Kurven für den Zuschnitt des Hängemattenkörpers von Gathered-End-Hängematten

  • Wie ich auf die Idee mit den Kurven kam


    Im Frühling 2016 habe ich (unter Anleitung) meine erste Hängematte selber genäht: 335cm lang, mit zwei Randstreifen auf knapp 190cm Breite erweitert. Als Stoff hatte ich das ziemlich feste und Vertrauen erweckende Hexon 2.4 von DutchWare Gear verwendet. Im Vergleich zur ENO DoubleNest (nur etwa 280cm lang und 188cm breit) empfand ich die Grösse als echten Luxus.


    Kurze Zeit später habe ich mir dann - ganz selbständig - aus dem breiten Hexon 1.6 eine Hängematte mit den praktisch gleichen Massen genäht (335cm x 182cm). Doch dann kam die grosse Ernüchterung: In dieser Hängematte hing ich im Bereich von Becken und Gesäss unangenehm durch. Auch bekam ich deswegen immer wieder etwas Rückenschmerzen.


    Daraus ergab sich ein Dilemma: Einerseits ist eine leichte Hängematte wünschenswert, denn beim Wandern bin ich froh, wenn ich da und dort Gewicht einsparen kann, andererseits sind Rückenschmerzen nicht ganz das, was man sich von einer bequemen Hängematte wünscht.


    Ich kam dann ziemlich schnell auf die Idee, am Kopf- und am Fussende der Hängematte eine Kurve in den Stoff zu schneiden und zwar so, dass die Hängematte in der Mitte etwas kürzer würde als am Rand. Davon versprach ich mir, dass sich der (für mich zu) elastische Stoff unter Becken und Gesäss etwas anhebt und damit mehr Support bietet.


    Damit man sich etwas besser vorstellen kann, was ich meine, hier ein Bild:



    Der Stoff ist am Kopf- und am Fussende so zugeschnitten, dass die Hängematte in der Mitte etwas kürzer wird als am Rand.


    Erster Versuch


    Mein erster Versuch verlief sogleich erfolgreich:
    Auch wenn ich mich nicht mehr exakt ans genaue Vorgehen erinnere, da ich extrem kurzentschlossen ans Werk ging und auch nicht besonders sorgfältig arbeitete, habe ich grob das folgende Vorgehen in Erinnerung: Ich faltete die Hängematte in der Mitte und liess den Falz etwas über die Tischkante herunterhängen. In den Falz schob ich dann eine leicht biegbare Stange, die einiges breiter war als der Hängemattenstoff, eventuell auch zwei Stangen, jede leicht auf eine Seite verschoben. Jedenfalls entstand dadurch in der Mitte der Hängematte eine Kurve, denn die Ränder der Hängematte wurden durch das Gewicht der Stange(n) etwas weiter über den Tisch nach unten gezogen als die Mitte. Die beiden schön aufeinander liegenden Enden habe ich dann auf der Tischplatte - ich vermute gerade - abgeschnitten. Anschliessend habe ich von den Schnittkanten aus die Masse für die Tunnelzüge auf den Stoff übertragen und diese dann wie üblich, nur halt in einer leichten Kurve, mit drei Nähten festgenäht.


    Dann die grosse Überraschung in der Praxis: Die Hängematte (ca. 342cm x 182cm) war viel bequemer! Und noch viel wichtiger: Ich bekam darin keine Rückenschmerzen mehr!


    Verschiedene Wege zum Ziel


    Man kann sich einer sinnvollen Kurve auf verschiedene Art und Weise annähern:

    • Man kann praktisch vorgehen, wie ich das bei meinem ersten Versuch (siehe oben) mit Erfolg gemacht habe (Juni 2016).
    • Auch mein zweiter Versuch war praktischer Natur: Ich habe einen Faden aufgehängt, etwas durchhängen lassen und dann diese Kurve auf den Stoff übertragen (Stichwort: Kettenlinie). Bei der zweiten Kurve habe ich etwas übertrieben, aber sie ist gerade noch bequem (Dezember 2016).
    • Man kann sich aber auch auf verschiedenen Wegen auf mathematische Art und Weise einer Kurve annähern. So habe ich es bei meiner dritten Hängematte gemacht. Die mathematischen Überlegungen dazu sind relativ komplex (März 2017). (Bei dieser Hängematte bekomme ich nicht nur keine Rückenschmerzen, es kommt sogar vor, dass sie verschwinden, was aber eher an der Kurve als an der Mathematik liegen dürfte.)
    • Bei einem vierten, ebenfalls mathematisch hergeleiteten Versuch ging ich zu weit und habe - letztlich gegen meine Intuition - eine zu tiefe Kurve gemacht (März 2017). Den Kanal habe ich wieder aufmachen müssen.

