Leseempfehlung: Das geheime Leben der Bäume

  • Danke für den Tipp! Habe es gerade mal gegoogelt. Es ist interessant, dass der Autor und seine Darstellungen teilweise so kritisch diskutiert werden. Ich werde es mir wohl dennoch mal zu Gemüte führen, vielleicht zum Vergleich noch ein paar andere Ansätze, z.B. von Raoul H. Francé.

  • Hab ich im letzten Jahr auch gelesen und hat meine Begeisterung und Sichtweise gegenüber der Natur nochmal verstärkt. Besonders Beeindruckend fand ich das gesunde Bäume kranken Bäumen beistehen und sie versorgen.

    Never without my Hammock!

  • Es ist interessant, dass der Autor und seine Darstellungen teilweise so kritisch diskutiert werden.


    Danke für den Link. Aber wenn ich lese


    Quote

    In unserer Disziplin geht es im Wesentlichen darum, eine Evidenzbasis für die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder zu entwickeln. Aus diesem Grund müssen wir uns zwangsläufig (und mehr als uns lieb ist) mit den Aussagen des Buchs von Peter Wohlleben befassen.


    dann ist mir klar, warum der Kritiker das Buch ablehnt. Ich gebe zu, dass ich wenig Ahnung vom Thema habe, und will gar nicht ausschließen, dass einiges nicht stimmt. Aber ich glaube das Hauptproblem ist, dass man Bäume nicht mehr als Dinge betractet, wenn man das Buch gelesen hat, sondern als Lebewesen mit einem eigenen Charakter und vielleicht sogar auch mit einem Recht auf artgerechte Behandlung. Das läuft wirtschaftlichen Interessen natürlich zuwider. Wenn die Bäume die für die Energiegewinnung, Papier- und Möbelherstellung mit Brachialgewalt (Harvester) gefällt werden nicht mehr nur Holz sondern Mütter und Väter sind, die sich genauso wie Menschen um ihren Nachwuchs kümmern, fängt man an sich Gedanken über Sinn und Unsinn zu machen. Das schadet dem Profit. Im Buch wird die Forderung gestellt, einen größeren Prozentsatz der Wälder wieder sich selbst zu überlassen, und eben nicht die größten und schönsten Exemplare zu ernten. Da wundert mich Kritik nicht. Abgesehen davon nehme ich Kritik die nicht erklärt warum Kritik angebracht ist nicht ernst. Es ist einfach "dagegen" zu sein. Erzähl mir warum du dagegen bist - dann mache ich mir mein eigenes Bild.

  • Ich persönlich pflege einen eher "spirituellen" Umgang mit der Natur. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig esoterisch, aber ich denke viel über die "Beseeltheit" der Natur und der in ihr existierenden Lebewesen nach. Ich habe auch keine beruflichen Verbändelungen mit dem Wald, d. h. eine ökonomische Betrachtung der Thematik ist für mich persönlich nicht existientiell, obwohl ich natürlich im ökologischen Kontext meine Konsummuster und -verhaltensweisen und die daraus entstehenden Konsequenzen für die Holz-/Papierproduktion sehr kritisch beobachten muss. Allerdings hat sich der Mensch die Tier- und Pflanzenwelt schon von jeher zu Nutzen gemacht, was in den letzten Jahrzehnten offensichtlich sehr stark ökonomisch geprägte Züge angenommen und immer wieder problematische bzw. auch pervertierte Auswüchse erzeugt hat. Da wäre von Menschenseite ohnehin mehr Demut angebracht, imho.


    Ich denke, dass die (gerade die aus der Wissenschaft und Forstpraxis kommenden) Kritiker Wohllebens ein Problem mit seinem - im klassischen Sinne - "unwissenschaftlichen Ansatz" und seiner damit verbundenen Popularität haben, weil er den Pflanzen Eigenschaften zuspricht, die wir in unserer Kultur außer dem Menschen - wenn überhaupt - nur den Tieren, und da am ehesten noch den Säugetieren zuordnen. Damit fördert er natürlich einen Zugang zum Thema, der auf jeden Fall unsere aktuelle Umgangsweise mit der Natur und hier insbesondere dem Wald in Frage stellt. Mit scheint, da Wohlleben in seiner Ausbildung zum Förster als wissenschaftlicher Fachmann gehandelt wird, werden seine Positionen von anderen Akademikern aus dem Feld als "unwissenschaftlich" wahrgenommen und seine mediale Präsenz als Verzerrung der (westlichen) Wissenschaftlichkeit - also als Bedrohung der etablierten Forschung. Tritt er eigentlich mit seinen Positionen in der Öffentlichkeit explizit als Wissenschaftler auf?


