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Warum werden die Seitenränder einer Brückenhängematte "gekurvt"?

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  • Warum werden die Seitenränder einer Brückenhängematte "gekurvt"?

    Ich habe heute einige Anleitungen zum Bau einer Brückenhängematte studiert. Alle Selbstnäher haben ganz selbstverständlich eine Kurve in die Längsseiten des Hängemattenkörper geschneidert. Auch die kommerziell angebotenen Brückenhängematten haben eine Kurve.

    Mir ist allerdings nicht selbstverständlich, warum diese Kurve notwendig ist?! Professor Hammock hat diesbezüglich nichts in seiner "Kurzen Geschichte der DIY-Brückenhängematte" (Teil 1, Teil 2) auf YouTube erwähnt.

    Ist es, damit man besser rein und raus kommt? Kann man dann besser die Umgebung sehen? Hat es statische Gründe?

    Andersherum gefragt: Was passiert, wenn man sich eine Brückenhängematte baut, deren Breite von Kopf bis Fuß gleich ist (quasi ein klassisches "u", einer Regenrinne verhleichbar)? Kommt man dann nicht mehr alleine aus der Matte raus ...?
    Innere Betrachtungen anzustellen ist viel interessanter als Fernsehen, und es ist eine Schande, daß nicht mehr Menschen darauf umschalten. (Robert M. Pirsig: "Zen und die Kunst ein Motorrad zu Warten")

    Über mich

  • #2
    Ich bin kein Fachmann , aber ich schätze es sind Statische Gründe.
    So wie ein Viadukt , durch seine Bögen Stabilität erreicht ,
    ist hier die Bogenlinie dazu da , eine geradere liege Fläche zu erzielen.

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    • #3
      Ist zwar nur eine Vermutung (nicht ausprobiert), aber ich gehe schwer davon aus, dass du bei einem rechteckigen Stoff durchhängen würdest wie eine Banane.

      Die Kurve sorgt dafür, dass du

      a) ziemlich flach liegen kannst.
      b) der Zug sich gleichmässig auf den Stoff verteilt.

      Wenn du in der Brücke liegst, sind die beiden seitlichen Bänder stark gespannt und du liegst quasi dazwischen. Dabei bildet der Stoff eine Rinne (Stoff muss breiter sein als die Spreizen), die nur wenig durchhängt, weil die Mitte aufgrund der geringeren Stoffbreite angehoben wird respektive Kopf- und Fussende aufgrund der grösseren Breite tiefer liegen und somit der Banane entgegenwirken.

      Je flacher du sie abspannst, desto weniger hängt die Mitte durch, desto härter fühlt sich aber auch der Stoff an, weil die Spannungen insgesamt zunehmen.

      Hilft dir das etwas weiter? - Leg dich sonst mal in eine rein und beobachte, was da alles passiert, sofern du dazu Gelegenheit hast.
      Zuletzt geändert von Waldläufer70; 09.11.2018, 19:49.
      Meine Vorstellung (für Neue und Interessierte)

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      • #4
        Schau mal in diesem Bild von Sackis Video über die Koma von Dendronaut:

        Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht

Name: resized_Koma Kurve.jpg
Ansichten: 1
Größe: 441,3 KB
ID: 51493

        Da siehst du schön, wie Aufhängung und die Seitenränder der Hängematte eine Kurve beschreiben, während der unterste Bereich der «Rinne» im unbelasteten Zustand praktisch eine Gerade beschreibt. Das ist das Resultat der Kurven in den Seitenrändern.

        Wenn man sich reinlegt, hängt man dann auch wieder etwas durch, klar; aber viel weniger als man das mit einer Brückenhängematte aus einem rechteckigen Stück Stoff würde.
        Meine Vorstellung (für Neue und Interessierte)

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        • #5
          Danke für eure Einschätzungen. Ich hatte mich gefragt, ob ich so meine nicht mehr genutzte DD Hammock Frontline recyclen könnte, aus der ich jüngst die Woopie Slings entfernt hatte. Wer die Matte kennt weiß, dass an beiden Längseiten ein Reißverschluss vernäht ist, um das Moskitonetz zu halten. Darunter verläuft ein fetter und stabil vernähter Polyesterbandrand, und meine Hoffnung war, sie durch zwei Spreizstäbe und das Annähen entsprechender Halterungen (z. B. Dutch's Ti Bridge Hammock Ends) zur Bridge umzufunktionieren zu können (die von mir gemessenen Maße sind 130 x 260 cm). Das Ding wäre dann rundum geschützt durch das angenähte Moskitonetz, da würde auch nichts rausfallen können. Praktisch.

