Hängemattenarten

Von der Bauart kann man 4 Typen unterscheiden:


1. Die klassische Tuch- oder Reisehängematte



Die gewöhnliche Hängematte besteht aus einen rechteckigen Stück Stoff, das an den Längsseiten zusammengerafft (daher die englische Bezeichnung "gathered end") wird. Durch diese einfache Bauart ist sie preiswert und kann auch für ungeübte Näher recht einfach selbst hergestellt werden. Der Abstand der Aufhängepunkte (Bäume, Pfosten u.ä.) zueinander sollte etwa 3-6 Meter betragen. Ob ein festerer oder ein etwas dehnbarerer Stoff gewählt wird, ist eine Frage der persönlichen Vorliebe. Um in einer Reisehängematte halbwegs gerade liegen zu können (also nicht bananenförmig durchgebogen), muß man sich diagonal hineinlegen. Das ist für Anfänger erst einmal ungewohnt und manch einer bevorzugt eine Spreizstabhängematte, in der man (zumindest scheinbar) in Längslage wie im Bett liegen kann. Das Schlafen auf der Seite ist bedingt möglich, auf dem Bauch zu liegen aber doch recht schwierig.

Durch das Diagonalliegen benötigt man mehr Breite, als man von den üblichen 80-100 cm breiten Matratzen gewöhnt ist. Brasilianische Hängematten haben durchaus Breiten von 2 m und mehr um ein ausgeprägtes Diagonalliegen zu ermöglichen. Eine oft empfohlene Breite liegt bei rund 170 cm. Leider werden die meisten Stoffbahnen in einer Breite von nur 150 cm hergestellt. Daher haben viele europäische Hängematten eine Breite von etwa 140 cm, was sehr knapp ist und ein richtiges Diagonalliegen eigentlich nur für Kinder ermöglicht.

Die richtige Länge ist ein oft diskutiertes Thema. In Europa werden meist 270 cm kurze Hängematten angeboten, während sich in den USA ein Standard von 10 - 11 Fuß (305 - 335 cm) etabliert hat. Brasilianische Hängematten können durchaus auch 4 m lang sein.

Dem Vorteil der großen Hängematten (ausgeprägteres Diagonalliegen, weniger Eingeengtsein im Schulterbereich) stehen aber auch Nachteile gegenüber. Das Gewicht der Hängematte steigt und es wird ein größerer (und damit schwererer) Regenschutz benötigt. Das Tarp (die Regenplane) kann wie ein Satteldach aufgespannt werden und gibt maximalen Regenschutz.

Als Aufhängewinkel (Winkel des Aufhängeseils bzw. -gurtbandes zur Waagerechten) werden meist 30 Grad empfohlen, wobei kurze Hängematten etwas straffer und brasilianische Hängematten auch sehr viel schlaffer (durchaus 45 Grad) aufgehängt werden. Man sollte beachten, daß die Belastung des Materials und auch der Bäume/Pfeiler steigt, je straffer die Hängematte aufgespannt wird. Als Isolation gegen die Kälte von unten werden Underquilts verwendet. Isomatten sind eher als Notbehelf zu betrachten, da sie durch die diagonale Lage sehr leicht verrutschen.


2. Die Brückenhängematte



Die Brückenhängematte hat auch Spreizstäbe, ist aber bei weitem weniger kippelig als die Spreizstabhängematte, da hier der Körperschwerpunkt unterhalb der Spreizstäbe liegt. Die Konstruktion ähnelt der von Hängebrücken, deren Tragwerk kettenlinienförmig durchhängt, während die angehängte Fahrbahn eben bleibt. Wegen der aufwendigen Konstruktion ist dieser Typ zum Selbstbauen wenig geeignet. Sie sind im Handel schwerer zu bekommen als Reisehängematten und auch wesentlich teurer. Der große Vorteil der Brückenhängematte ist, daß man darin wie im Bett liegen kann (längs, nicht diagonal). Sie hält gewissermaßen das, was die Spreizstabhängematte verspricht. Man kann auf dem Rücken, der Seite und mit Einschränkungen auch auf dem Bauch liegen. Der Einsatz einer Isomatte ist problemlos möglich. Das hat den Vorteil, daß die Brückenhängematte in baumlosen Gegenden einfach auf den Boden gelegt und das Moskitonetz in der Art eines Innenzeltes genutzt werden kann.

Ein Problem der Brückenhängematte sind die Spreizstäbe. Sie sind sehr stark auf Druck belastet und können leicht brechen, wenn sie auf Biegung beansprucht werden. Zur Korrektur der Liegeposition darf man daher auf gar keinen Fall am Spreizstab ziehen!

Wenn das Tarp als Satteldach aufgespannt ist, kann auch das Anstoßen der Spreizstäbe an der Innenseite des Tarps zum Problem werden.

Der optimale Aufhängewinkel für Brückenhängematten wird meist mit etwa 20 Grad angegeben. Um das Kippeln und die Belastung auf die Querstreben zu minimieren, benötigen die Brückenhängematten eine längere Aufhängung. Der Baumabstand sollte etwa 5-7 Meter betragen.


3. Die Querlieger-Hängematte



Die jüngste Entwicklung, die Querlieger- oder 90°-Hängematte ist eine Sonderkonstruktion, bei der man rechtwinklig zur Aufhängung liegt. Da sie wie die Brückenhängematte aufwändig konstruiert ist und es nur wenige Anbieter gibt, ist sie teuer und für den Anfänger eher nicht zum Selberbauen geeignet. Hier ist eine Isomatte zum Erhalten der Stabilität des Systems erforderlich. Das Ein- und Aussteigen über die kurze Seite und auch das Schaukeln in Längsrichtung sind etwas gewöhnungsbedürftig. Ihre großen Vorteile sind das äußerst geringe Gewicht, das flache Liegen (Rücken-, Seiten und auch Bauchlage) und der geringe benötigte Baumabstand (2-3 Meter). Der Regenschutz ist problematischer herzustellen als bei den anderen Hängemattentypen, da die seitlichen Abspannschnüre im Wege sind.


4. Die Spreizstabhängematte




Die Spreizstabhängematte besteht aus einem rechteckigen Stück Stoff oder Netz, dessen Längsenden nicht zusammengerafft, sondern durch die Spreizen auseinandergehalten werden. Das soll ein Längsliegen wie im Bett ermöglichen, was aber nur teilweise gelingt. Ein großer Nachteil ist das Kippeln der straff aufgespannten Hängematte. Der Abstand der Befestigungspunkte liegt meist um die 3-4 m. Dieser Hängemattentyp ist für das Mittagsschläfchen auf der Veranda recht verbreitet, eine ganze Nacht darin zu verbringen dürfte schwierig werden, da man doch bananenförmig durchhängt. Isolation von unten spielt an heißen Tagen während der Mittagszeit keine Rolle, bei kühleren Temperaturen wird eine Spreizstabhängematte kaum verwendet. Bei Wanderern spielt dieser Typ keine Rolle, so daß auch die Fragen des Regenschutzes überflüssig ist.



Neben den vorgestellten gibt es noch eine Reihe weiterer Bauformen, die aber praktisch keine Rolle spielen. Was man sonst noch braucht, um in einer Hängematte draußen die Nächte zu verbringen, erfährst du in unserer "Einführung in das Hängemattencamping" und unserer Hängematten-FAQ. Allgemeines über die Geschichte und Kultur der Hängematte findest du hier.