    Ich habe mir angewöhnt, möglichst mehrere unterschiedliche Quellen zu einem Thema zu checken, um den entsprechenden Diskurs nachzuvollziehen und mir darauf dann meine eigene Position/Meinung zu bilden. Raoul H. Francé habe ich selber noch nicht gecheckt, aber der Wikipedia-Artikel hat mich neugierig gemacht, weil er als moderner Natur- und Kulturphilosoph auf jeden Fall auch einen anderen Ansatz gehabt haben wird als die europäische Forstwissenschaft. Und ich feiere auch Ben Tüxens YouTube-Kanal, der mir als studierter Förster auch viel über den Wald erklärt - sehr wissenschaftlich, aber auch sehr persönlich. Aber wie gesagt, ich denke, dass mehr Respekt und Achtsamkeit vor der Natur uns aufgeklärten Menschen gut zu Gesicht stünde. Wie war das bei Spiderman? - "Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung!" oder so ähnlich. Das fängt bei der Entscheidung zur Benutzung von breiten Baumbändern/Treehuggern ja schon an ;-)

  • Ich persönlich denke eher wissenschaftlich über die Natur nach, bin aber ansonsten der gleichen Meinung wie Furbrain.


    Egal, ob nun Wohlleben die Wahrheit oder Unsinn erzählt, eines hat er auf jeden Fall erreicht: Das Thema des verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur ist wieder auf der Tagesordnung. Das ist doch prima!
    Mich hat die ganze Diskussion um seine Person neugierig gemacht, daher werde ich das Buch wohl demnächst mal lesen.
    Danke für den Anstoß, TreeGirl!

    Omnia vincit lectulus pensilis. :saint:

  • Ich bin auch ein Fan der Wissenschaft, denke aber dass die Wissenschaft auch häufig in den Glauben abgleitet. "Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums!" - "OK, wir müssen zugeben dass die Erde um die Sonne kreist -- aber die Sonne ist der Mittelpunkt des Universums!" --- "Na gut, anscheinend liegt unser Sonnensystem irgendwo am Rand unserer Galaxie -- aber unsere Galaxie muss doch der Mittelpunkt des Universums sein!" .... ad infinitum...


    Es ist noch gar nicht so lange her, dass Frauen abgesprochen wurde, vollwertige Menschen zu sein. Oder wie oft wurde die Definition davon was Menschen anderen Tieren angeblich so überlegen macht geändert. Ich bin immer wieder fasziniert (aber nicht unbedingt überrascht), wenn ich lese was Tiere für angeblich rein menschliche Eigenschaften haben. Und auch bei Pflanzen gibt es Dank immer besserer Technologien immer mehr Erkenntnisse. Pflanzen sind Lebewesen genau wie wir. Um zu überleben müssen sie Sinne haben und Schmerz empfinden. Nur weil sie nicht so nah mit uns verwandt sind, und ihre Lebensweise uns so fremd ist, heisst das doch nicht dass sie auf ihre fremdartige Weise nicht ebenso intelligent sind wie wir. Sie existieren schon viel länger als wir, und waren in dieser Zeit auch der Evolution unterworfen. Ich bin sicher, dass sie noch da sein werden wenn es von uns allenfalls noch ein paar Artefakte gibt. Wenn das keine Intelligenz ist, dann habe ich die Bedeutung des Wortes nicht verstanden :)