    Einen relativ leicht nachvollziehbaren geometrisch-arithmetischen Weg habe ich erst relativ spät entdeckt. Weil er sich leicht veranschaulichen lässt, ohne dass es (hoffentlich) allzu kompliziert wird, stelle ich diesen nachfolgend vor. (Hinweis: Diese Kurve habe ich in der Praxis noch nicht getestet, sie führt aber - bei Beachtung der nachfolgenden Hinweise - nur zu einer relativ wenig tiefen Kurve, weshalb ich bei ihr keine ernsthaften Bedenken habe.)


    Hängematte "verkürzen"


    Dieser Weg zäumt das Pferd von hinten auf: Hier überlege ich nicht mehr, wie ich durchs Anheben von Becken und Gesäss eine angenehmere Liegeposition finde, sondern ich gehe von einer (zu) langen Hängematte aus und "verkürze" diese geometrisch-mathematisch auf ein für die Praxis sinnvolles Mass.


    Fürs "Verkürzen" von Hängematten habe ich mich von den folgenden Überlegungen leiten lassen:


    Man stelle sich eine sehr lange Hängematte vor, in der man sehr angenehm liegen kann (die Dehnung des Materials nicht berücksichtigt). Wenn man diese mit beiden Enden am gleichen Ort befestigt und unten wie einen Vorhang auf die volle Breite auseinander zieht, sieht sie - vom Kopf- oder Fussende aus gesehen - wie folgt aus:



    Der Kreisbogen kann - je nach Breite der Hängematte - einen grösseren oder kleineren Winkel umfassen.


    Macht man die Hängematte aus einem rechteckigen Stück Stoff, so ist der Radius des Kreisbogens überall gleich lang (was im Übrigen ein Merkmal eines Radius ist):



    Möchte man eine Hängematte kürzer gestalten, aber ein vergleichbares (nicht gleiches!) Liegegefühl ermöglichen, so muss man die Aufhängung nach unten verschieben (die Hängematte "verkürzen"), während der Kreisbogen aber gleich bleibt. Das geht nur, wenn man die Hängematte im Zentrum stärker verkürzt als am Rand, was in der folgenden Skizze deutlich zu erkennen ist:



    Eine solche Kurve lässt sich problemlos berechnen. Dadurch erhält man ein Gespür dafür, in welchem Rahmen sich eine sinnvolle Kurve bewegen sollte:


    Tabelle: Hängematte verkürzen


    Die grün hinterlegten Felder in der Online-Tabelle können verändert werden. Die Kurve soll die Mitte der Hängematte gegenüber den Rändern verkürzen.


    Beispiel:
    Ich möchte gerne den Komfort einer 380cm langen und 160cm breiten Hängematte auf eine "nur" 342cm lange Hängematte herunterbrechen, die Hängematte also auf 90% ihrer ursprünglichen Länge verkürzen. In meinem Fall möchte ich also eine Hängematte, die 2,1mal so lang ist wie ich (184cm Körpergrösse), auf eine Länge von "nur" noch 1,9mal meine Körpergrösse verkürzen.


    Um das zu erreichen, muss ich am Kopf- und am Fussende eine Kurve in den Stoff schneiden, die in der Mitte 1,83cm tief ist. Die Mitte der Hängematte wird also gegenüber dem Rand um rund 3,66cm verkürzt. Ist die Hängematte schmaler, so wird die Kurve weniger tief.


    Praxis:
    Für die Praxis würde ich empfehlen, eine Hängematte nicht mehr als 10% zu verkürzen, also nicht unter 90% der ursprünglichen Länge zu gehen. Zudem würde ich von einer Länge ausgehen, die mindestens 2mal so lang ist wie die eigene Körpergrösse, denn eine zu kurze Hängematte bleibt auch mit einer solchen Kurve zu kurz.


    Zudem muss man sich vor Augen halten, dass individuelle Komfortbedürfnisse sehr unterschiedlich sind und Stoffe auch unterschiedlich elastisch sind. Ein elastischerer Stoff verträgt womöglich eine etwas ausgeprägtere Kurve als ein eher wenig elastischer Stoff.


    Clew-Suspension als weiterer Zugang zur "Kurve"


    In den letzten Monaten wurde hier im Forum gelegentlich die so genannte "Clew-Suspension" diskutiert. Dafür wird ein relativ kurzer Hängemattenkörper mit Seilen verlängert.


    a) Eine solche Aufhängung der Hängematte kann über einem Kreisbogen aufgebaut werden (siehe z.B. hier am Beispiel eines Underquilts). In diesem Fall erhält man eine Hängematte, die grob einer Hängematte aus einem rechteckigen Stück Stoff entspricht, also keine Kurve hat: Alle Seile sind gleich lang.


    b) Bei den klassischen "Seemanns-Hängematten" wie auch bei Hängematten aus dem militärischen Bereich werden die Seil-Fächer oft über einem rechteckigen Rahmen aufgebaut. Dadurch werden die Ränder der Hängematte gegenüber der Mitte verlängert (siehe hier am Beispiel einer militärischen Hängematte).



