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Gibt es die ideale Hängematte?

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  • Gibt es die ideale Hängematte?

    Für den Anfänger ist es enorm schwierig, die "perfekte" Hängematte zu finden. Es ist sehr schwierig, sich in der Vielzahl von Bauarten, Stoffen und Größen zurechtzufinden. Dazu kommen individuelle Vorlieben und Ansprüche. Will man nur mal eben ein Mittagsschläfchen im Garten halten oder auf einer Langstreckenwanderung jede Nacht in der Hängematte verbringen? Ist man ein technisch begabter, aber bettelarmer Student oder ist man mit zwei linken Händen und einem dicken Bankkonto gesegnet?
    Die folgende Diskussion soll einen groben Überblick der Vor- und Nachteile der einzelnen Hängemattenarten, Stoffe, Größen etc. zeigen.

    Von der Bauart kann man 4 Typen unterscheiden:

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ID: 32744

    1. Die gewöhnliche Reisehängematte besteht aus einen rechteckigen Stück Stoff, das an den Längsseiten zusammengerafft (daher die englische Bezeichnung "gathered end") wird. Durch diese einfache Bauart ist sie preiswert und kann auch für ungeübte Näher recht einfach selbst hergestellt werden. Der Abstand der Aufhängepunkte (Bäume, Pfosten u.ä.) zueinander sollte etwa 3-6 Meter betragen. Ob ein festerer oder ein etwas dehnbarerer Stoff gewählt wird, ist eine Frage der persönlichen Vorliebe. Um in einer Reisehängematte halbwegs gerade liegen zu können (also nicht bananenförmig durchgebogen), muß man sich diagonal hineinlegen. Das ist für Anfänger erst einmal ungewohnt und manch einer bevorzugt eine Spreizstabhängematte, in der man (zumindest scheinbar) in Längslage wie im Bett liegen kann. Das Schlafen auf der Seite ist bedingt möglich, auf dem Bauch zu liegen aber doch recht schwierig.
    Durch das Diagonalliegen benötigt man mehr Breite, als man von den üblichen 80-100 cm breiten Matratzen gewöhnt ist. Viele europäische Hängemattenhersteller verwenden eine Breite von 140 cm, was sehr knapp ist und ein richtiges Diagonalliegen nur für Kinder ermöglicht. Brasilianische Hängematten haben durchaus Breiten von 2 m und mehr um ein ausgeprägtes Diagonalliegen zu ermöglichen. Eine oft empfohlene Breite liegt bei rund 170 cm. Leider werden die meisten Stoffbahnen in einer Breite von nur 150 cm hergestellt.
    Die richtige Länge ist ein oft diskutiertes Thema. In Europa werden meist 270 cm kurze Hängematten angeboten, während sich in den USA ein Standard von 10-11 Fuß (rund 300 bis 330 cm) etabliert hat. Brasilianische Hängematten können durchaus auch 4 m lang sein.
    Dem Vorteil der großen Hängematten (ausgeprägteres Diagonalliegen, weniger Eingeengtsein im Schulterbereich) stehen aber auch Nachteile gegenüber. Das Gewicht der Hängematte steigt und es wird ein größerer (und damit schwererer) Regenschutz benötigt. Das Tarp (die Regenplane) kann wie ein Satteldach aufgespannt werden und gibt maximalen Regenschutz.
    Als Aufhängewinkel (Winkel des Aufhängeseils bzw. -gurtbandes zur Waagerechten) werden meist 30 Grad empfohlen, wobei kurze Hängematten etwas straffer und brasilianische Hängematten auch sehr viel schlaffer (durchaus 45 Grad) aufgehängt werden. Man sollte beachten, daß die Belastung des Materials und auch der Bäume/Pfeiler steigt, je straffer die Hängematte aufgespannt wird. Als Isolation gegen die Kälte von unten werden Underquilts verwendet. Isomatten sind eher als Notbehelf zu betrachten, da sie durch die diagonale Lage sehr leicht verrutschen.