    Mag sein, dass sich der Autor mehr von seinem Instikt leiten lässt, als von wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. Aber er beschreibt ja seine Beobachtungen die die Grundlage für seine Schlussfolgerungen bilden. Und das fand ich nicht esoterisch sondern logisch nachvollziehbar. Mich würde die spezifische Kritik schon interessieren. Wenn es Hand und Fuß hat, lasse ich mich davon überzeugen, dass das Buch nur ein modernes Märchen ist. Auch wenn es irgendwie schade wäre... Ich wundere mich ja immer wieder darüber, dass mit solcher Energie nach außerirdischer Intelligenz gesucht wird, während den uns bekannten Lebensformen jegliche höhere Intelligenz abgesprochen wird. Ich glaube, wenn die Aliens bei uns landen würden, würden wir ihnen bis auf weiteres auch erstmal die Intelligenz absprechen :D

  • Ich habe Das geheime Leben der Bäume auch gelesen und durchaus einige interessante Aspekte darin gefunden, über die ich so vorher noch nicht nachgedacht hatte. Grundsätzlich finde ich es auch ok, wenn man Themen aus nicht-wissenschaftlicher, glaubensbasierter oder esoterischer Sicht betrachtet. Was mich allerdings an Peter Wohllebens Buch sehr gestört hat ist, dass hier keine nachvollziehbare Trennung zwischen wissenschaftlich anerkannten Thesen und eigener Interpretation stattgefunden hat. Auch wenn das Buch nicht ausdrücklich als wissenschaftliche Arbeit ausgewiesen ist, so erweckt es doch häufig genau diesen Anschein, da oft auf Forschungsergebnisse und Studien verwiesen wird. Ich beschäftige mich gern und umfassend mit Gehölzbiologie, hatte aber oft Schwierigkeiten, nachzuvollziehen, welcher Teil jetzt noch Zitat und welcher schon Interpretation ist.


    Die Diskussion um die Person Wohllebens hat mich nicht sonderlich interessiert, von daher kenne ich hierzu keine Fakten und will ihn nicht anprangern. An sich ist es ja auch uneingeschränkt gut, wenn er mit seinem Buch viele Menschen erreicht und mehr Sensibilität für den Baum als faszinierendes Lebewesen schafft. Man darf aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass unser Wald keine Wildnis, sondern Wirtschaftsraum ist. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass das in mir als naturliebender Mensch Begeisterung auslöst, aber gleichzeitig muss ich damit rechnen, dass der Holzbedarf in Deutschland, der nicht durch die eigene Holzwirtschaft gedeckt wird, von Ländern importiert wird, in denen weder nachhaltig noch sonstwie unter naturverträglichen Aspekten Holz eingeschlagen wird.

  • Die Diskussion um die Person Wohllebens hat mich nicht sonderlich interessiert, von daher kenne ich hierzu keine Fakten und will ihn nicht anprangern. An sich ist es ja auch uneingeschränkt gut, wenn er mit seinem Buch viele Menschen erreicht und mehr Sensibilität für den Baum als faszinierendes Lebewesen schafft. Man darf aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass unser Wald keine Wildnis, sondern Wirtschaftsraum ist. Ich kann jetzt nicht behaupten, dass das in mir als naturliebender Mensch Begeisterung auslöst, aber gleichzeitig muss ich damit rechnen, dass der Holzbedarf in Deutschland, der nicht durch die eigene Holzwirtschaft gedeckt wird, von Ländern importiert wird, in denen weder nachhaltig noch sonstwie unter naturverträglichen Aspekten Holz eingeschlagen wird.


    Diesen Aspekt finde ich sehr wichtig. Ich lebe ja in der Schweiz. Bei uns nimmt die Waldfläche (wie auch die Siedlungsfläche) zu, während die landwirtschaftliche Fläche immer weiter abnimmt. Der Wald wird aber bei uns nicht etwa "geschont", weil er eine Wildnis darstellen würde, sondern weil es schlicht billiger ist, Holz zu importieren als das eigene Holz zu nutzen. Ich würde mir wünschen, wir würden mehr vom eigenen Holz nutzen, denn unsere Waldwirtschaft ist weitaus sinnvoller als die "Kahlschlag-Methode", die man andernorts leider oft antrifft. Unsere Wälder sehen meistens "natürlich" aus, auch wenn sie es natürlich nicht im Sinne von Urwald sind. Aber es sind meist gepflegte Waldflächen - mal mehr aufgeräumt, mal etwas wilder - je nach Kanton und je nach Nutzung.