    Derek Hansen (siehe zweites Video im vorigen Abschnitt) baut seinen Seil-Fächer für einen nur 193cm langen und 100cm breiten Hängemattenkörper über einem rechteckigen Rahmen auf, der 61cm hoch und knapp 46cm breit ist. Allerdings bringt er die einzelnen Aufhängepunkte am Rahmen in einer leichten Kurve an. Berücksichtigt man diese Kurve nicht, so erhält man nach seiner Anleitung eine Kurve, die die Mitte der Hängematte gegenüber dem Rand um gute 4cm pro Seite verkürzt! Das sind auf die ganze Hängematte fast 8,3cm! Wenn man diese Kurve nun noch auf eine 160cm breite Hängematte hochrechnen würde (wie im Beispiel oben), käme man auf eine Kurve, die rund 10,4cm tief wäre, die Mitte der Hängematte gegenüber dem Rand also um gegen 20,8cm verkürzen würde.


    Das Beispiel der Clew-Suspension zeigt, wie gering die Kurve für eine Verkürzung einer Hängematte von 380cm auf 342cm Länge im Grunde ist. Und schon eine solch leichte Kurve macht aus meiner Erfahrung einen spürbaren Unterschied!


    Ausblick


    So simpel eine solche Kurve auch ist, kleine Veränderungen haben oft eine erstaunliche Auswirkung. Nur schon, ob man die Hängematte mit einer Schlaufe durch den Tunnelzug aufhängt oder sie an den Enden whippt, macht einen spürbaren Unterschied. Werden diese Unterschiede durch einen Kurvenschnitt weiter verändert, so kommt man wieder zu ganz anderen Resultaten. Dabei ist vermutlich das, was jemand als bequem empfindet, wie so oft individuell sehr verschieden. So verstehe ich diesen Beitrag einfach als Gedankenanstoss im grossen Wald der Ideen. Für mich sehe ich darin ein grosses Potenzial, andere haben damit vielleicht keinen Erfolg.

  • Hi Waldläufer70 , ich will deine Tabelle zum Berechnen der Kurve benutzen, da mein Hexon W 1.6 mittlerweile auf dem Tisch liegt und es meine erste HM mit Kurve werden soll. Allerdings klemmt bei mir mein mathematisch-räumliches Vorstellungsvermögen :-/ In deinen Hinweisen unter der Tabelle schreibst du, dass der Stoff gefaltet am besten an Kopf- und Fußende gleichzeitig geschnitten werden sollte. Frage: Halbierst du die Länge, oder viertelst du den Stoff, so dass man nur noch die "halbe Kurve vom Mittelpunkt zum einen Rand" aufzeichnen und schneiden muss? Wenn ich mir vorstelle, den Stoff nach deinem Vorschlag in der Grafik "von oben" anzulegen, dann wird die Kurve am unteren Rad aber konvex (= kürzere Ränder, längere Mitte), egal ob ich den Stoff nur in seiner Länge halbiere um eine ganze Kurve anzuzeichnen (Kopf- und Fußende wird dann gleichzeitig gekürzt) oder den in der Länge halbierten Stoff nochmal in der Breite halbiere, um dann nur die "halbe Kurve" anzeichnen zu müssen.


    Hast du vielleicht ein Foto vom Kürzen, insbesondere dem Anzeichnen und Schneiden? Und kannst du vielleicht auch einmal ein Foto posten, mit den fertig als Kurve genähten Channels? Worte sind da immer so abstrakt für solche Prozesse ... Ich persönlich habe dann vor die Matte mit dem Warbonnet Whip an den Enden zu "versiegeln".

  • Dankeschön mal an dieser Stelle für diesen hochwertigen Beitrag.

