"Die Matte vor lauter Bäumen" oder "Wie ich versuche meine erste Brückenhängematte zu nähen"

  • Liebes Forum,


    Zunächst noch einmal ein herzliches Dankeschön für den netten Empfang und Euer Engagement. Hier mein Vorstellungsthread: Tagchen aus Niedersachsen


    Ich habe mich dazu entschieden eine Brückenhängematte zu nähen und würde mich über ein wenig Unterstützung von Euch freuen.

    Zunächst einmal die Fakten:

    Ich bin 170 cm groß, wiege häufig ;) um die 65 kg, schlafe gerne auf der Seite und stelle mir aus Bequemlichkeitsgründen vor eine Isomatte mit in meine Hängematte zu nehmen. Da ich sowieso immer mit Wanderstöcken unterwegs bin würde ich diese auch als Spreizstäbe verwenden.

    Nun schwirrt hier immer die Vorlage von Dendronaut im Forum umher, leider ist diese scheinbar nicht mehr verfügbar (oder stehe ich komplett auf dem Schlauch?:/) und ich habe mich dazu entschieden zunächst dieses Schnittmuster von @Waldläufer70 als Vorlage zu benutzen. Da ich die geringste Länge der Wanderstöcke verwende wird die Matte am Kopf- und Fußende gleich breit sein. Einlagig.


    Meine Fragen:

    1. Wie sinnvoll ist es die Maße an meine kürzere Körpergröße anzupassen? Und wie gehe ich da vor? Wie rechne ich die Maße um?

    2. Welchen Effekt hätte ich wenn ich die Breite auf ca. 110 cm und die Länge auf weniger als 200cm verkürzen würde? Stabilität bzw. "Umkippschutz"?

    3. Kann mir jemand das 1. und 3. Bild von hier erklären? Ich denke, das 3. wird mir zum umrechnen der Maße dienen...


    Als Material habe ich folgendes geplant:


    1. Ripstop-Nylon, 36g/qm, 3m , ich denke als günstiger Einstieg, um mich mit der Materie vertraut zu machen sollte das reichen.

    2. Gurtband 15mm 5m für die Seiten
    3. Gurtband 25mm 4m für die Baumgurte
    4. Dyneema 2,5mm 20m für den Rest (übernommen von Steffen G. , Danke!:thumbup:)


    Habe ich etwas Essienzielles vergessen?

    Über die Aufhängung habe ich mir aktuell noch keine Gedanken gemacht. Ich will mich erst einmal ans Nähen der Matte machen.


    Vielen Dank schon einmal und eine angenehme Restwoche uns allen :)



    danger

  • DL1JPH

    Approved the thread.
  • Tolles Projekt! :)

    Ich bin 170 cm groß, wiege häufig ;) um die 65 kg, schlafe gerne auf der Seite und stelle mir aus Bequemlichkeitsgründen vor eine Isomatte mit in meine Hängematte zu nehmen.

    Ich weiss, dass viele eine aufblasbare Isomatte von Therm-a-Rest oder Exped in ihrer Brückenhängematte nutzen. Ich habe das in meiner einlagigen Matte auch schon probiert. Davon würde ich aber abraten. Die Matte rutscht beim Einsteigen erst mal rum. Dann wird sie recht ungünstig belastet. Meine Exped-Matte hat davon Schaden davongetragen. Was hingegen sehr gut funktioniert (abgesehen vom Herumrutschen beim Einsteigen) sind geschlossenporige Schaumstoffmatten oder auch die bekannten selbstaufblasenden von Therm-a-Rest und anderen Herstellern.

    Da ich sowieso immer mit Wanderstöcken unterwegs bin würde ich diese auch als Spreizstäbe verwenden.

    Wenn du sie irgendwie verstärkst, so dass sie nicht zusammengeschoben werden können, sollte das funktionieren. Ich hatte bisher nicht den Mut dazu respektive wollte bisher kein zusätzliches Material mitschleppen. Da kommt nämlich einiges an Belastung zusammen, die auf die Spreizen wirkt.