  • Unlängst wurde im SWR die Serie «Der mit dem Wald spricht – Unterwegs mit Peter Wohlleben» ausgestrahlt. Die sechs Sendungen sind nach wie vor über YouTube und auch die ARD-Mediathek abrufbar.


    Ob das jetzt eine gelungene Idee ist, mit jeweils zwei Prominenten durch verschiedene nachhaltig bewirtschaftete Wälder Deutschlands zu streifen, jedenfalls erfährt man nebenbei einiges Interessantes über die Wälder und es gehört immer eine Übernachtung im Wald mit dazu. Da lernt man Peter Wohlleben noch von einer ganz anderen Seite kennen. Die Aufnahmen der Wälder sind auch durchaus sehenswert. Vielleicht ist es ja jemandem über die Festtage mal langweilig...


    Es wird Zeit, dass ich mir sein Buch auch mal zu Gemüte führe.

  • Nachdem ich Wohllebens «Das geheime Leben der Bäume» ausgelesen hatte, habe ich mir vor einiger Zeit von Freunden ein Buch ausgeliehen, das leider vergriffen ist. Deshalb möchte ich dafür keinen neuen Faden aufmachen, sondern das Buch einfach hier für Interessierte kurz erwähnen.


    Christian Küchli, Auf den Eichen wachsen die besten Schinken. Zehn intime Baumporträts, AT Verlag, Aarau 2000


    Das Buch – der Titel verrät es bereits – stellt zehn der häufigsten respektive bedeutendsten Bäume Mitteleuropas in überschaubaren Porträts vor:

    • Die Eiche
    • Die Fichte (Weißtanne)
    • Die Buche
    • Die Lärche
    • Die Esche
    • Die Eibe
    • Die Kastanie
    • Die Föhre (Kiefer, Arve)
    • Der Ahorn
    • Die Linde

    Jeder Baum wird in seiner kulturhistorischen Bedeutung beleuchtet. Welche Eigenschaften hat jeder Baum (teilweise werden auch Unterarten behandelt)? Welches ist sein bevorzugter Standort? Wo kamen und kommen die Bäume in Europa (zum Teil weltweit) ursprünglich vor? Aus welchem Grund wurden bestimmte Bäume zu gewissen Zeiten gefördert? Was waren die Folgen? – Eine sehr interessante Lektüre, wie ich finde.


    Klappentext: Die zehn wichtigsten Nutzbäume Mitteleuropas finden hier eine umfassende Darstellung: Geschichte ihrer Nutzung, Verhältnis Mensch-Baum, Baum-Mythologie, Ansprüche an den Standort, Vorkommen, Umweltwert.


    Rückseite des Buches:



    Auf meiner Heimreise von Berlin habe ich das Kapitel über die Kiefer gelesen, was mir die lange Reisezeit etwas verkürzt und mir anschaulich gemacht hat, weshalb die Kiefer in Brandenburg derart stark verbreitet ist. Nach der Lektüre von Wohllebens «Das geheime Leben der Bäume» für mich ein sehr schönes Buch zum Schmökern und Vertiefen.


    Falls euch die Thematik interessieren sollte: In einigen Bibliotheken ist das Buch noch zu finden (hier der Link zu den Schweizer Bibliotheken). Auch antiquarisch ist es noch an einigen Orten zu haben, allerdings horrend teuer.

  • Wie kommt es denn zu dem kuriosen Titel?

    Das hat mit der Zeit zu tun, als die Eiche gefördert wurde, damit man die Schweine in den «Mastjahren» der Eiche zur Mast in den Wald treiben konnte, um reichlich Schinken anzusetzen. Der Spruch «die besten Schinken wachsen an den Eichen» scheint aber unabhängig vom Buchtitel bereits ein geflügeltes Wort gewesen zu sein. «Eicheln geben offenbar besseren Schinken als Bucheckern», das wusste man bereits vor langer Zeit.

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