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  • Hi [USER="153"]Waldläufer70[/USER], ich will deine Tabelle zum Berechnen der Kurve benutzen, da mein Hexon W 1.6 mittlerweile auf dem Tisch liegt und es meine erste HM mit Kurve werden soll. Allerdings klemmt bei mir mein mathematisch-räumliches Vorstellungsvermögen :-/ In deinen Hinweisen unter der Tabelle schreibst du, dass der Stoff gefaltet am besten an Kopf- und Fußende gleichzeitig geschnitten werden sollte. Frage: Halbierst du die Länge, oder viertelst du den Stoff, so dass man nur noch die "halbe Kurve vom Mittelpunkt zum einen Rand" aufzeichnen und schneiden muss? Wenn ich mir vorstelle, den Stoff nach deinem Vorschlag in der Grafik "von oben" anzulegen, dann wird die Kurve am unteren Rad aber konvex (= kürzere Ränder, längere Mitte), egal ob ich den Stoff nur in seiner Länge halbiere um eine ganze Kurve anzuzeichnen (Kopf- und Fußende wird dann gleichzeitig gekürzt) oder den in der Länge halbierten Stoff nochmal in der Breite halbiere, um dann nur die "halbe Kurve" anzeichnen zu müssen.


    Hast du vielleicht ein Foto vom Kürzen, insbesondere dem Anzeichnen und Schneiden? Und kannst du vielleicht auch einmal ein Foto posten, mit den fertig als Kurve genähten Channels? Worte sind da immer so abstrakt für solche Prozesse ... Ich persönlich habe dann vor die Matte mit dem Warbonnet Whip an den Enden zu "versiegeln".


    Ich habe den Stoff schon mal der Länge nach einmal gefaltet und von der Mitte nach aussen die entsprechenden Masse eingezeichnet. Das setzt aber voraus, dass du den Stoff zuerst schön gerade den Häuschen entlang gerade zuschneidest, damit du wirklich genau arbeiten kannst. Mit Vierteln des Stoffes habe ich es noch nie gemacht.


    Im September habe ich mit fünf Interessierten auch aus Hexon W 1.6 Hängematten genäht. Die meisten haben sie 342cm lang gemacht, einige auch 350cm lang, weil genug Stoff da war. Da haben wir die Kurven auf beiden Seiten separat eingezeichnet und geschnitten: Ist etwas mehr Arbeit, aber ist die sicherere Methode.


    Wir haben grob die Kurve verwendet, die bei mir bei meinem ersten Versuch quasi "zufällig" entstanden ist. Die einen fanden die sehr bequem, andere waren irritiert, wie viel Support man unter dem Becken hat. Wenn du unsicher bist: Vielleicht versuchst du, den Stoff zuerst in einer Kurve zu whippen. Dazu könntest du bei den Markierungen einen kräftigen Faden durch den Stoff ziehen. Den straffst du dann, so dass der Stoff die gewünschte Kurve annimmt. So whippst du ihn dann und probierst aus, ob das für dich passt. Vielleicht bist du mit dem Resultat dann gleich so zufrieden, dass du es so lässt und gar keine Kurve schneidest und nähst. Wenn du die Kurve schneidest und direkt nähst, hat das jedenfalls etwas Definitives. Also vielleicht lieber mal rein mit einem Whipping ausprobieren. Ich habe zwar auch schon eine Kurve wieder aufgemacht, aber das ist doch relativ aufwändig.


    Habe ich dich richtig verstanden: Du willst die Hängematte am Schluss whippen und nicht die Continuous Loops durch den Ttunnelzug ziehen?


    Meine «Zufallskurve» sah ungefähr so aus (nachträglich vermessen, eingemittet und symmetrisch gestellt):


    Maße von der Mitte gemessen
    Maße vom Kopf- respektive Fussende gemessen
    90 0.0
    80 0.3
    70 0.6
    60 1.0
    50 1.3
    40 1.5
    30 1.6
    20 1.7
    10 1.8
    0 1.8
    -10 1.8
    -20 1.7
    -30 1.6
    -40 1.5
    -50 1.3
    -60 1.0
    -70 0.6
    -80 0.3
    -90 0.0


    Fotos vom Einzeichnen der Kurve habe ich nie gemacht. Es ist aber nicht kompliziert:

    • Am einfachsten schneidest du den Stoff zuerst gerade dem Ripstop-Muster entlang zu. Dann hast du eine Basis fürs Messen.
    • Nun markierst du die Mitte und machst von der Mitte nach aussen alle 10cm eine Markierung.
    • Dann trägst du die Distanzen aus der rechten Spalte vom Kopf- respektive Fussende ab. (In der Mitte 1.8cm, ganz aussen am Rand 0.0cm), so dass die Hängematte in der Mitte etwas kürzer wird.
    • Die ermittelten Punkte verbindest du. (Ich verwende meist ein Lineal.)
    • Nun schneidest du die Kurve.

    Allenfalls könntest du auch versuchen, den oben vorgeschlagenen Faden und den Stoff gut zu straffen und dann dieser Linie entlang zu schneiden. Das habe ich aber noch nie ausprobiert. Du könntest das vielleicht einmal auf einer Seite ausprobieren und schauen, ob es sich bewährt, vorausgesetzt, du hast genug Stoffreserven für den Fall, dass es nicht nach Wunsch klappen sollte.