          Spreizstäbe und passende Befestigungen sind aber schon recht kostenintensiv für so ein Experiment. Gerade, wenn man sie aus den Staaten bestellen muss. Die DIY-Befestigungen kommen ja alle aus dem 3D-Drucker. Da habe ich keinen Zugriff drauf - und alte Wanderstöcke, die sich eignen, besitzt der Berliner nicht. Naja.
          Innere Betrachtungen anzustellen ist viel interessanter als Fernsehen, und es ist eine Schande, daß nicht mehr Menschen darauf umschalten. (Robert M. Pirsig: "Zen und die Kunst ein Motorrad zu Warten")

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          • #6
            Schau Dir mal das Bild an! Wären die blauen Seile gleich lang, hinge die grün dargestellte Fahrbahn in der gleichen Kettenlinie (Katenoide) durch wie das schwarze Tragseil. Das ist natürlich nicht gewollt. Daher ist die Länge der blauen Seile so gewählt, daß die grüne Fahrbahn eine Gerade ergibt.

            Bei der Brückenhängematte entspricht (stark vereinfacht) das schwarze Tragseil der Brücke dem Gurtband an den Seiten der Hängematte. Es trägt die Belastung. Die blauen Seile (die Seiten des Hängemattenstoffes) und die grüne Fahrbahn (die Liegefläche des Hängemattenstoffes) hängen bloß dran, übertragen die Last an das Tragseil.
            Aus dem gleichen Grund, warum die blauen Seile unterschiedlich lang sind, ist auch der Hängemattenstoff kurvig geschnitten.
            Anleitung: Wie binde ich Bilder in einen Beitrag ein? || Erweiterte Suche

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            • Furbrain
              Furbrain kommentierte
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              Danke, dass ist jetzt tatsächlich anschaulich genug für mich, um das Basis-Verfahren zu verstehen.

          • #7
            Wenn du die Hängebrücke nun noch aufklappst, die Kurve etwas abschwächst und etwas Breite für die «Liegefläche» (ehemals «Fahrbahn») einfügst, dann kommst du dem Schnittmuster für eine Brückenhängematte schon sehr nahe:

            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Hängebrücke_Schema.jpg Ansichten: 1 Größe: 56,8 KB ID: 51507

            Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: Brückenhängematte Schema.jpg Ansichten: 1 Größe: 35,1 KB ID: 51510

            Das Dilemma, das sich bei einer Brückenhängematte stellt, ist das folgende:

            Je tiefer die «Rinne» vom Kopf- zum Fussende ist (bedingt natürlich eine tiefere Kurve in den Seiten), desto flacher kannst du liegen. Darunter leidet aber die Aussicht. Zudem nimmt dabei der Druck auf die Schultern zu.

            Deshalb verwenden diverse Hersteller (beispielsweise Dendronaut bei seiner »Koma» und Warbonnet bei der «Ridgerunner») ein breiteres Kopfende. Der Stoff hängt im Kopfbereich weniger stark durch, die Spreize ist dort im Verhältnis zur Stoffbreite breiter respektive der Stoff im Verhältnis zur Spreize schmaler und die «Rinne» ist dort somit weniger tief. Tatsächlich reduziert das den Druck auf die Schultern und auch die Aussicht wird besser. Dafür besteht die Gefahr, dass man im oberen Rücken- und Nackenbereich eventuell etwas durchhängt (kann ich bei meiner Brücken-Hängematte beobachten, insbesondere, wenn ich das Fussende zu hoch hänge), wenn man die seitliche Kurve nicht entsprechend anpasst. Auch wird hier der Druck auf den Spreizstab höher, weshalb man am Kopfende dann meistens eine kräftigere Spreize verwenden muss.

            Bei sehr tiefer Kurve in den Seiten und relativ kurzer Spreize wäre der Brückeneffekt am optimalsten (tiefe «Rinne»). Allerdings geschieht das um den Preis starker seitlicher Einengung.

            Bei immer flacherer Kurve in den Seiten und einer Spreize, die (nahezu) gleich lang ist wie der Stoff breit, würdest du schliesslich bei der klassischen Hängematte mit Spreize landen (siehe Forumsbild ganz links oben). Hier hast du kaum seitlichen Druck (da keine «Rinne» mehr vorhanden), aber die Hängematte hängt von Spreize zu Spreize auf der gesamten Länge voll durch. Das könnte dann auch eine tiefere seitliche Kurve nicht verhindern.
            Zuletzt geändert von Waldläufer70; 11.11.2018, 15:26. Grund: Diverse Ergänzungen
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            • #8
              Vielleicht dient auch dieser Beitrag zur Veranschaulichung, wie eine Brückenhängematte «funktioniert» (ich hatte da mal ein Experiment mit einer «Maus» gemacht). Es geht da zwar weniger um die seitlichen Kurven, sondern eher ums Aufhänge-Dreieck. Es geht also eher um eine Ergänzung zu deiner Frage, Furbrain, als um eine Vertiefung.
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