    Nun schwirrt hier immer die Vorlage von Dendronaut im Forum umher, leider ist diese scheinbar nicht mehr verfügbar (oder stehe ich komplett auf dem Schlauch? :/ ) und ich habe mich dazu entschieden zunächst dieses Schnittmuster von Waldläufer70 als Vorlage zu benutzen. Da ich die geringste Länge der Wanderstöcke verwende wird die Matte am Kopf- und Fußende gleich breit sein. Einlagig.

    Ich finde sie auch nicht mehr. Die drei Bilder (siehe unten) stammen aber, wenn ich mich richtig erinnere, von dieser Website.


    Mein Schnittmuster unterscheidet sich von seinem dadurch, dass der Stoff an beiden Enden gleich breit ist. Ich nutze aber am Kopfende einen breiteren und dickeren Stab (110cm) als am Fussende (92cm), so dass ich ein der Koma vergleichbares Liegegefühl erreiche. Zumindest war das mein Ziel, leider hatte ich noch nie die Gelegenheit, in einer Koma zu liegen. Ich bin mit dem Komfort meiner Hängematte jedenfalls recht zufrieden.


    Ich weiss nicht, ob ich dich richtig verstehe: Du willst die Stöcke ganz zusammengeschoben nutzen? Wie lang sind die denn dann noch? Der Punkt ist: Wenn du gerne auf der Seite schlafen möchtest, dann sollte deine Brückenhängematte so breit werden, dass du bei angezogenen Knien nicht aufs seitliche Band zu liegen kommst. Mich persönlich stört das sicher weniger als andere, einige mögen das aber gar nicht.


    Was an der Koma und auch der Ridgerunner besonders ist, ist der Umstand, dass das Kopfende flacher aufgespannt ist als das Fussende. Die Füsse liegen somit etwas tiefer in Bezug zum Spreizstab, Kopf und Schultern kommen etwas höher zu liegen, was den Schultern viel Raum gibt. Das finde ich persönlich sehr angenehm, weshalb ich bei meiner zweiten Brückenhängematte nichts daran geändert habe.


    Du müsstest dich also fürs Kopf- und Fussende für ein Längenverhältnis zwischen Stablänge und Stoffbreite entscheiden. Bei mir sind es:

    • Kopfende: 110cm / 126cm (0,873)
    • Fussende: 92cm / 126cm (0,730)

    Du brauchst dieses Verhältnis nicht exakt zu übernehmen. Vielleicht kann dir auch jemand mitteilen, wie das Verhältnis bei der Koma ( Mittagsfrost ) oder der Ridgerunner ( Hammock Goofy ) in etwa aussieht.

    Meine Fragen:

    1. Wie sinnvoll ist es die Maße an meine kürzere Körpergröße anzupassen? Und wie gehe ich da vor? Wie rechne ich die Maße um?

    2. Welchen Effekt hätte ich wenn ich die Breite auf ca. 110 cm und die Länge auf weniger als 200cm verkürzen würde? Stabilität bzw. "Umkippschutz"?