    Ich gehe weiter so vor, dass ich mit einem Saummass (oder Geo-Dreieck) den doppelten Umschlag markiere und dann den Stoff von der Mitte zu den Rändern hin auf die gezeichnete Linie umbügle. Dann markiere ich die doppelte Tunnelbreite und bügle den Stoff wieder um. Nun fixiere ich ihn von der Mitte zu den Rändern hin mit Stecknadeln. Dann wird genäht (3-4 Nähte). Wegen der Kurve kann es sein, dass der Stoff an den Seiten der Hängematte etwas übersteht. Deshalb ist es wichtig, von der Mitte zu den Rändern zu arbeiten; dann wird der Überstand auf beiden Seiten ungefähr gleich. Du kannst den Stoff am Rand der Hängematte etwas in Falten legen, damit er nicht übersteht. (Davon kann ich zuhause noch ein Foto posten.)


    Die Kurve selbst kann man auf einem Foto kaum erkennen, weil es ja in der Regel kaum 2cm pro Seite ausmacht. Fühlen kann man die Kurve aber sehr gut, finde ich.

  • Ich habe aktuell nur das Kopfende mit mehr mittigem Support geschnürt. Das Fußende einfach mit geradem Kanal. Der Gedanke dahinter war den calf ridge unterm Knie zu reduzieren. Habt ihr auch Erfahrungen mit unterschiedlich kurvigen Enden an Fuß- und Kopfende?

  • Ich habe aktuell nur das Kopfende mit mehr mittigem Support geschnürt. Das Fußende einfach mit geradem Kanal. Der Gedanke dahinter war den calf ridge unterm Knie zu reduzieren. Habt ihr auch Erfahrungen mit unterschiedlich kurvigen Enden an Fuß- und Kopfende?


    Nein. Aber bei so geringen Kurven (2cm am Kopf- oder Fussende), so meine Vermutung, gleicht das Gewebe das soweit aus, dass man keinen Unterschied spürt. Ich hatte bei ausreichend langer Hängematte nie ein Problem mit dem Calf Ridge. Hattest du denn schon Probleme damit?


    Wenn ich das Fussende etwas höher hänge, bekommen die Beine noch etwas mehr Freiraum, was den Calf Ridge weiter reduziert. Einzig der Unterquilt löst manchmal einen aus. Da würde wohl ein Wooki Abhilfe schaffen. Vielleicht leiste ich mir mal einen... eines Tages.

  • «Kurve whippen»


    Das folgende Vorgehen, um eine Kurve ausprobieren zu können, ohne sie nähen zu müssen, müsste eigentlich recht gut funktionieren:



    Den verwendeten Faden kann man nach dem Whippen entfernen oder natürlich auch im Whipping drin lassen.


    Wenn einem die Kurve gefällt, kann man sie natürlich - um die Kurve dauerhaft zu bewahren - auch der gezeichneten Linie entlang zuschneiden und anschliessend wie oben beschrieben den Tunnelzug nähen.


    Wenn das jemand ausprobiert, bevor ich dazu komme, würde ich mich über einen Bericht (allenfalls mit Fotos) sehr freuen!

  • Mich würde es wundern, wenn man die Calf Ridge mit einer Kurve ausgleichen könnte, denn meiner Meinung nach ist das einfach eine Charakteristik des Stoffes. Der schwerste Teil des Körpers (der Torso) sinkt am tiefsten in den Stoff ein; leichtere Teile wie die Beine oder Arme liegen höher. Die Calf Ridge ist einfach der Übergang vom tiefen Teil zum höheren Teil, und verläuft vom Kopf- zum Fußende an der rechten und linken Seite des Torsos vorbei. Die Erhebung wird meist dann ein Problem, wenn sie unter dem Knie und/oder dem Unterschenkel verläuft, d.h. wenn man "ungünstig" diagonal liegt. Das Problem lässt sich auf mehrere Arten lösen: man kann den Körper diagonaler oder weniger diagonal drehen (evtl. auch nur die untere Hälfte des Körpers); man kann versuchen den Stoff stärker zu spannen, in dem man ihn mit den Füßen nach außen weg streicht; man kann einen weniger dehnbaren Stoff verwenden, in den man weniger tief einsinkt; oder man kann den Druck verteilen, indem man etwas unter die Knie und Unterschenkel legt. Um den Wulst mit Hilfe einer Kurve auszugleichen, müsste man immer an der gleichen Stelle liegen. Ich schaffe das nicht.