    2. Die Spreizstabhängematte besteht aus einem rechteckigen Stück Stoff, dessen Längsenden nicht zusammengerafft wird, sondern durch die Spreizen auseinandergehalten wird. Das soll ein Längsliegen wie im Bett ermöglichen, was aber nur teilweise gelingt. Ein großer Nachteil ist das Kippeln der straff aufgespannten Hängematte. Dieser Hängemattentyp ist für das Mittagsschläfchen auf der Veranda recht verbreitet, eine ganze Nacht darin zu verbringen dürfte schwierig werden. Isolation von unten spielt an heißen Tagen während der Mittagszeit keine Rolle, bei kühleren Temperaturen wird eine Spreizstabhängematte kaum verwendet. Bei Wanderern spielt dieser Typ keine Rolle, so daß auch die Fragen des Regenschutzes überflüssig ist.

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ID: 32742

    3. Die Brückenhängematte hat auch Spreizstäbe, ist aber bei weitem weniger kippelig, da der Körperschwerpunkt unterhalb der Spreizstäbe liegt. Die Konstruktion ähnelt der von Hängebrücken, deren Tragwerk kettenlinienförmig durchhängt, während die angehängte Fahrbahn eben bleibt. Wegen der aufwendigen Konstruktion ist dieser Typ zum Selbstbauen wenig geeignet. Sie sind im Handel schwerer zu bekommen als Reisehängematten und auch wesentlich teurer. Der große Vorteil der Brückenhängematte ist, daß man darin wie im Bett liegen kann (längs, nicht diagonal). Sie hält gewissermaßen das, was die Spreizstabhängematte verspricht. Man kann auf dem Rücken, der Seite und mit Einschränkungen auch auf dem Bauch liegen. Der Einsatz einer Isomatte ist problemlos möglich. Das ermöglicht es, die Brückenhängematte in baumlosen Gegenden einfach auf den Boden zu legen. Wenn das Tarp als Satteldach aufgespannt ist, kann das Anstoßen der Spreizstäbe zum Problem werden.
    Der optimale Aufhängewinkel wird meist mit etwa 20 Grad angegeben. Um das Kippeln und die Belastung auf die Querstreben zu minimieren, benötigen die Brückenhängematten eine längere Aufhängung. Der Baumabstand sollte etwa 5-7 Meter betragen.

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ID: 32743

    4. Die 90°-Hängematte ist eine Sonderkonstruktion, bei der man rechtwinklig zur Aufhängung liegt. Da sie wie die Brückenhängematte aufwändig konstruiert ist und es nur wenige Anbieter gibt, ist sie teuer und für den Anfänger eher nicht zum Selberbauen geeignet. Hier ist die Isomatte zum Erhalten der Stabilität des Systems erforderlich. Das Ein- und Aussteigen über die kurze Seite ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ihre großen Vorteile sind das flache Liegen (Rücken-, Seiten und auch Bauchlage) und der geringe benötigte Baumabstand (2-3 Meter). Der Regenschutz ist wesentlich problematischer herzustellen als bei den anderen Hängemattentypen, da die seitlichen Abspannschnüre im Wege sind.

    So, und nun bitte korrigieren, ergänzen und verbessern!
    Zuletzt geändert von Mittagsfrost; 04.06.2017, 13:59. Grund: Fotos von TreeGirl (GE), MartinK (Brückenhängematte) und Konradsky (90°) eingefügt
    Anleitung: Wie binde ich Bilder in einen Beitrag ein? || Erweiterte Suche

  • #2
    Ich würde einem Anfänger immer erst mal zu einem relativ einfachen, aber ausbaufähigem Set raten. So kann er erst mal ausgiebig testen, ob Hängemattencamping überhaupt das richtige für ihn ist. Zum Beispiel eine nicht zu kleine Gathered End (Typ 1) Hängematte. Als Tarp ist u.U eine billige Baumarktplane für die ersten Versuche vollkommend ausreichend. Als Quilt geht fürs erste auch ein evtl. vorhandener Schlafsack, der nur bis zu den Knien geschlossen wird. Bei einer doppellagigen HM kann eine einfache Isomatte eingeschoben werden, oder man kann sich recht preiswert ein Underquilt basteln (PLUQ). So bleiben evtl. Fehlinvestionen gering und das System kann nach und nach ausgebaut, verbessert und ergänzt werden werden.
    Ansonsten ist es natürlich vorteilhaft, möglichst unterschiedliche Hängemattentypen auszuprobieren, was aber eigentlich nur auf den Hängetreffen möglich ist.

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