    3. Kann mir jemand das 1. und 3. Bild von hier erklären? Ich denke, das 3. wird mir zum umrechnen der Maße dienen...

    1. Das ist sicher sinnvoll: Ich bin 184cm gross und habe meine zweite Brückenhängematte auf 210cm verkürzt. Die Breite ist gleich geblieben. Die Tiefe der Kettenlinie habe ich von 15cm auf 21cm erhöht. Mir scheint, dass der benötigte Hängewinkel etwas günstiger geworden ist. Statt einem Hängewinkel von ca. 23° komme ich nun mit einem steileren Hängewinkel aus, der die Belastungen ganz allgemein verringert. Das Umrechnen ist einfach. Wenn du dich an meine erste Brücke halten möchtest und sie nur 200cm lang machen möchtest statt 220cm, dann nimmst du den Faktor 0,91 (200/220, Vergleich verschiedener Hängemattenlängen) und multiplizierst alles mit diesem Faktor: Stoffbreite, Länge der Spreizen und Tiefe der Kurve. Dann kommt das ungefähr hin. Ich komme aber auch mit 210cm gut klar. Du könntest also auch mit dem Faktor 0,924 arbeiten (170cm/184cm, Vergleich unserer Körpergrössen) und alles – Länge, Breite, Tiefe der Kettenlinie und Spreizen mit diesem Faktor umrechnen.
    2. Die Frage wäre, wie lang deine Spreizen sind. Wenn die Längenverhältnisse gleich bleiben (Kettenlinie, Spreizen und jeweils ein gleichseitiges Dreieck für das Aufhänge-Dreieck (1. Bild bei deiner Frage unten)) und du deshalb einen vergleichbaren Hängewinkel hättest, würde das keine Rolle spielen. Ich gehe davon aus, dass du auch einen entsprechend kürzeren Rücken hast als ich, was aber nur beim Sitzen eine Rolle spielt (Kippverhalten). Wenn du die seitliche Kettenlinie trotz der Verkürzung bei 15cm belässt oder sogar etwas erhöhst, erreichst du einen etwas steileren Hängewinkel bei ähnlichem Liegegefühl; dann würdest du den Schwerpunkt im Verhältnis zu meiner ersten Brückenhängematte noch etwas tiefer bekommen, was sich durchaus empfehlen könnte. Je steiler der Hängewinkel, desto "kippsicherer" wird deine Hängematte. Brückenhängematten werden aber in der Regel flacher als 30° aufgehängt (oft zwischen 20° und 25°, aber auch 30° kann man mal ausprobieren).
    3. Das 1. Bild stellt das Aufhängedreieck dar: Ich empfehle dir, die beiden Leinen mindestens gleich lang zu machen, wie der Stab breit ist (gleichseitiges Dreieck). Wenn du die Leinen noch länger machst, reduziert das die Belastung der Spreizen (sehr gut!) und du wirst "kippsicherer" (sehr gut!), aber der Mindestabstand der Bäume wird grösser. Meine beiden Brückenhängematten benötigen einen Baumabstand von über 4 Meter. Die Koma und Ridgerunner sind wohl etwas kürzer(?). – Das dritte Bild verstehe ich wie folgt: Unten hast du die Tiefe der Kurve, die du in die Seiten der Hängematte schneiden musst. Die Masse am linken Rand sind die Abstände der Kurvenpunkte. Die Hängematte soll also 214cm lang werden (2*107cm) und die Kurve 15cm tief. - Du kannst auch ein paar A4-Blätter zusammenkleben, diese horizontal aufhängen und einen Faden mit dem gewünschten Durchhang spannen (z.B. 15cm Durchhang). Dann markierst du etwa alle 10cm, wie weit vom oberen Rand der Faden weg ist, verbindest die Punkte mit dem Lineal und schon hast du eine Vorlage für deine Kurve. Dann den Hängemattenkörper der Länge nach falten, Schnittmuster drauf legen und Kurve anzeichnen / schneiden. Theoretisch könntest du auch zuerst das Kopf- aufs Fussende falten und dann noch einmal der Länge nach; dann kommst du mit dem halben Schnitt wie im Bild aus. Dann musst du aber sehr genau falten und auch sehr sauber schneiden. Und die Kurve müsste natürlich symmetrisch sein.

    Ripstop-Nylon, 36g/qm, 3m , ich denke als günstiger Einstieg, um mich mit der Materie vertraut zu machen sollte das reichen.

    Daraus haben schon Leute ihre Brücken-Hängematte gemacht. Mir persönlich wäre der eher suspekt. Ich habe von diesem Stoff zuhause und er ist sehr lose gewebt und schon sehr leicht. – Dank dem 15mm-Gurtband wirst du zwar in Längsrichtung kein Problem bekommen (vermute ich), aber die seitliche Belastung auf den Stoff ist bei einer Brückenhängematte grösser als die Längsbelastung. Aber wie du schreibst: Es wäre ein günstiger Einstieg. - Wenn du sicher gehen möchtest, dass die Hängematte lange hält, könntest du alternativ das Hammock Nylon von Extremtextil verwenden. Das wäre dann allerdings weniger elastisch. Ich kann nicht sagen, was für dich vom Liegegefühl angenehmer ist.