  • Ich glaube, [USER="297"]Friedolino[/USER] geht es weniger darum, den Calf Ridge mithilfe einer Kurve auszugleichen, sondern eher um die Befürchtung (oder Erfahrung?), dass eine Kurve einen solchen Hügel unter den Knien oder Unterschenkeln auslösen oder verstärken könnte.


    Ich hatte mit dem Calf Ridge bei ausreichend langer Hängematte noch nie ein Problem.

  • Ich glaube, [USER="297"]Friedolino[/USER] geht es weniger darum, den Calf Ridge mithilfe einer Kurve auszugleichen, sondern eher um die Befürchtung (oder Erfahrung?), dass eine Kurve einen solchen Hügel unter den Knien oder Unterschenkeln auslösen oder verstärken könnte.


    Für mich klingt dieser Teil nicht so:


    Der Gedanke dahinter war den calf ridge unterm Knie zu reduzieren.


    Aber vielleicht kann [USER="297"]Friedolino[/USER] Licht ins Dunkel bringen.


    Ich hatte mit dem Calf Ridge bei ausreichend langer Hängematte noch nie ein Problem.


    Ich hatte bisher auch bei sehr langen Hängematten eine Calf Ridge, deshalb - und wegen der Überdehnung der Knie - verwende ich ein Kniekissen. Keine Calf Ridge (aber immer noch Überdehnung der Knie) hatte ich in sehr kurzen Hängematten, weil ich dort gezwungen bin, "inline" zu liegen.

  • Es war in der Tat nur eine Befürchtung. Ich hatte aber vorher auch die Ursache des Calf Ridge noch nicht so recht durchdacht. Er entsteht ja offenbar wegen der Gewichtsverteilung. Die ändert sich durch den Schnitt ja nicht.

  • Diesen Frühling habe ich versucht, eine Kurve zu whippen statt sie zu nähen. Tatsächlich geht das deutlich schneller und das Resultat kann bei Nichtgefallen auch viel leichter wieder verworfen respektive geändert werden.


    Leider habe ich während der Arbeit keine Fotos gemacht. Das Vorgehen läuft wie folgt ab:

    1. Gewünschte Kurve auf den Stoff aufzeichnen.
    2. Mit einer Nähnadel einen starken Faden ungefähr jeden Zentimeter abwechselnd von oben nach unten und wieder zurück durch den Stoff führen.
    3. Hängematte auf dem Faden zur Mitte hin zusammenschieben. Es entsteht eine Art Ziehharmonika.
    4. Faden abwechselnd oben und unten ein paarmal verknoten.
    5. Hinter dem Faden mit einer Kordel eine Wicklung anbringen.
    6. Hinter der Wicklung den Dogbone oder Continuous Loop ansetzen.

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob es die Wicklung mit der Kordel überhaupt braucht. Ich habe sie gemacht, damit weniger Last auf den Faden und den Stoff kommt, sollte etwas verrutschen.


    Das Resultat sieht dann wie folgt aus:



    Die so gewhippte Hängematte hat mich dieses Jahr auf meiner Frühlings-Tour begleitet. Die Kurve selbst ist sicher noch verbesserungsfähig, das Vorgehen hingegen finde ich sehr brauchbar, weshalb ich es hier nun auch vorstellen wollte.

  • Zu den Kurven ist mir noch ein interessanter Aspekt aufgefallen, als ich neulich meinen Schotstek löste, um mal die Länge der Matte zu ändern: Da wir ja bei Kurven teilweise über wenige Millimeter Längenunterschied bei einer Gesamtlänge von über 3m reden (also im Promillebereich), sind Toleranzen nicht ganz von der Hand zu weisen. Und besonders große Abweichungen in der Länge der Matte ergeben sich - welch Wunder ;-) - schonmal dadurch, wie der Stoff abgelängt und gesäumt ist.


    Mir fiel auf, dass meine Stoffbahn noch im Rohzustand war, so wie ich sie von extremtexil bekommen und als "ungefähr rechtwinklig geschnitten" beurteilt hatte. Als letztens beim Treffen Treegirl fast kleinlaut anmerkte, sie würde beim Ablängen "immer Kästchen zählen", wurde mir klar, dass das auch völlig unverzichtbar ist, wenn man davon ausgeht, dass die Liegeeigenschaften auch von den Längenunterschieden abhängen. Was für ein Glück, dass das Zählen bei Ripstop so gut geht!

    Und siehe da, Kästchen gezählt, 3cm Unterschied :whistling:

    Kein Wunder, dass mir meine Matte meist auf einer Seite "geschlossen", auf der anderen "offen" vorkam...


    Beim neuen Umsäumen mittels Einschlag-Umschlag fiel mir danach auf, dass ich den Saum nicht genauer als auf 5mm hinbekomme, also in leichter Schlangenlinie. Das ist also meine ganz persönliche, eingebaute Toleranz.


