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Hängematte am Apfelbaum - Eine Frage zur Baumstabilität und -auswahl

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  • Hängematte am Apfelbaum - Eine Frage zur Baumstabilität und -auswahl

    Hallo Forum,

    ich war just im Urlaub und wollte im Garten des angemieteten Hauses meine Hängematte aufhängen. Allerdings waren die Gelegenheiten dafür recht rar, so dass ich am Ende nur die Möglichkeit sah die HM mit dem Baumbändern auf der einen Seite am Balkonpfeiler und auf der anderen Seite an dem einzigen sinnvoll erreichbaren Baum zu befestigen - einem Apfelbaum.

    Baumdurchmesser war okay, aber (zumindest) dieser Apfelbaum spross eher nicht senkrecht in den Himmel, sondern der ursprüngliche Stamm teilte sich bereits ca. 50 cm vom Boden in zwei Teilstämme, die wiederum eher krumm und schief gen Himmel sich windeten. Ich bin nicht Isaac Newton und in Physik war ich eher 'ne Null, daher habe ich eher intuitiv beobachtet und ausprobiert, wie es sich wohl am besten hängt ...

    Hier meine Fragen zum Aufhängen, die ich gerne von Kundigen beantwortet oder diskutiert hätte:

    1. Frage: Die tragenden Äste bogen sich teilweise sehr, so dass sie phasenweise eher waagerecht wuchsen um dann am Ende kleinere Äste und Blattwerk auszutreiben. Ich hatte mich dafür entschieden, meinen Baumgurt um ein möglichst senkrecht gewachsenes Baumsegment zu wickeln, da ich das Gefühl hatte, dass sich dann die entstehenden Kräfte beim Reinlegen in die Hängematte besser in Richtung Stamm gen Boden verteilen und abgeleitet würden.

    Andersrum gesprochen: Auch wenn ich an einem eher waagerecht gewachsenen Baumsegment an Befestigungshöhe gewonnen hätte, befürchtete ich, dass mir dann bei der Gewichtsbelastung der Ast eher abbrechen könnte, da dann die Whoopie-Schlinge am waagerechten Ast von "schräg-unten" daran gezogen hätte. Macht es bei der Ableitung der physikalischen Kräfte tatsächlich einen Unterschied, ob man seine Hängematte an ein senkrechtes oder ein eher waagerecht gewachsenes Teilstück eines Baumes hängt?

    2. Frage: Als meine HM endgültig hing und ich auch Vertrauen in die Stabilität meines Aufbau hatte, bemerkte ich dennoch als ich drinnen lag, dass die HM phasenweise ein wenig schaukelte, obwohl ich mich selber gar nicht aktiv bewegt hatte. Letztlich waren es der Wind, der sich immer wieder einmal mit einer Böe im Blattwerk verfing, so dass der Baum sich dem Winddruck beugte, indem er geschmeidig und flexibel mitging. Macht ja auch Sinn für den Baum, um nicht gleich abzubrechen. Allerdings habe ich das bei keinem anderen Baum, den ich bisher zum Aufhängen genutzt habe, so intensiv gespürt. Kann es sein, dass Obstbäume wie z.B. der Apfelbaum im Holzaufbau "weicher" sind als andere Bäume (z.B. Kiefern oder Birken)?

    Hat das irgendwelche Konsequenzen darauf, welche Baumarten sich zum Aufhängen einer HM eher eignen als andere, weil sie stabiler sind? Gibt es Bäume, die man besser nicht mit einer HM belasten sollte, da das Holz bei stärkerer Belastung und bei höheren Windstärken schneller Gefahr läuft zu brechen?

    Anbei noch drei Bilder zum besseren Verständnis.

    Dank und Gruß, Furbrain
    Zuletzt geändert von Furbrain; 03.09.2017, 15:28.
    Innere Betrachtungen anzustellen ist viel interessanter als Fernsehen, und es ist eine Schande, daß nicht mehr Menschen darauf umschalten. (Robert M. Pirsig: "Zen und die Kunst ein Motorrad zu Warten")

  • #2
    Zu Frage 2 kann ich nichts sagen...

    Zu Frage 1 habe ich folgende Gedanken:
    • Grundsätzlich sollte die Aufhängung in möglichst kleinem Winkel vom Baum nach unten gehen. Du hast also grundsätzlich richtig entschieden, wenn du möglichst senkrecht stehende Äste ausgewählt hast.
    • Allenfalls wäre es - aus dem genannten Grund - sogar besser gewesen, den nach hinten laufenden Ast in Bild 3 zum Aufhängen zu verwenden. Dann hättest du einen noch kleineren Winkel gehabt, die Kraft also noch besser "in Richtung Stamm gen Boden verteilt und abgeleitet". Allerdings kann es sein, dass dieser Ast entgegen der Schwerkraft belastet weniger stabil ist, da er ja von seiner Wachstumsstruktur für die Belastung nach hinten (Schwerkraft) opimiert ist. Anders gefragt: Wie geht man beim Hängen mit Bäumen und Ästen um, die wir genau in die andere Richtung belasten wie die Schwerkraft? Sind dafür Bäume, die Zugholz (Laubbäume) bilden, oder doch eher solche, die Druckholz (Nadelbäume) bilden, um schiefes Wachstum auszugleichen, zu bevorzugen? Ich weiss es nicht. Dieser Aspekt geht dann sicher auch stark in die Frage 2 hinein.
    • Wenn du die Baumgurte nicht weit vom Stamm entfernt an einem Ast anbringst, so spielt der Winkel des Astes nicht so eine grosse Rolle. Wichtiger scheint mir dann der Winkel zur gedachten Linie von der Baumwurzel zum Befestigungspunkt der Hängematte.
    Klicke auf die Grafik für eine vergrößerte Ansicht  Name: resized_Baum.jpg Ansichten: 1 Größe: 413,6 KB ID: 36817