    Viele Grüsse vom Waldläufer

  • Wenn du gerne auf der Seite schlafen möchtest, dann sollte deine Brückenhängematte so breit werden, dass du bei angezogenen Knien nicht aufs seitliche Band zu liegen kommst. Mich persönlich stört das sicher weniger als andere, einige mögen das aber gar nicht.

    danger Hast du schon mal in einer Brückenhängematte probegelegen?


    Für mich sind 2 Punkte wichtig:

    - Die Bequemlichkeit: Ich schlafe immer auf der Seite und ziehe dazu die Knie so weit an, dass ungefähr ein rechter Winkel entsteht. Selbst bei meiner Größe (1,60 m) bin ich an den seitlichen, harten Rand gekommen und da hatte ich noch nicht einmal einen Schlafsack oder Ähnliches in Gebrauch, was auch noch Platz braucht oder dann über den Rand hängt. Diese harten Ränder fand ich sehr unbequem. (Deshalb ziehe ich eindeutig eine GE vor)

    - Mir persönlich sind Brückenhängematten deutlich zu kippelig (beim Einsteigen, beim Umdrehen).


    Ich würde dir also in jedem Fall, bevor du Zeit und Geld investierst, empfehlen mal irgendwo probezuliegen. Vielleicht wohnt jemand aus dem Forum, der so eine Matte hat, bei dir in der Nähe und läßt dich probeliegen.


    Wenn du schon probegelegen hast und es bequem fandest, dann vergiß meinen Schrieb und viel Freude beim Nähen!

  • Das finde ich auch gut, wenn du – nach Möglichkeit – mal in einer Brücken-Hängematte probeliegst.


    Meine beiden Modelle sind selbst in der Mitte breit genug, dass ich (184cm) die Knie anziehen kann, ohne dass sie auf den Rand zu liegen kommen. Allerdings funktioniert das bei der Version 2.0 (in der Mitte 85cm breit) schlechter, auch weil dort der Stoff elastischer ist und ich neben dem Gurtband sofort gut bemerkbar in den Stoff einsinke. Bei der Version 1.0 ist die schmalste Stelle etwa 100cm breit und der Stoff im Vergleich sehr fest. Da funktioniert das Liegen auf der Seite eher besser.


    Die handelsüblichen Brückenhängematten wie Koma und Rigerunner sind – wenn ich das richtig mitbekommen habe – in der Mitte nur um die 70cm breit. Da würde es für die rund 60cm von meinem Gesäss bis zum Knie schon sehr eng.


    Ich selber liege in der Brücke meistens auf dem Rücken oder in leichter Seitenlage, manchmal rolle ich mich aber auch praktisch gestreckt ganz an den Rand. Die Beine ziehe ich in Seitenlage nicht immer (oder sogar eher selten?) an.

  • Ripstop-Nylon, 36g/qm, 3m , ich denke als günstiger Einstieg, um mich mit der Materie vertraut zu machen sollte das reichen.

    Ich würde dir auch dringend empfehlen, diesen Stoff nicht zu verwenden. Der ist qualitativ so schlecht, dass ich nicht mal mehr Packbeutel daraus nähe. Das Material ist - wie Waldläufer70 sagt - sehr locker gewebt, die einzelnen Fäden können problemlos mit den Fingern verschoben werden, ein Rohgewebe der untersten Kategorie. Damit sollte man meiner Meinung nach nur Prototypen anfertigen, die nicht benutzt werden, sondern nur den Materialbedarf ermitteln.

  • Vielen Dank schon einmal für Eure Rückmeldungen und Ratschläge. Leider hat dies nicht die gewünschte Klarheit gebracht, sondern es hat mich mehr verunsichert. Ich bin eigentlich mit dem festen Ziel hier rein diese Matte zu nähen. Aber jetzt höre ich von zwei Seiten, dass ich erstmal probeliegen sollte.