    Spontan würden mir als unsichtbare Toleranzen einfallen:

    • ursprüngliche Länge des Stoffs ("Kästchen zählen")
    • Toleranz der Säume
    • unterschiedliche Dehnung des Stoffs nach längerem Gebrauch (da es um Längenänderungen im Promillebereich geht)

    Ich bin jetzt erstmal ganz zufrieden, dass meine Matte nicht mehr schief ist. Wenn ich danach mal mit Kurven experimentiere, dann wohl eher mit ganzen Zentimetern.


    Nachtrag: Noch ne Toleranz... Beim Nachmessen vor dem Whipping war der Stoff nun 152cm breit, dabei liegt er nur 150cm. Keine Ahnung, wie das sein kann, belastet wurde er dort nicht. Vielleicht... zu heiß die Falten rausgebügelt? :whistling:

    Gut, dass die Breite erstmal keine Rolle spielt.

    Edited once, last by Siebenschläfer: Einschlag-Umschlag mit ​Kappnaht verwechselt ;-) ().

  • Das ist mir auch schon öfters aufgefallen, dass Stoffe nicht sauber geschnitten werden. Das wäre wohl auch nicht mit sinnvollem Zeitaufwand zu bewerkstelligen. Solange die Stoffe so abgeschnitten werden, dass die bestellte Länge nach dem Begradigen noch gegeben ist, kann ich damit leben.


    Bei meinen ersten drei Hängematten habe ich auch noch keine Kästchen gezählt, sondern den Stoff in der Mitte gefaltet und dann an den aufeinander liegenden Enden einfach ein grosses Geo-Dreieck an den Stoff angelegt, die Schnittkante aufgezeichnet und geschnitten. Das hat sicher auch zur einen oder anderen suboptimalen Hängematte geführt.


    Inzwischen bin ich dazu übergegangen, mich am Risptop-Muster zu orientieren. Allerdings gibt es Stoffe, bei denen das sehr schwierig und für die Augen äusserst anstrengend ist (z.B. beim HyperD Diamond Ripstop Nylon).


    Bei den Säumen schaffe ich es – mit Abstecken der Säume – bestimmt auf eine Genauigkeit von etwa 2mm. Die Naht braucht dann ja nicht mal unbedingt völlig gerade zu sein. Aber auch hier: Ich stecke vielleicht alle zehn Zentimeter eine Nadel, auch das führt zu gewissen Ungenauigkeiten.


    Bei den üblichen Hängemattenlängen kann man davon ausgehen, dass eine Verkürzung der Hängematte um einen Zentimeter den Hängemattenstoff in der Mitte rund einen Zentimeter näher zur Ridgeline bringt. Ist meine Kurve auf beiden Seiten der Hängematte rund zwei Zentimeter tief, so macht das in der Mitte der Hängematte eine Differenz von etwa vier Zentimetern aus. Mit einem schönen «End-Whipping» wird das erzielte Resultat am wenigsten verfälscht, da ein solches Whipping meines Erachtens die angestrebte Form des Hängematten-Endes am wenigsten beeinflusst.

    Beim neuen Umsäumen mittels Kappnaht

    Ich falte den Stoff einfach zweimal um (einmal rund 1,5cm, ein zweites Mal in der gewünschten Breite für den Tunnelzug oder das Whipping). Vielleicht meinst du ja das? Das wäre dann ein «Einschlag-Umschlag». Eine «Kappnaht» wäre das hier: Sie wird genutzt, um zwei Stoffe sehr stabil miteinander zu verbinden.

  • Ergänzung zu Post #13:


    Ich hatte ehrlich gesagt etwas Bedenken, ob der fürs Setzen der Kurve vor dem Whippen verwendete Faden unter Belastung allenfalls in den Stoff einschneiden würde, wenn der Stoff womöglich irgendwo verrutscht.


    Ich hatte am Wochenende mein Opus 2 überarbeitet und versuchsweise genau ein gleich aufgebautes Whipping angebracht. Heute habe ich es wieder aufgemacht. Am Stoff waren exakt die kleinen Löcher zu sehen, die sich durch die Nadel ergeben haben. Diese konnte ich mit dem Fingernagel wieder nahezu verschliessen. Mit anderen Worten: Dieses Whipping hält, da verrutscht nichts!


  • Aktuell erprobe ich ein weiteres Verfahren, um Kurven in die Hängematten-Enden zu arbeiten. Das Verfahren setzt allerdings voraus, dass man bereits eine Kurve kennt, die für einen funktioniert, da man sonst bei Nichtgefallen (mindestens) eine Naht auftrennen muss.