    Im Schaubild hat die orange Aufhängung den spitzesten Winkel, wäre also vom bisher Gesagten her besser geeignet als die blaue Möglichkeit oder sogar als die rote Möglichkeit. Jetzt fehlen allerdings noch zwei Aspekte:
    • Die orange Aufhängung setzt am Baum weit oben an. Dadurch hat die ansetzende Kraft einen grossen Hebel. Das ist nicht ideal. (Das kann zu spürbaren Schwankungen führen.) Der Baum und insbesondere die Baumwurzel wird stärker belastet, je weiter oben die Kraft ansetzt, je grösser der Hebel ist.
    • Die blaue Aufhängung - mal abgesehen vom vergleichsweise grossen Winkel - ist eher weniger geeignet, weil der Ast vergleichsweise dünn ist. Da hilft es auch nicht viel, dass der Ast stark nach oben geht. Im Gegenteil. Der Winkel der Aufhängung zum Ast selber ist hier nämlich grösser als beim fast waagerecht stehenden Ast mit der orangen Aufhängung. Zudem ist der blaue Ast auch relativ dünn.
    Im Bild am stabilsten wäre wohl die rote Aufhängung, gefolgt von der orangen Aufhängung (nicht so praktisch, da weit oben) und schliesslich der blauen, bei der ich dem Ast nur bedingt trauen würde.

    Zusammengefasst sollte ein idealer Aufhängepunkt die folgenden Eigenschaften haben:
    • Ausreichend dicke Stämme und Äste: 15cm und mehr. (Sie halten einfach mehr aus.)
    • Möglichst kleiner Winkel zum Befestigungspunkt - insbesondere, wenn es sich um einen (eher dünnen) Ast handelt. (90°-Winkel wären am schlimmsten.)
    • Möglichst weit unten am Baum. (So ist der Hebel insgesamt am kleinsten. Bei einem ordentlich dicken Baum spielt dieser Punkt keine wirklich grosse Rolle: Man möchte ja ohnehin nicht unbedingt auf den Baum klettern.)
    Sorry, ich bin anscheinend gerade nicht in der Lage, das "Problem" so richtig systematisch anzugehen. Aber ich denke, die Richtung wird klar.
    Zuletzt geändert von Waldläufer70; 03.09.2017, 16:30.
    Meine Vorstellung (für Neue und Interessierte)

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    • #3
      Das Thema ist zu komplex um da einfach was berechnen zu können. Da hilft wohl nur vorsichtig belasten und aufmerksam beobachten, was passiert.
      Zusätzlich zur bereits von Waldläufer erläuterten physikalischen Seite müßte man noch die biologische Seite betrachten. Wie belastbar ist die Holzart in Faserrichtung und quer dazu?
      Die einzelnen Holzfasern können unterschiedlich stabil sein und verschieden stark miteinander "verklebt" sein. Manche Holzarten splittern schneller als andere. Dann spielt die Feuchte des Holzes eine Rolle. Ich könnte mir vorstellen, je feuchter, desto biegsamer. Altes Holz verliert an Stabilität, jüngere Äste sollten also widerstandsfähiger sein.
      Wie tief ist der Ast im Stamm verankert, also wo beginnt er? Ist der Ast gleichmäßig aus dem Stamm herausgekommen oder gibt es Fehlstellen, die die Belastbarkeit verringern. Ist der Baum (möglicherweise von außen nicht sichtbar) von Schädlingen befallen? Sind die Jahresringe gleichmäßig gewachsen oder hatte der Baum in seiner Geschichte mit Hunger und Krankheiten zu kämpfen?

      Im Zweifelsfall, vor allem bei fremden Bäumen, lieber mal auf das Hängen verzichten. Astbruch = Aua!

      (Ich meine natürlich das Abspannen an diesem Baum. Wer sich ein Haus anmieten kann, kann auch ein Hängemattengestell mitbringen/basteln. )
      Anleitung: Wie binde ich Bilder in einen Beitrag ein? || Erweiterte Suche

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      • #4
        Ich sehe, da bleibt es wohl am besten beim aufmerksamen Beobachten bei den ganzen Variablen, die man bei so einer Fragestellung berücksichten könnte. Nicht ganz so einfach, wie den Brennwert unterschiedlicher Hölzer zu bestimmen. In der Tat wollte ich vermeiden meinem Vermieter erklären zu müssen, warum sein Baum nur noch die Hälfte von ehemals darstellt Einige der "biologischen" Faktoren hatte ich auch in Erwägung gezogen (Alter des Baums, Schädlinge ...), allerdings nur durch äußere Beobachtungen. Auf jeden Fall hat es die Woche über gehalten. Wobei man natürlich besser entspannen kann, wenn man nicht immer wieder ein Auge auf die Aufhängung werfen muss, aufgrund der eigenen Paranoia.

        Da wir mit den Rädern unterwegs waren, hatte ich leider nicht die Möglichkeit sperrige Latten für ein Hängemattengestell mitzuführen. Ich denke, ich werde es dabei belassen vor Ort abzuwägen und es ggf. einfach doch sein zu lassen.
        Innere Betrachtungen anzustellen ist viel interessanter als Fernsehen, und es ist eine Schande, daß nicht mehr Menschen darauf umschalten. (Robert M. Pirsig: "Zen und die Kunst ein Motorrad zu Warten")

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