    Macht ja irgendwie auch Sinn. Trotzdem frage ich mich, kann die ganze Sache so sehr in die Hose gehen, dass man sich überlegt nicht umzusteigen? Gibt es hier Erfahrungswerte, dass ein Umstieg von Boden in Hängematte fehlgeschlagen ist?

    Fakt ist, dass ich mich wohl erstmal weiter mit der Materie beschäftigen sollte. Idealerweise werde ich ein Treffen besuchen...


    Habt Dank!:thumbup::thumbup::thumbup:

  • Trotzdem frage ich mich, kann die ganze Sache so sehr in die Hose gehen, dass man sich überlegt nicht umzusteigen? Gibt es hier Erfahrungswerte, dass ein Umstieg von Boden in Hängematte fehlgeschlagen ist?

    Passieren kann alles. Und ja, es gibt auch notorische Bodenschläfer. Ein Kumpel von mir widersteht seit Jahren meinen Versuchen, ihn zum entspannten Träumen zwischen zwei Bäumen zu bringen. Weder Brückenhängematte noch gathered end konnten ihn überzeugen. Mal ein Mittagsschläfchen: ja, aber eine ganze Nacht? Nein, da bevorzugt er das Zelt. Ein hoffnungsloser Fall.


    Aber ich will nicht schwarzmalen. Wir alle hier genießen Hängematten. Die einen lieben gewöhnliche, andere bevorzugen Brücken und wieder andere lieben es, quer zu hängen. Zu welcher Kategorie Du gehörst, wirst Du schon noch herausfinden. Wenn Du dazu eine Brückenhängematte, eine 90°-Hängematte und auch noch eine gewöhnliche Hängematte nähen musst - na ja, da lernst Du nebenbei noch jede Menge Konstruktionsdetails. Ist doch auch nicht schlecht. Die nicht benötigten Hängematten kannst Du dann immer noch verkaufen oder verschenken.

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Das mit dem Probeliegen würde ich von meiner Seite her gerne relativieren. Natürlich ist es schön, wenn man das eine oder andere Modell vor dem Kauf oder dem Eigenbau mal ausprobieren kann. Aber:


    Ich hatte selber keine Gelegenheit, in einer Brücken-Hängematte (oder überhaupt in einer Hängematte) Probe zu liegen. Also habe ich mich dazu entschlossen, mir eine zu nähen. Ich habe das keinen Augenblick lang bereut. Ich nähe aber auch recht gerne und mag es gerne, mich in Dinge hineinzudenken und dann die Sache einfach auszuprobieren. Deshalb habe ich dir auch so umfangreich geantwortet: um dir möglichst viel Information an die Hand zu geben und dich zu einem Versuch zu ermutigen.


    Wenn dich Geld und Zeit nicht reuen, würde ich es einfach ausprobieren. Ich finde es immer schade, wenn man ein Projekt, für das man Feuer und Flamme ist, nicht umsetzt. Du solltest aber damit leben können, dass es unter Umständen nicht auf Anhieb so klappt, wie du gehofft hast. Bei mir zumindest klappen aber diesbezüglich die meisten Sachen auf Anhieb recht gut.


    Und nun noch kurz meine Einschätzung zu deiner Frage: Es gibt Leute, die mit der Hängematte auf Dauer nicht zurecht gekommen sind. Aber das ist ja nichts Schlimmes. Welcher Weg geht schon immer nur geradeaus? Genauso wenig wie der umgekehrte Fall etwas Schlimmes wäre. Nur selten aber hat jemand auf Anhieb das passende Zelt oder die passende Hängematte gefunden. Das wäre schon fast ein Glückstreffer.