    Ursprünglich hatte ich die Kurve jeweils ins Ende der Stoffbahn geschnitten und dann parallel dazu einen Einschlag (ca. 1,5cm) und dann den Umschlag für den Tunnelzug gemacht (ca. 5cm), durch den ich dann einen Dogbone oder einen Continuous Loop gezogen hatte. Dieses Verfahren funktioniert gut, hat aber zwei Nachteile: Das Schneiden der Kurve ist relativ aufwändig und die konkave Kurve wird durch die Aufhängung durch den Tunnelzug, der eine konvexe Kurve verursacht, abgeschwächt und etwas verfälscht. Letztlich kein Problem, wenn das Resultat bequem ist!


    Das Verfahren, mit dem ich aktuell spiele, versucht, diese Nachteile zu umgehen:

    • Ich zeichne die gewünschte Kurve nur auf den Stoff auf, schneide sie aber nicht. Dazu zeichne ich sie so weit vom Rand entfernt auf, dass ein Einschlag (1,0cm bis 1,5cm) und die doppelte Tunnelzugbreite Platz haben. Wenn ich ausschliesse, die Hängematte durch den Tunnelzug aufzuhängen, so reichen dafür rund 3cm. Ich zeichne die Kurve also etwa 7,0cm vom Rand entfernt an (am Hängemattenrand), zur Mitte hin wird der Tunnelzug dann etwas breiter (um die halbe Tiefe der Kurve breiter). Nun bügle ich den Einschlag der Hängematte sauber(!) dem Ripstopmuster entlang um. Das schafft die Basis für eine sauber ausgeführte Kurve. (Es ist wichtig, hier möglichst genau zu arbeiten.) In einem zweiten Schritt bügle ich den Stoff sauber(!) exakt auf die aufgezeichnete Kurve. Hier ist es empfehlenswert in der Mitte der Hängematte zu beginnen und von dort zu den Rändern hin zu bügeln, denn nur in der Mitte der Hängematte erfolgt der Falz exakt im rechten Winkel zur Hängematte. Nun fixiere ich den Stoff alle 10cm mit einer Stecknadel und nähe dann präzise etwa 1mm bis 2mm vom Rand des Umschlags entfernt den Tunnelzug fest.
    • Nun kann ich das Ende der Hängematte mit einer Kordel durch den Tunnelzug fest zusammenbinden. Den Dogbone (oder Continuous Loop) für die Aufhängung setze ich nun präzise hinter der Naht: sorgfältig die Naht gleichmässig an den Dogbone heranziehen, bis die Lücke zwischen Naht und Dogbone überall gleichmässig klein ist. Aufgrund der Verdickung durch die Naht kann nichts verrutschen.

    Wer sich die Möglichkeit erhalten möchte, die Hängematte auch mittels Tunnelzug aufzuhängen, sollte diesen nicht zu schmal machen und mindestens drei Nähte setzen! Allerdings ist die Kurve dann nur halb so ausgeprägt wie der Naht entlang und wird noch durch die Nutzung des Tunnelzugs abgeschwächt.


    Das Resultat kann dann in etwa so aussehen:



    Der Knubbel erinnert stark ans Warbonnet-Whipping. Im linken Bild kann man erkennen, wie ich die Kurve angezeichnet habe. Ich habe den Eindruck, dass man mit dieser Methode problemlos auf 1mm genau arbeiten kann.

  • Ich finde gerade eine Grafik zum oben Beschriebenen, die ich hier noch gar nicht gezeigt habe:

    • Der Rand der Hängematte bleibt rechteckig (ohne Kurve).
    • Die Kurve wird bloss auf den Stoff aufgezeichnet (rote Linie).
    • Nachdem ein Umschlag gebügelt worden ist (dünne schwarze Linie),
    • wird der Rand umgefaltet,
    • von der Mitte nach aussen auf die zuvor aufgezeichnete Kurve gebügelt,
    • dort mit Stecknadeln fixiert
    • und dann festgenäht.

    Will man die Hängematte durch den Tunnelzug aufhängen, so sollte man mindestens drei Nähte machen. Zudem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Kurve dann nur halb so tief ist wie die aufgezeichnete (vgl. orange Linie mit der zuvor aufgezeichneten roten Linie). Whippt man die Hängematte der genähten Kurve entlang, so kommt die Kurve eins zu eins zum Tragen.


    Macht man zum Schluss noch eine zweite Naht parallel zur genähten Kurve (grüne Linie), so dass ein etwa 1,5cm breiter Kanal für die Whipping-Schnur entsteht, so bildet sich statt des gewohnten Stoff-Knubbels eine Stoff-Rosette:


    Stoff-Knubbel (ohne zusätzliche grüne Naht


    Stoff-Rosette (mit zusätzlicher grüner Naht)