob die Isolation in fast 40% der Nächte zu dünn ist (40°F) oder fast nie (20°F).

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Das ist eine schöne Zusammenstellung! – Ich muss allerdings gestehen, dass ich sie recht schwierig (intuitiv) zu lesen finde. Das mag einmal daran liegen, dass die Art der Darstellung für viele – jedenfalls für mich – ungewohnt ist. Vor allem aber – so mein Eindruck – sind wir dermassen stark gewohnt, die Temperatur auf einer senkrecht angeordneten und Zeiträume auf einer horizontalen Skala abzulesen, dass eine Spiegelung der Grafiken an der Diagonalen vom Ursprung zur rechten oberen Ecke die intuitive Lesbarkeit für viele wohl erhöhen würde.


    Bitte verstehe mich richtig: Du hast die Grafiken so erstellt, dass sie für dich ideal lesbar sind. Und du hast sie dankenswerterweise uns zur Verfügung gestellt. Ich habe mir bloss überlegt, warum die Darstellung für mich wohl eher schwer lesbar ist.


    In meiner Darstellung würde so eine Grafik dann ungefähr so aussehen, natürlich ohne gespiegelte Zahlen und mit einer Anpassung der Skalen, so dass sich statt eines Hochformats ein Querformat ergäbe:


  • Es geht doch aber nicht um Zeiträume, sondern um Prozente (Anteile von Tagen). Da ist es meiner Meinung nach schon üblich, daß für die Anteile (0-100%) die y-Achse genutzt wird.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Danke für die Grafiken:!:


    Man sollte aber auch beachten, dass eine Einzige zu kalte Nacht einem die ganze Tour bzw. die gute Laune versauen kann. Ich schlage auf die niedrigste zu erwartende Temperatur immer 10 Grad Reserve nach unten drauf und packe dafür.


    Und Vorsicht mit solchen Tabellen, wenn man vor hat in den Bergen zu nächtigen.


    Da gab es nämlich ganz zu Anfang meiner Kariere so ein Ereignis:

    Vorher den Wetterbericht angeschaut. Super - keine Nacht unter 10 Grad.

    Eine Woche später stellten wir dann mit erschrecken fest, dass diese Temperaturen offensichtlich für den Ort am Fuß des Berges und nicht für den ca. 700 Meter höheren Gipfel prognostiziert waren.

    Um's kurz zu machen: Eine sehr kalte Nacht im Sommerschlafsack bei Schneeregen und Bodenfrost X(


    Das passiert einem aber auch nur einmal, da der Lerneffekt immer direkt proportional zum Lehrgeld ist ;)

    Once you get locked into a serious hammock collection,

    the tendency is to push it as far as you can ...


    Hesmon

  • Es geht doch aber nicht um Zeiträume, sondern um Prozente (Anteile von Tagen). Da ist es meiner Meinung nach schon üblich, daß für die Anteile (0-100%) die y-Achse genutzt wird.

    Da magst du absolut recht haben. Ich habe nur erklärt, weshalb es mir schwer gefallen ist, die Grafiken intuitiv zu lesen. Ich bin anscheinend mit dieser Art der Darstellung bisher zu wenig vertraut, um sie intuitiv richtig lesen zu können.

  • Und Vorsicht mit solchen Tabellen, wenn man vor hat in den Bergen zu nächtigen.

    Davon könnte ich auch ein Liedlein singen: Anfang August in den 1980er-Jahren auf dem Zeltplatz Morteratsch auf etwa 1'865m ü.M. (im Tal!). Die Kälte war nicht das Problem und ich meine mich zu erinnern, dass wir gut geschlafen hatten. Der Abbau des vom Schnee sehr nass und schwer gewordenen Zeltes ohne Handschuhe am nächsten Morgen war allerdings sehr unangenehm. Der «Kuhnagel» (schweizerisch für eine schmerzhafte leichte Erfrierung an Fingern und Zehen) an den Händen war echt schlimm. Die Heimreise über die Pässe war nicht möglich und wir mussten das Auto von Samedan ins untere Bündnerland verladen.

  • Ich muss allerdings gestehen, dass ich sie recht schwierig (intuitiv) zu lesen finde. Das mag einmal daran liegen, dass die Art der Darstellung für viele – jedenfalls für mich – ungewohnt

    Das ist natürlich Geschmackssache. Mir ging es um die Anzahl der Tage an denen eine bestimmte Isolationsleistung benötigt wird. In der gewählten Darstellung liegen alle betrachteten Tage unter oder auf der Kurve. Ich finde damit spiegelt sich die Auswertung von "kleiner gleich" grafisch wieder.

    Man sollte aber auch beachten, dass eine Einzige zu kalte Nacht einem die ganze Tour bzw. die gute Laune versauen kann. Ich schlage auf die niedrigste zu erwartende Temperatur immer 10 Grad Reserve nach unten drauf und packe dafür.

    und nichts vergessen Luftfeutigkeit und den Windchilleffekt. Ich habe schon bei 15c° im Sommer auf dem Fahrrad gezittert. War zwar nur ein kurzer Schauer, aber mit dem Fahrtwind und dem Temperatursturz von gut 5c° hat das gereicht.

    Und Vorsicht mit solchen Tabellen, wenn man vor hat in den Bergen zu nächtigen.