    Wie ich draussen unterwegs bin:

    • Wenn ich in den Bergen über der Baumgrenze oder in eher windigen Gebieten unterwegs bin, liebe ich mein Zelt.
    • Wenn ich in Gebieten mit vielen Bäumen (Wald) unterwegs bin, liebe ich meine Hängematten. Und da wechsle ich nach wie vor gerne ab. Vielleicht finde ich ja mal noch meine "ultimative Hängematte"... ;)
  • Auf Grund der Art deiner Fragen habe ich eine Gegenfrage: Hast du überhaupt schon mal in einer Hängematte geschlafen? Wenn du noch keinerlei Erfahrungen hast, warum fängst du nicht mit einer simplen Gathered End (sprich "normalen") Hängematte an? Die ist wesentlich einfacher zu nähen und es kann weniger schief gehen.


    Wenn du bei einer Brückenhängematte bleiben willst, würde ich mit einem Design anfangen, das sich bewährt hat - z.B. einem Design von GrizzlyAdams aka Professor Hammock. Bei deiner zweiten Brückenhängematte kannst du dann anfangen, Veränderungen vorzunehmen.


    Was die Kippeligkeit betrifft: das ist einfach eine Eigenschaft des Designs. Wenn du die Hängematte so veränderst, dass sie nicht mehr kippelig ist, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit keine Brückenhängematte mehr. Obwohl mich als GE Hängemattennutzer das Kippgefühl anfangs verunsichert, ist es aber einfach eine Frage der Gewöhnung. Ich glaube auch, dass man sich schon sehr anstrengen muss um wirklich zu kippen.


    An deiner Stelle würde ich auch einen stärkeren Stoff verwenden. Durch die Konstruktion wirken sehr große Kräfte auf den Stoff. Der Brückenexperte Just Bill im HammockForums und Hersteller von SUL sowie XXXL Brückenhängematten (Towns End) schwört auf die MTN Hybrid Stoffe. Ansonsten würde ich aber auf jeden Fall mindestens einen 40D-Stoff verwenden. Im Vergleich zu einer GE Hängematte ist der Stoffbedarf einer Brückenhängematte so gering, dass der Gewichtsunterschied doch eher marginal ist.

  • Auch wenn sich eine Brücken-Hängematte kippeliger anfühlt als eine gewöhnliche Gathered-End-Hängematte, so sehe ich es gleich wie TreeGirl : Man kann eigentlich nicht aus der Hängematte fallen. Ich kann mich ganz an den Rand drehen und schlafe manchmal auch dort ein. Wenn man sich mal ans Liegegefühl gewöhnt hat, ist sie nur noch kippelig, wenn man sich in ihr aufsetzt. Aber selbst da kann man mit etwas Gewöhnung das Gleichgewicht halten, ohne irgendwohin zu kippen.


    Übrigens noch eine interessante Beobachtung: Wenn ich mich ganz an den Rand der Hängematte drehe und dann dort liege, so klingt zwischen den beiden Seilen des Aufhänge-Dreiecks (statt einer Prime wie beim Liegen in der Mitte) etwa eine kleine Terz. Die hat in der reinen Stimmung ein Frequenzverhältnis von 5 : 6. Für die Zugkräfte, die auf eine Saite wirken, muss man dieses Verhältnis quadrieren, bekommt also eine Kräfteverteilung im Dreieck von 5² : 6², also 25 : 36. Für die Belastung der Hängematte ist es also völlig unproblematisch, wenn man am Rand liegt. Selbst wenn man von einer grossen Terz (4 : 5) ausgeht, ist das Liegen am Rand nicht wirklich ein Problem: 16 : 25 ist auch kein Weltuntergang.

  • so klingt zwischen den beiden Seilen des Aufhänge-Dreiecks (statt einer Prime wie beim Liegen in der Mitte) etwa eine kleine Terz. Die hat in der reinen Stimmung ein Frequenzverhältnis von 5 : 6.

    Es sind diese Dinge, warum ich die verrückte Liegebande so mag :) man fühlt sich nicht so einsam wenn man über die Stimmung der Interalle von Abspannleinen nachsinnt.

    Einmal werden wir noch wach, heißa, dann ist Nachmittach.

  • Es sind diese Dinge, warum ich die verrückte Liegebande so mag :) man fühlt sich nicht so einsam wenn man über die Stimmung der Interalle von Abspannleinen nachsinnt.

    Mir gefällt an diesem Gedanken auch, dass ich zwei Hobbys miteinander verbinden kann. Zudem: Warum soll ich ein präzises Hightech-Messgerät nicht nutzen, wenn ich es schon kostenlos im Körper eingebaut habe.


    PS: Schön, dass auch ich nicht der einzige bin, der Freude daran hat, verschiedene Felder in Verbindung zu bringen. :) Pythagoras wusste darüber ja schon vor über 2'500 Jahren Bescheid.

  • Auch für Physiker und überhaupt Menschen, die sich allgemein für Zusammenhänge interessieren.


    Das pythagoreische Komma erklärt jedenfalls, weshalb ein Klavier, bei dem alle Tonarten gleich rein klingen, mit zu kleinen Quinten auskommen muss. Mit anderen Worten: Bei einem modernen Klavier klingt eigentlich alles ein wenig "falsch", d.h. nicht rein.


    Das pythagoreische Komma: (3/2)^12 (zwölf Quinten aufwärts) / (2/1)^7 (sieben Oktaven abwärts) = 1.013643 statt 1.000000


    Die Verhältnisse der Grundintervalle sind da unproblematischer:


    2:1 = Oktave

    3:2 = Quinte

    4:3 = Quarte

    5:4 = grosse Terz

    6:5 = kleine Terz


    Danach wird es komplexer... ;)

  • Ich komme gerade von einer Übernachtung in meiner Brücken-Hängematte 2.0 zurück. Schlafen auf der Seite funktioniert sehr gut, aber ich habe mich einfach zum Rand hin gedreht und dabei die Beine kaum angewinkelt.


    Gerade kommt mir noch in den Sinn:

    Sowohl DutchWare als auch »Ripstop by the Roll« verkaufen einen Brücken-Hängematten-Bausatz. Als Anleitung verweisen beide auf das zweiteilige Video von »Bic«. Ganz falsch kann diese Hängematte also nicht sein:



  • Wenn du noch keinerlei Erfahrungen hast, warum fängst du nicht mit einer simplen Gathered End (sprich "normalen") Hängematte an? Die ist wesentlich einfacher zu nähen und es kann weniger schief gehen.

    TreeGirl : Da hast Du mir einen guten Impuls gegeben. Ich beschäftige mich gerade aufgrund der aktuellen Hennessy Hammock Aktion mit den Matten und bin auf einen Beitrag von Dir gestoßen, in welche Du die Idee hattest die Safari "nachzubauen" mit leichteren Stoff. Ich schwenke mittlerweile um und überlege, ob ich mir die schwere original Matte holen sollte oder vielleicht doch erst einmal eine GE nähe.

    Hast Du die HH Safari denn erfolgreich nachnähen können?

    Würde sich dieser Stoff aus Deinem Shop dazu eignen?

  • Die Safari habe ich nicht nachgebaut, weil ich das Netzdesign nicht besonders gelungen finde. Allerdings habe ich eine Menge netzlose Hängematten mit dem Hennessy Whipping gemacht. Das ist kein Problem.


    Du kannst aus jedem Stoff einen Safari-Klon machen, aber die originale Safari ist aus einem 210D Oxford Nylon. Das 1.6oz HyperD ist ein 40D Nylon. Das gleiche Liegegefühl erreichst du schon alleine wegen der größeren Dehnung nicht. Allerdings kenne ich keine Quelle für so einen schweren Nylon Stoff.

  • Liebe Leute,

    vielen Dank für Eure Unterstützung, aber für den Einstieg habe ich mich doch erst einmal für eine Hennessy Hammock entschieden. Es ist die Explorer Ultralite Zip XL geworden, dazu das teure 30D Hex Rainfly. Ich denke/ hoffe damit komme ich erstmal parat. Im nächsten Schritt werde ich dann meine eigene Matte basteln und an meine eigenen Bedürfnisse anpassen...


    Beste Grüße


    Danger