    Das stimmt natürlich. Die Werte sind aber auch nur Anhaltspunkte. Je nach Region und weiteren Einflussgrößen kann ja einfach etwas auf die Werte aufgeschlagen bzw abgezogen werden. Ich hatte mir noch andere Datensätze geladen, z.B. von der Wetterstation auf dem Brocken (Harz). Die Diagramme oben gingen aber relativ schnell und sind für mich ausreichend. Es ist bestimmt interessant andere markante Punkte darzustellen. Vielleicht mach ich das noch mal.


    Ich hab noch mal etwas den unteren Temperaturbereich herausgearbeitet. Damit kann besser erkannt werden wie oft eine bestimmte Isolation benötigt wird. -14 °C hat es an diesem Ort etwa einmal im Jahr. Richtet man sich dafür aus wird 364 Tage zu viel mit geschleppt.


    Edited once, last by dong ().

  • Ich arbeite fast lieber mit herkömmlichen Klimadiagrammen. Da ich ja in der Regel weiss, wann ich rausgehe, finde ich deren Angaben fast hilfreicher.


    Diese Seite scheint mir diesbezüglich sehr hilfreich, da man diverse Parameter anpassen kann. Ich habe mal meinen Wohnort eingegeben und das dürfte recht gut passen:


    https://www.timeanddate.de/wetter/schweiz/oftringen/klima

  • schöne Tabellen.

    erschreckend aber, das es an jedem fünften Tag Frost gibt. :S


    Durch die Kommentare kam mir die Idee, ein Modell für die "gefühlte Kälte" aus Lufttemperatur, mittlerer Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit zu entwickeln. Ich könnte mir vorstellen, dass es da auch schon Modelle gibt. Abgesehen von dem Spezialfall Hängematte Ist die Berechnung von Wärmeverlusten ja an vielen Stellen von Interesse.


    Es wäre dann interessant, diese Tabelle aus so einer Kennzahl zu erstellen.

  • Hallo zusammen,


    ich beobachte das Wetter schon seit Jahren. Klar wenn.du ganzjährig jeden Arbeitstag mit dem Bike zum Job gondelst.


    Die Wetterdienste generell haben an Genauigkeit extrem abgebaut. Ist einfach so.


    Bis vor zwei Jahren hat das noch einigermaßen gepasst. Und das betraf die Temperatur, den Niederschlag und die Windrichtung samt derer Zeitfenster.


    Dann ging das los. Zuerst haben sich die Zeitfenster verschoben, dann die Wetterlagen selbst. Inzwischen können sie wohl nur noch raten, was Sache ist.


    Beispiel: ich stehe auf und scanne zwei unabhängige Wetterdienste. Beide sagen Regen voraus, für ein Zeitfenster am Ort von einer Stunde. Das ist ja jetzt nicht so, also wolle ich das Wetter von nächste Woche wissen.

    Ich trinke meinen Espresso und schaue wieder nach. Beide sagen Regen von über 60% Wahrscheinlichkeit.


    Ich öffne die Haustüre und...


    ...es ist staubtrocken. Und das den ganzen Tag über. Man bekommt es nicht mal mehr hin das Wetter in Echtzeit an zu sagen.


    Woran liegt das, die Frage sollte man sich stellen? Klimaerwärmung eventuell?

  • sakura Im Wesentlichen, ja. Die Modelle, die für die Vorhersage verwendet werden, gehen grundsätzlich davon aus, dass "ähnliche" Eingabedaten auch zu "ähnlichen" Ergebnissen führen (für eine bestimmte Definition von "ähnlich", aber ich schreibe jetzt keine Semesternotizen Statistik-Grundlagen - Suchbegriff "Ensemble-Vorhersagen"). Wenn diese Grundannahme nicht mehr stimmt, sinkt auch die Qualität der Vorhersage, bis die Modelle mit mehr aktuellen Daten angepasst werden können. Wenn die Änderungen allerdings schneller passieren, als die Anpassung hinterher kommt, dann ist das ein Problem...

  • Und da brauchbare Klimadaten sich auf eine Zeitdauer von 30 Jahren beziehen, wird klar, dass Modelle manchmal etwas zu träge reagieren, gerade wenn die Veränderungen der Durchschnittstemperaturen eher schnell vor sich gehen.


    Ich erlebe es aber auch heute noch oft, dass das Zeitfenster genau passt. Im Juni 2017 im Verzascatal (TI, Schweiz): Zwischen 15.00 und 15.15 werden auf der App von MeteoSchweiz heftige Regenfälle angesagt. Das Wetter ist schön. Kurz vor 15 Uhr braut sich etwas zusammen. Aus fast heiterem Himmel beginnt es heftig zu regnen. Um 15.15 ist der Regen vorbei und es klart wieder auf. Insgesamt passen die Vorhersagen bei uns nach wie vor sehr genau. Es gibt aber gelegentlich mal einen Totalausfall, den ich mir damit erkläre, dass Modelle, die in stark gebirgigen Landschaften exakt passen, sehr schwierig zu erstellen sind. Je nach Topografie kann eine um wenige Grad falsch eingeschätzte Windrichtung zu einer fast gegenteiligen Wetterlage führen.

  • Windchill Effekt war ein gutes Stichwort:

    https://www.bergfreunde.de/windchill-effekt-rechner/


    Dort gibt es auch die verwendete Formel:

    Formel zur Berechnung des Windchill-Effekts


    Was mir fehlt ist die Luftfeuchtigkeit. Die hat erfahrungsgemäß starken Einfluss und man kann ihr schwerer entweichen.


    Noch ein Fundstück:

    https://www.menschenswetter.at…-eiskalt-gefuehlte-kaelte

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